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Trainerin gibt Tipps

Wie bereite ich einen Winterwelpen aufs Frühjahr vor?

Labradorwelpe im Schnee
Sie haben einen Winterwelpen? Hundeexpertin Katharina Marioth erklärt, welche Herausforderungen und Chancen das mit sich bringt. Foto: Getty Images
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3. März 2026, 13:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ein Winterwelpe zieht ein – und plötzlich besteht das Leben aus Matschpfoten und Schlafmangel. Während draußen Kälte und Dunkelheit regieren, wächst im Wohnzimmer ein kleines Wesen heran, das bald schon in die Junghundezeit startet. Genau hier liegt die Herausforderung: Die ruhige Winterzeit ist nur der Auftakt. Wer seinen Winterwelpen jetzt mit Weitblick begleitet, legt den Grundstein für eine entspanntere Junghundezeit – wie das gelingt, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth.

Der Winter wirkt für Welpen gemütlich: kurze Spaziergänge, wenige Begegnungen, eine gedämpfte Welt. Für den Winterwelpen bedeutet das überschaubare Reize und viel Nähe. Doch dieser kleine Horizont bleibt nicht lange bestehen. Mit dem Frühjahr wird aus der stillen Winterkulisse ein akustisches, olfaktorisches und soziales Feuerwerk – und der Welpe steht mitten in seiner nächsten Entwicklungsphase.

Warum der Winter keine Trainingspause ist

Winter heißt nicht gleich Trainingspause. Auch wenn es verlockend ist, nur schnell vor die Tür zu huschen und den Welpen danach wieder ins Warme zu holen, sollte man gezielt kleine Lernmomente einbauen. Das kann bedeuten, kurz an einer Straße stehen zu bleiben, während Autos vorbeifahren, oder den Welpen auf unterschiedliche Untergründe treten zu lassen. Der Hund lernt dabei nicht nur neue Reize kennen, sondern auch, dass sein Mensch ruhig bleibt, auch wenn die Umwelt ungewohnt ist. 

Ein Klassiker unter Winterwelpen ist die scheinbar perfekte Stubenreinheit. Alles läuft reibungslos, weil es draußen ungemütlich ist und niemand lange trödelt. Im Frühling sieht das plötzlich anders aus: Die Wiese wird zur Entdeckungslandschaft. Wer vorbeugen möchte, sollte schon im Winter Geduld üben – nicht sofort wieder ins Haus stürmen, sondern dem Welpen Zeit geben, draußen zu sein. Das signalisiert: Draußensein ist normal und kein schneller Pflichttermin.

Parallel dazu lohnt es sich, früh an Ruhe und Selbstregulation zu arbeiten. Winterwelpen schlafen und kuscheln viel, was schön ist, aber wenig Frustrationstoleranz fördern kann. Kleine Übungen wie kurzes Warten vor dem Futter, Pausen im Spiel oder das Liegen auf einer Decke, während der Mensch etwas anderes tut, sind wertvolle Investitionen. Im Frühling, wenn alles gleichzeitig spannend ist, werden genau diese Fähigkeiten dringend gebraucht.

Frühling, Pubertät und neue Herausforderungen

Der Übergang ins Frühjahr bringt nicht nur mehr Reize, sondern auch mehr soziale Kontakte. Hundewiesen füllen sich, Spazierwege werden belebter, und plötzlich scheint jeder zweite Hund ein potenzieller Spielkamerad zu sein. Für Winterwelpen, die bisher nur wenige Artgenossen kennengelernt haben, kann das schnell überfordernd werden.

Hier gilt: Qualität vor Quantität. Es ist sinnvoller, gezielt ausgewählte Hundekontakte zu ermöglichen, als den Welpen in jede beliebige Gruppe zu werfen. Positive Erfahrungen mit souveränen, gut sozialisierten Hunden legen den Grundstein für entspannte Begegnungen in der Junghundezeit. 

Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird, ist die körperliche Entwicklung. Winterwelpen bewegen sich häufig weniger, einfach weil das Wetter es nicht hergibt. Mit dem Frühling steigt die Aktivität dann schlagartig. Doch Muskeln, Sehnen und Gelenke brauchen Zeit, um sich an neue Belastungen anzupassen. Wer hier zu schnell zu viel will, riskiert Überlastungen. Abwechslungsreiche, aber maßvolle Bewegung ist der Schlüssel: kleine Suchspiele, kurze Entdeckungstouren und bewusste Pausen statt endloser Märsche.

Junghundezeit: Gelassen bleiben und mitwachsen

Und dann ist da noch die Junghundezeit, die meist ziemlich pünktlich mit den ersten warmen Tagen anklopft. Der Winterwelpe, der bisher aufmerksam war und zuverlässig reagiert hat, scheint plötzlich sein Gehör zu verlieren. Kommandos, die gestern noch saßen, wirken heute wie eine Fremdsprache.

Wichtig ist, das nicht als Rückschritt zu sehen, sondern als ganz normalen Entwicklungsschritt. Das Gehirn des Hundes befindet sich im Umbau, Prioritäten werden neu sortiert, und die Umwelt ist einfach unfassbar spannend. Wer jetzt die Grundlagen ruhig weitertrainiert, ohne Druck aufzubauen, kommt deutlich entspannter durch diese Phase. 

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Erwartungen herunterschrauben, Humor einschalten

Humor ist in dieser Zeit ein unverzichtbares Werkzeug. Der Junghund wird Blödsinn machen. Er wird Dinge ausprobieren, Grenzen testen und Entscheidungen treffen, die aus menschlicher Sicht höchst fragwürdig sind. Wer es schafft, innerlich einen Schritt zurückzutreten und das Ganze als Lernprozess zu betrachten, spart sich viel Frust.

Auch der Mensch sollte sich auf den Frühling vorbereiten. Mit den steigenden Temperaturen wachsen oft auch die Erwartungen. Man möchte längere Spaziergänge und einen Hund, der „endlich richtig hört“. Diese Erwartungen sind verständlich, aber nicht immer realistisch. Ein Winterwelpe, der gerade in die Pubertät kommt, ist kein fertiger Begleithund. Geduld, Nachsicht und realistische Ziele machen diese Zeit deutlich angenehmer. 

Bindung als Anker in turbulenten Zeiten

Ein oft übersehener Aspekt ist die emotionale Bindung. Der Winter bietet ideale Voraussetzungen, um eine stabile Beziehung aufzubauen. Viel gemeinsame Zeit, ruhige Momente und klare Strukturen schaffen Vertrauen. Diese Bindung ist das Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut. Ein Hund, der sich an seinem Menschen orientiert und ihm vertraut, findet sich auch in einer chaotischen Frühlingswelt besser zurecht. 

Am Ende ist der Winterwelpe eine Art stiller Lehrmeister. Er zwingt uns, langsamer zu werden, genauer hinzuschauen und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Und wenn doch einmal alles schiefgeht, hilft ein kurzer Blick zurück. Man erinnert sich an das kleine Wesen, das unsicher durch den Schnee tappte, in jede Pfütze sprang und nach zehn Minuten draußen erschöpft einschlief. Diese Erinnerung relativiert vieles. Der Frühling kommt, der Hund wächst, und mit der richtigen Mischung aus Vorbereitung, Humor und Gelassenheit wächst man einfach mit. 

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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