10. November 2025, 6:17 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
PETBOOK-Autorin Manuela Lieflaender ist genervt: von den rücksichtslosen E-Bike-Fahrern – aber auch von sich selbst. Denn sie ist sich sicher: Andere Verkehrsteilnehmer halten sie für paranoid. Doch ist sie wirklich die einzige, die in den lautlos heranrasenden E-Bikes eine echte Bedrohung für ihren Hund (und auch für sich selbst) sieht?
Im „Moonwalk“ halte ich Ausschau nach E-Bikern
Wenn ich mit meinem Australian Shepherd Elvis draußen bin, fühlt es sich an, als würde ich eine besondere Mission leiten. Ständig muss ich die Umgebung scannen, wie ein Bodyguard auf Crack. Vorne, hinten, links, rechts. Ich bin die personifizierte 360-Grad-Kamera.
Besonders schlimm wird es, wenn ich Elvis von der Leine lasse. Dann mutiere ich zum menschlichen Kreisel. Auf 50 Metern drehe ich mich gefühlt 150 Mal um. Oder ich versuche, den Horizont abzusuchen, als würde ich auf dem Meer nach Land Ausschau halten. Mein persönlicher Hit: Rückwärtsgehen! Ja, Sie haben richtig gelesen. Wenn Elvis mit gutem Abstand hinter mir trödelt, manövriere ich mich Moonwalk-mäßig rückwärts über den Weg.
Wer mich dabei beobachtet, denkt bestimmt: „Die hat doch eine Meise! Verfolgungswahn, mindestens!“ Aber ich habe einfach keinen Bock darauf, dass mein Jungrüde von einem lautlos heranrasenden E-Bike oder E-Scooter umgenietet wird. Diese Dinger sind die Ninja-Krieger des Alltagsverkehrs. Sie schießen ohne jegliche Vorwarnung aus dem Nichts heraus und haben eine Geschwindigkeit drauf, bei der mir schwindelig wird.
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Bin ich die Einzige mit einem Sicherheitskonzept?
Was ich nicht verstehe: Ich habe das Gefühl, ich bin die einzige Hundehalterin mit einem pedantischen Sicherheitskonzept! Alle anderen, die ich sehe, lassen ihre Hunde seelenruhig mit der obligatorischen Roll- oder Schleppleine kreuz und quer über den Weg marschieren. Die machen sich null Gedanken – genauso wenig wie die E-Bike-Fahrer. Das ist eine kuriose Patt-Situation: zwei rücksichtslose Parteien, die sich neutralisieren. Ich lese regelmäßig von körperlichen Auseinandersetzungen oder Unfällen, aber keiner ändert sein Verhalten.
Tja, außer mir. Ich habe mich nämlich heute dabei ertappt, wie ich im Kopf hitzige Diskussionen mit rücksichtslosen Radfahrern geführt habe, die gar nicht da waren. „Warum klingeln Sie denn nicht? Ist das zu viel verlangt?“ – Ja, ich rede mit unsichtbaren Verkehrsteilnehmern.
Der innere Konflikt zwischen Rücksicht und Rache
Der Höhepunkt der akustischen Frechheit: „NICHT ERSCHRECKEN!“, brüllte mir neulich eine E-Bike-Fahrerin ins Ohr. Ich hatte mich tatsächlich ein Mal zu wenig umgedreht und zack – hätte ich fast eine neue Sturmfrisur gehabt, so nah raste sie vorbei.
Die Lösung für mein Problem habe ich eigentlich schon gefunden. Eigentlich. Denn sie bringt mich in einen inneren Konflikt: Ich will mich nämlich selbst dazu erziehen, mittig auf dem Gehweg zu gehen. Mein Ziel: Der Radfahrer soll klingeln und abbremsen.
Aber wenn ich mittig gehe, schreit meine gute Erziehung sofort: „Halt! Du versperrst anderen den Weg! Sei doch nicht so egoistisch!“ Und dann geht das Pingpong im Kopf los und ich ärgere mich über mich selbst. Warum denke ich immer, dass ich Rücksicht nehmen muss, während gefühlt alle anderen nur an sich denken? Tja, wahrscheinlich, weil ich einen Hund habe. Und die Liebe zu diesen Vierbeinern macht uns eben auch zu den aufmerksamsten und verrücktesten Verkehrsteilnehmern überhaupt. Immer bereit für den nächsten Ninja-Angriff aus der Stille!
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Zur Autorin
Manuela Lieflaender ist zertifizierte Hundepsychologin und Pferdefrau. Zu ihrem Portfolio zählen Ratgeber-Texte ebenso wie Reportagen über tierfreundliche Reise-Destinationen und Erfahrungsberichte mit Tiefgang.