9. November 2025, 16:11 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten
Auf den ersten Blick kann es aggressiv wirken, wenn eine Katze faucht – doch es ist meist nur ein klares Warnsignal. Warum sie so reagieren, was genau dabei im Körper passiert und wie man als Halter damit umgehen sollte, erklärt PETBOOK-Redakteurin und Katzensitterin Louisa Stoeffler im Folgenden.
Fauchende Katzen sind nicht bösartig
Ich habe einmal auf eine Katze aufgepasst, die mich mit einer beeindruckenden Mischung aus Zuneigung und Abwehr begrüßte. Sobald ich die Wohnung betrat, stellte sie sich mit gesträubtem Fell und angelegten Ohren vor mich und fauchte, als wolle sie sagen: „Was hast du hier zu suchen?“
Doch kaum begann ich, ihr Futter in den Napf zu füllen, änderte sich ihr Verhalten schlagartig. Sie schmiegte sich schnurrend an meine Beine, rieb ihren Kopf an meinen Waden – und fauchte mich im nächsten Moment wieder an, sobald der Napf gefüllt und hingestellt war.
Dieses widersprüchliche Verhalten war kein Zeichen von Bosheit, sondern Ausdruck innerer Ambivalenz: Die Katze war unsicher, wer ich in ihrem Revier war, gleichzeitig aber neugierig und hungrig genug, um meine Anwesenheit zu dulden. Solche Situationen zeigen wunderbar, wie komplex und nuanciert die Kommunikation von Katzen ist – und dass selbst ein Fauchen mehr mit Unsicherheit als mit Aggression zu tun hat.
Wie funktioniert das Fauchen bei der Katze überhaupt?
Katzen geben in der Kommunikation mit uns Menschen eine Vielzahl von Lauten von sich. Einer davon ist das Fauchen, das die Tiere für verschiedene Zwecke einsetzen können. Doch eins ist fast jedem Fauchen gemein: Das Tier zeigt, dass es sich nicht wohlfühlt.
Der Ton und der Ausdruck, den es annimmt, werden häufig als aggressiv wahrgenommen. Tatsächlich ist das Fauchen bei Katzen aber eher ein passives, erstes Warnzeichen, bevor das Tier beginnt, sich zu verteidigen.
Katzen, die fauchen, verändern sich deutlich. Das Tier legt die Ohren an und macht einen Buckel. Das Fell am Rücken und am Schwanz sträubt sich und wird buschig. Dann öffnet die Katze weit das Maul und zeigt ihre Zähne. Sie wölbt die Zunge an den Seiten nach oben. Durch schnelles Aus- und Einatmen entsteht dann bei gerollter Zunge ein zischender Laut. Je länger die Katze vorab eingeatmet hat, desto länger dauert der Fauchlaut. Das Tier stellt sich auf Abwehr ein und will deutlich anzeigen, dass es Abstand möchte. Mit diesem defensiven Verhalten will die Katze vor allem abschrecken, aber zunächst erst mal nur ihr Unbehagen ausdrücken.
Welche Gründe gibt es, wenn die Katze faucht?
Wenn eine Katze faucht, will sie damit unter anderem deutlich machen, dass sie einer Situation gern entkommen möchte. Unter folgenden Umständen kann es dazu kommen.
Warnung
Die Katze möchte mit ihrem Fauchen eine deutliche Warnung an mit ihr lebende Menschen ausstoßen. Dies tut sie unter anderem, wenn sie sich bedroht fühlt und will, dass man Abstand hält. Manche Katzen nutzen Fauchen auch als klare Ansage an Artgenossen – etwa, wenn ihnen der andere zu nahekommt oder Grenzen überschreitet.
Schmerzen
Beginnt die Katze zu fauchen, wenn man sie an einer bestimmten Stelle berührt, hat das Tier wahrscheinlich bei der Berührung Schmerz empfunden. Haben Katzen Zahnschmerzen, kann es sogar vorkommen, dass sie während des Fressens den Futternapf anfauchen. Neben akuten Schmerzen können auch chronische Erkrankungen, hormonelle Veränderungen (z. B. während der Rolligkeit) oder altersbedingte Beschwerden wie Arthrose dazu führen, dass Katzen empfindlich reagieren und fauchen.
Stress
Bei lauten Geräuschen, wie zum Beispiel bei rauschenden Partys oder in der Silvesternacht, reagieren manche Katzen auf die Lautstärke mit Stress und beginnen zu fauchen. In diesen Fällen sollte die Katze sich in einen ruhigen Raum oder einen geschützten Platz zurückziehen können. Auch zu viele Reize – etwa laute Musik, viele Besucher, neue Möbel oder ungewohnte Gerüche – können Katzen überfordern. Schon kleine Veränderungen in ihrem gewohnten Umfeld lösen Stress aus, der sich im Fauchen äußern kann.
Frustration
Geht es beim Spielen hoch her, kann es auch dazu kommen, dass die Katze faucht. Dies kann ein Ausdruck von Frustration sein, wenn die Spiel- oder Federangel immer außer Reichweite bleibt. Dies ist auch ein Grund, warum sich Laserpointer nur bedingt als Spielzeug für Katzen eignen. Besser ist es, die Katze beim Spielen auch mal gewinnen zu lassen, damit sie ein Erfolgserlebnis bei der Jagd verspürt.
Frustration kann auch entstehen, wenn der Halter die Körpersprache der Katze falsch deutet – etwa, wenn sie an einer empfindlichen Stelle gestreichelt wird oder sich bedrängt fühlt. Das Fauchen ist dann kein aggressives Verhalten, sondern ein klares „Bitte nicht!“.
Schreck
Man sollte seine Katze nicht vorsätzlich erschrecken. In diesem Fall kann es ebenfalls vorkommen, dass Katzen plötzlich vor Schreck fauchen oder sogar Angst vor ihren Haltern entwickeln. Besonders sensible Tiere reagieren auch auf plötzliche Bewegungen oder neue Geräusche – etwa fallende Gegenstände oder das Öffnen einer Tür – mit einem kurzen, reflexartigen Fauchen.
Unsicherheit
Wenn Katzen sich in einer fremden Umgebung oder bei unbekannten Menschen befinden, kann dies Unsicherheit bei dem Tier hervorrufen. Dies kann dazu führen, dass sie häufiger fauchen, als sie es normalerweise tun. In der Regel legt sich diese Art von Fauchen aber nach einer Weile.
Katzen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben oder eine unsichere Vergangenheit haben, fauchen oft schneller. Auch plötzliche Veränderungen in ihrer Umgebung – ein Umzug, neue Menschen oder Möbel – können Unsicherheit auslösen. In solchen Momenten hilft es, ihnen Zeit und Rückzugsorte zu geben.
Angst
Katzen sind sehr schreckhafte Tiere und zeigen Angstreaktionen bei lauten oder plötzlichen Geräuschen. Ähnlich wie bei einem kurzen Schreck reagieren sie auch auf länger andauernde Angst häufig zuerst mit einem Fauchen. Auch bei lauten elektronischen Geräten, wie dem Staubsauger oder einem Haartrockner, können die Tiere diese Angstreaktion zeigen.
Ältere Katzen oder Tiere mit eingeschränktem Seh- oder Hörvermögen reagieren häufig ängstlicher auf ungewohnte Situationen. Fauchen kann dann eine Art Schutzmechanismus sein, um Kontrolle zu bewahren.
Spielfreude oder zu grobes Spielen
Wenn die Katze im Spiel mit der Pfote nach dem Halter langt und dabei faucht, dann ist das Geräusch meist harmlos, denn Fauchen gehört bei ausgelassenem Spielen der Tiere dazu. Besonders junge oder temperamentvolle Katzen fauchen manchmal auch aus Übermut oder Überforderung, wenn das Spiel zu wild wird.
Katzen können jedoch bei zu grobem Spielen auch Warnungen ausstoßen, um anzuzeigen, dass sie genug haben und genervt sind. Dies ist besonders unter Kitten wichtig, damit sie das richtige Verhalten lernen und nicht zu grob miteinander umgehen.
Unbekanntes
Kommt eine neue Katze in den Haushalt, reagiert die Altkatze vielleicht mit territorialem Verhalten auf den „Eindringling“. Katzen reagieren manchmal auch auf fremde Menschen mit einer Abwehrhaltung, besonders, wenn sie diese als Eindringlinge in ihr Territorium wahrnehmen.
Spiegelung
Haben Halter und Katze eine besonders gute Beziehung, kann es dazu kommen, dass Katzen unsere Stimmung spiegeln. Katzen nehmen die Emotionen ihrer Menschen sehr fein wahr, besonders, wenn man als Halter gestresst, laut oder unruhig ist. Dann kann sich diese Anspannung auf das Tier übertragen – es reagiert dann mit Fauchen, ohne selbst genau zu wissen, warum.
Kognitive Veränderungen
Mit zunehmendem Alter kann sich bei Katzen das Verhalten verändern – manchmal wirkt das Fauchen dann „grundlos“. Ältere Tiere können verwirrt, orientierungslos oder reizbarer werden, besonders in der Dämmerung oder nachts. Das liegt häufig an kognitiver Dysfunktion, einer Art Demenz bei Katzen.
In solchen Fällen fauchen sie nicht, weil sie wütend oder ängstlich sind, sondern weil sie schlicht nicht einordnen können, was gerade passiert – etwa, wenn ihr Mensch plötzlich vor ihnen steht oder ein vertrauter Raum „fremd“ wirkt. 1 , 2
Auch interessant: Warum bringt mir meine Katze ständig Spielzeug, obwohl sie nicht spielen will?
Was kann ich tun, wenn meine Katze plötzlich faucht?
Wenn die Katze den Halter anfaucht, sollte man zuerst schauen, welche der oben genannten Gründe vorliegen könnten. Hat das Tier Schmerzen, fühlt es sich in die Enge getrieben oder hat es vielleicht genug vom Spielen? In jedem Fall sollte man als Halter dem Tier genügend Freiraum geben, wenn es zeigt, dass es sich nicht wohlfühlt. Als Halter sollte man die Bedürfnisse der Katze respektieren und sie nicht streicheln oder hochnehmen, wenn sie dies nicht möchte.
Wenn man sich nicht sicher ist, ob einer der oben genannten Gründe oder mehrere zutreffen, sollte man das Tier gründlich untersuchen. Faucht es vielleicht, wenn man es an bestimmten Stellen berührt? Dies könnte tatsächlich ein Anzeichen dafür sein, dass das Tier Schmerzen hat. In jedem Fall sollte man die Katze einem Tierarzt vorstellen, um die Ursache für das plötzliche Fauchen abzuklären.
Man sollte auch Kindern den respektvollen Umgang mit Tieren beibringen. Denn faucht die Katze, wenn ein Kind sie am Schwanz zieht, hat sie einen sehr guten Grund für dieses Warnzeichen. Richtiger Umgang und Streicheln eines Tieres wollen gelernt sein.
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Auch Katzen, die normalerweise gut miteinander auskommen, kriegen sich manchmal buchstäblich in die Haare und fauchen sich an. In der Regel ist dies kein Grund zur Beunruhigung, sondern einfach ein Zeichen dafür, dass für eins der Tiere hier eine klare Grenze überschritten hat oder das Spiel zu wild wurde. Dann kann das Fauchen ein eindeutiges Zeichen sein, dass es nun erstmal genug mit dem Balgen ist.
Besorgniserregend wird das Fauchen jedoch, wenn es zur Gewohnheit wird oder nur eine Katze regelmäßig die andere anfaucht. Für Harmonie im Mehrkatzenhaushalt kann gesorgt werden, wenn die Streithähne eigene Plätze haben, um sich zurückzuziehen. Sollte sich jedoch keine Ruhe einstellen, kann das Fauchen bereits zu einem erlernten Verhalten geworden sein. Hier sollte man sich Unterstützung von Verhaltensexperten und Tierarzt holen.
Kann man der Katze das Fauchen abgewöhnen?
Fauchen gehört zu den natürlichen Lauten der Katze und man sollte nicht versuchen, es der Katze abzugewöhnen oder sie gar dafür zu bestrafen. Lieber sollte man versuchen, herauszufinden, weshalb das Tier sich nicht wohlfühlt, und entsprechend handeln. Fehlt der Katze Freiraum oder Rückzugsmöglichkeiten, sollte man auf die Bedürfnisse des Tieres eingehen. Zum Beispiel, indem man der Katze ruhige Liegeplätze oder gar ein eigenes Zimmer als Rückzugsort anbietet. Dies sorgt auch in dem Fall, dass die Katze ständig ein anderes im Haushalt lebendes Tier anfaucht, dafür, dass sich das Tier wieder wohler fühlt.
Gibt es tatsächlich keinen Grund, weshalb die Katze einen Menschen anfaucht, ist es auch möglich, dass sie ihn wie in meiner Erfahrung als Eindringling wahrnimmt. In diesem Fall will sie ihn durch das Fauchen aus ihrem Revier vertreiben. Dies kann vorkommen, wenn es dem Tier nicht behagt, wenn man sich in seinem Territorium befindet. In diesem Fall empfiehlt es sich, einfach seinem Tun nachzugehen, bis die Katze einen nicht mehr als Eindringling wahrnimmt.