30. Juni 2026, 15:55 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Manche Ideen aus der Vergangenheit erscheinen heute kaum vorstellbar. Dazu gehört auch die Zucht der sogenannten Drehspießhunde. Die heute ausgestorbene Hunderasse wurde zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert eigens dafür gezüchtet, in einem großen Laufrad Bratenspieße über dem Feuer zu drehen – wie ein Hamster im Rad, nur deutlich grausamer.
Hunde liefen stundenlang im Laufrad, um Bratspieße zu drehen
Das Rad war über Seilzüge mit dem Bratspieß verbunden. Durch das Laufen des Hundes wurde der Spieß gedreht, was ein gleichmäßiges Garen des Fleisches ermöglichte. Das war quasi ein technischer Fortschritt, der den Köchen körperliche Anstrengungen und Zeit (er)sparte.
So benötigte beispielsweise ein großer Familienbraten, der sich ständig am Spieß drehte, etwa drei Stunden Garzeit. Da kann man sich durchaus vorstellen, wie anstrengend und heiß diese Arbeit war. Daher waren Drehspießhunde in so ziemlich jeder Küche, die etwas von sich hielt, anzutreffen und somit weit verbreitet. 1
Die erste bekannte Erwähnung des Drehspießhundes stammt aus dem Jahr 1576 in John Caius‘ Werk „Of Englishe Dogges“.
Hunde wurden mit brachialen Mitteln zum schnelleren Laufen animiert
Da es in Großküchen in der Regel mehrere Drehspieße gab, an denen Fleisch gegart wurde, hielten die Küchen auch mehrere Hunde, die sich im Rad gegenseitig ablösten und somit in Schichten arbeiteten. Doch wie man sich denken kann, mussten die für diese Arbeit eingesetzten Hunde bestimmte Anforderungen erfüllen. So mussten Drehspießhunde beispielsweise mutig sein, um überhaupt so nah am Feuer arbeiten zu können. Sie mussten ausdauernd und zäh sein, um diese Arbeit bei den hohen Temperaturen verrichten zu können.2
Zudem mussten sie gehorsam und loyal sein, damit sichergestellt war, dass die Vierbeiner bei ihrer Arbeit nicht versuchten, das garende Fleisch selbst zu fressen. Historikern zufolge wurden die Drehspießhunde allerdings weniger als Hunde, sondern eher als Küchengeräte oder Maschinen betrachtet und dementsprechend behandelt. Daher schreckte man auch nicht vor brutalen Praktiken zurück, um die Hunde zum schnelleren Laufen zu animieren. So sei es beispielsweise gängige Praxis gewesen, eine glühende Kohle in das Rad zu werfen, um den jeweiligen Hund, wenn nötig, zum schnelleren Laufen zu bringen.3
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Was für Hunde wurden als Drehspießhunde eingesetzt?
Doch was genau war der Turnspit Dog eigentlich für ein Hund? Den Überlieferungen nach handelte es sich um eine kleine, aber kräftige Hunderasse mit langem Körper und kurzen, oft krummen Beinen, die an das Laufen im Laufrad angepasst waren. Sein Fell war meist grau, schwarz oder rötlich. Aus heutiger Sicht erinnern einige der Zeichnungen dieser Hunde, die oft als „hässliche Kreaturen mit traurigem Blick“ beschrieben wurden, an Corgis. Allerdings mit anderen Ohren.
Dass dies jedoch nicht zwangsläufig der Fall ist, zeigt das einzige noch erhaltene Exemplar namens Whiskey. Dieser wurde ausgestopft und ist im Abergavenny Museum in Wales ausgestellt. Einige Autoren gehen davon aus, dass der Drehspießhund ein Vorfahre des Irish Glen of Imaal Terriers sein könnte, einer heute extrem seltenen Terrierrasse aus Irland.
Drehspießhunde starben mit dem technischen Fortschritt aus
Mit der Einführung mechanischer Bratenspießdreher wie dem sogenannten Clock Jack wurde der Einsatz von Drehspießhunden überflüssig. Man kann tatsächlich sagen, dass die Rasse des Turnspit Dogs mit dem Aufkommen von handlichen Feder- und Elektromotoren ausstarb.
Da diese Hunderasse hauptsächlich als Küchenwerkzeug angesehen wurde und kein besonderes Prestige hatte, wurde sie nach Wegfall ihrer Hauptaufgabe nicht weiter gezüchtet. Dies führte schließlich zum Aussterben der Rasse im 19. Jahrhundert.