2. September 2025, 13:47 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler hat bei ihrer Alpenüberquerung nicht nur viele Höhenmeter überwunden, sondern auch ein ganz besonderes Hüttenerlebnis erfahren: Die Sudetendeutschen Hütte in Osttirol – gelegen auf luftigen 2656 Metern – ist nicht nur Startpunkt für Klettertouren auf mehrere 3000er, sondern man wird auch mit Hafermilch-Chai-Latte und kreativen Knödelvariationen verwöhnt. Hier lebt auch Kater Emil – der wahre Chef im Haus.
Die Hütte wird von Laura Gallonetto und ihrem Partner Patrick Juriga in den Sommermonaten betrieben und ausschließlich per Helikopter versorgt. Zwischen Gästezimmern, Fensterbänken mit Sonnengarantie und der einen oder anderen Mäusepatrouille hat Kater Emil seinen ganz eigenen Rhythmus entwickelt. Wie man eine Katze per Helikopter transportiert, warum sie sich gern im Waschbecken bettet und ob Höhenluft vielleicht flauschiger macht – das erzählen Laura und Patrick im Interview.
Emil verbringt den Sommer auf der Hütte, den Winter im Tal
PETBOOK: Ihr habt eine Hüttenkatze – wie kam es dazu?
Laura Gallonetto: „Also, die erste Saison haben wir noch ohne Katze gemacht, aber es waren doch einige Mäuse unterwegs. Und ich bin mit Katzen und generell Haustieren aufgewachsen. Leider wurden dann unsere beiden Katzen überfahren. Danach meinte meine Mama, sie möchte keine Haustiere mehr – es ist einfach zu schlimm, wenn sie dann sterben.
Irgendwann haben meine Mama und ich dann aber eine Flasche Prosecco getrunken. Da hab’ ich gesagt: ‚Ich hätte so gern eine Katze da oben auf der Hütte.‘ Aber ich wollte keine in unserer Wohnung in Innsbruck – ich finde, Katzen sollen raus können. Und dann hat meine Mama gesagt: ‚Okay, dann teilen wir.‘“
Patrick Juriga: „Wir machen Cat-Sharing.“
Laura Gallonetto: (lacht) „Cat-Sharing, genau. Im Winter wohnt er bei meiner Mama, weil da ein Haus mit einem großen Wald dahinter ist. Das ist einfach schöner für ihn als unsere Wohnung. Katzen sollen für mich raus können.“
Wie man eine Katze per Helikopter transportiert
PETBOOK: Aber hier auf der Hütte ist es ja manchmal schon richtig kalt, 4 Grad aktuell. Geht er trotzdem gern raus?
Laura Gallonetto: „Er geht schon oft raus, aber nie besonders weit weg. Er ist auch gern drinnen. Besonders liebt er die tiefen Fensterbänke mit Sonnenschein oder die Hitze vom Ofen. Oft geht er in der Dämmerung raus – dann bekommt er so einen Schub, als ob er jagen möchte. Aber er bleibt immer in der Nähe. Anfangs hatten wir Angst, dass ihn ein Adler holt – von der Größe würde es ja passen. Aber er bleibt wirklich nah beim Haus.“
Patrick Juriga: „Wenn wir in der Früh draußen beim See frühstücken, merkt er das und kommt raus. Es ist ganz unterschiedlich.“
PETBOOK: Brauchtet ihr eine Genehmigung vom Alpenverein, um ihn mitzunehmen?
Laura Gallonetto: „Nein, wir haben da freie Hand. Wir hatten hier auch schon mal einen Hund, das ist kein Problem.“
PETBOOK: Wie bringt ihr ihn denn hoch? Tragt ihr ihn oder läuft er mit?
Laura Gallonetto: „Wenn wir raufgehen, ist die Hütte meist noch nicht in Betrieb, da ist also noch nichts für ihn vorbereitet. Dann kommt er mit dem Helikopter mit – in seiner Box.“
Patrick Juriga: „Aber natürlich nicht am Seil unten, sondern in der Kabine. (lacht) Einmal haben wir ihn auch runtergetragen – da war früher Schneefall – in seiner Box, auf dem Rücken mit der Kraxe.“
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Macht die kalte Luft auf 2656 Metern Emil flauschiger?
PETBOOK: Beim Streicheln hab’ ich gemerkt, dass er sehr flauschig ist. Ich dachte schon, er hat noch Winterfell. Bemerkt ihr, dass er hier oben mehr Fell hat oder er das Winterfell nicht so wie unten verliert?
Laura Gallonetto: „Das weiß ich gar nicht so richtig. Ich hab’ nicht das Gefühl, dass er hier dickeres Fell hat. Als Britisch Kurzhaar ist er einfach generell sehr flauschig. Also ja, es fühlt sich so an.“ (lacht)
PETBOOK: Spielt er eigentlich gern?
Laura Gallonetto: „Schon, vor allem morgens. Wenn wir Frühstück herrichten, folgt er uns in die Küche. Danach spiel’ ich oft mit ihm.“
Patrick Juriga: „Er steht mit uns auf und geht mit uns runter. Abends wartet er dann schon an der Treppe, so als würde er sagen: ‚Gehen wir endlich rauf?‘ Dann geht er mit uns schlafen.“
Laura Gallonetto: „Er findet auch immer irgendwas zum Spielen – Papierknödel von den Rechnungen oder meine Haargummis.“
Emil ist wie der König der Hütte
PETBOOK: Wie macht ihr das mit dem Katzenklo hier oben?
Laura Gallonetto: „Der Müll wird runtergeflogen – wie bei einem Hund. Wir machen das ähnlich wie bei einem Hund, mit Beuteln. Das wird dann ganz normal in Müllsäcken gesammelt. Wir haben auch so eine Rolle, wie es sie für Hundekotbeutel gibt – das funktioniert gut.“
PETBOOK: Wie lange seid ihr denn im Sommer auf der Hütte?
Laura Gallonetto: „Vier Monate insgesamt. Drei Monate ist geöffnet, aber wir sind etwa vier Monate da.“
PETBOOK: Wie reagiert er auf Gäste – oder die Gäste auf ihn?
Patrick Juriga: „Ich würde nicht sagen, dass er schüchtern ist – eher ist er wie der König der Hütte. Er sucht sich selbst aus, zu wem er will. Wenn jemand ihn streicheln will und er nicht mag, merkt man das sofort. Aber er sitzt schon in der Nähe der Gäste.“
Laura Gallonetto: „Die meisten freuen sich über ihn. Auch Allergiker sind oft überrascht, dass es gar nicht so schlimm ist – vielleicht, weil er Britisch Kurzhaar ist. Patrick ist auch allergisch, aber bei Emil geht’s.“
PETBOOK: Hat Emil eigentlich einen eigenen Hütten-Schlafsack?
Laura Gallonetto: (lacht) „Nein, er schläft bei uns im Zimmer. Oft liegt er im Waschbecken oder unter dem Bett – da ist so eine Notfallmatratze drunter, für ihn wie eine kleine Höhle. Unser Zimmer ist genau über der Stube, da ist es schön warm. Irgendwann in der Nacht kommt er dann aufs Bett, läuft über uns drüber, legt sich auf den Magen – ja, ganz typisch. Und wenn er bei meiner Mama ist, schläft er bei ihr.“
PETBOOK: Ein Kater, der auf 2656 Metern Höhe lebt, ist ja schon sehr besonders. Gibt es noch etwas Ungewöhnliches an Emil?
Laura Gallonetto: „Ja, er frisst gern Gras. Und Nori-Algenblätter.“