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Es ist nicht, was Sie denken

Warum sich Katzen nach dem Streicheln hektisch putzen

Eine Katze ist dabei, sich heftig abzulecken, nachdem ein Mensch sie gestreichelt hat
Wenn sich Katzen hektisch nach dem Streicheln belecken, gibt es mehrere Gründe dafür Foto: GettyImages / Svetlana Popova
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

13. November 2025, 17:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Katzen gelten als eigenwillige, aber anhängliche Tiere. Umso irritierender kann es für Besitzer sein, wenn sich ihre Katze sofort nach dem Streicheln hektisch leckt. Fast so, als wollten sie jede Berührung sofort „abwischen“. Doch was steckt wirklich hinter diesem Verhalten? Ist es ein Zeichen von Ablehnung, eine Angewohnheit – oder vielleicht ein natürlicher Instinkt? Menschlichen Geruch abdecken will die Katze dabei in aller Regel nicht, wie PETBOOK-Redakteurin und Haustierexpertin Louisa Stoeffler weiß.

Mein Kater Remo ist eigentlich ein echter Schmuseprofi. Kaum setze ich mich aufs Sofa, rollt er sich neben mir zusammen, schnurrt und genießt jede Streicheleinheit – bis er plötzlich innehält und beginnt, sich hektisch direkt nach dem Streicheln die Schulter zu lecken. Früher dachte ich, er wolle einfach meinen Geruch loswerden. Aber das stimmt nicht. Heute weiß ich: Remo damit etwas sehr Typisches für Katzen.

Was dahintersteckt, wenn sich eine Katze nach dem Streicheln hektisch leckt

Viele Katzenbesitzer beobachten dieses Verhalten: Nach dem Streicheln beginnt die Katze scheinbar grundlos, sich hektisch zu putzen. Bei Remo bemerke ich das Verhalten auch, wenn ich ihn im falschen Moment kurz an der Flanke berühre. Wenn er gerade auf dem Weg zum Futternapf ist und gar nicht in Kuschellaune, führt eine Berührung zu einem kurzen Innehalten, dann leckt er sich mehrfach hektisch genau über die Stelle, die ich gerade berührt habe.

Der Gedanke, dass er meinen Geruch entfernen will, liegt daher sehr nahe. Aber das stimmt nicht – Remo zeigt ein völlig normales Verhalten, das von innerer Anspannung rührt. Die Katze weiß in dem Moment nicht genau, wie sie reagieren soll. Sie schwankt zwischen „Das fühlt sich gut an!“ und „Das war jetzt aber viel!“ Um diesen kleinen emotionalen Konflikt zu lösen, greift sie auf ein vertrautes Verhalten zurück: Putzen.

Was ist eine Übersprungshandlung?

Die Katze weiß in dem Moment nicht genau, wie sie reagieren soll: „Das war angenehm – aber auch überraschend!“ oder „Ich bin eigentlich gerade beschäftigt, und das fühlte sich komisch an!“ Das hektische Lecken hilft ihr, diesen Moment der Unsicherheit emotional zu verarbeiten. Beim hektischen Putzen nach dem Streicheln handelt es sich also um eine Übersprungshandlung.

Dieses Verhalten zeigen Katzen in einer inneren Konfliktsituation – also dann, wenn sie sich unsicher oder überfordert fühlen. Statt zu fliehen, zu schnurren oder zu kratzen, tun sie etwas ganz anderes, scheinbar unpassendes: Sie lecken sich, gähnen, kratzen in die Luft oder schnuppern ins Leere.

Das wirkt für uns manchmal seltsam, ist aber völlig normal. Es hilft der Katze, ihre Gefühle zu regulieren – so wie wir Menschen uns durch die Haare fahren oder tief durchatmen, wenn wir nervös sind. 1

Warum Streicheln zur Reizüberflutung werden kann

Katzen haben besonders empfindliche Nerven in der Haut, vor allem entlang der Wirbelsäule. Selbst wenn sie Körperkontakt mögen, kann zu viel davon schnell „zu viel des Guten“ sein.
Das hektische Lecken nach dem Streicheln ist also kein Zeichen von Ablehnung, sondern ein Weg, Stress abzubauen und wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Denn die wiederholte Bewegung wirkt beruhigend: Beim Lecken werden Endorphine freigesetzt, die Katzen entspannen.

Für viele Katzen sind Streicheleinheiten zwar angenehm, aber auch stimulierend. Die anschließende Fellpflege dient dann zur Beruhigung. So, wie Menschen nach einem aufregenden Erlebnis durchatmen oder bewusst entspannen, findet die Katze durch das Lecken zu ihrem emotionalen Gleichgewicht zurück. Dieses Verhalten ist also keineswegs negativ zu deuten – im Gegenteil: Es zeigt, dass die Katze sich mit sich selbst wohlfühlt.

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Soziale Pflege als Bindungsgeste

Auch in Katzengruppen ist gegenseitiges Lecken ein Zeichen von Nähe und Vertrauen. Wenn Katzen sich nach einer menschlichen Berührung selbst putzen, kann das daher auch ein Zeichen von sozialer Interaktion sein. Der Mensch wird in diesem Moment quasi als Teil der „Gruppe“ wahrgenommen – das anschließende Lecken ist eine Art Fortführung des sozialen Kontakts in Katzenmanier. Sie überdecken also nicht den Geruch ihrer Menschen, sondern mischen ihren eigenen mit ihm.

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Wann Putzen zum Warnsignal wird

So normal das Putzverhalten und auch kleine Übersprungshandlungen sind – es gibt auch Grenzen. Wird es übertrieben, kann es auf gesundheitliche oder seelische Probleme hinweisen.

Einige Stunden tägliches Putzen sind bei Katzen völlig normal. Auffällig wird es aber, wenn kahle Stellen, Hautreizungen oder ständiges Lecken an derselben Stelle auftreten. Solche Anzeichen können auf übermäßiges Putzverhalten hindeuten – oft verursacht durch Stress, Langeweile oder gesundheitliche Beschwerden. Dies nennt sich auch Feline selbstinduzierte Alopezie.

Übermäßiges Lecken kann unter anderem auf Allergien, Hauterkrankungen oder Parasiten hindeuten. Deshalb ist es wichtig, bei auffälligem Verhalten einen Tierarzt zu konsultieren. Auch Veränderungen im Appetit oder Verhalten können zusätzliche Hinweise liefern. Frühzeitige Abklärung hilft, mögliche Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen. Wenn die Katze sich aber jedes Mal oder besonders heftig nach dem Streicheln leckt, kann das ein Hinweis auf Überforderung sein. Folgende Fragen helfen, das Verhalten einzuordnen:

  • Wie lange dauert es, bis die Katze sich nach dem Streicheln leckt?
  • Gibt es Körperstellen, die sie nicht mag (z. B. Bauch oder Rücken)?
  • Zeigt sie andere Stresssignale, etwa Schwanzzucken oder gespannte Körperhaltung?

Dann kann es helfen, die Streicheleinheiten kürzer zu halten oder der Katze die Kontrolle zu überlassen, wann und wo sie berührt werden möchte. 2

Fazit: Ein normales Verhalten mit vielen Bedeutungen

Wenn sich die Katze nach dem Streicheln leckt, ist das in den meisten Fällen völlig normal – und ein Teil ihres komplexen, instinktiven Pflegeverhaltens. Sie zeigt eine Übersprungshandlung, um ihre Emotionen auszugleichen. Das ist kein Zeichen von Ekel oder Ablehnung – sondern Ausdruck ihrer Sensibilität. Es kann der Selbstberuhigung oder der sozialen Kommunikation durch die Erzeugung eines Gruppendufts dienen. Wer seine Katze und ihre Bedürfnisse kennt, erkennt schnell, ob das Verhalten noch im Rahmen liegt – oder ob möglicherweise ein gesundheitliches Problem dahintersteckt.

Quellen

  1. Catster.com, „Why Do Cats Lick Themselves After You Pet Them? Deciphering Cat Behavior (Vet-Reviewed)“ (aufgerufen am 28.10.2025) ↩︎
  2. Articles.hepper.com, „Why Do Cats Lick Themselves After You Pet Them? 3 Likely Reasons“ (aufgerufen am 28.10.2025) ↩︎

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