10. April 2026, 6:03 Uhr | Lesezeit: 12 Minuten
Abgemagert, verdreckt und viel zu klein für sein Alter – so fand man Kater Gülli. Er war in eine Güllegrube gefallen und dem Tod nah. Zum Glück wurde er gerettet und Tierschützern übergeben. Seitdem verfolgen Tausende Menschen in den sozialen Medien seine Geschichte. Begleitet wird sie von Influencerin Kathi Junes, die ihre Reichweite gezielt nutzt, um auf Tierschutz aufmerksam zu machen. Im PETBOOK-Interview erzählt sie, wie sie Gülli kennengelernt hat, warum sein Kampf so berührt – und weshalb sie fest daran glaubt, dass sich Hoffnung immer lohnt.
Herzensthema Katzen
Seit mehreren Jahren gehört Kathi Junes zu den bekanntesten Content Creatorinnen im deutschsprachigen Raum. Auf Social Media erreicht sie auf ihrem Kanal „kathijunes“ mit humorvollen Videos – oft gemeinsam mit ihrer Mutter – ein Millionenpublikum. Doch neben Comedy hat sich in den vergangenen Jahren ein zweites Herzensthema entwickelt: Katzen.
Was zunächst mit zwei eigenen Katern begann, wurde durch eine Streunerin namens Kitty zu etwas Größerem. Kathi nahm die kranke Katze bei sich auf, begleitete ihre Geschichte öffentlich – und begann, ihre Reichweite gezielt für den Tierschutz einzusetzen. Dabei arbeitet sie eng mit einem erfahrenen Tierschutzteam zusammen, das sich seit vielen Jahren um die Versorgung und Vermittlung der Katzen kümmert. Kathi unterstützt diese Arbeit, indem sie Einblicke gibt und Aufmerksamkeit schafft.
Vom Gülle-Kater zum Social-Media-Phänomen
So kam schließlich auch Kater Gülli in ihr Leben. Der schwer kranke, stark geschwächte Fundkater wurde über den Tierschutz aufgenommen – und entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum Social-Media-Phänomen. Tausende Menschen verfolgen täglich seinen Zustand, hoffen, bangen und fiebern mit.
Im Gespräch mit PETBOOK erzählt Kathi Junes, wie sie Gülli kennengelernt hat, warum seine Geschichte so viele berührt – und weshalb sie überzeugt ist, dass sich Kämpfen immer lohnt.
„Irgendwie war er sofort besonders“
PETBOOK: „Kathi, du hast Gülli im Tierschutz kennengelernt. Wie war deine erste Begegnung mit ihm?“
Kathi Junes: „Tatsächlich habe ich ihn zuerst über eine WhatsApp-Gruppe gesehen. Da wurde ein Bild von ihm geschickt, wo er in der Badewanne sitzt und ganz grün ist. Irgendwie war er sofort besonders. Ich kann gar nicht genau sagen, warum – aber er ist einfach anders.
Als ich dann vor Ort war, lag er in einer Quarantänebox. Ich dachte direkt: „Oh Gott, das ist ja ein Baby.“ Er sah wirklich aus wie ein zwölf Wochen altes Kätzchen.“
„Wie kann man denn so süß sein?“
War er da tatsächlich noch so jung?
„Nee, eben nicht. Beim Arzt hieß es, er ist schon voll bezahnt, also über sechs Monate alt. Er ist für sein Alter irgendwie zurückentwickelt – aber das macht ihn natürlich noch süßer.
Ich kam rein und er hat sich direkt gefreut. Er drückt immer seinen Kopf gegen die Scheibe, wenn jemand kommt. Da dachte ich nur: ‚Wie kann man denn so süß sein?‘
Ich habe mich dann dazu bereit erklärt, mehr Zeit mit ihm zu verbringen und das Ganze auch zu filmen, weil ich dachte, das könnte interessant für die Leute sein. Dass es so ein großes Interesse wird, hätte ich aber nie gedacht. Inzwischen wollen alle tägliche Updates und fiebern total mit.
Deshalb versuche ich auch wirklich, jeden Tag seinen Gesundheitszustand zu teilen.
Ich habe ihn damals auch direkt auf den Arm genommen, eingewickelt in seine Decke, und dachte nur: „Oh Gott, ist der süß.“ Das war wirklich total herzergreifend.“
„Oh Gott, hoffentlich ist er morgen noch da“
Wisst ihr etwas zu seiner Vorgeschichte?
„Es sind nur Vermutungen, wir wissen es nicht genau. Er kam einfach dort an und war schon sehr zutraulich. Aber ob er Geschwister hat oder wo seine Mutter ist – dazu konnten wir gar nichts herausfinden. Er war wirklich ganz allein.“
Gab es einen Moment, in dem du dachtest, er schafft es nicht?
„Ja, auf jeden Fall – vor allem am Anfang. Ich bin sowieso ein Mensch, der schnell solche Ängste hat. Und wenn man ihn so sieht, dieses ständige Auf und Ab im Gesundheitszustand, dann ist die Angst immer da.
Besonders schlimm war zu sehen, wie er um jeden Atemzug kämpfen muss. Das ging richtig in den Bauch. Sein Bauch war ja auch ganz aufgebläht, deshalb bekommt er jetzt etwas dagegen. Wenn die Nase zu ist – und Katzen können ja kaum durch den Mund atmen – dann hat er oft die Zunge draußen.
Das sieht zwar süß aus, ist es aber eigentlich gar nicht. Vor allem an Tagen, an denen die Nase komplett zu ist, merkt man das verstärkt.
Ich hatte auch oft nachts diese Gedanken: ‚Oh Gott, hoffentlich ist er morgen noch da.‘ Wenn das Handy klingelt, schaue ich sofort, ob alles in Ordnung ist.
Aber ich glaube, über diesen Punkt sind wir inzwischen hinaus. Er frisst, hat gut zugenommen und sieht viel besser aus. Ich denke, wir sind über den Berg. Am Anfang hatte ich große Angst, aber optimistisch zu bleiben hat geholfen. Hoffnung ist einfach wichtig.“
„Er wird immer weißer, das Grüne geht nach und nach raus“
Gülli hat ja noch Spuren im Fell und riecht auch noch etwas. Wird er regelmäßig gewaschen oder vermeidet ihr das gerade?
„Er wurde ganz am Anfang einmal komplett gebadet. Seitdem lassen wir ihn das selbst machen, weil Katzen sich ja sowieso viel putzen. Mit dem Katzenschnupfen wäre es einfach zu riskant, ihn jetzt wieder komplett nass zu machen – das kennt man ja selbst, mit nassen Haaren wird es schnell schlimmer.
Deshalb reinigen wir ihn nur vorsichtig mit feuchten Tüchern, vor allem im Gesicht. Aber ein richtiges Bad lassen wir erst mal. Man sieht auch, dass es von allein besser wird: Er wird immer weißer, das Grüne geht nach und nach raus. Und so stark riecht er inzwischen auch nicht mehr – nur noch, wenn man ganz nah rangeht.“
„Da kamen dann richtige grüne Klumpen raus“
In deinen Videos sieht man Gülli oft mit einem Inhalationsgerät. Was genau passiert da?
„Das hilft, den Schleim zu lösen. Gülli hat wirklich die komplette Stirn voller Schleim, man hört das auch beim Atmen, das blubbert richtig. Inzwischen gab es schon Tage, an denen sich das gelöst hat – da kamen dann richtige grüne Klumpen raus. So eklig das klingt, aber das ist total wichtig, damit die Entzündung abheilen kann. Deshalb inhalieren wir regelmäßig.“
Hast du das Gefühl, dass er merkt, dass ihm das hilft?
„Ja, total. An guten Tagen will er einfach nur spielen und hat gar keine Lust darauf. Aber an schlechteren Tagen merkt man richtig, wie er seine Nase da reindrückt und sogar darauf herumbeißt. Er macht das echt unglaublich gut mit – vor allem, wenn man bedenkt, wie laut das Gerät ist. Das ist wirklich nicht selbstverständlich für eine Katze.“
„Er hat so eine Lust auf sein erstes richtiges Katzenleben“
Was hat dich an Güllis Geschichte persönlich am meisten berührt?
„Vor allem sein Kampfgeist. Man sieht so ein kleines Lebewesen, das so einen Willen hat – da können sich viele Menschen echt eine Scheibe von abschneiden. Er zeigt mir jeden Tag, dass sich Kämpfen lohnt.
Er hat so eine Lust auf sein erstes richtiges Katzenleben, sag ich immer. Und das merkt man total. Er ist so offen, so lieb – und man hat wirklich das Gefühl, er will Hilfe.
Ich stelle mir auch genau so vor, wie er „sprechen“ würde. Diese Stimme, die ich ihm in den Videos gebe – genauso wäre er, glaube ich: lieb, motivierend. Das berührt mich sehr.“
»Die Leute fiebern total mit
Wie kamst du darauf, ihm überhaupt eine eigene Stimme zu geben?
„Das habe ich schon vorher gemacht, zum Beispiel bei meiner Katze Kitty. Die ‚erzählt‘ auch selbst. Und wir haben noch einen Kater mit Kleinhirnhypoplasie, der wackelt beim Laufen – der hat auch schon aus seiner Perspektive ‚gesprochen‘.
Das ist also schon länger mein Content. Bei Gülli ist es dann einfach besonders durch die Decke gegangen. Viele haben das von Anfang an gesehen, und aktuell wollen die Leute vor allem ihn hören – sie fiebern total mit.
Ich glaube, ich mache das auch, weil ich mir selbst manchmal wünsche, dass meine Tiere sprechen könnten. Irgendwann habe ich dann einfach gedacht: Dann lass sie halt selbst erzählen.“
Gerade jetzt braucht er einfach viel Zuwendung
Wie oft besuchst du Gülli aktuell?
„Mittlerweile jeden Abend, meistens so anderthalb Stunden. Allein das Inhalieren dauert schon etwa 20 Minuten. Aber es geht nicht nur um die Behandlung – wir nehmen uns auch Zeit zum Kuscheln und Reden.
Ich glaube, das ist genauso wichtig wie die Medikamente. Gerade jetzt braucht er einfach viel Zuwendung. Und man merkt das auch: Wenn ich reinkomme und er meine Stimme hört, drückt er direkt seinen Kopf gegen die Scheibe. Er freut sich richtig – das ist total schön zu sehen.“
In einem Video, das viele berührt hat, schenkst du Gülli eine kleine Chili als Glücksbringer. Warum gerade eine Chili?
„Ich habe die gesehen und wusste noch, wofür sie steht: für Stärke, Kraft und Lebensenergie. Und da dachte ich sofort, das ist genau das, was er gerade braucht.
Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und mag Dinge mit Bedeutung. Ich war unterwegs, habe für meine Katzen eingekauft und musste an Gülli denken – da habe ich ihm die Chili einfach mitgebracht. Die Farbe Rot steht ja auch für einen Neuanfang, und das passt einfach perfekt zu ihm.“
„Ich bekomme unzählige Nachrichten und E-Mails“
Wie schätzt du Güllis Gesundheitszustand ein? Wird er irgendwann ein normales Katzenleben führen können?
„Er hatte ja am Anfang eine tiefe Verletzung am Bein, die sah wirklich schlimm aus, ist aber richtig gut verheilt. Aktuell macht ihm vor allem der Katzenschnupfen zu schaffen.
Er wurde komplett durchgecheckt und geröntgt – da ist zum Glück alles in Ordnung. Jetzt hoffen wir einfach, dass der Schnupfen nicht chronisch wird, das kann ja passieren, wenn Katzen das so früh bekommen. Aber wir bleiben optimistisch.
Es ist immer ein bisschen ein Auf und Ab: An manchen Tagen denke ich, jetzt geht es nur noch bergauf – und am nächsten Tag ist es wieder schlechter. Aber insgesamt, wenn man sich den Verlauf anschaut, geht es schon stetig nach oben.“
Wie viele Anfragen gibt es inzwischen für Gülli?
„Ganz viele. Ich komme überhaupt nicht mehr hinterher mit Antworten. So etwas habe ich noch nie erlebt – selbst auf meinem großen Account nicht.
Ich bekomme unzählige Nachrichten und E-Mails. Die Leute „bewerben“ sich richtig, erzählen ihre Lebensgeschichte, was sie arbeiten, wo sie wohnen – und wollen ihn unbedingt adoptieren. Es sind auf jeden Fall Hunderte. Ich sage immer: Er ist ein echter Herzensbrecher.“
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„Gülli würde sagen, dass sich Kämpfen immer lohnt“
Gibt es denn schon konkrete Pläne für ihn?
„Im Moment steht ganz klar seine Gesundheit an erster Stelle. Das ist das Wichtigste.
Grundsätzlich ist es bei uns aber so, dass wir für jede Katze ein liebevolles Für-immer-Zuhause suchen – eine Familie, bei der wir sicher sind, dass sie glücklich wird. Und das ist natürlich auch der Plan für Gülli.“
In deinen Videos „spricht“ Gülli. Welche Botschaft hätte er an die Menschen?
„Ich glaube, er würde sagen, dass sich Kämpfen immer lohnt. Er erzählt ja auch immer, wie stark er ist und wie sehr er sich auf sein erstes richtiges Katzenleben freut – trotz allem, was er schon durchgemacht hat.
Er würde den Menschen Mut machen, nicht aufzugeben und immer an ihr Ziel zu glauben. Und er sagt ja auch immer: ‚Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen.‘
Ich glaube, er will zeigen, dass es sich lohnt, weiterzukämpfen – und auch anderen Mut machen, zum Beispiel Menschen mit kranken Tieren, die vielleicht gerade die Hoffnung verlieren.
Ich selbst kann das Happy End kaum abwarten, aber ich bin mir sicher, dass es eins geben wird.“
„Es gibt so viele wunderbare Katzen im Tierheim – man muss nur hinschauen“
Und welche Botschaft hast du als Kathi?
„Mir ist es ganz wichtig zu sagen: Wenn man einem Tier ein Zuhause geben möchte, schaut unbedingt im Tierschutz oder im Tierheim. Es gibt so viele tolle Tiere – auch ältere oder kranke –, die es genauso verdienen.
Ich verstehe total, wenn man sich ein Kitten wünscht, das war bei mir früher auch so. Aber inzwischen habe ich auch eine 15-jährige Katze aufgenommen und merke: Sie gibt mir genauso viel wie die anderen.
Klar, man weiß, dass man vielleicht weniger Zeit hat. Aber diese Zeit ist nicht weniger wertvoll. Deshalb sage ich immer: ‚Adopt, don’t shop.‘
Gerade alte oder kranke Tiere brauchen oft noch mehr Aufmerksamkeit. Es gibt so viele wunderbare Katzen im Tierheim – man muss nur hinschauen.“