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Hundetrainerin verrät

Diese Menschen werden besonders häufig angebellt

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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

8. Mai 2026, 6:13 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Viele Hundehalter kennen die Situation: Der eigene Hund bellt scheinbar grundlos bestimmte Menschen an – etwa den Kollegen mit Kapuzenpulli oder den Jogger im Park – während andere völlig ignoriert werden. Auf welche äußeren Merkmale oder Menschentypen Hunde besonders sensibel reagieren und wie sich dieses Verhalten gezielt trainieren lässt, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth im Gespräch mit PETBOOK.

Zufall ist das nicht

Warum bellen Hunde manche Menschen an und andere ignorieren sie völlig? Diese Frage stellen sich viele Hundebesitzer. Auch in unserer Redaktion ist das Thema bekannt: Die zwei Büro-Dackel Kerli und Lotti schlagen immer dann an, wenn ein bestimmter Kollege einen Kapuzenpulli trägt. Zufall ist das nicht, sagt Hundetrainerin Katharina Marioth – und gibt zugleich Entwarnung: „Solche Fälle gibt es tatsächlich häufig. Aber die gute Nachricht ist: Man kann das sehr gut trainieren.“

Diese Dinge finden Hunde an Menschen unheimlich

Der Grund für das Verhalten liegt oft im Detail. Hunde reagieren besonders sensibel auf Veränderungen in der äußeren Erscheinung eines Menschen. „Alles, was die Silhouette massiv verändert, kann für Hunde unheimlich wirken“, erklärt Marioth. Dazu gehören etwa Kapuzen, die das Gesicht verschatten, oder Accessoires wie Caps und Sonnenbrillen, die die Augenpartie verdecken.

Für Hunde sei das ein Problem, weil sie stark über Mimik kommunizieren. Wird diese eingeschränkt, können sie ihr Gegenüber schlechter einschätzen. Ähnliches gelte für weite Mäntel, Regencapes oder ungewöhnliche Formen, etwa spezielle Fahrradüberzüge. In solchen Momenten könne der Hund das Gesehene nicht richtig einordnen. Sein Bellen sei dann zunächst nichts anderes als ein Hinweis: „Da ist etwas komisch – wie gehen wir damit um?“

„Ehemalige Straßenhunde haben oft Probleme mit Männern“

Neben Kleidung und Silhouette spielen in manchen Fällen auch persönliche Merkmale eine Rolle. Vor allem bei Hunden aus dem Auslandstierschutz beobachtet Marioth häufiger eine Abneigung gegenüber bestimmten Menschengruppen. „Gerade ehemalige Straßenhunde haben oft Probleme mit Männern“, sagt sie. Das könne mit früheren negativen Erfahrungen zusammenhängen, aber auch mit äußerlichen Merkmalen oder hormonellen Faktoren wie Testosteron, das Hunde wahrnehmen können.

Die gute Nachricht bleibt: Das Verhalten lässt sich gezielt beeinflussen. Am Beispiel des Kapuzenpullis rät Marioth dazu, zunächst genau zu beobachten, in welchen Situationen der Hund reagiert. Trägt die Person die Kapuze oben, könne es helfen, sie im Training zunächst abzusetzen, während der Pulli selbst anbehalten wird.

So kann man das Verhalten gezielt trainieren

Entscheidend sei, dass der Hund lernt, den bislang auslösenden Reiz positiv zu verknüpfen. „Kapuzenpulli sollte im Idealfall Keksregen bedeuten“, beschreibt Marioth das Prinzip. Wichtig sei dabei, mit ausreichend Abstand zu beginnen, sodass der Hund noch ruhig bleibt. Die betreffende Person könne dann kommentarlos Leckerchen in Richtung Hund werfen, ohne direkten Blickkontakt aufzunehmen.

Im weiteren Verlauf könne man die Situation schrittweise verändern. Der Pulli wird beispielsweise sichtbar an- und ausgezogen oder auf den Boden gelegt, sodass der Hund ihn beschnuppern kann. So erlebt er bewusst, dass hinter der vermeintlich „unheimlichen“ Veränderung derselbe Mensch steckt, den er eigentlich kennt. Marioth spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Hunde diese „Verwandlung“ nachvollziehen lernen müssen.

Auch interessant: Was tun, wenn der Hund ständig bellt?

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Wie Sie richtig reagieren, wenn Ihr Hund Menschen anbellt

Im Alltag stellt sich jedoch oft eine andere Frage: Wie reagiert man richtig, wenn der Hund plötzlich bellt? Für viele Halter ist das unangenehm, insbesondere wenn andere Menschen sich gestört fühlen. Marioth empfiehlt, kritische Situationen möglichst früh zu erkennen und aktiv zu managen. „Seid als Sozialpuffer dazwischen“, rät sie. Das bedeutet, sich zwischen Hund und Reiz zu positionieren, etwa indem man den Hund auf die dem Auslöser abgewandte Seite nimmt. Das gebe dem Tier zusätzliche Sicherheit.

Weniger sinnvoll sei es hingegen, den Hund in solchen Momenten sofort mit Futter abzulenken. „Wenn ihr den Hund in der Unsicherheit füttert, könnt ihr dieses Gefühl ungewollt verstärken“, erklärt die Trainerin. Stattdessen sollte gezielt ein Signal aufgebaut werden, das den Hund dazu bringt, den Blick vom Reiz abzuwenden und sich am Menschen zu orientieren. Gelingt das, folgt die Belohnung erst im Anschluss – wenn die Situation bereits gemeistert ist. So lernt der Hund, dass ruhiges Verhalten und Orientierung am Halter sich lohnen.

„Rückschläge gehören dazu“

Gleichzeitig betont Marioth, wie wichtig es ist, zwischen Training und Alltag zu unterscheiden. Im Alltag gehe es vor allem um Management: ausreichend Abstand halten, den Hund sichern und dafür sorgen, dass niemand gefährdet wird. „Rückschläge gehören dazu“, sagt sie. Im Training hingegen sollten Halter gezielt Situationen wählen, die sie kontrollieren können und diese Schritt für Schritt aufbauen. Extreme Reize oder überfordernde Umgebungen seien dabei wenig hilfreich. Entscheidend sei ein ruhiger, strukturierter Aufbau – und Geduld.

Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth sehen Sie im Video.

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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