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Treibt Beute auf Bäume

Der Black and Tan Coonhound jagt Waschbären und sogar Pumas

Der aus Amerika stammende Black and Tan Coonhound ist für die Waschbärenjagd prädestiniert, denn er wittert deren Spur wie kein anderer.
Der aus Amerika stammende Black and Tan Coonhound ist für die Waschbärenjagd prädestiniert, denn er wittert deren Spur wie kein anderer. Foto: picture alliance / MAXPPP | ALLILI MOURAD
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

15. September 2025, 6:48 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Mit seinem eleganten, muskulösen Körperbau, dem tiefschwarzen Fell mit lohfarbenen Abzeichen und einer Nase, die selbst feinste Spuren zuverlässig aufnimmt, ist der Black and Tan Coonhound ein Jagdhund durch und durch – und zugleich ein ruhiger, sanftmütiger Gefährte im Alltag. Doch sein Wesen ist komplex: Wer glaubt, ihn allein mit Streicheleinheiten und kurzen Gassirunden zufriedenzustellen, wird überrascht. Was diesen faszinierenden amerikanischen Spezialisten so besonders macht – das erfahren Sie hier.

Herkunft

Der Black and Tan Coonhound blickt auf eine lange Geschichte als spezialisierter Jagdhund zurück. Seine Ursprünge liegen in den Südstaaten der USA, wo er vor rund 200 Jahren aus verschiedenen europäischen Schweißhunden – vor allem dem französischen Bloodhound – gezielt für die Jagd auf Waschbären („racoon“) gezüchtet wurde. Besonders gefragt war seine Fähigkeit, Fährten konsequent und still zu verfolgen, um die Beute anschließend lautstark auf Bäume zu treiben. Diese Spezialisierung auf das sogenannte „Coonhunting“ machte ihn schnell zu einem beliebten Arbeitshund.

Die legendäre „Old Glory“-Linie im Ohio Valley, begründet durch Simon Kenton und die Poe-Brüder, gilt als erste gezielte Zucht des Black and Tan Coonhounds. Trotz seiner Leistung wurde er erst 1945 vom American Kennel Club offiziell als eigenständige Rasse anerkannt – als erster Coonhound überhaupt. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) folgte noch im selben Jahr. Heute ist die Rasse in den USA weiterhin aktiv im Jagdeinsatz – auch auf Großwild wie Bären oder Pumas. In Europa hingegen bleibt der Black and Tan Coonhound eine ausgesprochene Rarität.

Aussehen & Fell

Der Black and Tan Coonhound ist ein kraftvoller, mittelgroßer bis großer Hund mit muskulösem Körper und eleganter Linienführung. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von etwa 63–68 cm, Hündinnen sind etwas kleiner. Das Gewicht liegt je nach Typ bei rund 25 kg, kann jedoch variieren. Charakteristisch ist das kurze, dichte, eng anliegende Fell in sattem Schwarz mit markanten, lohfarbenen Abzeichen an Augenbrauen, Brust, Beinen und unter dem Schwanz – daher auch sein Name.

Die langen, tief angesetzten Hängeohren und die ausgeprägte, leicht gewölbte Schnauze erinnern an den Bloodhound, jedoch ohne dessen Falten. Besonders auffällig sind seine großen, dunkelbraunen Augen, die eine ruhige, sanfte Ausstrahlung vermitteln. Sein Bewegungsablauf ist raumgreifend und rhythmisch, was seine jagdliche Ausdauer und Wendigkeit unterstreicht. Das wetterfeste Fell schützt ihn zuverlässig bei Einsätzen in rauem Gelände und unterschiedlichen Klimazonen – eine Voraussetzung für seine ursprüngliche Bestimmung als Jagdhund.

Charakter & Gemüt

Der Black and Tan Coonhound vereint einen ausgesprochen freundlichen, ruhigen Grundcharakter mit großer Zielstrebigkeit bei der Arbeit. In der Meute fühlt er sich besonders wohl, was ihn sehr sozial und umgänglich im Umgang mit Artgenossen macht. Auch gegenüber Menschen zeigt er sich meist offen, wenngleich anfänglich manchmal etwas reserviert. In seinem Innersten ist er ein hochspezialisierter Jagdhund: Ausdauernd, unbeirrbar und mit exzellentem Geruchssinn folgt er jeder Spur, oft stundenlang.

Gleichzeitig besitzt er eine hohe Stresstoleranz, wenig Aggressionspotenzial und einen klaren Kopf – Eigenschaften, die ihn im Alltag zu einem angenehmen Begleiter machen. Dennoch sollte sein Eigensinn nicht unterschätzt werden: Seine Unabhängigkeit ist kein Zeichen mangelnder Intelligenz, sondern Ausdruck jahrhundertealter züchterischer Selektion auf selbstständige Arbeit. Bei artgerechter Auslastung – etwa durch Mantrailing – zeigt er sich ausgeglichen und anhänglich.

Erziehung

Die Erziehung eines Black and Tan Coonhounds erfordert Konsequenz, Einfühlungsvermögen und eine klare, faire Führung. Er ist intelligent und lernfähig, aber auch selbstständig und gelegentlich stur – vor allem, wenn er unterfordert ist oder zu hart behandelt wird. Frühzeitige Sozialisation, positive Verstärkung und klare Strukturen sind entscheidend.

Da er ein Meutehund ist, reagiert er gut auf Bindung und Zusammenarbeit, braucht aber auch ausreichend Beschäftigung, um Verhaltensproblemen vorzubeugen. Besonders geeignet sind Suchspiele, Nasenarbeit oder Mantrailing, die seine natürlichen Anlagen fördern. Ein unerzogener, gelangweilter Coonhound kann dagegen schnell eigensinnig werden und selbstständig Entscheidungen treffen – meist nicht zur Freude seiner Menschen.

Richtige Haltung & Pflege

Ein Black and Tan Coonhound gehört nicht in eine Stadtwohnung – er braucht Platz, Bewegung und vor allem geistige Auslastung. Idealerweise lebt er in einem Haus mit sicher umzäuntem Garten und hat täglich Gelegenheit zu ausgedehnten Ausflügen in die Natur. Seine jagdliche Herkunft verlangt nach artgerechter Arbeit, sei es durch Hundesport, Fährtensuche oder echte Jagdeinsätze. Alleinsein sollte vermieden werden, da der soziale Coonhound engen Anschluss an seine Bezugsperson(en) sucht.

Die Fellpflege ist unkompliziert: Regelmäßiges Bürsten ein- bis zweimal pro Woche reicht aus, um das kurze, dichte Fell gesund zu erhalten. Wichtig ist die Kontrolle der langen Hängeohren, da diese zu Entzündungen neigen können. Halter müssen auch die Augen regelmäßig inspizieren.

Ernährung

Der Black and Tan Coonhound hat keine speziellen Futteransprüche, reagiert aber sensibel auf falsche Nährstoffverhältnisse. Eine proteinreiche, fleischbasierte Ernährung mit ca. 70–80 % Fleischanteil ist ideal. Ergänzt wird dies durch Gemüse und Reis. Besonders im Wachstum sollte auf ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis und eine moderate Proteinzufuhr geachtet werden, um Skeletterkrankungen zu vermeiden. Welpen sollten in den ersten Wochen nach dem Umzug weiterhin das gewohnte Futter vom Züchter erhalten.

Danach kann schrittweise auf hochwertiges Adult-Futter umgestellt werden. Zwei feste Mahlzeiten pro Tag und ein kontrolliertes Gewicht sind essenziell – Coonhounds neigen bei falscher Fütterung zu Übergewicht, was ihre Gelenkgesundheit langfristig gefährdet. Frisches Wasser sollte jederzeit zur Verfügung stehen.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Der Black and Tan Coonhound gilt insgesamt als robuste und gesunde Rasse. Rassetypische Erkrankungen sind nicht bekannt, allerdings tritt – wie bei vielen größeren Hunden – gelegentlich Hüftgelenksdysplasie (HD) auf. Das Risiko lässt sich durch verantwortungsvolle Zucht, gelenkschonende Haltung im Wachstum und angepasste Ernährung deutlich minimieren.

Besonders im ersten Lebensjahr sollte auf übermäßige körperliche Belastung verzichtet werden – hierzu zählen ruckartige Stopps beim Spielen oder häufiges Treppensteigen. Regelmäßige Ohrpflege hilft, entzündliche Erkrankungen durch die langen Hängeohren zu vermeiden. Vorsorgeuntersuchungen und eine bewusste Gesundheitsführung tragen zusätzlich zur langen Lebenserwartung von etwa 10–12 Jahren bei.

Der Black and Tan Coonhound im Überblick

  • Charakter: Ruhig, freundlich, eigensinnig, sozial, arbeitsfreudig
  • Größe: Rüden ca. 63–68 cm, Hündinnen etwas kleiner
  • Gewicht: Etwa 25 kg, kein Standardgewicht vorgegeben
  • Fell: Kurz, dicht, wetterfest
  • Besonderheiten: Extrem feiner Geruchssinn, hervorragender Spürhund, hoher Bewegungsdrang

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