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Verhalten erklärt

Warum Katzen eher Menschen anmiauen als ihre Artgenossen

Katze in einer Küche miaut Mensch hinter der Kamera an
Katzen haben sich angewöhnt, viel und durchdringend zu miauen, wenn sie mit ihren Haltern kommunizieren wollen Foto: Getty Images
Louisa Stoeffler
Redakteurin

31. August 2026, 5:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Katzenhalter kennen das „Miau“ ihres Tieres meist ganz genau und wissen, ob es „Fütter mich!“, „Spiel mit mir!“ oder „Streichel mich!“ bedeutet. Erstaunlich ist jedoch, dass erwachsene Katzen vor allem Menschen anmiauen und diese Laute gegenüber Artgenossen deutlich seltener einsetzen. PETBOOK erklärt, warum Katzen auf diese Weise mit uns kommunizieren und weshalb das Miauen darauf hindeuten könnte, dass unsere Haustiere ein Stück weit Kind bleiben.

Miauen von Katzen war zunächst nicht an Menschen gerichtet

Wer schon einmal eine Begegnung zwischen zwei fremden Katzen beobachtet hat, weiß: Die Tiere begrüßen sich nicht mit einem fröhlichen „Miau“, sondern kommunizieren vor allem über ihre Körpersprache. Sie machen einen Buckel, sträuben ihr Fell oder legen die Ohren an. Erst später können Fauch- oder Brummlaute und Pfotenschläge hinzukommen.

Auch bei der Jagd wäre ein lautes „Ich habe Hunger“-Miauen für den Jagderfolg eher hinderlich. Ausgewachsene Katzen geben im Alltag daher nur wenige Laute von sich. Doch warum miauen sie Menschen so häufig an?

Die Antwort liegt im Kittenalter. Katzenbabys kommen blind und nahezu hilflos zur Welt. Mit leisem Fiepen und verschiedenen Miau-Lauten teilen sie ihrer Mutter mit, was ihnen fehlt. Die Kätzin reagiert darauf, indem sie ihre Jungen säugt, putzt oder wärmt.1

Warum Katzen begannen, ihr Miauen an Menschen zu erproben

Im Laufe der Domestizierung hat sich dies jedoch gewandelt. Diese wurde wohl von den opportunistischen Tieren selbst begonnen, da sie sich für die Mäuse in Kornspeichern interessierten (PETBOOK berichtete). Doch die Beziehung zwischen Mensch und Katze wurde immer enger, bis die Tiere im Haus schliefen und Teil des Hofes wurden.

Im Laufe der Jahrtausende haben die Tiere daher auch gelernt, dass wenn sie Menschen häufig anmiauen, bekommen, was sie wollen. Doch es dauerte, bis in die 1990er-Jahre, bis festgestellt wurde, dass domestizierte Katzen ihr Miauen im Erwachsenenalter speziell für die Kommunikation mit dem Menschen entwickelt haben.2 Dies haben die Tiere sogar so weit entwickelt, dass sie bestimmte Frequenzen einsetzen, die auch Babys von sich geben. Entsprechend erzeugen sie somit im Hirn des Menschen eine Art Mutterinstinkt, bzw. den Drang, sie zu versorgen.3

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Wissenschaft ist uneins, ob wir Miauen wirklich verstehen

Das hat jedoch auch Auswirkungen auf die Tiere. Da sie uns gewissermaßen als Pfleger oder lebenslangen Mutterersatz ansehen, vertreten einige Forscher die These, dass Hauskatzen nicht vollständig erwachsen werden und sogar eine eigene Sprache für die Kommunikation mit Menschen entwickeln. Sprachforscher versuchen seit einiger Zeit, die Lautabfolgen dieser Katzensprache zu entschlüsseln, bislang mit mäßigem Erfolg.

Da Katzen schwieriger zu erforschen sind als Hunde, beginnen Forscher erst allmählich zu verstehen, wie sich Mensch und Katze gemeinsam entwickelt haben. Bereits 2002 zeigte eine Untersuchung, dass Menschen das Befinden einer Katze allein anhand ihres Miauens grob einschätzen konnten. Dringliche Rufe wurden als unangenehmer wahrgenommen und lösten eher eine Reaktion aus: Die Halter schenkten den Tieren Aufmerksamkeit oder gaben ihnen Futter.4

Allerdings ist sich die Forschung nicht so ganz einig, ob Menschen das Miauen von Katzen besonders gut verstehen oder nicht. Studien kommen immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Untersuchung zeigte auf, dass Empathie für Tiere ohne jegliche Erfahrung mit Katzen zu einem groben Verständnis für Miauen führt.5

Ein Miau allein macht noch keine Interaktion

Allerdings kamen weitere Studien von 2015 bis 2020 zu dem Schluss, dass ohne Kontext die „Sprache“ der Katzen eher willkürlich wirkt. Denn allein durch das Miauen fremder Katzen konnten sogar Katzenkenner nur das „Hunger“-Miau treffsicher erkennen.6 Allerdings haben alle Untersuchungen eine große Einschränkung: Sie spielten lediglich das Audio, also die Tonaufnahme, einer Katze ab.

Seit einigen Jahren beschäftigen sich Forscher jedoch immer mehr mit der gesamten Interaktion zwischen Mensch und Katze. Und konnten bereits zeigen, dass wir einander viel besser verstehen, als lange angenommen. So kam heraus, dass die Tiere ihre Menschen an der Stimme erkennen und man am besten audiovisuell miteinander kommunizieren sollte.

Denn auch wenn Katzen gelernt haben, dass es ihnen Vorteile verschafft, wenn sie Menschen anmiauen, kommunizieren sie immer noch sehr viel über Körpersprache. Und betrachtet man wissenschaftlich beides zusammen, können sich Mensch und Katze erstaunlich gut einschätzen, wie eine Studie 2024 nachweisen konnte.7 Umso wichtiger ist es, Verhalten und Laute von Katzen noch besser zu erforschen.

Quellen

  1. Brown, S. L. (1993). The social behaviour of neutered domestic cats (Felis catus) (Doctoral dissertation, University of Southampton). ↩︎
  2. McComb, K., Taylor, A. M., Wilson, C., & Charlton, B. D. (2009). The cry embedded within the purr. Current Biology, 19(13), R507-R508. ↩︎
  3. Burnham, D., Francis, E., Vollmer-Conna, U., Kitamura, C., Averkiou, V., Olley, A., ... & Paterson, C. (1998). Are you my little pussy-cat? Acoustic, phonetic and affective qualities of infant-and pet-directed speech. In Fifth International Conference on Spoken Language Processing. ↩︎
  4. Nicastro, N. (2002). Acoustic correlates of human responses to domestic cat (Felis catus) vocalizations. The Journal of the Acoustical Society of America, 111, 2393-2393. ↩︎
  5. Nicastro, N., & Owren, M. J. (2003). Classification of domestic cat (Felis catus) vocalizations by naive and experienced human listeners. Journal of Comparative Psychology, 117(1), 44. ↩︎
  6. Prato-Previde, E., Cannas, S., Palestrini, C., Ingraffia, S., Battini, M., Ludovico, L. A., ... & Mattiello, S. (2020). What’s in a meow? A study on human classification and interpretation of domestic cat vocalizations. Animals, 10(12), 2390. ↩︎
  7. de Mouzon, C., Di-Stasi, R., & Leboucher, G. (2024). Human perception of cats' communicative cues: human‐cat communication goes multimodal. Applied Animal Behaviour Science, 270, 106137. ↩︎

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