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Gesundheitsproblem

Studie findet Hauptgründe, warum viele Hunde zu dick sind

Basset mit Übergewicht
Die Hälfte der Hunde in den USA ist zu dick. Eine Studie zeigt nun: Es liegt nicht nur an der Rasse. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

29. Juli 2025, 10:54 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Viele Hunde haben Übergewicht – doch warum ist das so? Eine neue US-Studie mit fast 14.000 Vierbeinern zeigt: Nicht nur Leckerlis machen dick. Auch Persönlichkeit, Rasse und das Zuhause der Hunde spielen eine große Rolle beim Kampf gegen die Pfunde.

Wissenschaftler des renommierten Dog Aging Project wollten wissen: Warum nehmen manche Hunde trotz guter Pflege zu? Und wieso bleiben andere schlank – obwohl sie scheinbar alles fressen können? Mithilfe eines speziellen Dog Obesity Risk and Appetite (DORA)-Fragebogens, der den Appetit und das Fütterungsverhalten erfasst, sammelten sie umfangreiche Daten von 13.890 US-Hunden, die zwischen 2019 und 2021 am Dog Aging Project teilgenommen hatten – eines der größten Langzeitprojekte zur Hundegesundheit weltweit. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal „American Journal of Veterinary Research“.

In den USA gelten 51 Prozent der Hunde als übergewichtig

Übergewicht bei Hunden ist nicht nur weit verbreitet, sondern auch gefährlich. In den USA gelten 51 Prozent aller erwachsenen Hunde als übergewichtig – mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen. „Übergewichtige Hunde sind anfällig für zahlreiche Gesundheitsprobleme, darunter Hautkrankheiten, Diabetes und Arthritis“, zitiert das Wissenschaftsmagazin „Phys.Org“ Dr. Kate Creevy, Chief Veterinary Officer des Dog Aging Project und Professorin am Department of Small Animal Clinical Sciences des Texas A&M College of Veterinary Medicine and Biomedical Sciences (VMBS). Zudem kann zu viel Körperfett die Lebenserwartung und Lebensqualität deutlich reduzieren.

Die Ursachen für Übergewicht bei Hunden sind vielfältig: Alter, Kastration, Aktivitätsniveau – und zunehmend auch das Fressverhalten rücken in den Fokus. Frühere britische Studien zeigten, dass besonders „futtermotivierte“ Hunde häufiger übergewichtig sind. Auch bei Menschen ist bekannt: Wer sehr essmotiviert ist, neigt eher zu Übergewicht. Die US-Forschenden wollten nun wissen, ob sich diese Zusammenhänge auch bei US-Hunden bestätigen lassen – und welche Rolle äußere Faktoren wie Rasse, Haushaltsumfeld oder Wohnort spielen.

„Es ist unerlässlich, dass Tierärzte ein besseres Verständnis für Fettleibigkeit bei Hunden entwickeln und ob sie mit sozialen, ökologischen oder demografischen Faktoren zusammenhängen kann, damit wir jedem Hund die bestmögliche Lebensqualität bieten können“, sagte Creevy.

Futtermotivation und Fütterungsregeln standen im Mittelpunkt

Die Studie analysierte Daten von 13.890 Hunden aus dem Dog Aging Project, deren Halter den DORA-Fragebogen ausgefüllt hatten.

Zwei Faktoren standen bei der Datenanalyse im Mittelpunkt:

  • Futtermotivation: Wie stark reagiert ein Hund auf Futter?
  • Fütterungsregeln: Wie strikt kontrolliert der Mensch Futtermenge, Snacks und Bewegung?

Beide Werte wurden in Prozent angegeben. Die Halter beurteilten zudem, ob ihr Hund im vergangenen Jahr als übergewichtig galt.

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Überraschendes Ergebnis: Strenge Regeln helfen nicht immer

Die Studie brachte gleich mehrere spannende Erkenntnisse ans Licht: 1

  • Je futtermotivierter ein Hund ist, desto eher ist er übergewichtig. Schon ein kleiner Anstieg in der „Futtergier“ erhöhte das Risiko spürbar.
  • Strenge Regeln der Halter hatten nicht automatisch den gewünschten Effekt. Im Gegenteil: Auch bei besonders engagierten Menschen waren ihre Hunde oft übergewichtig. Der Grund könnte sein, dass diese Besitzer bereits auf ein Problem reagieren – weil ihr Hund eben besonders verfressen ist.
  • Hunde, die in Mehrhundehaushalten leben, haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht. Vielleicht, weil sie im Konkurrenzkampf schneller fressen oder öfter betteln.
  • Stadthunde haben tendenziell mehr Appetit als ihre Landkollegen. Womöglich, weil sie seltener frei laufen dürfen oder aus Langeweile häufiger nach Snacks verlangen.
  • Auch die Rassegruppe spielte eine Rolle: Hunde der „Sporting“-Gruppe (z. B. Labrador Retriever) lagen mit 10,2 Prozentpunkten über der Futtermotivation von Mischlingen – ein Ergebnis, das auch von anderen Studien gestützt wird (PETBOOK berichtete).

„Unsere Studie bestätigte, dass Hunde in der Sportgruppe – die in unserer Studiengruppe hauptsächlich aus Labrador Retrievern und Golden Retrievern bestanden – eine größere Wahrscheinlichkeit haben, eine hohe Futtermotivation zu haben“, ordnet Creevy die Ergebnisse ein. „Angesichts der Tatsache, dass es sich um zwei der häufigsten Rassen in den USA handelt, ist es wichtig, dass sowohl Tierärzte als auch Hundebesitzer die Ernährungsmanagementstrategien verstehen, die für das Erreichen eines gesunden Gewichts erforderlich sind.“

Besonders auffällig ist die Rolle der Rassegruppe

Die Ergebnisse bestätigen: Übergewicht bei Hunden ist nicht nur eine Frage von Futtermenge oder Bewegung, sondern eng mit individuellen Verhaltensmustern und Umfeldfaktoren verbunden.

Besonders auffällig ist die Rolle der Rassegruppe: Bestimmte genetische Hintergründe, wie etwa eine bekannte Genmutation bei Labradoren, könnten die Futtermotivation steigern. Zudem zeigt sich, dass selbst engagierte Halter mit strikten Regeln oft Hunde mit Übergewicht haben – möglicherweise, weil bei besonders futtermotivierten Tieren stärkere Maßnahmen nötig sind.

Auch die Tendenz zur Fehleinschätzung des eigenen Hundes durch den Halter unterstreicht die Bedeutung professioneller Beratung durch Tierärzte. Diese sollten Haltern helfen, Fressverhalten objektiv zu bewerten und geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen – angepasst an Rasse, Lebensumfeld und Motivation des Hundes.

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Studie zeigt Zusammenhänge, aber keine Kausalität

Die Studie stützt sich auf eine große Datenbasis aus dem Dog Aging Project, mit hoher methodischer Qualität und einem klaren Untersuchungsziel. Dennoch gibt es Einschränkungen: Die meisten Körperzustände wurden nicht von Tierärzten, sondern von Haltern selbst eingeschätzt – was zu Fehleinschätzungen führen kann. Auch war die entsprechende Frage im Fragebogen binär („übergewichtig: ja/nein“) – feine Abstufungen wie bei einer Skala fehlten.

Die BCS-Angaben aus medizinischen Akten lagen zudem mitunter bis zu einem Jahr zurück. Weiterhin konnte der Einfluss des Kastrationsstatus nicht separat ausgewertet werden, da nur wenige Hunde unkastriert waren. Unterschiede in der Größe der Rassegruppen erschwerten die Vergleichbarkeit. Schließlich ist die Studie querschnittlich – das heißt, sie zeigt Zusammenhänge, aber keine Kausalität.

Was bedeutet das für Hundehalter?

Die Ergebnisse machen deutlich: Übergewicht bei Hunden ist kein einfacher Rechenfehler mit Futtermenge minus Bewegung. Vielmehr beeinflussen viele Faktoren das Gewicht – allen voran das Verhalten des Hundes und seines Menschen. Gerade bei besonders verfressenen Tieren reicht es oft nicht, nur weniger Futter zu geben. Hier braucht es gezielte Strategien, klare Strukturen – und oft auch professionelle Unterstützung.

Die Studie ist damit ein wichtiger Schritt, um das Übergewicht von Hunden besser zu verstehen. Sie zeigt, dass es keine „one-size-fits-all“-Lösung gibt. Stattdessen brauchen Hunde individuelle Ansätze – angepasst an ihre Persönlichkeit, Rasse und Lebenssituation. Tierärzte sollten Haltern dabei helfen, das Verhalten ihres Vierbeiners besser zu verstehen und den passenden Weg zum gesunden Gewicht zu finden.

Quellen

  1. Kathleen G. et al (2025) „Food motivation and owner feeding management practices are associated with overweight among Dog Aging Project participants“. American Journal of Veterinary Research 86 (5). DOI: 10.2460/ajvr.24.11.0358 ↩︎

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