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Verhalten erklärt

Bunny Kicks bei Katzen – warum sie mit den Hinterpfoten treten

Katze kuschelt mit Spielzeug und bearbeitet es mit Bunny Kicks
Manche Spielzeuge laden Katzen geradezu ein, ihnen ein paar Bunny Kicks zu verpassen Foto: Getty Images / rai
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

26. Januar 2026, 17:09 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Sie klammern sich fest, beißen und treten mit voller Hingabe mit den Hinterpfoten zu: Sogenannte Bunny Kicks haben viele Halter bei ihren Katzen schon einmal gesehen. Was auf den ersten Blick niedlich oder verspielt wirkt, ist in Wahrheit ein tief verwurzeltes Verhalten aus Jagd und Verteidigung. Doch nicht jeder Bunny Kick bedeutet Aggression – manchmal steckt dahinter auch überschäumende Spielfreude, wie PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler durch ihren Kater Remo weiß.

Warum meine Katze Bunny Kicks zeigt

Mein Kater zeigt Bunny Kicks quasi seit dem ersten Tag bei mir – ich habe ihn aus dem Tierschutz geholt, und dieses Verhalten war von Anfang an Teil seines Spiels. Auffällig ist: Er macht das fast immer mit sich allein. Meist schnappt er sich ein Spielzeug, hält es mit den Vorderpfoten fest und tritt konzentriert mit den Hinterbeinen dagegen, völlig versunken in seinem eigenen kleinen Jagdritual. Ein paar Tage nach seinem Einzug hat er aber auch ganz allein nur mit seinen Füßen gespielt. Ich führe dies darauf zurück, dass ihm vermutlich die Spielkameraden gefehlt haben und er gelernt hatte, auf diese Art mit sich selbst zu spielen. Aber schauen Sie selbst einmal:

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Ich habe für mich den Eindruck, dass es sich bei ihm um eine Art „verkapseltes Spielverhalten“ handelt. Remo hatte im Tierheim vermutlich wenig Gelegenheit, ausgiebig mit anderen Katzen zu raufen und spielerisch Grenzen zu lernen – etwas, das viele Katzen eigentlich schon im Kittenalter mit ihren Wurfgeschwistern üben. Stattdessen richtet sich sein Spieltrieb heute stark auf Objekte oder er spielt einfach mit seinen Füßen.

Gelegentlich zeigt er die Bunny Kicks auch mal an meinem Arm. Aber hier arbeitet Remo nie mit voller Kraft, nie so, dass es schmerzhaft wäre oder nach Aggression aussieht. Im Gegenteil: Remo wirkt dabei eher übermütig, hochkonzentriert und elektrisiert als wütend oder gestresst. Seine Körpersprache bleibt locker, es gibt kein Fauchen, kein Knurren, keine angespannte Haltung.

Gerade weil Remo insgesamt extrem verspielt ist, wirken seine Bunny Kicks für mich nicht problematisch, sondern eher wie ein Ventil für überschüssige Energie und Jagdtrieb. Solange er dabei niemanden verletzt, klare Pausen akzeptiert und sich gut umlenken lässt, sehe ich dieses Verhalten als Teil seiner Persönlichkeit – und nicht als Zeichen von Aggression.

Was sind Bunny Kicks überhaupt?

Aber zurück zur Ausgangssituation: Was ist das überhaupt? Als Bunny Kick bezeichnet man das kräftige, rhythmische Treten mit den Hinterpfoten, während die Katze ihr „Ziel“ mit den Vorderpfoten festhält. Die Bewegung erinnert an das Treten von Hasen – daher der Name. In der Natur ist dieses Manöver ein effektiver Teil der Jagd: Die Katze fixiert ihre Beute, hält sie fest und fügt mit den Hinterbeinen maximalen Schaden zu.

Auch Hauskatzen tragen diesen Instinkt weiterhin in sich – selbst dann, wenn ihre „Beute“ nur ein Stofftier, eine Decke oder ein Spielzeug ist.

Treten als Überlebensstrategie: Der Bunny Kick in der Natur

Das mit den Hinterbeinen ausgeführte Treten ist kein neuartiges oder rassespezifisches Verhalten, sondern findet sich bei sämtlichen Katzenarten. Der Grund: Es handelt sich um eine evolutiv entwickelte Technik, die der Sicherung des Überlebens dient – sei es beim Beutefang, bei der Abwehr von Feinden oder bei Kämpfen um Fortpflanzungspartner.

Insbesondere für Wildkatzen spielt der Bunny Kick eine entscheidende Rolle, um größere Beutetiere wie Kaninchen oder Eichhörnchen zu bezwingen. Mit gezielten Tritten fügen sie ihrer Beute so viel Schaden zu, dass eine Flucht unmöglich wird. Töten müssen sie das Tier dabei nicht zwingend – viele Katzen bewahren ihre Beute für später auf oder spielen zunächst mit ihr.

Auch im Konkurrenzkampf zweier unkastrierter Kater um eine paarungsbereite Kätzin kommt der Bunny Kick zum Einsatz. Hier wird er als wirksame Kampftechnik genutzt, um den Rivalen zu verdrängen. Die körperliche Auseinandersetzung bleibt durch die Effektivität der Tritte meist kurz – der unterlegene Kater zieht sich zurück, während der Sieger sich mit dem Weibchen paaren darf.

Warum Katzen Bunny Kicks machen – drei häufige Gründe

1. Spielverhalten und überschüssige Energie

Wie am Beispiel von Remo beschrieben, entstehen Bunny Kicks vielen Katzen aus reinem Spieltrieb. Sie lassen ihren Jagdinstinkt kontrolliert an einem Objekt aus. Besonders häufig ist dieses Verhalten bei sehr verspielten Katzen zu beobachten – oder bei Tieren, die früh gelernt haben (oder es mussten), allein zu spielen.

Dass der Bunny Kick auch im Spielverhalten zu beobachten ist, liegt daran, dass junge Katzen diese Bewegungsform früh trainieren. Bereits im Kittenalter rangeln sie miteinander, setzen ihre Hinterpfoten ein – jedoch ohne Aggression oder Verletzungsabsicht. So lernen sie spielerisch, wie sie später Beute erlegen oder sich verteidigen können.

2. Abgrenzung und Reizüberflutung

Bunny Kicks können auch entstehen, wenn einer Katze etwas zu viel wird. Das kann beim Streicheln passieren, beim Festhalten oder in sehr intensiven Spielsituationen. Der Tritt dient dann dazu, Distanz zu schaffen.

Typische Begleitzeichen sind:

  • ein zuckender Schwanz
  • angespannte Muskulatur
  • angelegte Ohren oder geweitete Pupillen

In diesen Momenten ist der Bunny Kick kein Angriff, sondern eine klare Botschaft: „Bitte hör auf.“ Katzen, deren Grenzen regelmäßig respektiert werden, zeigen dieses Verhalten oft kontrolliert und ohne Verletzungsabsicht.

3. Instinktive Abwehr- und Schutzreaktion

Der Bunny Kick ist ursprünglich eine Verteidigungstechnik. Rollt sich eine Katze auf den Rücken, schützt sie damit nicht ihren Bauch – sie macht ihn zur Waffe. Mit Hinterpfoten, Vorderpfoten und Zähnen gleichzeitig kann sie Angreifer effektiv abwehren.

Gerade der Bauch ist für Katzen extrem sensibel. Wird er ungefragt berührt oder fühlt sich die Katze überrascht, kann ein Bunny Kick reflexartig folgen. Das ist kein Vertrauensbruch, sondern ein instinktiver Selbstschutz.

Bunny Kicks im Mehrkatzenhaushalt: Spiel, Rangordnung oder echter Streit?

In Haushalten mit mehreren Katzen sind Bunny Kicks besonders häufig zu beobachten. Viele Halter sind verunsichert, wenn ihre Katzen einander festhalten, treten und dabei scheinbar kämpfen. Tatsächlich ist dieses Verhalten nicht automatisch ein Zeichen für Aggression – entscheidend ist, wie die Katzen miteinander umgehen.

Eskalationsstufe 1: Sozialspiel

Beim spielerischen Raufen wenden Katzen Bunny Kicks ganz selbstverständlich an. Dieses Verhalten ähnelt dem Spiel von Kitten untereinander und dient dem Üben von Jagd- und Abwehrtechniken.

Typische Merkmale:

  • Die Katzen wechseln sich ab (mal tritt die eine, mal die andere)
  • Es gibt keine Verletzungen
  • Keine Dauerverfolgung eines Tieres
  • Körpersprache bleibt locker, Ohren sind nicht dauerhaft angelegt
  • Nach dem Raufen trennen sich die Katzen entspannt oder putzen sich sogar

In dieser Phase braucht man nicht einzugreifen. Katzen lernen hier soziale Grenzen und regulieren die Intensität selbst.

Eskalationsstufe 2: Angespannte Auseinandersetzung

Kippt das Spiel, können Bunny Kicks härter und einseitiger werden. Oft ist eine Katze dominanter, während die andere sich zunehmend entziehen möchte.

Warnzeichen:

  • Eine Katze versucht wegzukommen, wird aber immer wieder verfolgt
  • Deutliches Fauchen oder Knurren
  • Starre Körperhaltung, angelegte Ohren
  • Bunny Kicks werden kräftiger und länger

In diesem Stadium sollte man aufmerksam bleiben, aber noch nicht körperlich eingreifen. Oft reicht es, die Situation durch ein Geräusch, einen Ablenkungsreiz (z. B. Spielzeug werfen, Namen rufen) oder räumliche Trennung aufzulösen.

Eskalationsstufe 3: Ernsthafter Kampf

Wenn Bunny Kicks Teil eines echten Kampfes werden, ist Eingreifen notwendig. Jetzt geht es nicht mehr um Spiel oder soziale Klärung, sondern um Abwehr oder Angriff.

Klare Alarmzeichen:

  • Lautes Schreien, Kreischen oder panisches Fauchen
  • Eine Katze liegt unter der anderen und kann nicht entkommen
  • Fell fliegt, Krallen sind dauerhaft im Einsatz
  • Keine Pausen, keine Rollenwechsel
  • Nach dem Kampf bleibt eine Katze ängstlich oder zieht sich zurück

Wichtig: Katzen niemals mit bloßen Händen trennen. Am besten ein Kissen, eine Decke, ein großes Handtuch oder ein lautes Geräusch nutzen, um Abstand zu schaffen. Danach sollten die Tiere auch räumlich getrennt werden, um Stress abzubauen.

Wann Bunny Kicks unproblematisch sind

Bunny Kicks gelten als normal, wenn:

  • sie überwiegend gegen Spielzeug gerichtet sind
  • die Katze dabei entspannt wirkt
  • keine Verletzungen entstehen
  • sie sich gut umlenken lässt
  • das Verhalten schon lange bekannt ist und sich nicht plötzlich verändert

Im Fall von Remo etwa sind die Bunny Kicks klar Teil seines Spielverhaltens. Er zeigt keine Aggression, akzeptiert Pausen und bleibt jederzeit ansprechbar. In solchen Fällen besteht kein Grund zur Sorge.

Katzen lernen im Kontakt mit Artgenossen früh, wie fest sie treten dürfen. Reagiert der Spielpartner mit Weglaufen oder Gegenwehr, regulieren sie ihre Kraft. Deshalb sind Bunny Kicks zwischen Katzen häufig kontrollierter als gegenüber Menschen – deren Haut deutlich empfindlicher ist. Solange sich keine Katze dauerhaft unterdrückt fühlt und keine Verletzungen entstehen, gehören Bunny Kicks im Mehrkatzenhaushalt zu einer normalen sozialen Kommunikation.

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Wann man genauer hinschauen sollte

Ein Tierarztbesuch oder eine Verhaltenseinschätzung ist sinnvoll, wenn:

  • Bunny Kicks plötzlich neu auftreten
  • sie ungewöhnlich heftig oder häufig werden
  • die Katze dabei faucht, schreit oder panisch wirkt
  • Berührungen am Bauch konsequent abgewehrt werden
  • weitere Verhaltensänderungen hinzukommen

In seltenen Fällen können Schmerzen oder Unwohlsein Auslöser sein. Etwa bei Schmerzen im Bauchbereich. Besteht ein entsprechender Verdacht, sollte umgehend eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Nur dort kann eine fundierte Diagnose gestellt und eine passende Behandlung begonnen werden.

Fazit: Bunny Kicks sind nicht gleich Bunny Kicks

Ob ein Bunny Kick harmloses Spiel oder ernst gemeinte Abwehr ist, entscheidet sich nicht an der Bewegung selbst, sondern am Kontext. Wer seine Katze aufmerksam beobachtet, ihre Körpersprache liest und ihr ausreichend passende Spielmöglichkeiten bietet, wird Bunny Kicks meist als das erleben, was sie oft sind: einen kontrollierten Ausdruck von Instinkt, Energie und Persönlichkeit.

Im Mehrkatzenhaushalt gilt besonders: Nicht jeder Kampf ist ein Streit. Wer Eskalationsstufen erkennt und weiß, wann Zurückhaltung besser ist als Eingreifen, schützt nicht nur seine Katzen – sondern auch ihre Beziehung zueinander.

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