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Studie zeigt

Selbst erfahrene Halter übersehen Schmerzen beim Hund

Junger Goldendoodle liegt auf dem Sofa
Hat dieser Hund Schmerzen oder ist er einfach nur müde? Selbst erfahrene Halter haben Probleme, Signale zu deuten Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

8. April 2026, 6:14 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Humpeln oder ein angehobenes Bein – solche Anzeichen erkennt fast jeder sofort als Schmerzsignal beim Hund. Doch was ist mit Unruhe in der Nacht oder plötzlicher Anhänglichkeit? Eine aktuelle Studie zeigt: Gerade diese subtilen Hinweise werden häufig übersehen. Das kann Folgen haben – für das Wohlbefinden des Hundes und sogar für das Risiko von aggressivem Verhalten.

Wir haben Schwierigkeiten Hundeverhalten zu interpretieren

In Deutschland leben in rund 20 Prozent der Haushalte Hunde. Als enge Begleiter des Menschen, ist es für uns umso wichtiger, ihr Verhalten richtig zu deuten. Schmerzen können dabei eine zentrale Rolle spielen – nicht nur für das Tierwohl, sondern auch für die Sicherheit im Alltag. Denn Schmerzen können das Verhalten eines Hundes verändern und im Extremfall zu aggressiven Reaktionen führen.

Während offensichtliche Schmerzzeichen wie Lahmheit gut erkannt werden, sind subtilere Hinweise bislang weniger erforscht. Dazu zählen etwa geringere Spielfreude, verändertes Sozialverhalten oder Rückzug. Wir Menschen haben jedoch Schwierigkeiten, Hundeverhalten korrekt zu interpretieren, wie bereits frühere Studien zeigten.

Hunde kommunizieren nicht direkt, wenn sie Schmerzen haben

Das ist an sich nicht überraschend. Denn schon bei sehr klarer Kommunikation von Hunden, haben Halter Probleme, diese richtig zu deuten. So kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Hundetrainer oder Hundeschulen können hier helfen, lehren aber in der Regel nur die körpersprachlichen Signale der Hunde, die im Zusammenleben von Bedeutung sind. Schmerzsignale gehören nicht dazu.

Viele Hunde kommunizieren zudem nicht direkt, wenn sie Schmerzen haben, sondern ziehen sich eher zurück. Erst, wenn Menschen wissen, dass ihr Vierbeiner krank ist, fallen ihnen Veränderungen im Nachhinein auf. Etwa, wenn der Hund weniger spielt oder weniger frisst. Bisher gab es dazu aber nur wenige belastbare Daten. Genau hier setzt die neue Studie an.

Wie gut erkennen Menschen mit und ohne Hund Schmerzsignale?

Die Forscher stellten dafür drei Hypothesen auf:

  1. Hundebesitzer erkennen subtile Schmerzsignale nicht besser als Nicht-Halter.
  2. Eigene Schmerzerfahrungen beeinflussen die Wahrnehmung.
  3. Erfahrung mit einem schmerzkranken Hund verbessert die Erkennung.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „PLOS One“ veröffentlicht.

Untersucht wurde, wie gut Hundebesitzer und Menschen ohne Hund Schmerzsignale bei Hunden erkennen. Insgesamt nahmen 647 Personen an einer Online-Befragung teil. Im Fokus standen 17 typische Verhaltensweisen sowie drei Fallbeispiele mit unterschiedlich deutlichen Schmerzanzeichen. Ziel war es herauszufinden, ob Erfahrung mit Hunden oder eigene Schmerzerlebnisse die Einschätzung beeinflussen – insbesondere bei schwer erkennbaren, subtilen Signalen.1

Teilnehmer mussten 17 Verhaltensweisen bewerten

Die Forscher führten eine Online-Befragung mit 647 Erwachsenen durch, darunter 530 Hundebesitzer und 117 Personen ohne aktuellen Hund. Die Teilnehmer bewerteten 17 Verhaltensweisen von Hunden danach, wie wahrscheinlich sie auf Schmerzen hindeuten – auf einer Skala von 0 (sehr unwahrscheinlich) bis 4 (sehr wahrscheinlich).

Zusätzlich wurden drei Fallbeispiele beschrieben:

  • ein Hund mit subtilen Schmerzzeichen (z. B. nächtliche Unruhe, stärkeres Anhänglichsein),
  • ein Hund mit deutlichen, bewegungsbezogenen Schmerzen (z. B. Humpeln),
  • sowie ein Hund ohne Schmerzen, dessen Verhalten andere Ursachen hatte.

Die Teilnehmer sollten einschätzen, ob Schmerz die Ursache des Verhaltens ist. Außerdem wurde erfasst, ob die Personen selbst oder ihre Hunde bereits schmerzhafte Erfahrungen gemacht hatten.

Nur die Hälfte erkannte subtile Schmerzsignale

Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Deutliche Schmerzsignale werden gut erkannt – subtile hingegen deutlich schlechter.

Bei den 17 Verhaltensweisen erhielten „Veränderung der Persönlichkeit“, „zögerliches Anheben der Pfote“, „Stimmungsschwankungen“ und „weniger Spielen“ die höchsten Schmerzbewertungen. Am seltensten wurden „Luftschnüffeln“, „Nase lecken“ und „Gähnen“ mit Schmerz in Verbindung gebracht.

Im Fallbeispiel mit klaren Schmerzanzeichen bewerteten 97 Prozent der Hundebesitzer und 92 Prozent der Nicht-Halter Schmerz als wahrscheinlich. Anders beim subtilen Fall: Hier sahen nur 53 Prozent der Hundebesitzer und 55 Prozent der Nicht-Halter Schmerzen als Ursache – kein signifikanter Unterschied.

Subtile Veränderungen werden oft falsch eingeordnet

Auffällig: Menschen mit eigener Schmerzerfahrung erkannten subtile Hinweise häufiger (60 Prozent vs. 46 Prozent). Auch Hundebesitzer mit einem zuvor schmerzkranken Tier lagen höher (62 Prozent vs. 46 Prozent).

Ein weiteres Detail: Nicht-Halter interpretierten einige Verhaltensweisen wie „Einfrieren“ oder „Abwenden“ häufiger als Schmerzsignal als Hundebesitzer.

Die Studie zeigt, dass Erfahrung mit Hunden nicht automatisch bedeutet, Schmerzen besser zu erkennen. Besonders subtile Veränderungen im Verhalten werden oft falsch eingeordnet oder übersehen. Das ist relevant, weil gerade diese frühen Anzeichen entscheidend für eine rechtzeitige Behandlung sein können.

Eigene Schmerzerfahrungen machen sensibler

Bleiben Schmerzen unerkannt, kann sich der Zustand des Hundes verschlechtern. Zudem steigt das Risiko für unerwartete Reaktionen, etwa aggressives Verhalten aus Schmerz heraus. Die Fähigkeit, solche Signale zu erkennen, ist daher nicht nur eine Frage des Tierwohls, sondern auch der Sicherheit im Umgang mit Hunden.

Interessant ist auch der Einfluss von Erfahrung: Sowohl eigene Schmerzen als auch Erlebnisse mit einem kranken Hund scheinen die Sensibilität für entsprechende Signale zu erhöhen. Das deutet darauf hin, dass Lernen und Aufklärung eine wichtige Rolle spielen können.

Die Autoren betonen daher, dass Schulungen zum Hundeverhalten stärker auch Schmerzsignale berücksichtigen sollten – insbesondere die weniger offensichtlichen.

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Studie hat einige Schwächen

Die Studie liefert wichtige Einblicke, hat jedoch einige Einschränkungen. Die Teilnehmer wurden über soziale Medien rekrutiert, was zu einer verzerrten Stichprobe führte. So waren 88 Prozent weiblich, und die Altersverteilung unterschied sich deutlich zwischen Hundebesitzern und Nicht-Haltern.

Zudem bestand die Gruppe der Nicht-Halter teilweise aus Personen mit früherer Hundeerfahrung, was die Vergleichbarkeit beeinflussen kann. Auch die Fallbeispiele wurden speziell für diese Studie entwickelt und nicht zuvor validiert. Unterschiedliche Hunderassen in den Beispielen könnten ebenfalls die Bewertung beeinflusst haben, da Menschen Schmerzempfinden je nach Rasse unterschiedlich einschätzen.

Ein weiterer Punkt: Es wurde nur nach „Schmerz“ gefragt, nicht nach allgemeinem „Unwohlsein“. Dadurch könnten manche Verhaltensweisen unterschätzt worden sein, die eher auf allgemeines Unbehagen als auf klaren Schmerz hindeuten.

Trotz dieser Einschränkungen ist die zentrale Aussage robust: Subtile Schmerzsignale werden häufig nicht erkannt – unabhängig davon, ob jemand einen Hund besitzt oder nicht.

Fazit: Frühe Schmerzsignale bleiben oft unbeachtet

Die Studie macht deutlich, dass viele Menschen – auch erfahrene Hundebesitzer – Schwierigkeiten haben, feine Anzeichen von Schmerzen bei Hunden zu erkennen. Während offensichtliche Symptome gut wahrgenommen werden, bleiben frühe Warnsignale oft unbeachtet.

Für Hundehalter bedeutet das: Verhaltensänderungen wie Rückzug, Unruhe oder geringere Aktivität sollten ernst genommen werden. Sie können erste Hinweise auf Schmerzen sein.

Die Ergebnisse unterstreichen zudem, wie wichtig Aufklärung ist. Besseres Wissen über subtile Schmerzsignale kann dazu beitragen, Leiden frühzeitig zu erkennen, rechtzeitig zu handeln und das Wohlbefinden von Hunden nachhaltig zu verbessern.

Quellen

  1. Gardeweg S. M. A., Picard D. E., Herwijnen I.Rv. (2026) „The abilities in dog pain sign recognition as assessed by presenting seventeen listed dog behavioural signs and three case descriptions to dog owners and non-dog owners“. PLoS One 21(4): e0344512. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0344512 ↩︎

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