17. März 2026, 6:31 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Ein einziger Mückenstich kann ausreichen – und Monate später beginnt eine lebensgefährliche Erkrankung. Herzwürmer bleiben bei Hunden oft lange unbemerkt und schädigen Herz und Lunge. PETBOOK erklärt Symptome, Behandlung und Schutzmöglichkeiten.
Unbehandelt ist ein Herzwurmbefall, auch Dirofilarose genannt, für betroffene Hunde lebensbedrohlich – und auch für den Menschen stellt der Parasit ein großes Gesundheitsrisiko dar. Doch „beim Hund handelt es sich um die einzige Säugetierspezies, die häufig mit dem Herzwurm infiziert ist“, ordnet Veterinärin Dr. Vanessa Herder im Gespräch mit PETBOOK ein.
Herzwürmer breiten sich auch immer mehr in Mitteleuropa aus
„In Regionen, in denen diese Erkrankung beim Hund häufig vorkommt, können auch andere Tiere, wie Katzen, Füchse, Wölfe, Frettchen, Pferde und selten der Mensch betroffen sein.“ Vor allem in Asien, Australien sowie Nord- und Südamerika komme es besonders häufig zu Herzwurm-Vorfällen. Doch nicht nur da. Auch viele südeuropäische Länder wie Italien oder Spanien seien betroffen, weiß die Tierärztin. Und auch hierzulande steigt das Risiko. „Die Erkrankung breitet sich derzeit auch in nördlichen Ländern aus.“ Auch in Deutschland wurden bereits einige Übertragungen dokumentiert.
Besonders häufig seien Hunde und Füchse betroffen. Im Schnitt sogar zehnmal häufiger als Katzen.1 Die Herzwürmer werden durch Stechmücken übertragen. Dabei leben die ersten Larvenstadien der Herzwürmer (Mikrofilarien) im Blut ihrer Endwirte und werden von den Stechmücken bei der Blutmahlzeit aufgenommen.
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Herzwürmer werden bis zu 20–30 cm lang
Im Körper der Stechmücke entwickeln sich aus den Mikrofilarien infektiöse Larvenstadien, die beim nächsten Stich von der Mücke auf einen neuen Wirt übertragen werden. Nach einer Wanderung durch das Bindegewebe erreichen sie die Blutbahn und gelangen so ins Herz oder in die großen Blutgefäße der Lunge. „Der adulte Wurm findet sich in Lungenarterien und im rechten Herzen – er kann auch in anderen Blutgefäßen auftreten. Ungewöhnliche Lokalisationen stellen das Auge und das Gehirn dar“, erklärt Dr. Herder.
Dabei könnten die Würmer eine Länge von bis zu 20-30 cm erreichen und auf einen Durchmesser von 0,7 bis 1,3 mm kommen. „Die weiblichen Würmer gebären die Mikrofilarien in den Blutstrom und Moskitos stellen einen Teil des Entwicklungszyklus dar. Die Infektion des Tieres oder des Menschen erfolgt über den Biss der Mücke.“ Die Parasitenentwicklung dauere etwa sieben Monate und die erwachsenen Würmer könnten mehrere Jahre alt werden, weiß die Expertin.
Herzwurmbefall bleibt oft lange unentdeckt
Besonders tückisch: Die Symptome für einen Herzwurmbefall können beim Hund lange unentdeckt bleiben und das mit verheerenden Folgen! „Die klinischen Anzeichen einer Dirofilariose sind Herz-Kreislauf-Krankheiten, die sich als Husten und Erschöpfung mit Herzversagen äußern“. Infizierte Hunde seien meist älter als fünf Jahre alt und seien schon mehrfach infiziert gewesen, erklärt Dr. Vanessa Herder.
„Bei mehr als 50 Würmern pro Tier kommt es in der Regel zu klinischen Symptomen. Bei Katzen stellt sich das Krankheitsbild oft mit Husten, Atembeschwerden, Erbrechen und neurologischen Anzeichen dar. Gelegentlich kann es zu einem plötzlichen Tod kommen.“ Daher sollten Halter ihr Haustier schnellstmöglich bei einem Tierarzt vorstellen, wenn der Verdacht einer Ansteckung besteht und das Tier in den letzten Monaten in einem der betroffenen Regionen war.
Auch bei der Einführung von Hunden aus dem südeuropäischen Tierschutz sollten Halter sehr genau hinsehen und bei Hinweisen oder einem Verdacht einen Tierarzt aufsuchen. Ein Herzwurmbefall ist aber nicht nur für Tiere eine ernstzunehmende Gefahr, sondern auch für den Menschen.2
Herzwürmer können für Menschen lebensbedrohlich werden
„Die Dirofilariose beim Menschen stellt eine lebensbedrohliche Erkrankung dar, wenn die Lunge betroffen ist und die Erkrankung nicht richtig diagnostiziert wird.“ Neben Bluthochdruck kann es bei allen Tieren auch zu schweren Blutgefäß-Schäden kommen, erklärt die Tierärztin im Gespräch mit PETBOOK. „Als Therapie werden makrozyklische Laktone eingesetzt, wobei zu beachten ist, dass einige Würmer eine Resistenz gegen dieses Medikament entwickelt haben.“
Daher gebe es in einigen Ländern, wie etwa Italien extra Programme, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen. So versuche dort die „One Health“-Initiative sicherzustellen, dass Tiere und Menschen frei von Infektionen bleiben. Doch auch hier sollte man nicht in Panik verfallen, mahnen Experten. Denn Herzwürmer stellen zwar eine ernsthafte Gefahr dar, sind aber nicht von infizierten Hund zu Tier oder Mensch übertragbar und zudem sind sie grundsätzlich heilbar. Allerdings hängt die Heilung stark vom Stadium der Erkrankung, der individuellen Konstitution des Hundes sowie der Qualität der tierärztlichen Behandlung ab.
Eine Herzwurmbehandlung ist langwierig und nicht ohne Risiko!
Eine Herzwurmerkrankung ist ernst, die Behandlung langwierig, und nicht ohne Risiko – aber sie kann erfolgreich verlaufen. In der Regel ist mit mindestens vier bis sechs Monaten Therapiezeit zu rechnen – je nach Schweregrad auch länger. Daher ist es wichtig, den Befall möglichst früh zu erkennen. Denn wie bei den meisten Erkrankungen gilt auch hier: Je früher sie entdeckt wird, umso besser die Erholungschancen. Die Therapie sollte unbedingt von einem Tierarzt begleitet werden, der sich mit Herzwurmbefall auskennt oder bereit dazu ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Denn hierzulande gehören Herzwürmer nicht unbedingt zu den Erkrankungen, die Veterinäre tagtäglich sehen. Zudem gibt es während der Therapie diverse Risiken, die auftreten können. So kann es in einigen Fällen durch absterbende Würmer zu einer Lungenembolie kommen. Bei einer hohen Wurmlast können Entzündungsreaktionen oder im Zweifelsfall sogar Langzeitschäden an Herz und Lunge vorkommen.
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Wie verläuft die Behandlung?
Die Behandlung einer Herzwurmerkrankung erfolgt in mehreren Schritten und muss stets von einem Tierarzt überwacht werden. Ziel ist es zunächst, den Gesundheitszustand des Hundes zu stabilisieren und anschließend sowohl die Larvenstadien als auch die erwachsenen Würmer abzutöten. Typischerweise umfasst die Therapie folgende Maßnahmen:
- Stabilisierung des Hundes (bei Symptomen wie Herzinsuffizienz)
- Abtötung der Mikrofilarien (z. B. mit Ivermectin oder Moxidectin)
- Abtötung der adulten Herzwürmer mit dem Wirkstoff Melarsomin
- Strikte Ruhephase von mehreren Wochen – absterbende Würmer können Gefäße verstopfen → Lebensgefahr!
- Ggf. unterstützende Medikamente (Entzündungshemmer, Antibiotika wie Doxycyclin gegen Wolbachia-Bakterien)
Auch nach einer erfolgreichen Entwurmung können bleibende Schäden an Herz, Lunge oder Blutgefäßen zurückbleiben, insbesondere bei spät erkannter Erkrankung. Viele Hunde erholen sich aber vollständig und können nach der Behandlung ein normales Leben führen.
Kann präventiv gearbeitet werden?
Da Herzwürmer durch Mücken übertragen werden, ist die Prophylaxe besonders wichtig, vor allem bei Reisen in Risikogebiete. Daher wird empfohlen, dem mitreisenden Vierbeiner regelmäßig antiparasitäre Medikamente zu verabreichen. Zusätzlich sollte mit Mückenschutz durch Spot-on-Präparate, Halsbänder oder Umgebungsschutzmittel gearbeitet werden. Bei Fragen dazu können sich Halter beim Tierarzt ihres Vertrauens beraten lassen.3