6. Mai 2026, 8:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wenn sich Hund und Katze übergeben, wäre es nur halb so schlimm, würden die Tiere dies auf Oberflächen täten, die einfach zu reinigen sind. Aber jeder Tierhalter weiß: Mit hoher Wahrscheinlichkeit landet das Erbrochene auf dem einzigen Teppich im Zimmer. Aber warum eigentlich? PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider ist dieser Frage nachgegangen.
Zu der Frage, warum Hunde und Katzen bevorzugt weiche Oberflächen wie Teppiche oder Polster aufsuchen, um sich zu übergeben, gibt es keine Studien. Zumindest habe ich keine gefunden. Aber es existieren unter Tierärzten und Verhaltensspezialisten verschiedene Theorien. Alle beziehen sich mehr oder weniger auf die „Urinstinkte“ der Tiere. Denn in der Natur ist ein Tier, das sich gerade übergibt, ein leichtes Opfer. Hund und Katze versuchen also, sobald ihnen schlecht wird, ein sicheres Plätzchen aufzusuchen und sicherzustellen, dass kein Fressfeind sie durch das Erbrochene aufspüren kann. Das ist übrigens auch ein Grund, warum manche Hunde (und auch Katzen) ihr Erbrochenes wieder auffressen.
Weiche Oberfläche gibt besseren Halt
Eine häufige Theorie, warum sich Hunde und Katzen bevorzugt auf dem Teppich übergeben, statt auf dem Parkett, ist der bessere Halt. Viele Tiere rutschen auf glatten Oberflächen mit den Pfoten weg. Wem es aber ohnehin schon miserabel geht, der möchte wenigstens einen sicheren Stand beim Übergeben haben. Das ist auf einem Teppich oder dem Sofa eher gegeben als auf dem Laminat oder dem Parkett. 1
Weiche Untergründe nehmen Gerüche und Flüssigkeit besser auf
Für mich als Verhaltensbiologin ist das mit Abstand der plausibelste Grund, warum Katzen und Hunde gezielt weiche Untergründe wie Teppiche aufsuchen, um sich zu übergeben. Denn in der Natur müssen die Tiere sicherstellen, sich nicht durch intensive Gerüche zu verraten. Viele verscharren daher auch Kot und Urin, wenn sie diesen nicht gezielt zur Reviermarkierung oder Kommunikation einsetzen. Weiche Untergründe wie Gras oder Sand nehmen Flüssigkeiten und Gerüche schneller auf und lassen sich eventuell auch verscharren. 2
Bei meiner eigenen Katze habe ich gelegentlich beobachten können, wie diese gezielt das Katzenklo aufsuchte, um das Erbrochene zu verbuddeln. Das scheint aber eher die Ausnahme zu sein, denn meine eigenen Erfahrungen sowie die zahlreicher Katzenhalter bestätigen: Zu nahezu 90 Prozent suchen Katzen – aber auch Hunde – gezielt Teppiche auf, um sich zu übergeben. Dabei besonders beliebt: Bad- und Bettvorleger.
Erbrochenes von Katzen erfolgreich aus Teppich und Polstern entfernen
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Sicherheit
Zudem berichten viele, dass ihre Katze oder ihr Hund gerne versteckte oder geschützte Orte aufsuchen, um sich zu übergeben. Bevorzugt geschieht das unter dem Tisch oder dem Bett, und nicht selten berichten Halter, dass das Tier dann genau auf die Steckdose erbricht. Solche Situationen sollte man immer vermeiden, denn sie können lebensgefährlich sein.
Der Wunsch nach Sicherheit könnte auch ein Grund sein, wenn sich Katzen auf dem Sofa oder dem Bett erbrechen. Hier gibt es aber widersprüchliche Theorien. Denn manche beobachten auch, dass Katzen oder Hunde diese Orte aktiv vermeiden und sogar extra vom Bett springen und das Schlafzimmer verlassen, wenn sie erbrechen, um ihr „Nest nicht zu beschmutzen“. 3
Als Verhaltensbiologin habe ich hierzu verschiedene Beobachtungen gemacht: Meine Katze Sweety übergibt sich häufig auf Bett oder Sofa – also Orte, an denen wir sonst gemeinsam kuscheln oder schlafen. Das könnte durchaus mit einem Wunsch nach Sicherheit zusammenhängen oder auch einfach daran liegen, dass die Katze zu spät merkt, dass ihr übel wird und sich an Ort und Stelle übergibt.
Wie verhindere ich, dass sich Katze oder Hund auf dem Teppich übergeben?
Abtrainieren – so wie man das von der Stubenreinheit kennt – kann man das Verhalten leider nicht. Wer gerade mitbekommt, dass sich sein Hund oder seine Katze auf den Teppich übergeben will, kann versuchen, das Tier umzusetzen. Dabei sollte man aber sehr vorsichtig vorgehen, denn beim Hochnehmen können Hund oder Katze in Panik geraten.
Besser ist es, das Tier wegzuschieben oder den Teppich wegzunehmen. Wer geschickt ist, kann auch versuchen, schnell etwas unterzulegen. Das setzt aber oft voraus, dass man etwas Passendes griffbereit hat. Eine weitere Option sind waschbare Teppiche. Wie man nicht waschbare Teppiche wieder sauber bekommt, wenn Hund oder Katze sich darauf übergeben haben, haben wir hier für Sie zusammengestellt: Erbrochenes von Katzen erfolgreich aus Teppich und Polstern entfernen.
Wer ein Tier hat, das sich häufiger übergibt – etwa beim Fellwechsel oder bei Magen-Darm-Infekten –, sollte möglichst auf Teppiche verzichten oder Möbel und Läufer mit speziellen Unterlagen schützen. Mein Geheimtipp: Wickelunterlagen. Ich lege diese gezielt auf Bett oder Sofa aus, wenn ich weiß, dass meine Katze eine Phase hat, in der sie öfter erbricht, weil sie Magenprobleme hat. Diese Unterlagen sind sehr saugfähig und werden gerne angenommen.
