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Tierarzt ordnet ein

Warum wird meine Hündin nicht läufig?

Hund sitzt am Fenster und schaut traurig
Die Ursachen für das Ausbleiben des Zyklus sind vielfältig. PETBOOK fragt bei Tierarzt Dr. Joachim Hölter nach, was dahintersteckt. Foto: Getty Images
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10. März 2026, 6:38 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Ihre Hündin ist schon knapp zwei Jahre alt, aber sie war immer noch nicht läufig? Vielleicht sind Sie deshalb beunruhigt. Eigentlich sollten Hündinnen in diesem Alter doch langsam läufig sein, oder etwa nicht? Ob das ein Grund zur Sorge ist, hat PETBOOK einen Tierarzt gefragt.  

Wie oft sind Hündinnen im Jahr läufig?  

Wie lange ist überhaupt ein „normaler Zyklus“? So ganz genau kann man das gar nicht sagen, sagt Tierarzt Dr. Joachim Hölter aus Stade. „Die Zeit zwischen zwei Läufigkeiten kann nur fünf Monate betragen, aber auch zwölf Monate – beides liegt im normalen Rahmen“, sagt der Arzt. Kleine Hunde haben in der Regel einen kürzeren Zyklus als große Rassen, sei die Zyklusdauer immer individuell zu beurteilen und so etwas wie „normal“ gibt es erst einmal nicht.

Die Dauer bleibt auch nicht das gesamte Leben über gleich, wie der Tierarzt verrät. „Auch bei Hündinnen, die einen regelmäßigen Zyklus haben, kann die Zeit zwischen zwei Läufigkeiten mehr als einen Monat variieren, ohne dass das Anlass zur Sorge ist“, sagt Hölter. Mit zunehmendem Alter, ab etwa sieben bis zehn Jahren, könne sich die Zeit zwischen zwei Läufigkeiten weiter verlängern oder die Läufigkeit könne sogar ganz ausbleiben. 

Wann spricht man von einem verzögerten Zyklus (Anöstrus)? 

Der Abstand zwischen zwei Läufigkeiten liegt bei den meisten Hündinnen zwischen fünf und zwölf Monaten, im Durchschnitt bei etwa sieben Monaten. Von einem verzögerten oder ausbleibenden Zyklus spricht man, wenn: 

  • Die Hündin älter als 18–24 Monate ist und noch nie läufig war (primärer Anöstrus). 
  • Zwischen zwei Läufigkeiten länger als 12–18 Monate vergangen sind (sekundärer Anöstrus). 

Die Ursachen für das Ausbleiben des Zyklus sind vielfältig und umfassen endokrine (hormonelle), ernährungsbedingte, umweltbedingte sowie genetische Faktoren. „Es gibt viele Ursachen für ein krankhaft verlängertes Zyklusintervall, wie Eierstockzysten oder hormonelle Störungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Cushing-Syndrom“, sagt Tierarzt Dr. Hölter.  

Die Hauptursachen für das Ausbleiben der Läufigkeit 

Die Gründe, warum die Läufigkeit einer Hündin ausbleibt, lassen sich in vier Hauptbereiche unterteilen. 

1. Alters- und rassebedingte Faktoren 

Nicht immer muss eine Krankheit dahinterstecken. Gerade bei jungen Tieren sollte man die normale Spanne der Erstläufigkeit der Rasse berücksichtigen. 

  • Verzögerte Pubertät (Rasse/Größe): Wie oben erwähnt, haben große und Riesenrassen (z. B. Deutsche Doggen, Neufundländer) eine deutlich längere juvenile Phase und werden oft erst mit 18 bis 24 Monaten das erste Mal läufig. 
  • Saisonale Zyklen: Obwohl Hündinnen nicht streng saisonal läufig werden, können Umwelteinflüsse oder der Kontakt zu intakten Rüden den Zyklus subtil beeinflussen. 

2. Hormonelle und endokrine Störungen 

Die Läufigkeit wird maßgeblich von den Hormonen Östrogen und Progesteron sowie den Hypophysenhormonen (FSH und LH) gesteuert. Ein Ungleichgewicht in dieser Achse ist eine häufige Ursache. 

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Eine verminderte Funktion der Schilddrüse kann den gesamten Stoffwechsel verlangsamen und sich negativ auf den Sexualzyklus auswirken. Die Läufigkeit setzt in solchen Fällen entweder gar nicht erst ein oder der Zyklus verlängert sich drastisch. 
  • Störungen der Hypophyse: Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) steuert über die Ausschüttung von LH und FSH die Reifung der Eizellen und die Produktion der Sexualhormone. Funktionsstörungen können den Zyklus blockieren. 
  • Ovarielle Zysten/Tumore: Erkrankungen der Eierstöcke können die normale Hormonproduktion stören oder verhindern, dass die Läufigkeit korrekt ausgelöst wird. 
  • Persistierender Gelbkörper (Corpus Luteum): Wenn der Gelbkörper, der nach dem Eisprung Progesteron produziert, über die normale Dauer hinaus aktiv bleibt (was selten ist, aber vorkommt), kann dies das Einsetzen des neuen Zyklus verhindern. 

3. Allgemeinmedizinische und ernährungsbedingte Faktoren 

Der gesamte Organismus muss in einem gesunden Zustand sein, damit Fortpflanzungsprozesse ablaufen können. 

  • Mangelernährung/Untergewicht: Ein starkes Untergewicht oder eine Mangelernährung (insbesondere an essenziellen Fetten und Nährstoffen) signalisiert dem Körper, dass die Ressourcen für eine Trächtigkeit nicht ausreichen. Die Natur verhindert in solchen Fällen instinktiv das Einsetzen des Zyklus. 
  • Chronische Krankheiten: Schwere systemische Erkrankungen (z. B. Niereninsuffizienz, Diabetes) können den Körper so stark belasten, dass der Zyklus unterdrückt wird. 
  • Stress und Umweltveränderungen: Extremer Stress (z. B. durch Umzug, neue Haustiere, Tod des Besitzers) kann vorübergehend zu einer Zyklusverschiebung führen, ist aber selten die alleinige Ursache für einen Anöstrus über viele Monate. 

4. Anatomische und genetische Ursachen 

In selteneren Fällen können angeborene oder erworbene körperliche Probleme die Läufigkeit verhindern. 

  • Intersexualität (Pseudohermaphroditismus): Hierbei handelt es sich um eine genetische Anomalie, bei der die Hündin zwar äußerlich weiblich erscheint, die inneren Geschlechtsorgane aber nicht vollständig oder korrekt entwickelt sind und somit die Hormonproduktion gestört ist. 
  • Unentdeckte Kastration: Bei Hündinnen, die aus zweiter Hand oder dem Tierschutz übernommen werden, muss immer abgeklärt werden, ob möglicherweise eine Kastration durchgeführt wurde, die nicht dokumentiert ist. 
  • „Stille Läufigkeit“ (Suböstrus): Die Hündin war tatsächlich läufig, aber die äußeren Symptome (Schwellung, Blutung) waren so schwach ausgeprägt, dass sie vom Halter übersehen wurden. Dies ist eine regelmäßige „Ursache“ für einen sekundären Anöstrus. Die Hündin ist dann in der Ruhephase, ohne dass es bemerkt wurde. 
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Wann Sie zum Tierarzt gehen sollten

Eine ausbleibende Läufigkeit muss nicht immer ein Grund zur Beunruhigung sein, sie sollte jedoch nicht ignoriert werden. „Wenn eine Hündin nicht wie erwartet läufig wird und ein gestörtes Allgemeinbefinden zeigt, wie einen verminderten Appetit, vermehrtes Trinken, Lethargie oder Erbrechen, sollte sie tierärztlich untersucht werden“, sagt Tierarzt Dr. Hölter.

Bei einer Pyometra kann zudem eitriger oder blutiger vaginaler Ausfluss auftreten. Die Krankheit tritt recht häufig auf und gilt als häufigste gynäkologische Erkrankung der Hündin und betrifft jede dritte bis vierte intakte Hündin. „Die Krankheit tritt meist bei mittelalten bis älteren Hündinnen auf“, sagt Tierarzt Dr. Hölter. 

Fazit

Das Ausbleiben der Läufigkeit kann viele Ursachen haben – von völlig harmlosen rassetypischen Besonderheiten bis zu hormonellen oder anatomischen Problemen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Hündin aufmerksam beobachten und Veränderungen ernst nehmen, ohne sich vorschnell Sorgen zu machen. Gerade bei großen oder spät reifenden Rassen ist eine erste Läufigkeit jenseits der 18 Monate nicht ungewöhnlich. 

Wenn Ihre Hündin mit über zwei Jahren noch nie läufig war oder der Abstand zur letzten Läufigkeit deutlich länger wird als gewohnt, sollten Sie tierärztlichen Rat einholen. Moderne Diagnostik wie Hormonprofile, Ultraschall oder Vaginalzytologie, ermöglicht es Ihrem Tierarzt, die Ursache zuverlässig einzugrenzen und gegebenenfalls zu behandeln. 

Das Wichtigste ist, frühzeitig Klarheit zu schaffen. So können Sie sicherstellen, dass Ihre Hündin gesund bleibt und eventuelle Störungen ihres Fortpflanzungszyklus rechtzeitig erkannt werden. 

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