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Riesenrasse

Irischer Wolfshund – vom Statussymbol zum Familienhund

Ein Irischer Wolfshund und seine Welpe liegen auf der Wiese
Der Irische Wolfshund, auch bekannt als Irish Wolfhound, ist eine Hunderasse, die für ihre imposante Größe, Eleganz und Sanftmütigkeit bekannt ist. Foto: Getty Images
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

29. Juli 2025, 5:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Mit einer Schulterhöhe von bis zu 86 Zentimetern zählt der Irische Wolfshund zu den größten Hunderassen der Welt. Trotz seiner imposanten Erscheinung gilt er als ausgeglichener und sensibler Begleiter, der vor allem die Nähe zu seinen Menschen sucht. Dieser als „sanfter Riese“ bekannte Hund hat eine lange Geschichte, die ihn einst zum gefürchteten Wolfsjäger machte. Doch der Wolfshund ist kein Hund für jedermann: Seine Größe, sein kräftiger Körperbau und sein feiner Sinn für Stimmungen verlangen nach erfahrener Führung, enger Bindung und einem ausgewogenen Lebensumfeld.

Herkunft

Der Irische Wolfshund gehört zu den ältesten bekannten Hunderassen Europas. Seine Ursprünge lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen: Archäologische Funde belegen, dass windhundähnliche Hunde, vermutlich Vorfahren des heutigen Wolfshundes, bereits im antiken Ägypten existierten. Im dritten Jahrhundert vor Christus gelangten diese Hunde mit den Kelten nach Europa und fanden ihren Weg auf die britischen Inseln – insbesondere nach Irland. Dort wurden sie im Mittelalter vor allem für die Jagd auf Großwild wie Bären, Wildschweine und Wölfe eingesetzt.

Die irische Oberschicht schätzte sie als Statussymbol, wodurch der Irische Wolfshund zum begehrten Geschenk unter Adeligen avancierte. Mit der Verbreitung von Schusswaffen im 17. Jahrhundert verlor die Rasse an Bedeutung und geriet zunehmend in Vergessenheit. Bis ins 19. Jahrhundert war der Irische Wolfshund nahezu ausgestorben.

Der schottische Kynologe George Augustus Graham setzte sich für die Erhaltung der Rasse ein und kreuzte die letzten Exemplare mit anderen großen Rassen wie Dogge, Barsoi und Deerhound. So entstand der moderne Irische Wolfshund – größer und kräftiger als seine historischen Vorfahren – der in den 1870er-Jahren erstmals wieder offiziell vorgestellt wurde.

Aussehen & Fell

Der Irische Wolfshund zählt zur Gruppe der rauhaarigen Windhunde. Sein Körperbau ist hochgewachsen, schlank und sportlich, mit einem tief angesetzten Brustkorb, der ihm trotz seiner Masse eine elegante Silhouette verleiht. Die Ohren sind relativ klein und liegen weit hinten am Kopf an – ein typisches Merkmal vieler Windhunde.

Das Fell ist rau, drahtig und mittellang, was ihm ein rustikales, naturbelassenes Aussehen verleiht. Es schützt zuverlässig vor Kälte und Feuchtigkeit und kommt in verschiedenen Farben vor, darunter Grau, Weiß, Schwarz, Braun und Gestromt.

Rüden erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 86 Zentimetern und ein Gewicht von etwa 54,5 Kilogramm. Hündinnen bleiben etwas kleiner und zierlicher. Trotz dieser gewaltigen Maße wirkt der Wolfshund niemals plump, sondern beeindruckt durch seine Würde und Ausgeglichenheit in der Bewegung.

Charakter & Gemüt

Hinter dem imposanten Erscheinungsbild des Irischen Wolfshundes verbirgt sich ein ruhiger, sanftmütiger und sehr menschenbezogener Charakter. Diese Hunde sind oft anhänglich, sensibel und suchen regelmäßig den Kontakt zu ihren Bezugspersonen. Ihre Gelassenheit macht sie zu angenehmen Mitbewohnern, die sich meist gut in das Familienleben integrieren – vorausgesetzt, Kinder sind standfest genug, mit ihrer ungestümen Art zurechtzukommen.

Trotz ihrer Größe neigen Wolfshunde nicht zur Wachsamkeit im klassischen Sinne. Zwar zeigen sie in Gefahrensituationen Schutzverhalten, sind aber von Natur aus wenig aggressiv und bellen nur selten. Ihr sensibles Wesen macht sie zudem anfällig für Stress bei Isolation oder grober Behandlung. Fremden gegenüber verhalten sie sich freundlich, solange keine Bedrohung wahrgenommen wird.

Erziehung

Die Erziehung des Irischen Wolfshundes erfordert Konsequenz, Geduld und Einfühlungsvermögen. Aufgrund seines eigenständigen Charakters ist er nicht immer sofort gehorsam – reagiert aber bei liebevoller Führung gut auf klare Signale. Eine frühe Sozialisierung und ein sicherer Rückruf sind essenziell, insbesondere wegen seines ausgeprägten Jagdtriebs.

Ein gut erzogener Wolfshund lässt sich in geeigneten Bereichen auch ableinen. Dabei gilt: Je früher mit dem Training begonnen wird, desto zuverlässiger ist das Verhalten im Erwachsenenalter. Trotz seiner Intelligenz darf man keinen blinden Gehorsam erwarten – Eigenständigkeit gehört zum Charakter dieser Rasse. Mit liebevoller Konsequenz ist jedoch viel möglich.

Richtige Haltung & Pflege

Als ausgesprochen menschenbezogener Hund eignet sich der Irische Wolfshund keinesfalls für eine Zwingerhaltung. Er benötigt den engen Anschluss an seine Familie sowie ausreichend Platz in Haus und Garten. Aufgrund seines Bewegungsdrangs sind regelmäßige Spaziergänge und die Möglichkeit zu freiem Sprinten (z. B. Windhundsport oder Coursing) wichtig.

In der Wohnung zeigt sich der sanfte Riese überraschend ruhig und genügsam – unterschätzt werden sollte seine Kraft dennoch nicht. Für kleinere Kinder kann sein Überschwang mitunter zu viel sein. Pflegeleicht ist er dank seines Fells, das ein- bis zweimal wöchentlich gebürstet werden sollte. Außerdem ist auf regelmäßige Kontrollen von Ohren, Augen und Zähnen zu achten, um gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen.

Ernährung

Der hohe Energiebedarf des Irischen Wolfshundes muss durch eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung gedeckt werden – insbesondere im Wachstum. Welpen wachsen rasant, daher ist ein hochwertiges Futter mit kontrolliertem Energiegehalt wichtig, um Fehlentwicklungen des Skeletts zu vermeiden.

Wesentlich ist auch das richtige Verhältnis von Calcium zu Phosphor, da ein Ungleichgewicht die Knochenentwicklung beeinträchtigen kann. Auch im Erwachsenenalter sollten Halter auf Qualität achten: Leere Füllstoffe und übermäßiger Fettgehalt sind zu vermeiden. Mehrere kleinere Mahlzeiten pro Tag verringern außerdem das Risiko einer Magendrehung.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Trotz robuster Erscheinung ist der Irische Wolfshund für mehrere gesundheitliche Probleme anfällig. Besonders häufig treten Erkrankungen des Bewegungsapparates auf, etwa Hüft- und Ellbogendysplasien. Auch Magendrehungen stellen eine akute Gefahr dar, weshalb vorsorgliche Fütterungs- und Bewegungsroutinen wichtig sind.

Herzerkrankungen, Epilepsie und Osteosarkome (Knochenkrebs) kommen ebenfalls vermehrt vor. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt mit 6 bis 10 Jahren im rassetypischen Bereich großer Hunde. Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen und präventive Maßnahmen tragen wesentlich zur Lebensqualität und Gesundheit bei.

Der Irische Wolfshund im Überblick

  • Charakter: ruhig, freundlich & sensibel
  • Größe: 76 bis 86 cm Schulterhöhe
  • Gewicht: 48 bis 54,5 kg
  • Fell & Farben: rau, drahtig
  • Bewegungsbedarf: mäßig, mit Bedarf nach freien Sprints
  • Lebenserwartung: 6 bis 10 Jahre
  • Besonderheiten: bellt selten, braucht engen Familienanschluss, hoher Jagdtrieb

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