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PETBOOK-Interview

Eine Katze, ein Aha-Moment, eine Marke – die Geschichte hinter Strayz

Madeline und Saskia mit Streunerkatze und Hund
Seit der Gründung ihrer Tierfuttermarke Strayz Petfood GmbH haben Madeline Metzsch und Saskia te Kaat nicht nur eins der unterstützten Tierheime auch selbst besucht Foto: Julia Herold / STRAYZ Petfood GmbH
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

14. November 2025, 16:46 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten

Was als Urlaubserlebnis auf den Seychellen begann, wurde zur Geburtsstunde einer Marke: Als Madeline einer hochschwangeren Straßenkatze begegnete, wurde ihr das Leid herrenloser Tiere schlagartig bewusst. Zurück in Deutschland erzählte sie ihren Freundinnen davon – und gemeinsam beschlossen sie, aktiv zu werden. Aus dieser Begegnung entstand Strayz: eine Social-Pet-Food-Brand, die hochwertiges Biofutter verkauft und damit Streunertieren auf der ganzen Welt hilft. Im Interview mit PETBOOK erzählen die Gründerinnen Madeline Metzsch und Saskia te Kaat, wie aus Mitgefühl ein Unternehmen wurde, warum sie beim Thema Fleisch keine Kompromisse eingehen – und wie sie den Spagat zwischen Tierschutz, Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Handeln meistern.

Die Idee hinter Strayz und ihrem Engagement für Streunertiere

PETBOOK: Fangen wir einfach mal an mit der Gründung und der Motivation für euch, diese Marke zu starten. Wie ist es dazu gekommen und wie ist die Idee zu Strayz überhaupt entstanden?
Madeline: „2019 war ich auf den Seychellen, in einem kleinen, gemütlichen Gästehaus. Gleich am ersten Tag sah ich Mushki – eine kleine, kugelrunde Katze.

Die Betreiber wollten, dass sie verschwindet, weil sich manche Gäste angeblich an ihr störten. Für sie war das Grund genug, die Katze nicht auf dem Gelände zu behalten. Ich sagte: ‚Euch ist schon klar, dass sie hochschwanger ist und bald noch mehr Katzen kommen werden?‘ – ‚Nö, nö, die ist nur fett‘, meinten sie. Doch tatsächlich war Mushki trächtig. Ich habe sofort recherchiert, ob es vor Ort Tierschutzvereine gibt, die sich um sie kümmern könnten.

Auch die Traumstrände – wie aus der Werbung – waren voller Straßenhunde. Da wurde mir klar: Hier gibt es nicht nur ein Problem mit streunenden Katzen, sondern auch mit Hunden. In diesem Urlaub ist mir das Leid dieser Tiere zum ersten Mal wirklich bewusst geworden. Ich hatte sie bisher einfach fotografiert, weil ich sie süß fand. Währenddessen bekam ich von zu Hause gefühlt jede Stunde ein Foto von meiner Katze – meine Mama passte auf ihr ‚Enkelkind‘ auf und verwöhnte sie nach Strich und Faden.

Das tat weh: Zuhause ein geliebtes Tier in Sicherheit, während weltweit rund 680 Millionen Streuner ums Überleben kämpfen. Allein in Deutschland leben schätzungsweise zwei Millionen Straßenkatzen – man sieht sie in Berlin kaum, aber auf dem Land, bei Bauernhöfen oder Industrieanlagen, ist es ein großes Problem, weil dort oft nicht kastriert wird.“

„Also wurde das ‚Souvenir‘ stattdessen eine Idee“

„Je tiefer ich in das Thema einstieg, desto klarer wurde mir: Hier muss etwas passieren. Natürlich hätte ich Mushki am liebsten als Souvenir mitgenommen – aber eine schwangere Katze in die EU einzuführen, ist schwierig. Also wurde das ‚Souvenir‘ stattdessen eine Idee.

Zurück in Deutschland erzählte ich meinen ehemaligen Kolleginnen Sassi und Stefi davon – und wir beschlossen: Wir müssen etwas tun. Stück für Stück entstand so die Idee zu Strayz. Zuerst war da einfach dieser Wunsch, zu helfen. Dann überlegten wir, wie wir das umsetzen könnten – und kamen auf das ‚Buy one, give one‘-Prinzip.

Ich füttere meine Katze mit hochwertigem Futter – warum also nicht eines, das nicht nur gut aussieht und gesund ist, sondern gleichzeitig auch Streunern hilft? Als wir vor fünf Jahren anfingen, war Tierfutter im Regal meist noch ziemlich schnarchig.

So wurde Strayz zu einer Social-Pet-Food-Brand, die gutes Futter anbietet, Aufklärung betreibt, Transparenz schafft – und das Ganze in einem modernen, ansprechenden Format. Eine Marke, die nicht nur Tierliebhaber erreicht, sondern Menschen inspiriert, sich für Streuner zu engagieren.“

Saskia: „Und daraus ist so diese Triangel von Strayz geworden, einfach aus diesen drei Punkten bestehend.“

„Wir sind keine NGO – wir müssen wirtschaften“

PETBOOK: Was war für euch der größte Antrieb? Wir haben ja schon über die Tierliebe gesprochen – aber ihr setzt ja auch auf Bioqualität und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig seid ihr natürlich ein Unternehmen. Was hält sich da die Waage?
Madeline: „Ich glaube, das eine geht ohne das andere gar nicht. Wir sind keine NGO – wir müssen wirtschaften, um überhaupt Spenden ermöglichen zu können. Deshalb muss bei uns immer alles zusammengedacht werden.

Das Thema Fleisch war für uns von Anfang an ein großes Thema – und ehrlich gesagt auch ein schwieriges. Eigentlich lebt das gesamte Team vegetarisch, viele sogar vegan. Eine Fleischmarke zu gründen, war deshalb eine echte Überwindung für uns.

Gerade deshalb war uns klar: Wenn wir das machen, dann nur in Bioqualität. Da wissen wir, dass die Haltungsbedingungen zumindest besser sind. Außerdem kennen wir die Herkunft unserer Rohstoffe genau, weil wir mit einem großartigen Lieferanten aus Süddeutschland zusammenarbeiten. Er bezieht auch für Österreich regionales Fleisch und hat enge Beziehungen zu den Landwirten vor Ort.

Wir haben wirklich lange und intensiv recherchiert, um diese Partner zu finden – und um sagen zu können: Ja, wir gründen jetzt eine Marke, die Fleischprodukte herstellt, aber mit einem guten Gefühl dabei.“

Warum für Strayz-Futter keine Tiere extra geschlachtet werden

Saskia: „Genau. Uns war immer wichtig, dass für unser Futter keine Tiere extra geschlachtet werden. Ich finde, das ist eine fast schon verwerfliche Praxis, wenn Marken mit ‚Lebensmittelqualität‘ werben. Zum einen ist das eigentlich gar nicht erlaubt – man darf diesen Begriff nicht verwenden, weil Tiernahrung in speziellen Anlagen hergestellt werden muss, in denen keine Lebensmittel verarbeitet werden.

Und unabhängig davon: Wir leben in Zeiten, in denen viele Menschen jeden Cent zweimal umdrehen müssen, um selbst satt zu werden. Da können wir es nicht verantworten, Tiere zu schlachten, nur um andere Tiere zu füttern.

In der Fleischindustrie bleibt ohnehin sehr viel gutes Material übrig. Es gibt zahlreiche hochwertige Reste, die sonst einfach verfallen würden. Ein Beispiel: Bei der Puten-Schlachtung wird meist nur die Brust verwendet – das sind etwa 50 Prozent des Tieres. Der Rest landet oft auf dem Abfallhaufen. Dabei kann man viele dieser Teile wunderbar verwerten: etwa die Schlegel oder Fleischreste am Skelett. Man weiß genau, was man verwendet. Auch Organe wie Herz und Leber haben einen hohen Nährstoffwert und sind deshalb wertvolle Bestandteile für Tierfutter.

All die Sorgfalt hat auch ihren Preis

Ganz anders sieht es bei herkömmlichem Supermarkt-Futter aus: Wenn dort ‚Tiermehl‘ oder ‚tierische Nebenerzeugnisse‘ auf der Packung steht, weiß man meist gar nicht, von welchem Tier das stammt oder was genau enthalten ist. Das macht es schwierig, bei Unverträglichkeiten herauszufinden, worauf ein Tier überhaupt reagiert.

Ihr merkt schon – das Thema ist unglaublich komplex. Wir spenden regelmäßig, wir achten auf hohe Qualität, und durch die Bio-Zertifizierung stellen wir sicher, dass Nachhaltigkeit wirklich mitgedacht wird. Natürlich spielt auch das Thema Verpackung eine große Rolle.

All das hat aber seinen Preis. Unsere Marge ist dadurch extrem klein. Während andere Unternehmen hohe Budgets für Werbung haben, können wir uns das kaum leisten. Das macht den Alltag manchmal ziemlich hart – vor allem, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen und organisch, also aus eigener Kraft, zu wachsen.“

»Viele große Marken halten ihre Angaben bewusst vage

PETBOOK: Diesen Aspekt hatte ich tatsächlich gar nicht auf dem Schirm. Ich kenne vor allem die Reaktion vieler Verbraucher, die sagen: „Tierische Nebenerzeugnisse – das möchte ich nicht, dass meine Katze so etwas frisst.“ Dabei steht das ja auf sehr vielen Futtermitteln.
Madeline: „Voll. Genau das ist ja der Vorteil für viele große Marken: Sie halten ihre Angaben bewusst vage und bleiben dadurch extrem flexibel, was sie ins Futter packen. Wenn man aber sagt, was wirklich drin ist, dann muss man sich auch daran halten – und das macht die Sache deutlich komplizierter.

Wer so transparent wie möglich deklarieren möchte, stößt schnell an Grenzen. Man muss jeden einzelnen Inhaltsstoff, jeden Prozentsatz genau angeben. Selbst bei Zutaten wie Brühe ist es oft schwierig, offen zu sagen, was genau enthalten ist – je nach rechtlicher Regelung, teilweise sogar abhängig vom Bundesland.

Wir arbeiten uns da ständig in die Details ein, um den Überblick zu behalten. Denn Transparenz ist uns enorm wichtig – in allem, was wir tun: bei den Spenden, beim Futter selbst und bei der Zusammensetzung.

Ich finde, man sollte einfach ein Recht darauf haben zu wissen, was im Futter des eigenen Tieres steckt. Es ist eigentlich eine Farce, dass das so oft nicht der Fall ist. Es gibt ja zwei Arten der Deklaration: die offene und die geschlossene.

Bei der offenen Deklaration ist bis auf den letzten Prozentpunkt genau ersichtlich, was enthalten ist. Bei der geschlossenen Deklaration dagegen sind oft nur rund zehn Prozent der Bestandteile wirklich transparent angegeben – der Rest ist eine Art undurchsichtige Mischung aus verschiedenen Zutaten.“

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Die richtige Rezeptur mit natürlichen Zutaten finden

PETBOOK: Mir fällt da gerade noch etwas ein: Es gibt ja verschiedene Zusatzstoffe, wie zum Beispiel Taurin oder Vitamin A, die Tierfutter zugesetzt werden müssen. Ich habe gelesen, dass die Vitamin-A-Werte teilweise bis zum 40.000-fachen des empfohlenen Wertes überschritten werden können, wenn sie beigemischt werden. Wie handhabt ihr das? Nach welchen Vorgaben richtet ihr euch dabei?
Madeline: „Wir orientieren uns dabei an den sogenannten FEDIAF-Werten (Anm. der Red.: FEDIAF steht für ‚Fédération Européenne de l’Industrie des Aliments pour Animaux Familiers‘, den europäischen Dachverband der Heimtiernahrungsindustrie) – die geben genau vor, welche Nährstoffe in welcher Mindest- und Höchstmenge enthalten sein sollten.

Unser Ansatz ist, dass wir so weit wie möglich mit natürlichen Zutaten arbeiten. Unser Hersteller verfügt über langjährige Erfahrungswerte und Testdaten der Rohstofflieferanten, die regelmäßig Analysen der einzelnen Zutaten durchführen. So wissen wir genau, was beispielsweise im Fleisch von Natur aus bereits enthalten ist.

Man muss allerdings berücksichtigen: Das Futter wird haltbar gemacht, also erhitzt – dabei gehen viele Vitamine verloren. Diese müssen wir dann gezielt wieder ergänzen. Das ist ein ziemlicher Rechenaufwand, eine Art ‚Rezeptur-Mathematik‘, um das optimale Verhältnis zu finden – damit die Werte weder zu hoch noch zu niedrig ausfallen.“

Strayz: „Ein Futterbrei auf Tiermehlbasis ist immer gleich zusammengesetzt“

„Das Ganze wird natürlich umso komplexer, wenn man mit unverarbeiteten, natürlichen Rohstoffen arbeitet. Ein Futterbrei auf Tiermehlbasis ist immer gleich zusammengesetzt – da kann man einfach standardisierte Vitaminmischungen hinzufügen, ähnlich wie eine Tablette. Bei naturnahen Rezepturen funktioniert das nicht so einfach.

Deshalb führen wir regelmäßig Laboranalysen durch, um zu überprüfen, ob die berechneten Werte auch tatsächlich im Endprodukt vorhanden sind. Dabei gibt es natürlich leichte Schwankungen – das lässt sich bei natürlichen Zutaten kaum vermeiden. Aber das gleicht sich über die Zeit aus: Kein Huhn ist exakt gleich wie das nächste, und keine Charge identisch. Die Tiere bekommen ohnehin regelmäßig neues Futter, und über die verschiedenen Chargen hinweg pendelt sich das Nährstoffverhältnis gut ein.“

PETBOOK: Das bringt mich zu einem Punkt, über den wir reden müssen: Euer Abschneiden bei „Stiftung Warentest“. Warum habt ihr eine 5 „mangelhaft“ bekommen?

Die Antwort auf diese spannende Frage und mehr über die Tierschutz- und Wachstumpläne der Strayz-Gründerinnen erfahren Sie im zweiten Teil des Interviews, das demnächst auf PETBOOK erscheint.

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