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Machen Haustiere glücklicher? Studie kommt zu überraschendem Ergebnis

Zwei Hunde und eine Katze sitzen zusammen
Haustiere bereichern das Leben, aber machen sie auch glücklicher? Dieser Frage ist eine neue Studie nachgegangen Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

26. Februar 2026, 5:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Haustiere gelten als Seelentröster, Einsamkeitskiller und Gesundheitsbooster. Doch was, wenn dieser weitverbreitete Glaube wissenschaftlich nicht standhält? Eine große australische Längsschnittstudie hat erstmals versucht, den kausalen Effekt – also die tatsächliche Ursache-Wirkungs-Beziehung – von Haustierhaltung auf Lebenszufriedenheit, Einsamkeit sowie psychische und allgemeine Gesundheit zu bestimmen. Das Ergebnis stellt gängige Annahmen überraschend deutlich infrage.

Machen Haustiere glücklich?

In Deutschland gibt es fast in jedem zweiten Haushalt ein Haustier. Dabei bevölkern vor allem Katzen und Hunde die deutschen Wohnzimmer. Organisationen und Medien vermitteln häufig den Eindruck, Tiere machten Menschen glücklicher und gesünder. In der Forschungsliteratur finden sich jedoch widersprüchliche Ergebnisse: Einige Studien berichten positive Zusammenhänge zwischen Haustierhaltung und Wohlbefinden, andere zeigen negative oder keine Effekte.

Ein zentrales Problem bisheriger Forschung ist die Methodik. Viele Studien beruhen auf Querschnittsdaten – sie vergleichen also zu einem Zeitpunkt Haustierhalter mit Nicht-Haltern. Dadurch lässt sich jedoch nicht klären, ob das Tier das Wohlbefinden verbessert oder ob ohnehin glücklichere und gesündere Menschen eher ein Haustier anschaffen. Zudem basieren viele Untersuchungen auf kleinen oder nicht repräsentativen Stichproben.

Ein besonderer Forschungsansatz

Eine australische Studie wollte diese Lücke schließen, indem sie eine politische Reform als externe Veränderung nutzte. Diese basierte auf einer Gesetzesänderung im Bundesstaat Victoria aus dem Jahr 2020. Damals wurde Mietern gesetzlich erlaubt, Haustiere zu halten, sofern Vermieter dies nicht triftig ablehnen konnten. Diese Reform führte zu einem deutlichen Anstieg der Haustierhaltung unter Mietern in Victoria.

Die Hypothese: Wenn Haustiere tatsächlich das Wohlbefinden steigern, müsste sich dies bei jenen Mietern zeigen, die infolge einer neuen Gesetzgebung erstmals ein Tier anschaffen konnten. Dafür analysierten die Forscher Daten der „Household, Income and Labour Dynamics in Australia“-Studie (HILDA) aus den Jahren 2018 bis 2022 und wendeten eine spezielle quasi-experimentelle Methode an, um zu prüfen, ob die Anschaffung eines Haustiers tatsächlich glücklicher macht.

Was wurde untersucht – und wie?

Datengrundlage war die HILDA-Studie, eine seit 2001 jährlich durchgeführte, repräsentative Haushaltsbefragung mit rund 7.500 Haushalten. Untersucht wurden Personen, die 2018 kein Haustier hatten und 2020 in Victoria zur Miete wohnten – das traf auf insgesamt 495 Haushalte zu. Damit konzentrierte sich die Analyse auf jene Gruppe, die direkt von der Gesetzesänderung betroffen war. 39 Prozent dieser Gruppe schafften sich bis 2022 ein Haustier an.

Erfasst wurden vier Zielgrößen:

  • Einsamkeit (Skala 1–7),
  • Lebenszufriedenheit (0–10),
  • psychische Gesundheit (MHI-5, Skala 0–100),
  • allgemeine Gesundheit (SF-36-Subskala, 0–100).

Höhere Werte bedeuteten jeweils mehr Einsamkeit beziehungsweise bessere Gesundheit oder höhere Zufriedenheit.

Statt klassischer Vergleichsverfahren nutzten die Autoren den sogenannten SCQE-Ansatz. Diese Methode macht transparent, welche Annahmen über Hintergrundtrends notwendig wären, um einen positiven oder negativen Effekt der Haustierhaltung statistisch zu belegen.1

Haustiere machen nicht glücklicher oder gesünder als vorher

Die Forscher fanden keinen überzeugenden Beweis dafür, dass ein Haustier Menschen messbar glücklicher, gesünder oder weniger einsam macht.

  • Bei der Einsamkeit hätte man nur dann sagen können, dass ein Haustier wirklich hilft, wenn die Einsamkeit ohne Tier sehr stark angestiegen wäre. In Wirklichkeit stieg sie aber nur leicht. Die Unterschiede waren so klein, dass sie auch zufällig entstanden sein könnten.
  • Bei der Lebenszufriedenheit zeigte sich praktisch gar keine Veränderung – weder zum Guten noch zum Schlechten. Menschen mit neuem Haustier waren im Durchschnitt nicht zufriedener als vergleichbare Menschen ohne Tier.
  • Bei der allgemeinen Gesundheit und der psychischen Gesundheit sah es ähnlich aus: Die Werte veränderten sich nur minimal. Diese kleinen Unterschiede waren so gering, dass man nicht sicher sagen kann, ob das Haustier überhaupt eine Rolle spielte.

Damit man einen klaren positiven Effekt hätte feststellen können, hätten sich die Werte ohne Haustier viel stärker verschlechtern müssen, als es tatsächlich beobachtet wurde – und zwar zwei- bis fast zehnmal so stark. Das gilt als unrealistisch.

In dieser Studie brachte ein neues Haustier im Durchschnitt weder einen messbaren Schub für Glück noch für Gesundheit oder gegen Einsamkeit.

Positive und belastende Aspekte von Haustieren könnten sich ausgleichen

Zusammenfassend sprechen die Ergebnisse dagegen, dass die Anschaffung eines Haustiers im Durchschnitt messbare Verbesserungen bei Einsamkeit, Lebenszufriedenheit oder Gesundheit bewirkt.

Das widerspricht der verbreiteten Annahme, Haustiere wirkten grundsätzlich positiv auf die psychische und körperliche Gesundheit. Die Autoren argumentieren, dass frühere positive Befunde möglicherweise auf Selektionseffekten beruhen: Menschen, die sich ein Haustier anschaffen, unterscheiden sich womöglich bereits vorab systematisch von jenen, die dies nicht tun.

Zudem könnten sich positive und belastende Aspekte der Tierhaltung gegenseitig ausgleichen. Zeitaufwand, Kosten und Verantwortung könnten mögliche emotionale Vorteile kompensieren. Ebenso ist denkbar, dass positive Effekte nur kurzfristig auftreten und sich über längere Zeit nivellieren.

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Studie bezieht sich nur auf Australien

Die Studie liefert einen der bislang methodisch strengsten Tests zur Frage, ob Haustiere das Wohlbefinden kausal verbessern. Dennoch bestehen Einschränkungen: Haustierhaltung wurde nur 2018 und 2022 erhoben. Der genaue Zeitpunkt der Anschaffung ist daher unbekannt, ebenso die Dauer der Tierhaltung. Kurzfristige Effekte könnten dadurch verwischt worden sein. Zudem wurde Haustierhaltung auf Haushaltsebene gemessen – es ist also unklar, wer im Haushalt tatsächlich intensiv mit dem Tier interagierte.

Schließlich bezieht sich die Untersuchung auf einen spezifischen politischen Kontext in Australien. Die Übertragbarkeit auf andere Länder oder Rahmenbedingungen bleibt offen.

Fazit: Forscher finden keinen Beleg, dass Haustiere glücklicher machen

Die australische Analyse findet keinen Beleg dafür, dass die Anschaffung eines Haustiers im Durchschnitt Einsamkeit reduziert oder Lebenszufriedenheit sowie psychische und allgemeine Gesundheit verbessert. Um positive Effekte statistisch nachzuweisen, wären unrealistisch starke Hintergrundtrends erforderlich gewesen.

Das bedeutet nicht, dass einzelne Menschen nicht erheblich von ihren Tieren profitieren. Doch als allgemeine Strategie zur Steigerung des Wohlbefindens scheint die Haustieranschaffung – zumindest in diesem Kontext – keine messbaren Durchschnittseffekte zu haben. Für Tierfreunde bleibt die Motivation damit vor allem eine emotionale, nicht eine gesundheitspolitische.

Quellen

  1. Ananyev, M., Botha, F., Lamberova, N. et al. (2026) „The Causal Effect of Pet Ownership on Health and Well-being“. Applied Research Quality Life. https://doi.org/10.1007/s11482-026-10550-5 ↩︎

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