22. März 2026, 12:32 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Es ist ein Anblick für die Götter: Die Katze streckt ihre Zunge heraus und scheint dann zu vergessen, sie wieder einzuziehen. Das Phänomen ist auch unter „Blep“ oder „Mlem“ bekannt und begeistert vor allem Katzenfans in sozialen Netzwerken. PETBOOK-Redakteurin Saskia Schneider ist Expertin für Katzenverhalten und erklärt, was dahintersteckt und warum das Phänomen nicht immer harmlos ist.
Warum das Phänomen auch „Blep“ genannt wird
Vor allem in den sozialen Medien sind Bilder und Videos von Katzen, denen die Zunge aus dem Mäulchen hängt, beliebt. Dort wird das Phänomen auch als „Blep“ oder „Mlem“ bezeichnet. Beide Begriffe stammen aus der sogenannten „Doggo-Lingo“, eine Art Internet-Slang, der die Sichtweise des Hundes wiedergeben soll. Mittlerweile wird er aber auch für Katzen und andere Tiere gebraucht.1
Dabei handelt es sich nicht etwa um Abkürzungen, sondern um Lautmalerei, auch Onomatopoesie genannt. Dabei werden Geräusche oder Klänge durch Worte nachgeahmt.„Blep“ und „Mlem“ sollen also den Ton beschreiben, den ein Hund – oder eben eine Katze – beim Herausstrecken der Zunge oder beim Trinken macht. Wobei sich „Mlem“ auf die Situation bezieht, wenn das Tier seine Zunge herausstreckt, um etwas abzulecken und „Blep“ den Ton beschreibt, den es macht, wenn es einen Teil seiner Zunge aus dem Mund hängen lässt.
Was dahintersteckt, wenn Katzen die Zunge heraushängt
Oft entsteht das Phänomen, wenn die Katze beim Putzen plötzlich abgelenkt ist und ihr Verhalten unterbricht. Dann kann es passieren, dass die Zunge einfach draußen „hängen“ bleibt. Oft scheinen Katzen dies gar nicht zu registrieren und wundern sich dann über die plötzliche Aufmerksamkeit ihrer Menschen. Dies kann übrigens auch dazu führen, dass die Tiere das Verhalten in Zukunft häufiger und mit Absicht zeigen, weil sie sich bestätigt fühlen.2
Aber auch beim Schlafen kann es vorkommen, dass die Katze so entspannt ist, dass ihr die Zunge heraushängt. Bei Kitten ist dies sogar häufiger zu sehen, da diese im Traum oft noch Trinkbewegungen machen und die Zunge dabei mit Nuckelbewegungen ein- und ausziehen.
Auch beim Aufnehmen von sehr interessanten Gerüchen können Katzen manchmal die Zunge aus dem Maul hängen lassen. Allerdings ist dies dabei leicht geöffnet und die Katze blickt oft ins Leere. Experten nennen das Verhalten auch Flehmen. Dabei saugen Tiere Luft in das sogenannte Jacobsonschen Organ, das im Dach der Mundhöhle sitzt. Es reagiert vor allem auf Hormone und Sexualduftstoffe. Daher sieht man das Verhalten oft, wenn die Katze am Urin oder dem Hinterteil von Artgenossen schnuppert.3
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Warum Katzen sich häufig putzen
Sollte man die Zunge anfassen oder wieder in die Katze „schieben“?
Für viele Katzenbesitzer ist es recht verführerisch, mit dem Finger auf die Zunge der Katze zu fassen. Manche ziehen sogar leicht daran, damit diese noch weiter aus dem Maul heraushängt. Hier muss jeder selbst einschätzen, inwieweit die eigene Katze das zulässt. Manche Tiere können irritiert und im schlimmsten Fall sehr ungehalten reagieren.
In der Regel ist es aber okay, mit dem Finger leicht auf die Zunge stupst. Viele Katzen animiert dies dazu, sie wieder einzuziehen. Das Beste in solch einer Situation ist aber wahrscheinlich zur Kamera greifen und den Moment mit anderen zu teilen.
Ab wann man sich Sorgen machen sollte, wenn die Katze ihre Zunge heraushängen lässt
Beobachtet man, dass die Zunge öfter aus der Katze heraushängt und dies nicht nur beim Putzen und Schlafen passiert, sollte man das Maul der Tiere genauer unter die Lupe nehmen. Denn oft kann eine Zahnfehlstellung dazu führen, dass das Maul nicht richtig schließt und die Zunge so „herausfällt“.
Auch Entzündungen im Mundraum oder Insektenstiche können dazu führen, dass die Katze die Zunge aus dem Maul hängen lässt. Meist ist dies mit starkem Speichelfluss verbunden und die Tiere wirken gestresst.
Hängt die Zunge bei weit geöffnetem Maul heraus, ist das in der Regel ein Alarmsignal! Etwa, wenn die Katze hechelt. Dann stehen die Tiere unter großem Stress oder kurz vor einer Überhitzung.
Auch Übelkeit führt dazu, dass die Tiere die Zunge bei geöffnetem Maul herausstrecken. Meist geht dies mit einer verkrampfter Körperhaltung, starkem Speicheln einher und kann auf eine akute Vergiftung hinweisen. Daher sollte man im Zweifelsfall immer zum Tierarzt.
Zur Autorin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.