10. September 2025, 11:31 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Nicht nur nach einem Beißvorfall: In vielen Situationen kann das Tragen eines Maulkorbs sinnvoll oder sogar vorgeschrieben sein – auch für liebe Hunde. PETBOOK erklärt, wann das Tragen eines Maulkorbs angebracht oder auch Pflicht ist und was Halter unbedingt wissen sollten.
Ein Maulkorb löst bei vielen Passanten Unbehagen aus – und auch Halter sehen sich oft skeptischen Blicken ausgesetzt. Schnell steht der Verdacht im Raum: Hat der Hund jemanden gebissen oder ist er ein sogenannter Listenhund? Dabei dient der Maulkorb vor allem einem Zweck – der Sicherheit von Mensch und Tier. In bestimmten Situationen ist er sogar gesetzlich vorgeschrieben, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Reisen ins Ausland. Auch bei einem Tierarztbesuch oder zur Vorbeugung von Giftköder-Vorfällen kann das Hilfsmittel sehr sinnvoll sein. Umso wichtiger ist es, den Hund frühzeitig und behutsam daran zu gewöhnen.
Übersicht
Beim Tierarzt (präventiv)
Schon im Wartezimmer herrscht oft große Aufregung: Neben den Artgenossen gibt es verängstigte Kaninchen und wehrhafte Katzen, die den Hund in Aufruhr versetzen. Fremde Gerüche und Geräusche führen oft zu einer angespannten Situation. Soll der Hund dann auch noch im Behandlungsraum auf dem glatten Metalltisch stehen und sich abtasten lassen (und im schlimmsten Fall tut ihm das auch noch weh), kann es schon mal passieren, dass er herumfährt und schnappt. Das kann auch beim nettesten Hund vorkommen, weshalb man präventiv einen Maulkorb anlegen sollte. Dieser sorgt für eine sichere und entspannte Situation beim Tierarztbesuch.
Beim Gassigehen, um Fressen von der Straße zu verhindern
Die meisten Hunde sind Staubsauger auf vier Pfoten. Eine Sekunde nicht aufgepasst, und der Vierbeiner hat eine halb vermoderte Maus oder irgendetwas Unappetitliches verschlungen. Im schlimmsten Fall kann er aber auch einen Giftköder erwischen. Mithilfe des Maulkorbs kann man dieses Verhalten verhindern, bis das Anti-Giftköder-Training sicher sitzt.1 2
In der Bahn (mitunter Pflicht)
Viele Hundehalter wissen nicht, dass in der Deutschen Bahn Maulkorbpflicht besteht. Fährt der Hund nicht in einer Transportbox im Nah- oder Fernverkehr mit, muss er angeleint sein und einen Maulkorb tragen. Kleine Hunde (max. Größe einer Katze) müssen zumindest in einer Tragetasche gesichert sein. Ausgenommen von der Regelung sind Begleithunde.3
Auf Reisen
In vielen Urlaubsländern gibt es unterschiedliche Regelungen, die das Tragen eines Maulkorbes vorschreiben. Am besten erkundigen Sie sich vorab, z. B. auf der Seite des Deutschen Tierschutzbundes, wo genau mit Auflagen zu rechnen ist. Hier finden Sie alle EU-Länder in der Übersicht. 4
Kein einheitliches Gesetz zur Maulkorbpflicht
In Deutschland existiert keine bundesweit einheitliche Regelung zur Maulkorbpflicht. Stattdessen liegt die Zuständigkeit bei den einzelnen Bundesländern und teilweise sogar bei Kommunen. Entsprechend unterschiedlich sind die Vorschriften. In der Praxis bedeutet das: Ob ein Hund einen Maulkorb tragen muss, hängt vom jeweiligen Wohn- oder Aufenthaltsort ab.
In der Regel betrifft die Maulkorbpflicht vor allem sogenannte Listenhunde – also Rassen, die im jeweiligen Landesrecht als potenziell gefährlich eingestuft sind. Doch nicht überall gelten ausschließlich rassebezogene Kriterien. Einige Bundesländer berücksichtigen inzwischen auch verhaltensbedingte Merkmale, etwa Angriffslust, Kampfbereitschaft oder bedrohliches Verhalten gegenüber Menschen oder anderen Tieren.5
In vielen Fällen kann ein Hund von der Pflicht befreit werden, wenn ein sogenannter Wesenstest erfolgreich bestanden wurde. Dann gilt der Hund als individuell ungefährlich – unabhängig von seiner Rassezugehörigkeit.
Zudem können örtliche Regelungen – etwa auf öffentlichen Plätzen, in Fußgängerzonen oder bei größeren Menschenansammlungen – eine Maulkorbpflicht auch für nicht gelistete Hunde vorschreiben. Gleiches gilt für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Hundebesitzer sollten sich daher immer vor Ort oder bei der zuständigen Behörde über geltende Vorschriften informieren.
Bußgelder bei Verstößen
Die Bußgelder bei Verstößen gegen die Maulkorbpflicht fallen je nach Kommune sehr unterschiedlich aus. Während bei Verstößen gegen die Leinenpflicht oder das Entfernen von Hundekot Beträge von 20 bis 150 Euro üblich sind, kann das Nichttragen eines vorgeschriebenen Maulkorbs deutlich teurer werden.
Die durchschnittlichen Bußgelder für dieses Vergehen liegen bundesweit zwischen 45 und 250 Euro. In einigen Städten – etwa Frankfurt am Main, München oder Münster – sind jedoch auch Strafen von bis zu 1000 Euro möglich.
Zum Vergleich: Wer gegen die Leinenpflicht verstößt, muss in der Regel mit einem Bußgeld zwischen 50 und 300 Euro rechnen. 6
Welcher Maulkorb ist der Richtige für meinen Hund?
Als Erstes muss man zwischen Maulkorb und Maulschlaufe unterscheiden. Manche Halter bevorzugen eine Maulschlaufe, da sie weniger martialisch aussieht. Sie ist jedoch nur für einen kurzen Einsatz, z. B. beim Tierarzt, geeignet, da sie meist sehr eng sitzt und der Hund nicht hecheln kann, was sie vor allem an warmen Tagen völlig ungeeignet macht.
Maulkörbe gibt es mittlerweile in vielen Variationen und verschiedenen Materialien, wie Kunststoff, Leder oder Metall. Die Passform ist dabei das wichtigste Kriterium. Der Maulkorb darf beim Tragen weder zu eng, noch zu locker sitzen und sich nicht verschieben. Der Hund sollte atmen, hecheln und trinken können. Zudem sollte man ihm, z. B. beim Training, auch ein Leckerli geben können.7
Wichtig: Ein Maulkorb darf den Hund nicht in seinen Grundbedürfnissen einschränken. Das bedeutet, er muss atmen, hecheln und trinken können – gerade bei höheren Temperaturen ist das entscheidend für das Tierwohl. Für Rassen mit kurzer Schnauze, wie Mops oder französischer Bulldogge, ist es oft relativ schwierig, einen passenden Maulkorb zu finden. Da diese Hunde beim Atmen durch ihre Anatomie schon extrem eingeschränkt sein können, laufen sie beim Tragen eines Maulkorbes Gefahr, Atemnot zu bekommen oder zu überhitzen. Neben den herkömmlichen Modellen bieten einige Hersteller aber mittlerweile Modelle speziell für Rassen mit kurzer Schnauze an.
Maulkorb für den Hund – 7 Modelle im Vergleich
Immer mehr Hunde müssen Maulkorb tragen! So klappt’s
Wie kann man den Hund an das Tragen eines Maulkorbs gewöhnen?
Lassen Sie Ihren Hund erst mal in Ruhe an dem neuen Maulkorb schnuppern. Wenn Sie mögen, können Sie ihm auch ein Leckerli zur Belohnung geben, wenn er z. B. seine Schnauze ein wenig in die Öffnung schiebt. Sie können ihn auch dazu animieren, indem Sie einen Snack in den Maulkorb legen. Steckt er nun schon das ein oder andere Mal für längere Zeit mit der Schnauze im Korb, können Sie die Befestigungsriemen hinter die Ohren legen und festhalten. Lässt er das zu, wird er mit einem Leckerchen belohnt. Irgendwann schließen sie die Befestigung und laufen so mit ihm im Haus oder der Wohnung herum. Funktioniert das alles reibungslos, geht es nach draußen. Auch dort bekommt er ihre volle Aufmerksamkeit und auch Leckerlis, damit er das Tragen mit etwas Positivem verknüpft.
In der PETBOOK-Dog School zeigt Hundetrainer Jochen Bendel, wie Sie Ihren Hund Schritt für Schritt an den Maulkorb gewöhnen: Immer mehr Hunde müssen Maulkorb tragen! So klappt’s
Fazit
Nicht nur Hunde, die einen Beißvorfall hatten, tragen Maulkorb. Der Maulkorb kann ein tolles Hilfsmittel sein, um Hunde in manchen Situationen zu sichern, in denen sie gestresst sein können, wie z. B. in überfüllten Verkehrsmitteln oder beim Tierarzt. Wenn sie daran gewöhnt sind, erfahren sie dadurch auch keinerlei Beeinträchtigung.