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Nachtroutine

Schon gewusst? Manche Katzen bringen ihre Menschen ins Bett

Eine Katze schläft im Bett
Kater Remo geht erst dann schlafen, wenn die Abendroutine ordnungsgemäß durchgeführt wurde Foto: PETBOOK / Louisa Stoeffler
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

8. September 2025, 17:07 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Spätestens um 22 Uhr passiert es: Mein Kater Remo wird unruhig. Er miaut laut, läuft durch die Wohnung und macht mir unmissverständlich klar: Es ist Zeit fürs Bett. Sobald ich aufstehe, klebt er an meiner Seite. Er schaut zu, wie ich mir die Zähne putze, sein Klo ein letztes Mal reinige und wartet, dass ich sein Wasser auffülle. Erst wenn alle Stationen erledigt sind, bringt er nach und nach seine Angeln ans Bett – mit viel Miau und Nachdruck. Ruhe gibt er erst, wenn sie neben mir liegen. Dann legt er sich zufrieden schlafen – natürlich auf sein eigenes flauschiges Kissen, direkt neben meinem Kopf. Dieses Verhalten wirkt zunächst niedlich, manchmal auch ein bisschen nervig. Doch wenn Katzen ihre Menschen so ins Bett bringen, steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Blick denkt.

Gewohnheitstiere mit Kontrollzwang

Remo zeigt mir jeden Abend, wie wichtig Routinen für Katzen sind. Viele Tiere entwickeln feste Rituale und „bestehen“ darauf, dass diese auch eingehalten werden. Das gibt ihnen Sicherheit und Struktur – und manchmal übernehmen sie die Rolle des Nachtwächters, wenn ihre Menschen nicht pünktlich sind.

Wenn Remo mich beim Zähneputzen beobachtet, hat das nichts mit Misstrauen zu tun, sondern mit seinem Kontrollinstinkt. Katzen wollen genau wissen, was in „ihrem Revier“ passiert – und dazu gehört auch, dass der Mensch die Abendroutine richtig absolviert und zur selben Zeit schlafen geht. Manche Verhaltensforscher sprechen hier sogar von einer Art Fürsorge: Die Katze passt auf, dass alles seinen gewohnten Gang geht.

Wenn Routine zur Pflicht wird

Besonders deutlich zeigt sich Remos Verhalten, wenn wir Besuch haben und wir uns einmal nicht an seine Routine halten. Während ich mich noch unterhalte, wird er schon unruhig. Er dreht sich im Kreis, haut mit dem Schwanz auf den Boden und tippt mich immer wieder mit der Pfote an. Schlafen geht er aber nicht – das tut er erst, wenn ich mitkomme. Für Gäste wirkt das oft amüsant, für mich kann es in solchen Momenten allerdings auch etwas nervig werden.

Doch auch dieses Verhalten ist typisch Katze: Wenn ein Ritual für sie feststeht, dulden sie keine Abweichung. Sie hängen stark an festen Abläufen – weiche ich also mal von unserem Programm ab, reagiert Remo sofort mit Stress. Er möchte sichergehen, dass die Nacht so beginnt, wie wir es immer machen – und er nicht allein gelassen wird. Dass Remo dies so stark zeigt, kann auch in seiner Vergangenheit begründet liegen, denn er stammt aus dem Tierschutz. Entsprechend „dankbar“ war er, als er bei uns einziehen durfte, und umso enger ist auch unser Verhältnis geworden. Umso größer sind aber leider auch seine Verlustängste und sein Verlangen nach Kontrolle und Stabilität.

Remo bringt Spielzeug
Kater Remo bringt bei seinem alltäglichen Ritual seine Spielangel Foto: Louisa Stoeffler

Zeichen der Bindung

Für Katzen wie Remo bedeutet eine Änderung der Routine oft Unsicherheit. Sie wissen nicht, was als Nächstes passiert, und versuchen, wieder Ordnung herzustellen. Bei ihm zeigt sich das darin, dass er nicht allein schlafen will, auch wenn er schon völlig groggy ist, sondern darauf besteht, dass alles so abläuft wie immer. Für mich ist das manchmal anstrengend – für ihn ist es die einzige Möglichkeit, den Tag entspannt abzuschließen. Aus seiner Sicht ist es nur konsequent, mich zu drängen. Für mich heißt das: Manchmal entscheidet eben die Katze, wann die Party vorbei ist.

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Auch dass Remo seine Angeln ins Bett bringt, hat eine klare Botschaft: Du bist mein wichtigster Sozialpartner. Katzen verschenken ihr Spielzeug nicht beliebig. Sie bringen es nur zu den Menschen, zu denen sie eine enge Bindung haben. Für mich ist es, als würde Remo sagen: „Hier sind meine Schätze – jetzt können wir zusammen zur Ruhe kommen.“ Mehr über dieses Verhalten können Sie auch in diesem Artikel nachlesen: Warum bringt mir meine Katze ständig Spielzeug, obwohl sie nicht spielen will?

Schlafen im „Rudel“

Auch wenn manche immer noch davon ausgehen, dass Katzen Einzeljäger sind, sind sie doch überraschend sozial. In freier Wildbahn bedeutet das: gemeinsam an einem sicheren Ort zur Ruhe kommen und aufeinander aufpassen. Remo wird dieses Verhalten von den Katzenkolonien Granadas kennen, in denen er aufgewachsen ist. Indem er darauf besteht, dass ich im Bett liege, bevor er sich hinlegt, übersetzt er diesen Instinkt aus seiner Kittenzeit in unseren Alltag. Er will sicherstellen, dass die Gruppe – in diesem Fall wir beide – komplett ist, bevor die Nachtruhe beginnen darf.

Faszinierend zu beobachten ist jedoch auch, dass sich Remos Abendroutine vor allem um mich dreht. Mein Mann geht normalerweise etwas später, aber vor allem nie zur selben Zeit, ins Bett. Am Anfang wartete Remo noch auf dem Läufer vor dem Bett auf ihn, allerdings hat er sich nun daran gewöhnt, dass beim „Zweitmenschen“ einfach keine Routine einkehrt und fokussiert sich daher umso mehr darauf, dass mein Abendprogramm passt.

Remo schläft im Arm von PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler
Nach seiner Abendroutine kann Kater Remo sich bis zum Morgen entspannt zur Ruhe legen Foto: PETBOOK / Louisa Stoeffler
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Nicht allein sein

Nicht jede Katze, die dieses Verhalten zeigt, hat aber eine vergleichbare Geschichte hinter sich. Trotzdem entwickeln sie ganz eigene Nachtroutinen. Ein Kater, auf den ich mehrere Jahre aufpasse, wollte abends „sein“ Kissen auf dem Bett seiner Halter glatt gestrichen bekommen, damit er sich darauf legen kann. Anschließend musste ich ihn noch etwas kraulen, damit er zur Ruhe kommt. In diesem Moment war es nicht so wichtig, dass ich danach wieder gegangen bin, solange das „Ich bekomme meine Abendroutine“ für die Katze gestimmt hatte. Danach rollte er sich ein und schlief (vermutlich) bis zum nächsten Morgen, an dem er mich ausgeschlafen und hungrig begrüßte.

Obwohl viel Instinkt mitschwingt, können auch ganz banale Gründe eine Rolle spielen. Manche sind schlicht nicht gern allein. Andere Katzen bringen ihre Menschen ins Bett, weil sie nachts weniger gestört werden wollen oder die Dunkelheit als unsicher empfinden. In Remos Fall ist es eine Mischung aus allem: Routine, Kontrolle, Bindung – und vermutlich auch ein wenig der Wunsch, dass Ruhe einkehrt.

Fazit

Wenn Katzen ihre Menschen ins Bett bringen, steckt dahinter kein skurriler Tick, sondern ein vielschichtiges Verhalten. Es zeigt Nähe, Verlässlichkeit und das Bedürfnis nach Sicherheit. Für mich bedeutet Remos Ritual vor allem eines: Jetzt ist alles gut, wir können schlafen.

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