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Die letzte Warnung

Hundetrainer André Vogt klärt auf, was Schnappen wirklich bedeutet

Wenn ein Hund schnappt, fühlt er sich oft unwohl. Daher sollte dieses Verhalten ernst genommen werden.
Wenn ein Hund schnappt, fühlt er sich oft unwohl. Daher sollte dieses Verhalten ernst genommen werden. Foto: Getty Images / Hundeschule Andre Vogt

21. Oktober 2026, 16:18 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Ein Hund schnappt meist nicht aus dem Nichts: Oft hat er zuvor bereits mit Knurren oder seiner Körpersprache gezeigt, dass ihm eine Situation zu viel wird. Dennoch versetzt das plötzliche Zuschnappen viele Halter in große Sorge. TV-Hundetrainer André Vogt und Hundetrainer Steve Kaye erklären bei PETBOOK, was hinter dem Warnsignal steckt, wie Halter richtig reagieren und weshalb ein einmaliger Vorfall nicht bedeutet, dass der Hund nun immer wieder schnappen wird.

Was ist schnappen?

Wenn ein Hund schnappt, fasst er die Zähne beziehungsweise das Maul in einer raschen Bewegung zusammen. Dabei bekommt der Hund nicht immer etwas zu fassen – oft wird nur nach der Luft geschnappt – was auch so beabsichtigt ist. Beim Zuschnappen fasst der Hund mit offenem Mund nach seinem Gegenüber. Die Zähne werden dabei nicht gezielt eingesetzt. 

Schnappen erkennen

Bevor es zum Schnappen kommt, zeigt der Hund vorher an, dass er sich unwohl fühlt. Das kann der Hund zum Beispiel durch Knurren oder die Körpersprache zeigen. Die Körpersprache wirkt vorher angespannt und die Ohren sind dabei oft angelegt. Manche Hunde versetzen einem vorher auch einen Schnauzenstoß: Dabei stößt der Hund mit geschlossenem Maul sein Gegenüber an. Reagieren Halter darauf nicht, schnappt der Hund möglicherweise ab.

Beim Abschnappen schnappt der Hund in die Richtung seines Gegenübers, allerdings knapp daran vorbei. Diese Warnung ist die letzte Warnung. Erfolgt dann keine Reaktion, schnappt der Hund zu. Beim Schnappen sind die Zähne unbeteiligt; diese kommen erst beim „Zwicken“ ins Spiel. Wenn Halter die ersten Beschwichtigungssignale übersehen oder nicht rechtzeitig reagieren, kann der Hund das Schnappen als erfolgreich erleben: Er schnappt, die Menschen lassen ihn in Ruhe und er erreicht damit sein Ziel. Wenn das passiert, greift der Hund in der Folge noch schneller zum Mittel des Schnappens, um sich Gehör zu verschaffen. Für den Hundehalter ist dies dann mit einer Menge Arbeit verbunden, die nötig ist, um ihm das falsche Verhalten abzugewöhnen. 

Auch interessant: Das kann man tun, wenn der Hund beim Spielen beißt

Wieso schnappen Hunde?

„Zuerst sollte man verstehen: Wenn ein Hund schnappt, ist das kein Fehlverhalten, sondern Kommunikation“, sagt Hundetrainer Steve Kaye. Das Verhalten sei nicht pauschal ein Problemverhalten. „Aggression ist immer auch Kommunikation“ erklärt Steve Kaye. „Man muss sich fragen: Was ist passiert, dass der Hund diese Sprache spricht?“ Hunde schnappen, um zu zeigen, dass sie Abstand wollen und ihnen etwas zu viel ist. Das kann das Verhalten von Menschen sein, der Hund will möglicherweise seine Ressourcen verteidigen oder Ruhe.

„Nehmen wir mal als Beispiel, man hat übergriffige Kinder, die dem Hund ständig hinterherlaufen, ihn anfassen und einfach zu viel von ihm wollen. Dann muss ich das abstellen“, sagt Steve Kaye. Jeder Hund habe eine eigene Individualdistanz und ein Recht auf Ruhe. Schnappen sei ein komplexes Thema und verlange sowohl Verständnis als auch professionelle Hilfe. Im Falle von letzterem helfe ein Hundetrainer dabei herauszufinden, was der Grund in der Situation war, erklärt TV-Hundetrainer André Vogt gegenüber PETBOOK.

„So ein Vorfall heißt übrigens nicht, dass das jetzt immer wieder passieren wird, sondern man kann das in der Regel auch ganz gut in den Griff bekommen. Man muss sich nur die Frage stellen, warum ist das passiert?“ Dabei müsse auch das eigene Verhalten hinterfragt werden. Wirklich problematisch werde es nur, „wenn der Hund merkt, dass er mit diesem Verhalten Erfolg hat“, so Vogt weiter.

„Angenommen, der Hund liegt auf der Couch. Du möchtest dich dazu setzen, aber er beansprucht die Couch und schnappt nach dir, weil du dich da auch hinsetzen willst. Du gehst weg, wirst unsicher, weil du denkst: ‚Was ist denn mit dem Hund los? Das habe ich noch nie erlebt. Ich will nicht gebissen werden.“ Das sei ein „Riesenerfolg“ für diesen Hund, erklärt Vogt. „Er wird diese Taktik wahrscheinlich auch in anderen Situationen anwenden. Man muss aber auch sagen: Schnappen ist nicht gleich schnappen!“

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Mögliche Gründe für das Schnappen

Schnappen sowie Zwicken sind Abwehrhandlungen und dienen der Verteidigung. Hunde schnappen also dann, wenn sie sich bedroht oder unsicher fühlen und sie sich nicht in der Lage sehen, der Situation auf friedliche Art und Weise zu entkommen.  

  • Viele Hunde schnappen, wenn sie ihre Ressourcen bedroht sehen, etwa aus Futterneid, oder wenn ihnen ein Spielzeug weggenommen wird.  
  • Auch Schmerzen und Erkrankungen können der Grund für ein unvorhergesehenes Schnappen sein. Hier versucht der Hund, seine Grenzen zu verteidigen. 
  • Allgemein versuchen Hunde durch Schnappen ihre Grenzen aufzuzeigen. Das Schnappen ist ein Warnsignal, mit dem Ihr Hund seine Grenzen zu verteidigen versucht.  
  • Damit Ihr Hund nicht schnappt, sollten Sie ihn keinen belastenden Situationen aussetzen.  
  • Hat Ihr Hund nach einem anderen Hund geschnappt, sollten Sie hier zukünftig Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Bitten Sie andere Hundehalter, Hunde an der Leine fernzuhalten. Mit Hundetraining können Sie das Problem in den Griff bekommen.  

Halter sollten das Schnappen als Warnsignal ernst nehmen. Sie tun Ihrem Hund so einen Gefallen, denn letztlich versucht er mit dem Schnappen nur zu kommunizieren, dass er sich – aus welchen Gründen auch immer – überfordert fühlt.  

Wenn ein Hund geschnappt oder sogar gebissen hat, rät André Vogt den betroffenen Haltern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zugleich macht der Hundetrainer ihnen Mut: „Man hört ja immer: Wenn ein Hund einmal beißt, dann kriegt man das nie wieder weg, dann macht er das immer wieder. Da kann ich aus Erfahrung sagen, das ist nicht so.“

Schnappen ist ein Warnsignal, das Halter ernst nehmen sollten

Wenn ein Hund schnappt, versucht er damit, seine Grenzen zu verteidigen. Das Schnappen ist für ihn ein Mittel, um zu zeigen, dass er sich bedroht fühlt und der Situation entkommen will – man sollte ihn deshalb nicht bestrafen, sondern zunächst versuchen, zu verstehen, was der Hund mit seinem Verhalten erreichen will. Es empfiehlt sich, den Hund aufmerksam zu beobachten und bedrohliche Situationen rechtzeitig zu deeskalieren, damit sich das Schnappen nicht als Strategie festigt. Hat der Hund dennoch geschnappt, sollte man sich am besten in einem Hundetraining Hilfe holen.  

Dennis Agyemang, Redakteur bei PETBOOK

Meine Erfahrungen

„Aktuell bin ich dabei einen Hund kennenzulernen, den ich mir eventuell in einer Art Dog-Sharing mit einer weiteren Person teile. Als dieser Hund, eine französische Bulldogge, die gerade mitten in der Pubertät steckt, das erste Mal alleine mit mir Zuhause war, kam es zu einem Schnapp-Vorfall. Als ein Paketbote an meiner Tür klingelte, zeigte Clashy nicht nur laut bellend den ‚Eindringling‘ an, sondern stürmte auch sofort zur Tür. Um zu verhindern, dass sie, sobald ich die Tür öffne, ins Treppenhaus rennt, habe ich versucht sie in die Küche zu bewegen. Doch da sie nicht auf mich hörte und auch keinerlei Anstalten machte von der Tür wegzugehen, schnappte sie nach mir als ich versuchte sie hochzuheben. Für mich ein großer Schock, da ich diese Reaktion nicht habe kommen sehen. Es ging alles sehr schnell und wir beide kannten uns auch noch kaum. Nun arbeiten wir mit einem Hundetrainer daran, damit sich sowas nicht noch einmal wiederholt.“– Dennis Agyemang, Redakteur bei PETBOOK

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