4. August 2025, 17:29 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Nachdem in den letzten Wochen gleich bei mehreren Fledermäusen in Deutschland Tollwut nachgewiesen wurde, fragen sich immer mehr Halter, welche Gefahr für ihre Hunde und Katzen besteht. Denn eine Infektion mit dem Virus kann tödlich enden. PETBOOK hat dazu Experten befragt.
In den letzten Wochen berichteten die Medien von gleich mehreren Fällen von toten Fledermäusen in Deutschland, bei denen Tollwut festgestellt wurde. So konnte das Virus vor wenigen Tagen erst in Berlin bei einer toten Fledermaus festgestellt werden.1 Und auch der Fund einer infizierten Fledermaus auf einem Kita-Gelände sorgte in Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt für helle Aufregung. Dort wurden vorsorglich 65 Kinder geimpft. Bisher zeigt keines der Jungen und Mädchen Symptome einer Infektion, wie der MDR berichtet.2
Was genau ist Tollwut?
Tollwut ist eine Virusinfektion des Gehirns, die durch den Speichel infizierter Tiere übertragen wird und eine Entzündung von Gehirn und Rückenmark hervorruft. Wenn das Virus erst einmal das Rückenmark und das Gehirn erreicht hat, ist die Tollwut in der Regel tödlich. Die Infektion kann verhindert werden, indem die Wunde sofort gereinigt und Tollwutimpfstoff injiziert wird. Allerdings muss hier schnell gehandelt werden, um der betroffenen Person helfen zu können. 3
Tollwut wird hauptsächlich von Säugetieren übertragen, insbesondere von Fleischfressern wie Hunden, Füchsen, Dachsen, Marderhunden, Waschbären, Stinktieren und Katzen. Auch Fledermäuse können Tollwut übertragen, wobei es sich bei ihnen um verschiedene Virustypen handelt. „Klassische Tollwut wurde noch nie bei einer einheimischen europäischen Fledermausart festgestellt“, erklärt Christian Giese vom Landesfachausschuss Fledermausschutz NRW beim NABU auf PETBOOK-Anfrage. Die Fledermaustollwut ist eine Form der Tollwut (Rabies), die durch sogenannte Fledermaus-Lyssaviren ausgelöst wird.4
„Tollwut ist eine der ältesten bekannten Zoonosen. Also, Krankheiten, die von Tieren auf
Menschen übertragen werden können. Die Krankheit wird durch mehrere Lyssaviren verursacht“, erklärt Giese. Lyssa sei übrigens die griechische Göttin des Wahnsinns, so der Experte im Nebensatz.
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Fledermaustollwut konnte in sechs tödlichen Fällen beim Menschen nachgewiesen werden
Allerdings komme das Virus, das die Fledermaustollwut verursacht, verhältnismäßig selten vor, ließ der Landkreis Teltow-Fläming die Bevölkerung in einem Merkblatt im April 2025 wissen. So gebe es in Berlin jährlich etwa fünf registrierte Fälle. In Brandenburg gebe es ebenfalls Einzelfälle. Allerdings lasse sich daraus nicht die tatsächliche Verbreitung des Virus in der lokalen Fledermauspopulation verlässlich ableiten.
„Glücklicherweise ist das Risiko einer Ansteckung für Menschen extrem gering“, erklärt Tierarzt Dr. Marco Antonio Fragoso auf PETBOOK-Anfrage. „In Deutschland gibt es im Schnitt nur etwa 15 bis 20 nachgewiesene Fälle bei Fledermäusen pro Jahr.“ Eine Ansteckung von Menschen oder Haustieren ist bisher nur in seltenen Einzelfällen beobachtet worden, erklärt auch Fledermaus-Experte Christian Giese. „Bei allen bisherigen Tollwutuntersuchungen in Europa wurde Fledermaustollwut in sechs tödlichen Fällen beim Menschen festgestellt.“
„Ein Biss durch eine infizierte Fledermaus kann für Hunde oder Katzen tödlich enden“
Auch für Haustiere im Freigang bleibt ein gewisses Risiko, sich im Zweifelsfall bei einem infizierten Tier anstecken zu können. „Ein Biss durch eine infizierte Fledermaus kann für Hunde oder Katzen tödlich enden – Tollwut verläuft in nahezu 100 Prozent der Fälle tödlich, sobald Symptome auftreten“, so Dr. Fragoso.
Eine besondere Gefahr berge, dass Haustiere beim Spielen, aus Neugier oder Jagdtrieb mit geschwächten oder auffälligen Fledermäusen in Kontakt kommen könnten. „Deshalb ist eine Tollwutimpfung bei freilaufenden Katzen und jagdlich geführten Hunden absolut empfehlenswert – sie schützt zuverlässig vor einer Infektion“, so Dr. Fragoso.
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Ein Biss muss nicht blutig sein, um als Infektionsrisiko zu gelten
Allerdings bestehe kein Grund in Panik auszubrechen, erklärt Giese im Gespräch mit PETBOOK. „Im Gegensatz zum klassischen Tollwutvirus, das laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich über 50.000 Todesfälle verursacht (meist durch Hundebisse), sind Fälle von Fledermaus-Lyssavirus-Erkrankungen bei anderen Tierarten als Fledermäusen bekanntermaßen recht selten.“ Konkret wisse er, dass das Virus bisher bei vier Hauskatzen, einem Steinmarder sowie bei einigen Schafen nachgewiesen werden konnte.
Zwar müsse ein Biss nicht blutig sein, um als Infektionsrisiko zu gelten, weiß der Experte. Dennoch sollten Wildtiere ohnehin niemals mit bloßen Händen angefasst werden, so Giese. „Beim Umgang mit Wildtieren sollten generell Handschuhe getragen werden, die dick genug sind, um die Haut vor möglichen Bissen zu schützen, aber dennoch flexibel genug, um zum Beispiel eine Fledermaus sicher handhaben zu können.“
Darauf sollten Halter bei einer Fledermausbegegnung achten
Doch was ist zu tun, wenn ein Haustier mit einer Fledermaus in Kontakt gekommen ist? „Der Besitzer sollte sofort einen Tierarzt kontaktieren, um das Haustier gegen Tollwut impfen zu lassen, falls es noch nicht geimpft sein sollte“, rät Christian Giese. „Für geimpfte Haustiere kann eine Auffrischungsimpfung empfohlen werden.“
Ein vermuteter Kontakt zwischen einem Haustier und einer Fledermaus sei kein Grund, das Haustier einschläfern zu lassen, betont Giese. „Wenn eine Fledermaus verletzt ist, nicht fliegen kann oder nicht freigelassen werden kann, sollte sie in eine Fledermaus-Pflegestelle gebracht werden. Wenn die Fledermaus gestorben ist, kann sie zur Tollwutuntersuchung an eine entsprechende Behörde bzw. ein entsprechendes Labor geschickt werden.“