19. November 2025, 13:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wenn die Temperaturen sinken, verändert sich nicht nur das Wetter – auch Katzen verhalten sich anders. Aus selbstständigen Einzelgängern werden auf einmal anhängliche Schmuser, die Wärme und Nähe suchen. Warum das so ist, erklärt PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler.
Wenn die Kälte kommt, zieht es Katzen ins Warme
Ob Freigänger oder Wohnungskatze – sobald der Winter beginnt, verändern viele Katzen ihre Gewohnheiten. Was zuvor Abenteuerlust, Jagdtrieb oder ausgedehnte Balkon-Siesta war, wird durch viel Ruhe ersetzt. Die Tiere schlafen nun bis zu 20 Stunden am Tag, bewegen sich weniger und suchen bewusst warme Orte.
Das fällt mir auch jedes Jahr bei meinem Kater Remo auf: Im Sommer verbringt er Stunden am Fenster oder auf dem Balkon, doch sobald es kalt wird, will er nur noch eins – auf den Schoß. Oder stundenlang auf der Heizung brutzeln.
Das hat biologische Gründe: Katzen stammen ursprünglich aus Regionen mit hohen Durchschnittstemperaturen. Sie bevorzugen Wärme, und Kälte bedeutet für ihren Körper zusätzlichen Energieaufwand. Also fahren sie ihr Aktivitätsniveau herunter – ein ganz natürlicher Anpassungsmechanismus.
Mehr Nähe, weniger Reize – wie sich der Alltag verändert
Bei Remo merke ich das sofort: Kaum wird es draußen ungemütlich, lässt er den Balkon links liegen, zieht vom Fensterbrett auf die Heizung um – und wenn ich abends zu Hause bin, geht’s direkt auf meinen Schoß oder unter die Kuscheldecke. Ob ich dann noch Platz für meine Beine habe, ist ihm dabei egal.
Während Freigänger bei Regen und Kälte deutlich seltener draußen unterwegs sind, verbringen sie oft trotzdem noch Zeit vor der Tür – nur kürzer und gezielter. Viele drehen dann ihre Runden in der Nähe des Hauses, kontrollieren ihr Revier oder wagen kleine Ausflüge, bevor sie wieder ins Warme flüchten. Sobald Fell und Pfoten nass werden, ist der Rückzug aufs Sofa aber auch für sie unvermeidlich. Bleibt die Katze länger draußen, oder gehört einer Rasse ohne Fell an (Sphynx, Peterbald, Ukrainische Levkoy etc.) dann benötigt sie auch einen warmen, trockenen Unterschlupf, in dem sie sich bei Streifgängen im Garten regelmäßig wieder aufwärmen kann.
Wohnungskatzen hingegen erleben den Winter auf ganz andere Weise: Was im Sommer stundenlanges Beobachten am Fenster oder entspannte Balkonzeit war, verliert bei niedrigen Temperaturen an Reiz. Statt frischer Luft stehen jetzt Körperkontakt und Nähe ganz oben auf der Liste.
Doch so schön das Kuscheln ist – Katzen brauchen weiterhin geistige Anreize. Wenn weniger Bewegung und Reize von außen kommen, kann es schnell langweilig werden. Besonders Wohnungskatzen spüren diesen Mangel deutlicher als Freigänger – aber auch sie profitieren von Indoor-Beschäftigung. Kleine Rituale helfen, den Winter abwechslungsreich zu gestalten:
- Bewegungsspiele: Mit einer Katzenangel oder einem Ball lassen sich kurze, intensive Spielphasen einbauen.
- Gerüche und Texturen: Papier, katzengerechte Kräuter oder neue Gegenstände regen die Sinne an.
- Futter-Suchspiele: Leckerlis im Karton oder unter Tüchern versteckt fördern Neugier und Bewegung.
Warum Katzen im Winter generell ruhiger wirken
Viele Halter beobachten, dass ihre Katze in der dunklen Jahreszeit weniger aktiv ist. Das liegt nicht nur an der Kälte, sondern auch am Lichtmangel. Weniger Tageslicht bedeutet eine veränderte Hormonproduktion – was sowohl bei Menschen als auch bei Katzen zu Müdigkeit führt.
Solange Appetit, Fellpflege und Reaktionsfreude normal bleiben, ist das kein Grund zur Sorge. Manche Katzen schlafen einfach mehr und genießen die ruhigere Zeit. Wenn man aber merkt, dass die Katze häufig antriebslos wirkt, sich zurückzieht oder kaum noch spielt, kann Lichttherapie helfen: Eine helle Tageslichtlampe, die täglich für ein paar Stunden einen Lieblingsplatz beleuchtet, unterstützt den natürlichen Rhythmus. Denn manche Katzen, wie Nairobi von meiner Kollegin Saskia Schneider, entwickeln sogar eine Winterdepression.
Remo dagegen legt sich gern genau dorthin, wo es hell und warm ist – manchmal denke ich, er hat sich längst sein eigenes Winterprogramm zusammengestellt.
Kleine Reize gegen den Winterblues
Der Winter kann für Katzen also sehr reizarm sein – aber schon kleine Impulse machen den Unterschied. Ein geöffnetes Fenster für ein paar Minuten, ein neues Geräusch oder ein sich bewegendes Objekt reichen oft, um das Interesse zu wecken.
Auch gemeinsames Spielen wirkt wie ein Stimmungsbooster: Schon zehn Minuten am Tag genügen, um Kreislauf und Muskulatur in Schwung zu halten. Besonders Wohnungskatzen profitieren davon, wenn sie regelmäßig gefordert werden – körperlich wie geistig.
Remo reagiert sofort, wenn ich eine seiner Angeln oder seine kleinen Spiralen hervorhole. Nur ein paar Sprünge und schon ist die winterliche Trägheit vergessen.
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Wenn Anhänglichkeit ein Warnsignal sein kann
Nicht jede Veränderung im Verhalten ist harmlos. Wird eine Katze plötzlich ungewöhnlich anhänglich oder sucht sie auffällig Schutz, kann das auf Unsicherheit oder Schmerzen hinweisen – auch wenn sie im Winter ohnehin bereits sehr anhänglich ist. Auch Veränderungen im Haushalt – etwa neue Möbel, Geräusche oder Personen – können Stress auslösen.
Zeigt die Katze zusätzlich Appetitlosigkeit, Unruhe oder häufiges Verstecken, sollte ein Tierarzt sie untersuchen. Denn manchmal steckt hinter der plötzlichen Nähe nicht Wohlfühlen, sondern ein Bedürfnis nach Sicherheit.
Fazit: Nähe, die beiden Seiten guttut
Wenn Katzen im Winter anhänglicher werden, ist das also selten Grund zur Sorge. Es ist eine natürliche Reaktion auf Kälte, Dunkelheit und weniger Reize – und eine Einladung, die gemeinsame Zeit zu genießen.
In den kalten Monaten profitieren nämlich nicht nur Katzen von der wachsenden Nähe, sondern auch ihre Menschen. Das vertraute Schnurren, das gemeinsame Ruhen oder ein kleines Spiel am Abend schaffen Verbindung – und wirken gegen trübe Winterstimmung.