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Wie gefährlich ist sie?

Riesenzecke verfolgt ihre Opfer über hundert Meter

Hyalomma-Zecke (Hyalomma marginatum) auf Sand laufend
Hyalomma-Zecken kommen eigentlich in den Tropen vor, werden vermehrt aber auch in Deutschland gesichtet. Foto: Rober Koch-Institut / Andrea SchnartendorffFotolabor
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

2. April 2026, 11:38 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Nicht genug, dass Zecken Blut saugen und Krankheiten übertragen. Es gibt auch Exemplare, die ihre Opfer aktiv verfolgen: Hyalomma – auch als Tropische Riesenzecke bekannt – kommt eigentlich in tropischen Regionen Asiens und Afrikas vor. 2018 wurde der Parasit vermehrt in Deutschland entdeckt und gilt mittlerweile als etabliert. PETBOOK erklärt, wie Sie die Hyalomma-Zecken von den heimischen unterscheiden und welche Gefahr für Mensch, Hunde, und andere Haustiere besteht.

Woher stammt die Riesenzecke?

Die Zeckengattung Hyalomma wird umgangssprachlich auch als Tropenzecke bezeichnet, denn sie kommt üblicherweise in Teilen Asiens und Afrikas sowie in einigen Regionen Südosteuropas vor. Dabei gibt es nicht die eine Hyalomma-Zecke. Weltweit sind insgesamt 27 verschiedene Arten bekannt.

Erste Funde der Hyalomma-Zecken gab es bereits 2007 in einigen Regionen in Deutschland. Vermutlich gelangten die Parasiten über Zugvögel hierher. Es dauerte allerdings über zehn Jahre, bis sich ein Bestand etablierte. So trat die Zecke 2018 vermehrt in Deutschland auf. Wissenschaftler gehen davon aus, dass mittlerweile jedes Jahr Millionen von Hyalomma-Larven oder –Nymphen mit Zugvögeln nach Deutschland gelangen. Aber keine Sorge! Bisher werden nur vergleichsweise wenig adulte – also ausgewachsene – Hyalomma-Zecken gemeldet.1

Zecken verfolgen ihr Opfer über Hunderte Meter

Das Besondere an Hyalommazecken ist, dass diese etwa doppelt so groß sind wie unsere bekannte heimische Zecke Ixodes ricinus – der Gemeine Holzbock. Doch das ist nicht das einzige, was die Zecken bedrohlicher wirken lässt.

Zecken sind normalerweise Lauerjäger. Aber die tropische Riesenzecke hat ein besonderes „Jagdverhalten“ entwickelt. Sie sucht ihre Opfer aktiv auf und verfolgt diese sogar – und das in einem rasanten Tempo: „Sie ist so schnell wie eine jagende Spinne“, erläuterte Prof. Dr. Uta Meyding-Lamadé vom Klinikum Nordwest in Frankfurt am Main auf dem 98. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.2

Dabei identifiziert sie ihre Beute nicht nur am Geruch, sondern auch mit ihren Augen. Das ist für Zecken recht ungewöhnlich, denn wie viele Parasiten besitzen die meisten Arten kein gutes Sehvermögen. Dank ihrer guten Sinneswahrnehmung können Hyalomma-Zecken ihre Wirte so in bis zu zehn Meter Entfernung sehen.

Darum ist die Hyalomma-Zecke gefährlich

Was die Zecke für den Menschen so gefährlich macht, ist, dass sie potenzieller Überträger des Krim-Kongo-Fiebers (CCHF) ist. Dabei kann es bei schweren Verläufen zu Darmblutungen, Bluterbrechen oder Hautblutungen kommen. Je nach Virenstamm liegt die Sterblichkeit bei bis zu 50 Prozent. Bisher gab es in Deutschland aber keinen einzigen Fall und es konnten auch noch keine Erreger in den in Deutschland gefundenen Zecken nachgewiesen werden.

Zudem können Hyalomma-Zecken eine Variante des tropischen Zecken-Fleckfiebers übertragen. Es führt beim Menschen zu Hautausschlag und dem Gefühl erhöhter Tem­peratur, zu Kopf- und Muskelschmerzen und extremen Gelenkschmerzen. Bisher gab es 2019 einen Verdachtsfall in Deutschland.3

Kann auch Q-Fieber übertragen

Zumindest die Art Hyalomma marginatum, die auch hier in Deutschland vorkommt, kann wohl auch den Erreger des Q-Fiebers übertragen. Dabei handelt es sich um das Bakterium Coxiella burnetii. Menschen stecken sich typischerweise durch Einatmen kontaminierter Stäube von infizierten Wiederkäuern (Schafe, Ziegen, Rinder) an. Dabei wird das Bakterium über den Kot der Zecken auf Schafe übertragen, kann wohl aber auch direkt den Menschen infizieren.

Die Krankheit verläuft in der Hälfte der Fälle ohne Symptome, kann aber bei Ausbruch zu hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und ausgeprägten Stirnkopfschmerzen führen. Meist heilen diese grippeähnlichen Symptome spontan in ein bis zwei Wochen wieder aus.4

Ist die Hyalomma-Zecke auch eine Gefahr für Hunde?

Hyalomma-Zecken bevorzugen vor allem große Tiere als Wirt, besonders Pferde. Sie befallen aber auch Hunde oder Menschen für eine „Blutmahlzeit“. Zwar können auch Hunde an zeckenübertragenen Krankheiten wie Ehrlichiose, Babesiose oder Anaplasmose und auch an Borreliose erkranken. Allerdings wurden diese Erreger bisher nicht in Hyalomma-Zecken nachgewiesen. Mehr über Zecken beim Hund und wie Sie Ihren Vierbeiner schützen, erfahren Sie in diesem PETBOOK-Artikel: Die häufigsten Krankheiten, die Zecken auf Hunde übertragen.5

Auch das Krim-Kongo-Fieber oder das Zecken-Fleckfieber sind Erkrankungen, die nur Menschen betreffen. Als Krankheitsüberträger scheinen Hyalomma-Zecken für Hunde und Katzen daher bislang allerdings eine untergeordnete Rolle zu spielen.6

Allerdings können Hyalomma-Zecken vom Hund auf den Menschen übergehen und so zur potenziellen Gefahr werden. Daher ist es für Hundehalter wichtig, die Parasiten zu erkennen.

So erkennen Sie die Hyalomma-Zecke

Wie erkennt man nun, ob auf dem Hund tatsächlich eine Hyalomma-Zecke sitzt? Glücklicherweise lassen sich die Tropenzecken gut von heimischen Zeckenarten wie dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) unterscheiden.

Infografik Vergleich Hyalomma-Zecke und Holzbock
Im Vergleich zu heimischen Zecken wie dem gemeinen Holzbock (rechts) sind Hyalomma-Zecken deutlich größer. Foto: Rober Koch-Institut / Andrea SchnartendorffFotolabor(links); Erik Karels/Pexels (rechts) erstellt mit CanvaPro

An folgenden Merkmalen erkennen Sie, dass es sich um eine Zecke der Gattung Hyalomma handelt:

  • mit 5–6 mm Körperlänge deutlich größer als andere Zecken (i. d. R. nur 3–4 mm)
  • vollgesogen bis zu 2 cm groß
  • auffällig gestreifte Beine (heimische Arten haben einfarbig braun bis schwarze Gliedmaßen)

Hier kommt die Hyalomma-Zecke in Deutschland vor

Bisher gibt es nur sporadische Funde der Hyalomma-Zecke in Deutschland. Dabei wurden bisher zwei Arten identifiziert:

  • Hyalomma marginata
  • Hyalomma rufipes

In einem Forschungsprojekt der Uni Hohenheim und ihrer Kooperationspartner wurden im insgesamt dreijährigen Untersuchungszeitraum etwa 200 Hyalomma-Zecken gefunden.

Im Zecken-Radar der Biologen Dr. Olaf Kahl und Martin Komorek sind bisher 22 punktuelle Funde der beiden Arten vermerkt. Dabei fällt auf, dass die Art Hyalomma rufipes vor allem in Hessen und Berlin gemeldet wurde. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um publizierte Fundorte im Zuge durchgeführter Studien – Hyalomma-Zecken können prinzipiell in ganz Deutschland vorkommen, wie die Biologen auf ihrer Website anmerken.

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Ab wann sind die Hyalomma-Zecken aktiv?

Erwachsene Zecken werden etwa ab Temperaturen von 12 Grad Celsius aktiv. Somit können Hyalomma-Zecken in Deutschland bereits ab März unterwegs sein, wobei ihre Hauptaktivität im Mai liegt, denn diese Arten sind sehr wärmeliebend. Besonders in heißen, trockenen Sommern kann es zu vermehrten Begegnungen kommen. Es wurden aber auch schon aktive Exemplare in den Herbstmonaten entdeckt. Das weist darauf hin, dass die Parasiten auch bei niedrigeren Temperaturen vereinzelt noch unterwegs sein können.

Hyalomma-Zecke entdeckt? Das ist zu tun

Handelt es sich bei der Zecke auf dem Hund tatsächlich um eine Hyalomma-Art, besteht aber kein Grund zur Panik! Bisher konnten keine für den Hund potenziell gefährlichen Erreger in den Parasiten nachgewiesen werden.

Trotzdem sollten Sie den Fund melden, um die Forscher dabei zu unterstützen, die Verbreitung der Parasiten zu untersuchen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin und das Institut für Parasitologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover, bitten deshalb darum, Exemplare unter Angabe des Fundorts (PLZ) und ggf. der befallenen Tierart einzuschicken.

Quellen

  1. rki.de, „Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken, Zeckenstich, Infektion“ (aufgerufen am 02.04.2026) ↩︎
  2. medical-tribune.de, „Hyalomma-Zecke überträgt tödliche Infektionen“ (aufgerufen am 02.04.2026) ↩︎
  3. parasitenportal.de, „Hyalomma-Zecken in Deutschland: Wie gefährlich sind sie?“ (aufgerufen am 02.04.2026) ↩︎
  4. rki.de, „Q-Fieber“ (aufgerufen am 02.04.2026) ↩︎
  5. esccap.de, „Hyalomma-Zecke: Für wen ist sie gefährlich?“ (aufgerufen am 02.04.2026) ↩︎
  6. boehringer-ingelheim.com, „Tigermücke und Riesenzecke: Jetzt Hunde schützen“ (aufgerufen am 02.04.2026) ↩︎

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