7. Oktober 2025, 6:22 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Wenn ein Welpe im Herbst oder Winter einzieht, bringt das einige Herausforderungen mit sich: Kälte, Dunkelheit und Nässe können junge Hunde schnell überfordern. Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, worauf Halter jetzt wirklich achten sollten. Denn wer vorbereitet ist, stärkt nicht nur die Gesundheit seines Welpen, sondern legt auch den Grundstein für einen ausgeglichenen, selbstbewussten Hund.
Ein Welpe zieht ein – und mit ihm beginnt eine aufregende Zeit voller erster Male. Viele Hundehalter freuen sich besonders im Herbst oder Winter auf das neue Familienmitglied: kuschelige Abende, Spaziergänge durch buntes Laub oder die erste gemeinsame Schneeballschlacht. Doch was so romantisch klingt, birgt auch Herausforderungen.
Denn Welpen, die in den kalten Monaten aufwachsen, haben ganz andere Startbedingungen als Sommerwelpen. Unterkühlung, Infektionsrisiken, weniger Sozialkontakte oder die Dunkelheit können junge Hunde überfordern – gleichzeitig macht es sie oft auch widerstandsfähiger.
Unterkühlung – die unterschätzte Gefahr
Welpen haben noch kein voll ausgebildetes Fell und eine geringere Fähigkeit, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Besonders kleine Rassen und Hunde mit wenig Unterwolle sind im Herbst und Winter gefährdet. Anzeichen für eine Unterkühlung sind:
- Zittern und verkrampfte Körperhaltung
- Einziehen der Rute und Pfoten
- Verweigern des Weiterlaufens
- Blasse Schleimhäute und Apathie
Tipp: Halten Sie Spaziergänge bei Nässe und Frost anfangs kurz und nutzen Sie einen bei empfindlichen oder sehr jungen Hunden einen leichten, wärmenden Welpenmantel. Sorgen Sie auch im Haus für einen warmen, zugluftfreien Liegeplatz.
Meine Erfahrung: Mantel muss sein
„Unsere Hündin Yumi ist im August geboren und ein typischer Herbst-Welpe. Leider haben wir massiv unterschätzt, wie sehr so ein kleiner Körper anfangs noch gewärmt werden muss – auch bei Langhaarrassen. Denn Yumi hatte als Zwergspitz schon mit wenigen Wochen ein üppiges Fell – der Bauch allerdings war nackt. Mein Standpunkt damals war: Mein Hund wird nie in Klamotten gesteckt. Doch als der Tierarzt sagte: „Frau Schneider, sie müssen der kleinen was anziehen, die friert sich doch den Bauch ab und bekommt noch eine Blasenentzündung“ begann ich ihr Mantel und Wollpulli zu kaufen. Leider war es zu spät und Yumi bekam einen furchtbaren Husten, der sie fast fünf Wochen plagte. Seitdem weiß ich: Mantel ist für Welpen im Herbst und winter Pflicht!“
Herbst und Winter – Hochsaison für Infektionen
Ein schwaches Immunsystem macht Welpen anfälliger für Infektionen. Nasses Herbstlaub, matschige Böden und kalte Luft erhöhen das Risiko für Durchfall, Atemwegserkrankungen oder Hautentzündungen.
Typische Gefahrenquellen:
- Pfützenwasser: Enthält oft Bakterien, Parasiten oder Streusalzrückstände.
- Feuchtes Fell: Wenn der Hund nicht richtig abtrocknet, kann das Hautprobleme begünstigen.
- Kontakte auf kaltem Boden: Welpen setzen sich gern hin – und holen sich so leicht eine Blasenentzündung.
Tipp: Trockne Sie Ihren Welpen nach jedem Spaziergang gründlich ab – auch zwischen den Zehen. Stelle Sie eine weiche, trockene Decke als Pausenplatz zur Verfügung und lassen Sie Ihren Welpen im Herbst und Winter kein stehendes Wasser trinken.
Überforderung in der Dunkelheit
Herbst- und Winterwelpen machen ihre ersten Umwelt- und Sozialisierungserfahrungen oft im Dunkeln. Straßenlaternen, Autoscheinwerfer, Taschenlampen – all das kann verunsichern. Gleichzeitig lernen diese Hunde von Beginn an, sich mit ungewohnten Reizen auseinanderzusetzen, was sie langfristig oft stressresistenter macht.
So helfen Sie Ihrem Welpen:
- Wählen Sie in den ersten Wochen beleuchtete, ruhige Wege für Spaziergänge.
- Führen Sie ihn schrittweise an neue Geräusche und Lichter heran.
- Bleiben Sie selbst ruhig und gelassen – Ihre Haltung überträgt sich.
Extra: Gerade Winterwelpen entwickeln häufig eine gute Gelassenheit im Straßenverkehr, weil sie von klein auf mit Dunkelheit und Lichtern konfrontiert werden.
Weniger Hundekontakte bedeutet mehr Verantwortung
Im Sommer trifft man an jeder Ecke Hunde. Im Herbst und Winter sind weniger Hundehalter unterwegs, deren Vierbeiner Welpen wertvolle Sozialkontakte bieten. Das kann die Sozialisierung erschweren – gerade in der wichtigen Prägungsphase bis zur 16. Woche.
Tipp:
- Plane Sie bewusst Spiel- und Übungstreffen mit anderen Hunden, z. B. in Welpenschulen.
- Achten Sie auf die Qualität der Kontakte: Lieber kurze, positive Begegnungen als wildes Gerangel.
- Bauen Sie auch Kontakte zu Menschen in verschiedenen Outfits auf (Mützen, Schals, Winterjacken wirken auf Welpen oft ungewohnt).
Sicherheit im Dunkeln: Sichtbarkeit schützt
Kurze Tage bedeuten lange Dunkelphasen – und damit eine größere Unfallgefahr. Welpen sind klein und schwer zu erkennen. Sichtbarkeit schützt nicht nur vor Autos, sondern auch vor Radfahrern oder Joggern.
Unverzichtbares Equipment:
- Leuchthalsband oder Reflektor-Geschirr: Macht den Welpen aus der Ferne sichtbar.
- Reflektierende Leine: Erhöht die Sicherheit im Straßenverkehr.
- Taschenlampe oder Stirnlampe für Sie: Erleichtert die Orientierung.
Pfotenpflege nicht vergessen
Streusalz und Split können Welpenpfoten stark reizen. Kleine Risse oder wunde Ballen schmerzen und führen oft zu Lecken und Entzündungen. Mehr dazu finden Sie hier: 7 Tipps für die Pfotenpflege von Hunden im Winter
Pfoten-Checkliste für den Winter:
- Kürzen Sie das Fell zwischen den Zehen, damit sich kein Eis festsetzt.
- Waschen Sie nach Spaziergängen die Pfoten mit lauwarmem Wasser ab.
- Bei empfindlichen Hunden: Pfotenschutzbalsam nutzen.
Training bei Kälte: Qualität statt Quantität
Langer Aufenthalt im Freien ist für Welpen im Herbst oder Winter oft zu anstrengend. Gleichzeitig brauchen sie Training und Beschäftigung. Die Lösung: kürzere, strukturierte Einheiten draußen – und sinnvolle Beschäftigung drinnen.
Trainingsideen für Herbst- und Winterwelpen:
- Drinnen: Kleine Nasenspiele, „Sitz“, „Platz“, „Bleib“ in kurzen Sequenzen, langsamer Aufbau von Alleinbleiben.
- Draußen: Kurze Leinenspaziergänge mit Fokus auf Orientierung am Menschen, Begegnungstraining mit Umweltreizen.
- Impulskontrolle: Ruhiges Warten, bevor es herausgeht, stärkt Selbstbeherrschung und erleichtert den Alltag.
Noch mehr Ideen haben wir hier für Sie zusammengestellt: Indoor-Beschäftigungsideen für Winter- und Regentage
Training zur Stubenreinheit im Herbst und Winter
Stubenreinheit ist für jeden Welpen ein zentrales Lernziel – doch im Herbst und Winter kann es eine besondere Herausforderung werden. Kälte, Regen und Dunkelheit sorgen dafür, dass Welpen ungern nach draußen gehen. Manche setzen sich lieber in die warme Wohnung als in den nassen Garten. Hier heißt es: Geduld und Konsequenz.
So gelingt’s trotzdem:
- Fester Rhythmus: Bringen Sie Ihrem Welpen nach dem Schlafen, Fressen, Spielen und immer dann, wenn er unruhig wird, sofort nach draußen – auch wenn es ungemütlich ist.
- Richtiger Ort: Führen Sie ihn immer an dieselbe Stelle im Garten oder draußen, damit er schnell versteht: „Hier ist mein Klo.“
- Sofort belohnen: Sobald er sich draußen löst, geben Sie sofort ein Leckerchen oder viel Lob. Der Moment muss klar verknüpft sein.
- Notfall bei Regen: Viele Welpen verweigern das Geschäft bei Nässe. Hier hilft ein kleiner, trockener Unterstand (z. B. ein Pavillon oder eine Ecke mit Dachüberstand), bis der Hund sicherer wird.
- Nachts: Stellen Sie sich auf häufiges Rausgehen ein. Ein junger Welpe kann seine Blase noch nicht lange halten. Also Leine und Schuhe immer griffbereit neben der Tür haben.
Tipp: Bleiben Sie gelassen, wenn mal ein Malheur passiert. Schimpfen führt nur dazu, dass der Hund unsicher wird – und sich beim nächsten Mal heimlich entleert.
Training gegen das Anspringen – auch mit nassen Pfoten
Besonders im Herbst und Winter, wenn Hundehalter oft dicke Jacken und helle Mäntel tragen, fällt das Anspringen doppelt unangenehm auf. Nasse oder schlammige Pfoten können Kleidung ruinieren. Deshalb lohnt es sich, von Anfang an klare Regeln zu etablieren.
So trainieren Sie das „Nicht-Anspringen“:
- Ignorieren statt schimpfen: Viele Hunde springen aus Freude und um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn Sie ihn wegschieben oder schimpfen, ist das für sie trotzdem „Kontakt“ – also eine Belohnung. Drehe dich stattdessen ruhig weg und beachte den Hund erst, wenn alle vier Pfoten am Boden sind. Dann dürfen Sie das auch gerne belohnen.
- Alternative anbieten: Belohnen Sie Ihren Welpen aktiv für ein anderes Verhalten, z. B. „Sitz“. Kommt er auf dich zu und setzt sich hin, gib sofort ein Leckerchen oder streichle ihn. So lernt er: Ruhig bleiben lohnt sich.
- Training mit Besuchern: Bitten Sie Freunde oder Familienmitglieder um Mithilfe. Lassen Sie den Welpen an der Leine, wenn jemand hereinkommt. Springt er, wird er ignoriert. Bleibt er mit allen Pfoten unten, gibt’s Aufmerksamkeit.
- Konsequenz ist Schlüssel: Alle im Haushalt sollten dieselben Regeln befolgen. Wenn nur einer das Anspringen toleriert, wird der Welpe verwirrt.
Extra: Gerade Welpen, die im Herbst oder Winter viel Zeit drinnen verbringen, sind oft voller Energie. Sorgen Sie deshalb für ausreichend Auslastung (Nasenspiele, Kauartikel, Trainingseinheiten), damit sie nicht vor lauter Überschwang alle Zweibeiner anspringen.
Expertin verrät, wie Hunde besser durch den Herbst kommen
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Die richtige Ausstattung für Welpen in Herbst- und Winter im Überblick
Neben Liebe und Geduld brauchen junge Hunde in der kalten Jahreszeit ein bisschen Extra-Equipment:
- Wärmender Hundemantel für empfindliche Rassen
- Reflektierendes Halsband/Geschirr für Sicherheit im Dunkeln
- Wasserdichte Unterlage oder Decke für Pausen draußen
- Spielzeug für drinnen, damit sie auch bei schlechtem Wetter ausgelastet sind
- Handtücher zum schnellen Abtrocknen nach Regen oder Schnee
Fazit: So kommt Ihr Welpe gut durch den Herbst und Winter
Ein Welpe im Herbst oder Winter bedeutet zusätzliche Verantwortung – aber auch viele Chancen. Während Kälte, Dunkelheit und Nässe Herausforderungen wie Unterkühlung, Infektionen oder Überforderung mit sich bringen, lernen Winterwelpen von Beginn an, flexibel und stressresistent mit Umweltreizen umzugehen.
Wer auf warme Rückzugsorte, Sicherheit im Dunkeln, gezieltes Training und eine liebevolle, aber konsequente Erziehung achtet, legt den Grundstein für einen selbstbewussten, gesunden Hund.
Stubenreinheit, höfliches Begrüßen ohne Anspringen und der Aufbau von Grundsignalen sind dabei genauso wichtig wie Schutz vor Kälte und Infektionen. Mit Geduld und einem klaren Tagesrhythmus entwickeln Herbst- und Winterwelpen sich zu starken Begleitern – und schenken ihren Menschen jede Menge unvergessliche Momente.
Zur Autorin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.
