19. März 2026, 9:50 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Viele Hunde schleppen beim Spaziergang überdimensionale Stöcke durch die Gegend. Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, warum das Tragen für Hunde so faszinierend ist, wann es zum Risiko wird – und welche sicheren Alternativen Halter anbieten können.
Ein Gegenstand im Maul gibt Hunden Sicherheit
Viele Hunde – besonders große oder sehr apportierfreudige – tragen beim Spaziergang riesige Äste vor sich her. Manche wählen sogar Stöcke, die sie kaum heben können oder mit denen sie ständig hängen bleiben. Doch was fasziniert Hunde daran? Laut Hundetrainerin Katharina Marioth spielen dabei mehrere Faktoren zusammen: „Zum einen wirkt Tragen einfach beruhigend“, erklärt sie. Manche Hunde liefen sogar mit einem Kuscheltier durch die Gegend, andere bevorzugten einen Stock.
Dieses Verhalten könne Haltern auch im Training helfen – etwa, um Hunde mit starkem Beutetrieb von Joggern, Radfahrern oder anderen Hunden abzulenken. „Ein Gegenstand im Maul gibt ihnen Sicherheit und hilft beim Fokussieren.“
Diese Hunde tragen besonders gerne große Äste
Darüber hinaus stecke hinter dem Asttragen klassisches Spiel- und Beuteverhalten. Schon Welpen suchten permanent etwas, das sie ins Maul nehmen können. „Beute finden, tragen und präsentieren macht einfach Spaß“, sagt Marioth. Wenn erwachsene Hunde große Äste wählen, sei das außerdem häufig Imponierverhalten. Marioth beschreibt: „Die Brust geht raus, die Rute hoch, der Hals wird angespannt.“ Viele Hunde zeigten sich mit übergroßem Ast besonders stolz – und versuchten, Eindruck auf Artgenossen zu machen.
Eine klare Rassenliste gebe es zwar nicht, doch Marioth beobachtet, dass vor allem Retriever, Schäferhunde, Lagotti und auch energiegeladene kleine Jagdhunde wie Jack Russell Terrier oft mit überdimensionierten Ästen unterwegs sind. Entscheidend sei weniger die Größe des Hundes, sondern ob er generell Freude daran habe, Beute aufzunehmen und zu tragen.
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Wenn Ihr Hund das nicht gelernt hat, wird’s gefährlich!
Unterschätzte Risiko: Warum große Äste für Hunde gefährlich sind
So niedlich das Verhalten wirkt, so groß ist die Gefahr. „Stockverletzungen werden massiv unterschätzt“, warnt Marioth. Vor allem das Werfen von Stöcken könne schlimme Folgen haben. Häufig seien Gaumenverletzungen, wenn der Hund im falschen Winkel in den Stock greift. Auch Brustverletzungen, wenn der Hund in einen rotierenden Stock springt, kämen immer wieder vor. Außerdem schredderten viele Hunde Stöcke und schluckten dabei größere Mengen an Splittern.
„Ein Tipp ist, zwei bis drei Gabeln Sauerkraut zu füttern. Das ummantelt die Splitter und erleichtert den Transport durch den Darm.“ Auch Verletzungen am Zahnfleisch oder Reste von Splittern im Maul seien keine Seltenheit. Deshalb rät sie: „Nach jedem Spaziergang einmal Lefzen heben und den Maulraum kontrollieren.“
Suchspiele statt Stockschreddern
Wer weiß, dass sein Hund gerne trägt, sollte Alternativen anbieten, die weniger riskant sind. Besonders bei jungen Hunden, die in der Geschlechtsreife zum Imponiertragen neigen, sei es sinnvoll, Stöcke früh zu tabuisieren. Marioth empfiehlt: „Man kann Dummys aus festem Plastik nutzen, weichere Modelle für Hunde mit zarterem Maul oder sogar Stofftiere.
Wichtig ist, den Ersatz genauso emotional zu verstärken, wie viele Halter unbewusst den Stock verstärken.“ Auch Suchspiele eignen sich gut, etwa indem man den Dummy unterwegs versteckt oder einen robusten Gegenstand schon am Vortag ablegt, um den Hund später gezielt danach suchen zu lassen.
Grundsätzlich ist das Tragen großer Gegenstände nicht problematisch – solange es sich nicht um gefährliche Stöcke handelt. Mit passenden Alternativen lässt sich das Bedürfnis des Hundes sicher ausleben.