11. Juni 2026, 11:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Mit Beginn der Sommerreisezeit planen viele Hundebesitzer ihren Urlaub im Ausland. Ein Urlaub mit Hund am Mittelmeer klingt für viele nach einer entspannten Auszeit – kann jedoch gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Tierarzt Dr. Ingo Schäfer warnt in einem Beitrag auf Social Media vor winzigen Überträgern, die gefährliche Krankheiten auslösen können – und oft lange unbemerkt bleiben. PETBOOK-Autorin Manuela Lieflaender sprach mit dem Tierarzt über das oft unterschätzte Risiko.
Welche Gefahren im Urlaub lauern
Urlaub mit dem Hund am Mittelmeer zu machen, ist eine schlechte Idee. Das findet zumindest Tierarzt Dr. Ingo Schäfer. Er begründet das so: „Hunde aus Mittel- und Nordeuropa können sich in Mittelmeer-Regionen mit vielen Krankheiten infizieren.“
Doch warum sind ausgerechnet beliebte Urlaubsländer wie Spanien, Italien, Kroatien oder Griechenland so gefährlich für unsere Hunde? Darauf antwortet Tierarzt Dr. Ingo Schäfer: „Ihr Immunsystem ist darauf nicht vorbereitet, weil es diese Erreger in Deutschland (noch) nicht gibt.“
Leishmaniose – die unterschätzte Urlaubsgefahr
Die Rede ist unter anderem von Sandmücken und Stechmücken, die im Mittelmeerraum heimisch sind und sich durch den Klimawandel nach Norden ausbreiten. Sie übertragen beispielsweise Leishmaniose. Leishmaniose ist eine typische „Mittelmeerkrankheit“, die Hunde vor allem im Urlaub in südlichen Ländern betreffen kann. Verursacht wird sie durch Stiche von Sandmücken.
Leishmaniose kann folgende Symptome auslösen:
- Geschwollene Lymphknoten
- Haarverlust
- Appetitlosigkeit
- Hautveränderungen im Bereich der Einstichstelle
Die Symptome sind sehr vielseitig, oft schwer greifbar und können auch tödlich enden. Auch wenn Hunde ausreichend gegen Zecken und Mücken geschützt sind, reicht das nicht aus. Denn kein Mittel bietet einen 100-Prozent-Schutz.
Leishmaniose beim Hund – Symptome erkennen und richtig handeln
Die gefährlichsten Tiere Europas
Was Hundehalter bei einem Mittelmeerurlaub beachten sollten
Wer seinen Mittelmeerurlaub schon geplant hat und seinen Hund mitnehmen muss, für den hat Dr. Ingo Schäfer konkrete Tipps:
- Mit schützenden Präparaten gegen in der Urlaubsregion vorkommende Steckmücken, Sandmücken und Zecken schützen – hierbei handelt es sich fast immer um Spot-On-Präparate.
- Nicht in der Dämmerung oder in den Morgenstunden spazieren gehen oder den Hund im Freien lassen, denn in dieser Zeit sind Sandmücken und Stechmücken besonders aktiv
- Keine Wassergefäße vor dem Ferienhaus stehen lassen, Standgewässer abdecken und keine Abfälle liegen lassen
- Auf Mückengitter an Fenstern achten
- Feuchte Kellerräume meiden
Doch auch mit diesen Vorsichtsmaßnahmen bleibt ein Restrisiko bestehen, warnt der Tierarzt. Ein vollständiger Schutz ist nicht möglich.
Auch interessant: Urlaub mit dem Hund – Ausstattung, Impfungen, Reiseapotheke
Müssen Halter ihre Hunde im Hotel vor Sandmücken schützen?
Hotel-Urlaubern rät Ingo Schäfer: „In jedem Fall ein Hotelzimmer wählen, das höher als im ersten Stock liegt, um in Leishmaniose-Gebieten Stiche von Sandmücken zu vermeiden. Machen Sie auf jeden Fall den Deckenventilator an, denn das stört die Orientierung der Sandmücken.“
Auch für Restaurantbesuche hat Dr. Ingo Schäfer einen Tipp: „Lassen Sie Ihren Hund im Restaurant nicht unter dem Tisch schlafen. Sandmücken fliegen nämlich nur Hunde an, die sich eine Zeitlang nicht bewegen. Also unbedingt in der Dämmerung keinen Hund unter dem Tisch schlafen lassen.“
Der entscheidende Punkt aber, warum Tierarzt Ingo Schäfer von Reisen mit dem Hund ans Mittelmeer abrät, ist: „Wenn der Hund sich einmal infiziert hat, bleibt er bei vielen Erregern lebenslang infiziert. Man sollte sich überlegen, ob es das wert ist oder ob man das Tier lieber in eine Hundepension oder zu Freunden für den Zeitraum des Urlaubs gibt.“ Die beste Prophylaxe ist, den Hund oder die Katze gar nicht erst mitzunehmen.