16. März 2026, 11:23 Uhr | Lesezeit: 11 Minuten
Viele Halter kennen die Situation: Die Katze leckt plötzlich die Hand, den Arm oder sogar das Gesicht genüsslich ab, nachdem sie sich selbst ausgiebig geschleckt hat. Doch warum machen Katzen das eigentlich? PETBOOK-Redakteurin und Katzenbesitzerin Louisa Stoeffler erklärt, welche Gründe hinter dem Verhalten stecken können.
Übersicht
- „Katzenwäsche“ ist ein wichtiges Ritual
- 7 Gründe, warum die Katze ihre Menschen leckt
- Warum leckt die Katze meine Haare ab?
- Warum leckt die Katze erst meine Hand ab und beißt dann?
- Können Katzen durch Lecken Krankheiten übertragen?
- Kann ich verhindern, dass die Katze mich (oder andere) ableckt?
- Putzverhalten kann auch gestört sein
„Katzenwäsche“ ist ein wichtiges Ritual
Sich zu putzen gehört für Katzen genauso selbstverständlich zum Alltag wie Fressen oder Schlafen. Auch wenn der Begriff „Katzenwäsche“ eher nach einem schnellen Säubern klingt, ist die Fellpflege bei Katzen alles andere als oberflächlich. Im Gegenteil: Die Tiere investieren viel Zeit in ihre tägliche Hygiene und gehen dabei äußerst gründlich vor.
Die Fellpflege gehört zu den wichtigsten und ursprünglichsten Verhaltensweisen der Tiere. Sie dient nicht nur der Hygiene, sondern hilft Katzen auch dabei, sich zu beruhigen, Stress abzubauen und ihren Körper zu regulieren. Viele Katzen beginnen zum Beispiel erst dann richtig zu entspannen oder einzuschlafen, wenn sie sich zuvor ausgiebig geputzt haben.
Manchmal bleibt dieses Ritual jedoch nicht nur auf das eigene Fell beschränkt. Manche Katzen – so auch mein Kater Remo – beziehen ihre Halter in diese Putzroutine ein. Besonders häufig lecken Katzen ihren Menschen dabei über die Hände. Doch warum leckt meine Katze mich eigentlich ab? Und wann sollte man dieses Verhalten besser unterbinden?
7 Gründe, warum die Katze ihre Menschen leckt
Katzenzungen sind mit sogenannten Papillen besetzt – hornartigen, nach hinten gerichteten Häkchen. Diese helfen nicht nur bei der Fellpflege, sondern können auch Essensreste effizient aufnehmen. Deshalb fühlt sich das Ablecken durch eine Katze oft recht rau an.
Wenn die Zunge der Katze plötzlich über Hand, Gesicht oder Haare ihres Halters fährt, kann das verschiedene Gründe haben. Katzen sind sehr soziale Tiere und nutzen das Putzen auch als Kommunikationsmittel. Indem sie ihre Menschen ablecken, wollen sie häufig etwas Bestimmtes ausdrücken.
Zuneigung
Putzen ist in der kätzischen Kommunikation eine soziale Handlung. Hält man mehrere Katzen, die sich gut verstehen, kann man häufig beobachten, wie sie sich auch gegenseitig putzen. Dies überträgt sich bei Katzen, die sich mit ihren Menschen wohlfühlen, häufig auch auf diese. Wenn eine Katze beim Streicheln die Finger ihres Halters ableckt, ist das meist ein deutliches Zeichen von Zuneigung.
Auch im Katzenleben selbst spielt das Lecken eine wichtige Rolle: Mutterkatzen reinigen ihre Jungen intensiv, beruhigen sie damit und regen gleichzeitig die Verdauung an. Viele Katzen behalten dieses Verhalten bei und zeigen es später auch gegenüber Menschen, zu denen sie eine enge Bindung haben. Besonders bei Handaufzuchten kann das Ablecken daher ausgeprägter sein.
Vertrauen
Ganz allgemein ist das Putzen für die Katze ein reiner Wonnemoment. Sie zeigen dieses Verhalten besonders, wenn sie sich wohlfühlen und auch darauf vertrauen, dass sie dabei nicht gestört werden oder sich verteidigen müssen. Tun sie dies auch bei ihren Haltern, ist dies ein ultimativer Beweis dafür, dass die Katze sich sicher fühlt und uns vertraut.
Pheromone verteilen
Katzen verteilen ihre Pheromone häufig dadurch, dass sie sich an Gegenständen oder Menschen reiben und sie somit markieren. Dies tun sie auch, indem sie den Halter ablecken. Dies geschieht nicht aus dem Wunsch heraus, ein Revier zu markieren, sondern eher, weil sie versuchen, andere Gerüche zu überdecken oder einen Gemeinschaftsduft zu erzeugen.
Hat man zum Beispiel ein anderes Tier gestreichelt oder bringt fremde Gerüche mit in die Wohnung, möchte die Katze diese entfernen oder überdecken. Gleichzeitig findet durch den engen Kontakt mit dem Tier ein Austausch von Pheromonen von Mensch und Katze statt, der gerade dann besonders intensiv für das Tier ist, wenn der Mensch etwas geschwitzt hat. Die Pheromone und Salze, die sich dabei auf der Haut bilden, sind für die Tiere ein wahres Schleck- und Schnüffelvergnügen.
Essensgerüche
Katzen haben einen viel feineren Geruchs-, als Geschmackssinn. Das bedeutet, dass sie manche Essensgerüche, welche die Menschen beim Kochen und Verzehren ihrer Nahrung als Duftpartikel auf der Haut tragen, noch riechen können, wenn wir selbst sie schon gar nicht mehr wahrnehmen.
Ein gebratenes Steak riecht für Katzen noch immer lecker auf der menschlichen Hand, wenn es längst aufgegessen ist. Auch ein Griff in die Chips-Tüte löst bei vielen Katzen Euphorie aus. Viele sind begeistert von den intensiven Gerüchen nach Fett und Gewürzen, die aus der Tüte und von den menschlichen Fingern ausgehen. Beim Ablecken der Hand ist nun die Wahrscheinlichkeit auch groß, ein paar Krümel zu ergattern. Dies markiert also ein gewinnbringendes Verhalten für das Tier.
Trösten und Stress abbauen
Katzen putzen einander, wenn sie merken, dass ein Mitglied ihres Sozialverbundes traurig oder gestresst ist. Dieses Verhalten kann sich auch auf den Menschen übertragen. Allerdings tun die Tiere dies manchmal auch, weil sie selbst gestresst sind und es sie beruhigt, jemand anderen zu putzen.
Aufmerksamkeit
Katzen lernen viel über positive Verstärkung. Hat sie ihre Halter einmal abgeleckt und dafür eine Reaktion bekommen – sei es nur ein Lachen oder ein Kraulen –, lohnt sich das Verhalten für sie und sie wird es häufiger zeigen. Allerdings kann es dann auch zum Zeichen werden, dass das Tier sich generell mehr Aufmerksamkeit wünscht.
Routine und positive Verstärkung
Katzen sind Gewohnheitstiere und bauen viele ihrer sozialen Interaktionen in feste Rituale ein. Wenn eine Katze ihren Halter regelmäßig ableckt – zum Beispiel abends auf dem Sofa oder morgens im Bett –, kann das Teil einer erlernten Routine sein.
Oft spielt dabei auch positive Verstärkung eine Rolle. Reagiert der Mensch auf das Ablecken mit Aufmerksamkeit, Streicheln oder sogar einem Leckerli, verknüpft die Katze dieses Verhalten mit einer positiven Erfahrung. Für sie „lohnt“ sich das Ablecken also.
Mit der Zeit kann daraus ein festes Ritual entstehen. Gerade in ruhigen Momenten, etwa beim gemeinsamen Entspannen auf dem Sofa, gehört das Ablecken der Hand dann für manche Katzen einfach zur Interaktion mit ihrem Menschen dazu.
Warum leckt die Katze meine Haare ab?
Wenn Katzen die Haare von Haltern ablecken, steckt wieder ihre eigene Putzroutine dahinter. Der Kopf des Menschen riecht interessant und in den Haaren fangen sich über den Tag viele Gerüche und Pheromone. Vielen Haltern ist es aber eher unangenehm, wenn die Katze ihnen die Haare putzt.
Auch für das Tier kann dies gesundheitliche Folgen haben. Benutzt man zum Beispiel regelmäßig Haarprodukte, die Chemikalien enthalten, kann es sein, dass das Tier durch intensives Putzen von menschlichen Haaren Probleme mit der Verdauung oder leichte Vergiftungssymptome entwickelt.
Auch besteht, insbesondere bei langen Haaren, die Gefahr, dass das Tier lose Haare verschluckt. Diese müssen dann, zusammen mit den eigenen Haarballen, wieder heraufgewürgt werden. Oder sie landen in der Katzentoilette. Nicht selten reiht sich der Katzenkot dann auf einzelnen, langen Haaren auf, wie auf einer Perlenkette. Ist das verschluckte Haar jedoch zu lang und die Katze kann es nicht abschütteln, kann es mitunter zu ekligen Überraschungen am Katzenhintern kommen.
Auch interessant: Haarballen bei Katzen – was steckt dahinter und was kann man tun?
Warum leckt die Katze erst meine Hand ab und beißt dann?
Manchmal lässt sich auch beobachten, dass die Katze Menschen zunächst leckt und dann beißt. Dies kann verschiedene Gründe haben. Kleine Katzen, die von ihrem Muttertier geputzt werden, haben manchmal gar keine Lust auf die „Katzenwäsche“ und wollen lieber spielen. Dann beißt das Alttier leicht zu, um dem Kleinen zu zeigen, dass jetzt Putzzeit und keine Spielzeit ist. Zuckt man als Mensch also, wenn die Katze beginnt zu putzen, kann dies diesen Reflex beim Tier auslösen.
Des Weiteren kann man Katzen beim Putzen häufig dabei beobachten, wie sie sich leicht ins Fell beißen. Hier benutzen sie ihre kleinen Vorderzähne, um Knoten in ihrem Fell zu lösen und es dann glatt zu putzen. Auch dies ist ein Reflex, der eine Erklärung dafür sein könnte, weshalb Katzen Menschen erst lecken und dann beißen, gerade wenn sie an behaarten Stellen, wie den Armen lecken. Und dann gibt es noch den Fall, dass Katzen ihre Menschen beim Streicheln scheinbar plötzlich beißen, wofür es wiederum eigene Gründe gibt.
Können Katzen durch Lecken Krankheiten übertragen?
Viele Halter stört es nicht, wenn ihre Katzen sie manchmal ablecken, andere empfinden es als eher unhygienisch. Tatsächlich können die Tiere, besonders wenn sie Freigänger sind, Parasiten oder andere Erreger in sich tragen, die dem Menschen aber in den seltensten Fällen etwas anhaben können. Man sollte sein Tier daher regelmäßig entwurmen und impfen lassen. Neigt die Katze dazu, den Menschen häufig zu putzen, und man möchte sie gewähren lassen, kann man die betreffenden Stellen danach auch mit Wasser und Seife reinigen.
Besondere Vorsicht ist jedoch bei geschwächtem Immunsystem, offenen Wunden oder bestimmten Hautkrankheiten geboten. Auch in Familien mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen sollte man auf vermehrte Hygiene achten. In diesen Fällen sollte man das Belecken besser vermeiden.
Meine Erfahrung mit Ablecken bei Katzen
„Dass Katzen einander putzen, kann man vor allem dann beobachten, wenn man mehrere Tiere hat. Dieses soziale Verhalten haben aber alle meine Katzen auch auf mich übertragen. Minka, die ich mit 13 Jahren bekommen habe, ist mit mir durch die Teenagerzeit und auch sehr schwere Phasen gegangen. Meine Katze kam immer unter meine Decke, wenn ich mal wieder gestresst war, und schnurrte an meinem Bauch und leckte dabei meine Arme ab.
Mein Kater Remo, den ich 2019 als Einzelkater aus dem Tierschutz holte, ist eher weniger darauf aus, mich zu putzen und zu beruhigen. Er erwischt mich scheinbar nur zufällig, während er sich gerade säubert. Dann tut er so, als hätte er mich gerade nicht absichtlich geputzt, und widmet sich wieder seiner eigenen Putzroutine. Allerdings leckt er mir unheimlich gern die Finger ab, wenn es Chips gibt. Typisch oranger, futtermotivierter Kater eben.
Bei einer Freundin konnte ich jedoch auch beobachten, dass ihre Katze ihr auch durch die Haare leckte. Da hört bei mir persönlich der Spaß auf. Auch wenn ich veganes und ökologisches Shampoo benutze und entsprechend wohl keine Vergiftung für die Katze droht, brauche ich wirklich keine langen Haare, an denen Kot wie kleine Würstchen aufgereiht aus dem Kater kommt. Die dann vorzugsweise überall außer im Katzenklo verteilt werden.“
Warum leckt der Hund meine Hand ab?
Warum sich Katzen nach dem Streicheln hektisch putzen
Kann ich verhindern, dass die Katze mich (oder andere) ableckt?
In der Regel wollen Katzen mit dem Ablecken der Hand oder des Haares ausdrücken, dass sie den Halter gernhaben und ihm vertrauen. Man kann sich für das Verhalten revanchieren, indem man das Tier bürstet oder streichelt. Das ist für die Katze ein Zeichen, dass ihr Sozialverhalten erwünscht ist und positiv bewertet wird. In der Regel ist dies ein normales Verhalten der Tiere und kommt weniger häufig vor als zum Beispiel bei Hunden.
Was aber kann ich tun, wenn es zu viel wird und ich nicht will, dass die Katze mich ableckt? Oder noch schlimmer, wenn Besuch da ist und die Katze mit Genuss über die Arme schlabbert? Wenn man das Verhalten der Katze nicht bestärken möchte, sollte man das Tier ablenken, wenn es beginnt, den Halter oder Gäste zu putzen, oder sich einfach entfernen.
Manchmal reicht es schon, die Hand wegzunehmen, damit die Katze versteht, dass man gerade nicht geputzt werden möchte. Das Verhalten kann man dann auch noch positiv verstärken, indem es statt einer Putzroutine ein Leckerli gibt.
Putzverhalten kann auch gestört sein
In der Regel entspricht es dem normalen Verhalten von Katzen, sich und andere abzulecken. Allerdings gibt es auch hier Fälle, in denen es über ein gesundes Maß hinausgeht. Es gibt diverse Störungen des Putzverhaltens von Katzen. Diese beziehen sich aber in der Regel auf das Tier selbst. Denn Katzen putzen sich und andere manchmal zwanghaft, und das so lange, bis kahle Stellen im Fell entstehen. Was hinter der sogenannten Felinen Selbstinduzierten Alopezie (FSA) steckt, lesen Sie in diesem Artikel: Das steckt dahinter, wenn Katzen ihr Fell weglecken.
Wenn das Tier Sie selbst aber auch in den unmöglichsten Situationen, wie nachts, beständig versucht abzulecken, besteht Handlungsbedarf. Dies spricht für ein Verhalten, das stereotyp wiederholt wird und von einem tief sitzenden Problem kündet. Entweder die Katze ist besonders unsicher oder kann aus anderen, medizinischen Gründen nicht schlafen und versucht, sich durch Lecken zu beruhigen. In diesem Fall sollte man sich Rat bei einem Tierarzt, Tierpsychologen oder Verhaltenstherapeuten für Katzen holen.