15. September 2026, 6:24 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
„Nur ein bisschen Zahnstein?“ Von wegen! Zahnstein beim Hund ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Bleiben die harten Beläge unbehandelt, können sich Zahnfleisch und Zahnhalteapparat entzünden. Tierzahnarzt Dr. Markus Eickhoff warnt im Gespräch mit PETBOOK, dass dadurch nicht nur die Zähne, sondern der gesamte Körper leiden kann. Eine wissenschaftliche Studie mit fast 120.000 Hunden zeigt zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen schweren Zahnerkrankungen und gefährlichen Herzproblemen.
Zahnstein beim Hund ist ein häufiges Problem
Zahnstein entsteht aus zunächst weichem Zahnbelag, der auch Plaque genannt wird. Darin sammeln sich Bakterien, Futterreste und Bestandteile des Speichels. Wird der Belag nicht regelmäßig entfernt, lagern sich Mineralien ein und er verhärtet. Typisch sind gelbliche bis bräunliche Ablagerungen, besonders am Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch. Bleibt der Zahnstein unbehandelt, können sich daraus Entzündungen des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparats entwickeln.
Laut Dr. Eickhoff sind kranke Zähne die häufigste Diagnose in der Tierarztpraxis. Vier von fünf Hunden seien davon betroffen. Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass mehr als 75 Prozent aller Hunde bereits bis zu ihrem vierten Lebensjahr eine Form von Parodontitis, also eine Entzündung des Zahnhalteapparats, entwickeln.1
Besonders tückisch: Zahnerkrankungen bleiben oft lange unentdeckt, weil Hunde ihre Schmerzen nicht deutlich zeigen und trotzdem weiterfressen. „Daher ist die Untersuchung der Mundhöhle ausschlaggebend“, so Eickhoff.
Wie Zahnstein beim Hund zur Entzündung führen kann
Zahnerkrankungen beginnen meist mit Bakterien im Zahnbelag. Wenn diese nicht entfernt werden, entstehen Entzündungen und tiefe Zahnfleischtaschen. Dr. Eickhoff erklärt, dass diese Entzündungen im Maul der Hunde Bakterien und Giftstoffe freisetzen, die über die Blutbahn in den Körper gelangen können.
Die Studie untermauert dies mit beeindruckenden Zahlen:
- Sechsfach erhöhtes Risiko: Hunde mit schwerer Parodontitis haben ein 6,36-mal höheres Risiko, an einer Endokarditis (einer gefährlichen Entzündung der Herzinnenhaut und Herzklappen) zu erkranken, als zahngesunde Hunde.
- Herzmuskelschäden: Auch das Risiko für Kardiomyopathien (Herzmuskelerkrankungen) steigt bei fortgeschrittener Zahnerkrankung um das Vierfache an.
- Gefahr für Leber und Nieren: Die Bakterien aus dem Maul können sich wie ein Filter in den Organen festsetzen und dort Mikroabszesse sowie chronische Schäden verursachen.
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Warum kleine Hunde an ihren Zähnen sterben können
Die Glickman-Studie bestätigt: Das Risiko für Parodontitis steigt, je kleiner der Hund ist. Da kleine Hunde im Verhältnis zu ihrem winzigen Kiefer oft relativ große Zähne haben, stehen diese extrem eng. Es entstehen unzählige Nischen für bakterielle Beläge, die den Organismus vergiften und die Lebenserwartung senken können. Dr. Eickhoff stellt klar: Fälle, bei denen Hunde wegen ihrer maroden Zähne fast sterben, sind insbesondere bei kleinen Rassen leider keine Besonderheit.
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Große Hunde: Wenn Kauspaß den Zahn sprengt
Große Hunderassen haben seltener mit bakterieller Parodontitis zu tun, leiden dafür aber vermehrt unter Zahnfrakturen – also Brüchen oder Absplitterungen eines Zahns.
Diese entstehen infolge zu großer Kraftbelastung beim Spielen oder Kauen. Vor allem die langen Fangzähne und die stark beanspruchten Reißzähne des Gebisses sind davon betroffen. Halter machen oft den Fehler, ungeeignete, viel zu harte Kauartikel anzubieten, die diese Frakturen provozieren.
Zahnstein beim Hund entfernen: Was hilft wirklich?
Im Dschungel der Zahnpflegeprodukte halten sich hartnäckige Gerüchte. Der Experte räumt mit den größten Irrtümern auf:
- Hüttenkäse, hartes Brot & Kauknochen: Können sie Zahnstein verschwinden lassen oder lindern? Ein klares Nein von Dr. Eickhoff. Weder ein Futtermittel noch spezielle Spezialfutter oder Kauartikel gewährleisten eine ausreichende Reinigung der Zähne. Hartes Brot wird im Maul zu Brei und klebt als Stärke zusätzlich am Zahn; Hüttenkäse ist ein netter Snack, sofern beim Hund keine Laktoseintoleranz besteht, aber kein medizinischer Plaque-Entferner.
- Ultraschallzahnbürsten: Zähne putzen mit diesen Bürsten funktioniert nachweislich bei uns Menschen, ist jedoch nicht für alle Hunde gleichermaßen geeignet. Wer sie ohne tierärztliche Abklärung bei bereits bestehenden, tiefen Entzündungen anwendet, riskiert Schmerzen beim Tier und übersieht die Keime unter dem Zahnfleischrand.
- Zahnsprays: Sind je nach Inhaltsstoffen höchstens als zusätzliche Ergänzung zu betrachten, bieten jedoch niemals eine echte Ursachenbekämpfung.
Für den Experten ist klar: „Unbesehen ist natürlich die tägliche Zahnpflege zu Hause am sinnvollsten.“