18. Oktober 2025, 8:31 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Viele Hunde baden nicht nur gern in großen Matschpfützen – sie trinken auch daraus. Das kann jedoch ernste Folgen haben. Denn in unscheinbaren Wasserlöchern finden sich oft Krankheitserreger, die eine lebensbedrohliche Infektion auslösen können: Leptospiren. Die sogenannte Leptospirose galt lange als nahezu besiegt, erlebt jedoch in den vergangenen Jahren ein deutliches Comeback. PETBOOK erklärt, wie die Krankheit entsteht, welche Symptome ernst zu nehmen sind und wie Tierhalter ihren Hund schützen können.
Übersicht
Was sind Leptospiren?
Die Leptospirose wird durch spiralig geformte Bakterien der Gattung Leptospira verursacht. Mehr als 250 verschiedene Erregerstämme sind bekannt, von denen etwa zehn beim Hund eine besondere Rolle spielen. Die Bakterien fühlen sich in feuchtwarmen Umgebungen besonders wohl. Sie werden über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden und gelangen so in Erde und Wasser. In Pfützen, Tümpeln oder langsam fließenden Gewässern können sie wochen- bis monatelang überleben.1
So stecken sich Hunde an
Die Infektion erfolgt meist indirekt: Nimmt der Hund Kontakt zu kontaminiertem Wasser oder Boden auf – etwa beim Trinken oder Wälzen –, dringen die Leptospiren über kleine Hautverletzungen oder Schleimhäute in den Körper ein. Selten ist auch eine Ansteckung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren möglich.2
Zu den wichtigsten Erregerreservoiren zählen Ratten, Mäuse, Igel und andere Wildtiere, die selbst kaum erkranken, aber die Bakterien mit dem Urin ausscheiden. Auch Hunde, die eine Infektion überstanden haben, können noch längere Zeit Leptospiren ausscheiden und damit zur weiteren Verbreitung beitragen.
Da die Leptospirose auch auf den Menschen übertragbar ist, handelt es sich um eine Zoonose. Infizierte Hunde stellen somit nicht nur für Artgenossen, sondern auch für ihre Halter ein Risiko dar.3
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Symptome erkennen
Die Leptospirose zeigt beim Hund sehr unterschiedliche Verläufe – von unauffällig über mild bis hin zu akut lebensbedrohlich. Entscheidend sind dabei Alter, allgemeiner Gesundheitszustand und Immunlage des Tieres.
In der akuten Form breiten sich die Bakterien innerhalb eines Tages über die Blutbahn im gesamten Körper aus und befallen vor allem Nieren und Leber. Auch Lunge, Milz, zentrales Nervensystem und Augen können betroffen sein. Nach einer Inkubationszeit von vier bis vierzehn Tagen treten die ersten Krankheitsanzeichen auf.4
Typische Symptome sind:
- Fieber und Abgeschlagenheit
- Appetitlosigkeit und Erbrechen
- Durchfall und Dehydratation
- Gelbsucht (Hinweis auf Leberbeteiligung)
- vermehrter oder ausbleibender Harnabsatz
- Husten oder Atemnot bei Lungenbeteiligung
In schweren Fällen kommt es zu akutem Nieren- oder Leberversagen. Besonders gefürchtet sind Lungenblutungen, die sich durch zunehmende Atemnot äußern und häufig tödlich enden. Unbehandelt kann die Erkrankung innerhalb weniger Tage zum Tod führen.
Selbst subklinische, also symptomarme Infektionen, sind problematisch: Diese Hunde wirken gesund, scheiden aber Erreger aus und tragen so zur Verbreitung in der Umwelt bei.
Diagnose und Behandlung
Da die Symptome unspezifisch sind, ist die Diagnose oft schwierig. Der Tierarzt wird bei Verdacht eine Kombination aus Laboruntersuchungen einsetzen. Im Blut lassen sich Antikörper gegen Leptospiren nachweisen (Mikroagglutinationsreaktion, MAR-Test), allerdings erst einige Tage nach Krankheitsbeginn. Daher kann ein erster Test negativ ausfallen und sollte nach etwa zwei Wochen wiederholt werden.
Zusätzlich kann ein direkter Erregernachweis mittels PCR aus Blut oder Urin erfolgen. Eine sichere Diagnose ist entscheidend, da Leptospirose meldepflichtig ist und das Risiko einer Zoonose besteht.
Die Therapie muss sofort eingeleitet werden, sobald der Verdacht besteht. Sie umfasst zwei Hauptziele: die Abtötung der Erreger und die Stabilisierung der Organfunktionen. Dafür kommen Antibiotika, meist Doxycyclin, zum Einsatz. In schweren Fällen ist eine stationäre Intensivbehandlung notwendig – mit Infusionen, Medikamenten zur Kreislaufunterstützung und gegebenenfalls Dialyse bei Nierenversagen.
Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Überlebenschancen. Dennoch sterben laut Studien 20 bis 50 Prozent der betroffenen Hunde, bei Welpen ist die Prognose noch schlechter.5
Kann man den Hund gegen Leptospirose impfen?
Da Leptospiren in der Umwelt weitverbreitet sind, lässt sich ein Kontakt kaum vermeiden. Der wichtigste Schutz ist daher die Impfung. Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) gehört sie zu den sogenannten Core-Impfungen – also zu den grundlegenden Impfungen, die jeder Hund erhalten sollte, unabhängig von Alter oder Haltungsform.6
Frühere Impfstoffe deckten nur zwei Erregerstämme ab, neuere Präparate schützen dagegen vor vier bis sechs der häufigsten Varianten. Die Grundimmunisierung erfolgt ab der achten Lebenswoche in zwei Dosen im Abstand von drei bis vier Wochen. Anschließend ist eine jährliche Auffrischung notwendig, in Risikogebieten sogar halbjährlich.7
Darum sollten Hunde nicht aus Pfützen trinken
Dürfen Hunde Wasser aus Seen oder Flüssen trinken?
Vorbeugung im Alltag
Überdies können Tierhalter das Risiko durch umsichtiges Verhalten senken:
- Hunde sollten nicht aus Pfützen oder stehenden Gewässern trinken.
- Nach Spaziergängen in feuchten Gebieten sollten Pfoten und Fell gründlich gereinigt werden.
- Bei mehreren Hunden im Haushalt ist auf Hygienemaßnahmen zu achten, wenn ein Tier erkrankt ist.
- Menschen mit engem Kontakt zu infizierten Hunden sollten Schutzhandschuhe tragen und bei grippeähnlichen Symptomen ärztlichen Rat suchen.
Fazit
Die Leptospirose ist keine seltene Tropenkrankheit, sondern eine reale Gefahr auch in Mitteleuropa – besonders in den warmen Monaten. Eine frühzeitige Erkennung und konsequente Behandlung können Leben retten. Noch besser ist der vorbeugende Impfschutz, der nicht nur Hunde, sondern auch ihre Halter schützt.