6. Januar 2026, 16:28 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Ein böllerfreier Ferienpark in den Niederlanden sollte Rüde Elvis ein entspanntes Silvester bescheren. Das war der Grund, warum unsere Autorin Manuela Lieflaender und ihr Lebensgefährte das teure Ferienhaus mitten im Nirgendwo gebucht haben. Es kam anders: Statt Stille gab es Böller, Streit mit den Gästen, aggressive Nachbarhunde und eine Website voller falscher Versprechen.
Knapp 900 Euro für vier Nächte ohne Böllerei
Jippie, wir hatten es geschafft. Die böllerfreie Unterkunft in einem Ferienpark in ruhiger Umgebung war gebucht. Drumherum nur Wiesen, Wasser und ein bisschen Wald. So sah es auf dem Werbefoto aus und so stand es in der Parkbeschreibung. Mindestens zehnmal hatte ich kontrolliert, ob auch wirklich nicht geböllert werden darf. Man weiß ja nie, schließlich ist es das letzte Jahr, in dem in den Niederlanden Feuerwerk gezündet werden durfte.
Volker hatte die Unterkunft direkt auf der Website des Betreibers gefunden und war mächtig stolz auf seinen Fund. Ich war zwiegespalten. Knapp 900 Euro für vier Nächte war viel Geld für einen Urlaub im Nirgendwo. Ohne Cafés, Flaniermeile, Strand und Sehenswürdigkeiten. Deshalb war ich innerlich ein bisschen neidisch auf meine Bekannte, die ebenso kurzfristig ein Ferienhaus in Husum ergattert hatte. In der Touri-Hochburg war wenigstens was los. Aber hey, dort würde sicher geböllert. Und schließlich fuhren wir nicht wegen uns, sondern für Australian-Shepherd-Rüde Elvis, damit er keinen Stress wegen der Böllerei hat.
Die bittere Realität an der Rezeption
Schon beim Aussteigen aus dem Auto folgte der Schock: ein lauter Knall. Ein Böller. Sofort stampfte ich wütend mit Elvis zur Rezeption. Die Antwort der Mitarbeiterin war so ernüchternd wie dreist: „Wir haben keinen Einfluss darauf, was außerhalb des Parks passiert.“
Das Problem: Das Gelände war nur teilweise eine geschlossene Ferienanlage. An den Rändern befanden sich jeweils Privathäuser und dahinter lag direkt die Siedlung. Für Anlagen dieses Betreibers ist das unüblich. Auf der Website wird der Park allerdings aus der Vogelperspektive präsentiert. Als geschlossenes Gelände und ohne Siedlung. Dieses Foto entspricht nicht den Tatsachen. Hinzu kommen Werbeversprechen auf der Webseite des Ferienparks wie „böllerfrei“, „Kontrollen durch Security“, „ruhige Umgebung“ und „nur Natur“.
Da kam aus dem Nachbar-Ferienhaus ein wütender Doodle
Auf unserem Weg ins Ferienhaus knallte es munter weiter. Volker trat dann noch ausgerechnet unbemerkt in Hundekot und lief mit den verkoteten Schuhen erst einmal durch jeden Raum im Ferienhaus. Ich war begeistert und fragte mich: „Was kommt als Nächstes?“ Die Stimmung war jedenfalls auf dem Tiefpunkt – aber noch nicht tief genug.
Wir wollten gerade unserer Gassirunde antreten, da kam aus dem Nachbar-Ferienhaus ein wütender Doodle auf uns zugeschossen. Im letzten Moment gelang es mir, Elvis in unserem Haus in Sicherheit zu bringen. Bis der Besitzer kam, vergingen gefühlt Minuten. Durch die Glastür unseres Ferienhauses starrte er mich an, anstatt seinen Hund einzufangen.
Ich wollte ihn mit meinen Blicken töten
Ich schüttelte nur den Kopf und war kurz davor, herauszugehen und dem Typen mal ordentlich die Meinung zu sagen. Eigentlich kam er mir gerade recht. Aber ich wollte nicht, dass Elvis sieht, wie ich ausraste. Er könnte denken, man macht das so, wenn andere Hunde im Spiel sind. Also wartete ich und schaute mir an, wie der Typ versuchte, seinen Hund einzufangen, der erst mal über alle Berge war.
Als er ihn schließlich hatte, legte er ihm das Halsband um – schwups, war der Hund auch schon wieder weg. Der Typ schaute mich an, schämte sich vermutlich, weil ich in meinem Mantel und meiner Mütze in dem Ferienhaus stand, Hund an der Leine und ihn mit meinen Blicken töten wollte.
Diese Anlage ist der totale Reinfall
Als wir endlich losgingen, wurde ich in dem autofreien Park fast von einem Auto umgefahren. Auch wenn Volker und ich uns wegen meiner Wut fast zerfleischt hätten, waren wir uns doch einig: Diese Anlage ist der totale Reinfall. Am liebsten hätte ich meine Sachen gepackt und wäre sofort nach Hause gefahren. Mittlerweile hatte ich auch übelste Kopfschmerzen, weil ich mich so ärgerte. Aber wir hatten viel Geld für einen böllerfreien Ferienpark bezahlt, der sogar damit wirbt, dass ein Security-Guard das Böllerverbot überwacht – aber eben nur innerhalb des Geländes.
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„Auf der Website steht viel Mist.“
Die einzige Gassirunde bestand aus einem schmalen Damm ohne Gehweg. Haben Sie sich schon mal eine schmale Straße mit Autos, Rennradfahrern, E-Bikes und Hundehaltern geteilt? Hochkonzentriert, die Ohren gespitzt, ob sich ein Auto nähert, achtete ich darauf, Elvis kurz und am Straßenrand zu halten. Unten am Wasser tummelten sich Wasservögel. Ich dachte nur: „Hoffentlich kommt Elvis nicht plötzlich auf die Idee, die Enten jagen zu wollen, während ich auf ein heranfahrendes Auto konzentriert bin“. Dann segeln wir nämlich beide die Klippe hinunter.
Meine einzige Hoffnung auf einen ruhigen Spaziergang war die angepriesene Wanderroute, die auf der Website des Betreibers beworben wurde. Sie sollte nur einen Kilometer entfernt sein. Allerdings stand nirgends ein Schild und der Wald auf dem Foto war auch nirgends zu sehen. Also stattete ich der Rezeption noch mal einen Besuch ab. Die Mitarbeiterin lachte nur: „Auf der Website steht viel Mist.“
Böller direkt am Ferienhaus
Ich nutze die Gelegenheit und frage sie, wie schlimm das Feuerwerk in der Siedlung werden wird. „Hier ist so gut wie nichts. Das Feuerwerk ist eigentlich nur aus der neun Kilometer entfernten Stadt zu hören.“ Sie sollte sich täuschen.
In der Nacht vor Silvester wurden wir aus dem Tiefschlaf gerissen. Die Anwohner zünden Böller und machen unmissverständlich klar: Ihr werden mit euren Tieren hier nicht zur Ruhe kommen! Da ahnten wir noch nicht, dass noch mehr passieren wird.
Am Silvesterabend gegen 22 Uhr eskalierte die Situation. Trotz Böllerverbots und angeblicher Security zündeten Gäste direkt neben unserem Haus Feuerwerk. Volker, sonst eher die Ruhe in Person, war bereit, sich den Übeltäter zu schnappen und warf sich die Jacke über. Wo war eigentlich dieser ominöse Security-Guard? War das auch nur ein leeres Werbeversprechen?
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Die lautesten Böller, die ich je gehört habe
Auf dem Parkplatz, der sich direkt neben unserem Ferienhaus befand, stand ein Vater mit seinem Sohn und zündet einen weiteren Böller. Volker leuchtete ihm mit der Taschenlampe direkt ins Gesicht und stellt ihn zur Rede. Nein, von dem Böllerverbot wisse er nichts, sagte der Mann. Außerdem würde er ja auf dem Parkplatz und nicht im Park stehen. „Aha. Und der Parkplatz gehört also nicht zum Park?“, fragt Volker gereizt. Die Beiden diskutieren hin und her.
Erst als Volker erwähnte, dass wir viel Geld bezahlt hatten, weil unser Hund Elvis Angst vor Silvesterböllern hat, zeigte sich der Vater einsichtig und ging. Um Mitternacht machten die Anwohner dann ihre „Ankündigung“ aus der vorherigen Nacht wahr: Sie zünden die lautesten Böller, die ich je gehört habe. Plötzlich piepten auch noch unsere Handys: Nationaler Alarm in den Niederlanden, weil der Notruf überlastet war.
Mein Fazit: Nicht auf die Webseite verlassen
Während Elvis hechelnd und mit weit aufgerissenen Augen neben mir auf dem Sofa saß, bekam ich eine WhatsApp. Die Nachricht war von meiner Bekannten aus Husum. Sie schickte ein Foto ihrer schlafenden Hündin mit den Worten: „Was für ein entspanntes Silvester. Hier ist alles ruhig.“
Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wie sich ein solcher Reinfall vermeiden lässt. Meine Tipps für alle, die eine böllerfreie Unterkunft suchen, lauten:
- Rufen Sie persönlich an: Verlassen Sie sich nicht auf Werbeversprechen der Webseite, Nutzer-Rezensionen oder KI-Zusammenfassungen bei Google. Fragen Sie explizit, wie weit das nächste Wohngebiet von der böllerfreien Unterkunft oder dem Ferienpark entfernt ist. Dann können Sie besser abschätzen, wie laut es wird, wenn Feuerwerk in der Umgebung erlaubt ist.
- Checken Sie die Gemeinde: Ein Böllerverbot im Park bringt nichts, wenn Privathäuser an die Anlage grenzen.
- Google Maps kritisch prüfen: Zoomen Sie weit raus und schauen Sie, wie nah die nächsten Wohnsiedlungen wirklich liegen.
- Facebook-Gruppen nutzen: Erkundigen Sie sich in Gruppen wie „Knallfreie & knallarme Silvester für Hund und Mensch“, welche Erfahrungen es mit der Anlage bereits gibt oder welche Gegenden und Unterkünfte empfehlenswert sind.
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Zur Autorin
Manuela Lieflaender ist zertifizierte Hundepsychologin und Pferdefrau. Zu ihrem Portfolio zählen Ratgeber-Texte ebenso wie Reportagen über tierfreundliche Reise-Destinationen und Erfahrungsberichte mit Tiefgang.