20. März 2026, 9:58 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Viele Hundehalter verzweifeln daran, dass ihr Vierbeiner an der Leine zieht. Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, warum Zerren kein Zeichen von Respektlosigkeit ist, welche Rolle der Mensch spielt – und warum es keine Patentlösung für eine gute Leinenführigkeit des Hundes gibt.
Die Leinenführigkeit gehört zu den größten Herausforderungen im Alltag mit Hund. Fast jeder Halter kennt das Problem, wenn der Vierbeiner beim Spaziergang zieht. „Das häufigste Missverständnis ist die Frage nach dem Warum“, sagt Hundetrainerin Katharina Marioth. Viele gingen davon aus, ein Hund ziehe, weil er „ungezogen“ sei. In Wahrheit habe er gelernt, dass Ziehen funktioniert: „Er kommt damit schneller zum Schnüffelplatz, zum anderen Hund oder zur spannenden Person.“ Zerren sei also schlicht ein erlerntes Verhalten.
„Leinenführigkeit braucht Zeit, Konsequenz und gute Belohnungspunkte“
Doch nicht nur der Hund selbst, auch der Mensch beeinflusst das Verhalten maßgeblich. Viele Halter würden unbewusst nachgeben, indem sie den Arm ausstrecken. Schon dadurch lerne der Hund, dass sich Ziehen lohne. „Leinenführigkeit braucht Zeit, Konsequenz und gute Belohnungspunkte“, betont Marioth. Außerdem müsse der Hund überhaupt erst verstehen, wo sein „Tanzbereich“ neben dem Menschen liege.
Eine pauschale Methode für alle Hunde gibt es nach Einschätzung der Trainerin nicht. Vielmehr komme es auf das Zusammenspiel von Tier, Mensch und Umfeld an. So brauche ein sehr schneller Hund auch einen entsprechend reaktionsschnellen Halter, während Hunde mit langsamerem Lernvermögen vor allem durch Konsequenz profitierten. Bei ängstlichen Tierschutzhunden wiederum sei zunächst wichtig, Vertrauen und Sicherheit aufzubauen. „Leinenführigkeit ist keine Frage von Respekt oder Status“, stellt Marioth klar. „Für Hunde ist es schlicht unnatürlich, langsam und kontrolliert neben uns zu gehen – wir müssen es ihnen fair beibringen.“
„Sollte verboten werden!“ Warum die Rollleine so umstritten ist
Ihr Hund benimmt sich beim Partner völlig daneben? Das ist der Grund
Rollleinen eher nicht geeignet
Auch die verbreitete Annahme, Zerren an der Leine sei ein Zeichen fehlender Bindung, weist sie zurück. Ein Hund, der einem Eichhörnchen hinterher will, sei nicht weniger verbunden mit seinem Halter – das Tier sei in diesem Moment einfach spannender. Zudem spiele die Leinenlänge eine große Rolle: Wer seinen Hund lange an einer Rollleine laufen lasse, könne nicht erwarten, dass er plötzlich auf 1,5 Metern locker mitlaufe.
Gerade diese Rollleinen sieht Marioth kritisch. Sie förderten das Ziehen, weil immer eine Grundspannung auf der Leine liege. Zudem komme es durch das plötzliche Einrasten oft zu einem unangenehmen Ruck für den Hund. Sinnvoll seien sie nur, wenn der Hund gelernt habe, seinen Umkreis einzuhalten und zuverlässig auf Stopp-Signale zu reagieren. Dann könnten sie beispielsweise beim Wandern eine sichere Ergänzung sein.
3 Tipps für bessere Leinenführigkeit beim Hund
- Konsequent bleiben
Auch kleine Ausnahmen prägen den Hund. Wird einmal nachgegeben, lernt er sofort: Ziehen lohnt sich. - Individuell trainieren
Jeder Hund ist anders – Tempo, Motivation und Lernverhalten bestimmen die passende Methode. - Positive Bestärkung nutzen
Ruhiges Gehen neben dem Menschen sollte immer belohnt werden, etwa durch Leckerchen oder Lob.
Das gesamte Interview mit Katharina Marioth sehen Sie im Video.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.
