26. März 2026, 17:32 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Hundehalter kennen es: Kaum raschelt die Leckerli-Tüte, steht der Vierbeiner sofort parat – und ein „Nein“ scheint zwecklos. Besonders Rassen wie Labrador oder Beagle gelten als echte „Staubsauger“, wenn es ums Fressen geht. Doch steckt dahinter wirklich nur Erziehung – oder liegt es bei manchen Hunden schlicht in der Genetik? Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt im Gespräch mit PETBOOK, warum einige Vierbeiner ständig Appetit haben, welche Rolle wir Menschen dabei spielen – und welche Hunderassen besonders verfressen sind.
Manche Hunde haben keine „Fressbremse“
Fast die Hälfte aller Hunde ist laut Literaturangaben übergewichtig 1 – ein Problem, das oft auch mit der Futterlust bestimmter Rassen in Verbindung gebracht wird. Besonders Labrador, Beagle oder Mops gelten als „verfressen“. Doch stimmt das wirklich – oder vermenschlichen wir dieses Verhalten zu sehr?
„Grundsätzlich kann man einigen Rassen durchaus nachsagen, dass sie keine sogenannte ‚Fressbremse‘ haben“, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth. Zwar bestätigten Ausnahmen wie immer die Regel, dennoch gebe es klare Tendenzen. Ob dieses Verhalten gezielt angezüchtet wurde, sei allerdings schwer zu beantworten. Marioth vermutet eher einen Nebeneffekt: „Ich glaube, jeder Züchter würde sich freuen, wenn es Labradore oder Beagles mit besserer Fressbremse gäbe.“
Diese Hunde würden fressen, bis sie platzen
Allenfalls theoretisch lasse sich das Verhalten bei manchen Rassen historisch herleiten. So könnte es bei Retrievern von Vorteil gewesen sein, eine hohe Motivation zu haben, Dinge ins Maul zu nehmen. „Beim Beagle als Meutehund ergibt das schon weniger Sinn – und beim Mops lässt es sich eigentlich gar nicht erklären“, so Marioth.
Doch was genau steckt hinter der fehlenden Fressbremse? Wobei letztlich das Sättigungsgefühl gemeint ist. „Es gibt Hunde, bei denen dieses Gefühl einfach nicht richtig einsetzt“, sagt die Expertin. Diese Tiere würden immer weiter fressen, wenn man sie lasse. Manche überfräßen sich sogar so stark, dass sie sich übergeben müssten – und würden danach trotzdem weiterfressen. Hier sei der Mensch gefragt: „Dann ist es ganz klar die Aufgabe des Besitzers, das zu kontrollieren.“
Viel Appetit bedeutet nicht gleich Übergewicht
Allerdings bedeutet ein ausgeprägter Appetit nicht automatisch Übergewicht. „Es gibt durchaus sehr energiegeladene Rassen mit einem starken Stoffwechsel, die das besser kompensieren können“, erklärt Marioth. Dennoch hätten viele dieser Hunde ständig Appetit. Treffender sei daher, oft nicht von Hunger, sondern wirklich von ungestilltem „Appetit“ zu sprechen: „Ein Keks geht immer noch, noch eine Schüssel auch.“
Diese Futterfixierung zeigt sich häufig auch im Alltag. Gerade größere Hunde wie Labradore nutzen scheinbar jede Gelegenheit, um an Essbares zu gelangen. „Dann ist nicht nur der Apfel weg, sondern auch gleich die Plastiktüte“, beschreibt Marioth typische Szenarien. Auch Mülleimer würden geplündert oder Küchenoberflächen abgesucht. Dabei müsse man unterscheiden, ob der Hund gelernt habe, dass sich dieses Verhalten lohnt, oder ob etwa Stress dahintersteckt. Klar sei aber: „Mit einem Labrador wird man oft automatisch sehr ordentlich.“
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Auch der Mensch trägt zur Verfressenheit von Hunden bei
Dass einige Rassen häufiger zu Übergewicht neigen, liegt laut Marioth nicht nur am Stoffwechsel, sondern auch am Verhalten – und am Menschen. „Wenn der Hund den typischen Blick aufsetzt, landet schnell mal etwas vom Tisch im Maul“, sagt sie.
Auch beim Spaziergang oder Training werde dann eher noch ein zusätzliches Leckerli gegeben. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: „Kastrierte oder sterilisierte Hunde setzen deutlich schneller an“, erklärt die Trainerin. Hier sei angepasstes Futter besonders wichtig.
Verfressene Hunderassen können im Training Vorteile haben
Im Training kann eine starke Futtermotivation jedoch auch Vorteile haben. „Ich sage immer: Freut euch, wenn ihr einen futtermotivierten Hund habt“, so Marioth. Das erleichtere viele Trainingsprozesse erheblich. Im besten Fall sei der Keks im Wald interessanter als Wildtiere – ein klarer Vorteil für die Kontrolle. Gleichzeitig warnt sie davor, sich zu sehr auf Futter als Lockmittel zu verlassen: „Dann folgt der Hund nur dem Keks, hat aber das Verhalten nicht wirklich gelernt.“ Entscheidend sei, die Belohnung gezielt einzusetzen und schrittweise zu variieren.
Unterm Strich zeigt sich: Verfressenheit ist bei manchen Hunden tatsächlich stärker ausgeprägt – doch sie ist kein unvermeidbares Schicksal. Mit dem richtigen Umgang, klaren Regeln und etwas Disziplin aufseiten der Halter lässt sich auch bei besonders futtermotivierten Vierbeinern ein gesundes Gleichgewicht finden.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.