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Häufiges Grasfressen

Sodbrennen bei Hunden erkennen und richtig behandeln

Ein Hund frisst Gras auf der Wiese
Sodbrennen betrifft mehr Hunde, als man annehmen würde. Mit kleinen Stellschrauben kann man die Situation des Vierbeiners gut verändern. Foto: Getty Images/K_Thalhofer
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18. August 2025, 5:57 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Frisst ein Hund immer häufiger Gras, oft auch schon morgens auf nüchternen Magen, und erbricht danach auch weißlich-gelben, schaumigen Schleim? Dann kann man davon ausgehen, dass das Tier Sodbrennen hat. Diese „Volkskrankheit“ betrifft mehr Hunde, als man annehmen würde. Warum es dazu kommt, welche natürlichen Hausmittel helfen können und alles Wissenswerte zu diesem Thema hat PETBOOK-Autorin und Gesundheitsexpertin für Hunde, Philine Ebert für Sie zusammengestellt. 

Woran erkenne ich, dass mein Hund Sodbrennen hat? 

Es gibt eindeutige Symptome, die darauf hindeuten, dass der Hund an Sodbrennen leidet: 

  • häufiges, hektisches Grasfressen, nicht nur ab und zu, sondern regelmäßig und oft morgens auf nüchternen Magen mit sofortigem Erbrechen von gelbem, schaumigem Schleim
  • Erbrechen von weiß-gelblichen Schaum oder Galle 
  • Würgen nach der Futteraufnahme 
  • Appetitlosigkeit (besonders morgens) und daraus entstehender Gewichtsverlust 
  • Zögern beim Fressen, weil das Tier instinktiv Unwohlsein oder Schmerzen bei der Futteraufnahme vermeiden will 
  • Starker Durst 
  • Vermehrter Speichelfluss 
  • Brustlecken 
  • Zähneknirschen 
  • Aufstoßen (Rülpsen) vor allem nach dem Fressen 
  • unruhiges Verhalten oder Unwohlsein nach dem Fressen oder nachts 
  • Häufiges Schlucken, Schmatzen oder Lecken der Lippen 
  • Auffälliger Maulgeruch trotz guter Zahnpflege 

Was sind die Gründe dafür? 

Der Verdauungsvorgang beginnt beim Menschen schon beim Kauen im Mund, wo auch die Verdauungsenzyme angeregt werden. Beim Hund beginnt er aber erst im Magen, wo die Magensäure den Prozess in Gang setzt und die Enzyme aktiviert werden. 

Deswegen entsteht Sodbrennen beim Hund schneller als beim Menschen, denn die Speiseröhre liegt waagrecht und der Rückfluss der Magensäure verursacht somit noch intensivere Beschwerden als das typische, unangenehme Brennen. Auch beim Hund wird Sodbrennen hauptsächlich durch bestimmte Nahrungsmittel oder Stress ausgelöst. Die Ursachen liegen meistens in der Ernährung und entstehen durch langfristige Fütterungsfehler. 

Auch interessant: Warum viele Hunde ihr Erbrochenes fressen und was Halter tun sollten

Die möglichen Ursachen können sein 

  • Krankheiten wie Gastritis, Geschwüre im Magen oder ein Zwerchfellbruch 
  • Erkrankungen, die den Magen-Darm-Trakt beeinflussen (Allergien, chronische Krankheiten, hormonelle Dysfunktion, z. B. Unterfunktion der Schilddrüse) 
  • Fütterungsfehler, z. B. ungeeignetes Futter, zu große Portionen, Temperatur des Futters, zu lange Pausen zwischen den Mahlzeiten oder säurefördernde Lebensmittel
  • zu schnelle Futterumstellung oder Änderungen in der Ernährung 
  • Nährstoffmangel 
  • Übergewicht 
  • Trächtigkeit (im fortgeschrittenen Stadium steigt der Druck auf den Magen) 
  • Stress als psychosomatische Ursache 
  • Nebenwirkungen von Narkosen, Medikamenten oder eine Medikamentenunverträglichkeit 
  • Nahrungsergänzungsmittel wie Kurkuma, Ingwer oder MSM können Sodbrennen fördern
  • aufgenommene Fremdkörper im Magen, die unverdaulich sind
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Welche Hunde sind oft davon betroffen und gibt es Rassen, die häufiger betroffen sind als andere? 

Grundsätzlich betroffen sind alle Hunde, die ernährungssensibel reagieren, also von Haus aus einen empfindlichen Magen haben. Diese Tiere leiden oft an Unverträglichkeiten und haben schon Magenprobleme. Kurzköpfige Rassen wie Möpse oder Bulldoggen haben aufgrund ihrer kurzen Schnauzen eine höhere Anfälligkeit für Sodbrennen. 

Aber auch junge Hunde, deren Verschlussmechanismus am Mageneingang noch nicht vollständig entwickelt ist, sowie ältere oder übergewichtige Hunde entwickeln häufig Sodbrennen. 

Was sollte ich bei der Ernährung beachten? 

Das Wichtigste bei einem empfindlichen Hundemagen, der an Sodbrennen leidet, ist eine angepasste, magenfreundliche Fütterung und ausreichend Flüssigkeitsaufnahme. 

Was zu beachten ist 

  • den Hund anregen, genug zu trinken, und immer frisches Wasser, Brühe oder Tee zur Verfügung stellen 
  • öfter und kleinere Portionen füttern 
  • Futter nicht zu kalt oder zu warm füttern 
  • keine langen Pausen zwischen der Fütterung 
  • leicht verdauliche, fett- und kohlenhydratarme Futterkomponenten möglichst ohne Getreideanteil, wie fettarmes Fleisch und Fisch 
  • Magenfreundliche Lebensmittel einsetzen, wie Naturjoghurt, Hüttenkäse, Quark, Gemüsebrei, Kartoffelbrei oder Blättermagen 
  • Evtl. Schonkost oder BARF 
  • Auf Mischfütterung verzichten, da die unterschiedlichen Futterarten verschiedene Verdauungszeiten haben, wodurch der Magen belastet wird 
  • Besser keine Knochen füttern, da diese sehr schwer verdaulich sind 
  • Den Futternapf erhöhen, damit das Futter leichter aufgenommen werden kann 
  • Den Kopf höher legen beim Schlafen, z. B. durch Kissen im Körbchen 
  • Stress reduzieren oder versuchen zu vermeiden 

Eine Umstellung auf BARF-Fütterung kann langfristig auch eine Lösung sein, denn frische und unverarbeitete Lebensmittel sind grundsätzlich leichter verdaulich, reduzieren die Produktion von Magensäure und unterstützen den natürlichen pH-Wert des Magens. 

Bei der Zusammenstellung der Rationen kann insbesondere der Fettgehalt angepasst werden, was das Futter zusätzlich leichter macht. 

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Welche Mittel können gegen Sodbrennen helfen? 

Generell hilft es, wenn der Hund viel Wasser trinkt. Auch Kamillen-, Anis- oder Fencheltee als Alternative können Symptome lindern. Zudem kann es helfen, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel unter das Futter zu mischen, wie:

  • Heilerde-Pulver oder pulverisiertes Zeolith-Gestein (bindet die Magensäure, wirkt basisch gegen Übersäuerung, hemmt Entzündungen und versorgt mit Mineralstoffen) 
  • Aloe-Vera-Gel oder Saft 
  • Gerstengras 
  • Slippery Elm (Ulmenrinde-Pulver) 
  • Bitterstoffe bei zu wenig Magensäure, z. B. Wermut (Bitterer Beifuß, Enzianwurzel, Tausendgüldenkraut) 

Bei den Nahrungsergänzungsmitteln sollte man sich beraten lassen und unbedingt die Fütterungsempfehlung beachten, da sie bei gleichzeitiger Gabe eine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten haben können. 

Mehr zum Thema

Wann sollte ich zum Tierarzt gehen? 

Wenn sich der Hund beim Gassigehen als Erstes auf Gras stürzt, die typischen Symptome von Sodbrennen länger anhalten als ein paar Tage und keine Hausmittel Wirkung zeigen, sollte der Tierarzt aufgesucht werden. Vor allem, wenn das Erbrechen stärker und häufiger auftritt oder das Tier offensichtlich Schmerzen beim Fressen hat, ist eine Behandlung durch den Tierarzt unumgänglich. 

Geschwüre, Entzündungen der Speiseröhre oder Gewichtsverlust sind die Folge, wenn Sodbrennen langfristig unbehandelt bleibt. 

Mein Fazit

Wie uns Menschen „schlägt auch unseren Hunden mal etwas auf den Magen“, wie man so schön sagt. Zu reichhaltiges Essen, schwer Verdauliches, ungewohntes Futter, Nährstoffmangel, Ärger oder Stress verursachen oft Sodbrennen. Hunde fressen in diesem Fall instinktiv Gras, was die Beschwerden schnell mildert. Wir als Halter können im Akutfall auch Linderung durch bewährte, natürliche Hausmittel schaffen. 

Halten die Beschwerden aber dauerhaft an und beeinträchtigt das unangenehme Brennen in der Speiseröhre den Alltag und das Wohlergehen des Hundes, muss gehandelt werden und der Hund sollte schnellstmöglich in tierärztliche Behandlung. 

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