Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Hundeverhalten Alle Themen
Hundetrainerin erklärt

Ihr Hund benimmt sich beim Partner völlig daneben? Das ist der Grund

Artikel teilen
Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

11. August 2025, 10:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Viele Hundebesitzer kennen die Situation: Sobald der Partner die Leine übernimmt, legt der Hund plötzlich ein ganz anderes Verhalten an den Tag – zieht daran, hört nicht mehr oder wird auffällig unruhig. Für Hundetrainerin Katharina Marioth ist dieses Verhalten weder ungewöhnlich noch besorgniserregend – im Gegenteil, wie die Expertin im Interview verrät.

Kein Zeichen von Ungehorsam

„Hunde lernen personenbezogen. Sie wissen ganz genau, wer gerade der Ansprechpartner ist – wer die Leine hält oder die Leckerlis in der Tasche hat“, erklärt die Berliner Hundetrainerin. Das sei kein Zeichen von Ungehorsam, sondern eher Ausdruck ihrer hohen sozialen Intelligenz. Marioth empfiehlt daher, das Ganze mit Humor zu nehmen. „In meinen Verhaltenstherapiestunden bin ich manchmal mehr Paartherapeutin als Hundetrainerin“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Denn gerade bei Paaren mit Hund entwickeln sich interessante Dynamiken – und die werden auch vom Hund genau beobachtet.

Hunde erkennen Unterschiede zwischen Bezugspersonen

Hunde können sehr wohl unterscheiden, bei wem sie was dürfen. Als Beispiel nennt Marioth die Couch-Regel: „Mit Frauchen darf ich drauf, mit Herrchen nicht – und wenn beide da sind, frage ich mal nach, wer gewinnt.“ In solchen Momenten beobachtet nicht nur das Tier genau, was passiert – auch die Partner beobachten einander.

Besonders auffällig wird dieses Phänomen draußen: Oft ist ein Partner stärker involviert, besucht die Hundeschule, liest Fachliteratur oder übt regelmäßig mit dem Tier. Der Hund nimmt diese Rolle sehr bewusst wahr und orientiert sich dann vor allem an dieser Person. Kommt der zweite Partner dazu, entsteht nicht selten ein unterschwelliger „Lehrauftrag“ – plötzlich wird korrigiert, kommentiert, diskutiert. „Da entsteht Spannung, und der Hund merkt das sofort“, erklärt Marioth. Deshalb setzt sie im Training klare Regeln: „Wer die Leine hält, ist mein Ansprechpartner. Der andere beobachtet – aber mischt sich nicht ein.“

Auch interessant: Besser als Freund oder Kind? Studie zeigt, wie gut die Mensch-Hund-Beziehung ist

Gemeinsames Training – ja oder nein?

Ob Paare gemeinsam ins Training kommen sollten, sieht Marioth nicht dogmatisch. Wichtig sei vor allem, dass überhaupt jemand Verantwortung übernimmt. „Es gibt durchaus Konstellationen, in denen ein Partner sagt: ‚Das ist dein Hund, ich will nur, dass er funktioniert‘ – auch das muss man respektieren.“

Wenn jedoch beide Partner mit dem Hund arbeiten möchten, sei es sinnvoll, dem Tier Übergänge bewusst zu machen. Das könne zum Beispiel so aussehen, dass der neue Leinenführer den Hund kurz anspricht, ein Wort wie „Arbeit“ verwendet und ein paar Leckerlis zur Einstimmung gibt. „So signalisiert man dem Hund: Jetzt beginnt eine neue Phase – und eine andere Person ist zuständig.“ Entscheidend sei dabei vor allem: Nicht über den Hund streiten, sondern gemeinsam nach einer guten Lösung suchen.

Tractive GPS Tracker Hund

Live-Ortung | Weglaufalarm | Aktivitätstracking | Gesundheitswarnungen | Bellverhalten

Mehr zum Thema

Müssen für den Hund überall dieselben Regeln gelten?

Nicht zwingend, findet Marioth – denn Hunde können kontextabhängig lernen. Wer seinen Hund mal zu den Großeltern gibt, kennt das vielleicht: Dort gibt es beim Frühstück ein Stück Leberwurststulle – zu Hause aber nicht. Der Hund fragt beim nächsten Frühstück freundlich nach, bekommt ein Nein – und akzeptiert das. „Er hat gelernt: Bei Oma ist das anders. Und das ist auch völlig in Ordnung.“ Diese Flexibilität sei typisch für Hunde und auch kein Erziehungsproblem. „Das sehen wir auch bei Diensthunden – sie reagieren ausschließlich auf ihre Bezugsperson, egal wer sonst versucht, ihnen Kommandos zu geben.“

Was tun, wenn der Partner vom Hund nicht ernst genommen wird?

Wenn der Hund auf einen Partner nicht so gut hört, sollte man laut Marioth nicht vorschnell urteilen, sondern erstmal das Gespräch suchen. „Vielleicht will der andere gar nicht erziehen, sondern einfach nur spielen. Auch das ist okay.“ Wichtig sei es, die Rollen klar zu definieren und als Team zu agieren. Denn je entspannter das Miteinander, desto entspannter auch der Hund.

Das ganze Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth sehen Sie im Video.

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.