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Der Ton macht das Kommando

Hunde können „Ja“ und „Nein“ an der Stimme erkennen

Frau mit Hund auf Wiese sitzend bzw kniend
Kann ein Hund allein am Tonfall erkennen, was sein Mensch von ihm möchte? Foto: Getty Images
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Porträt Emily Reimann
PETBOOK-Redaktion

4. Juni 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Dass Hunde auf unsere Stimme reagieren, überrascht wohl niemanden. Doch was genau nehmen die Tiere dabei wahr? Und wie viele Informationen lassen sich allein über den Klang der Stimme vermitteln? Mit diesen Fragen haben sich Forscher in einer aktuellen Studie beschäftigt – und dabei spannende Einblicke in die Kommunikation zwischen Mensch und Hund gewonnen.

Verstehen Hunde mehr als nur unsere Worte?

Hunde reagieren oft erstaunlich präzise auf die Stimme ihres Menschen. Doch verstehen sie dabei wirklich unsere Worte – oder steckt die eigentliche Botschaft im Tonfall?

Dieser Frage ging ein Forscherteam um Anna Gábor und Attila Andics von der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest nach. In der im Fachjournal „Cognition“ veröffentlichten Studie „Cross-species acoustic codes for yes and no in human nonverbal vocalizations“ untersuchten die Wissenschaftler, ob Menschen allein über ihre Stimme grundlegende Botschaften vermitteln können. Gemeint war dabei kein „Ja“ oder „Nein“ als Antwort auf eine Frage, sondern eher ein handlungsbezogenes „Okay, du darfst“ beziehungsweise „Lass das“. Die Forscher sprechen von Ermutigung („do it“) und Ablehnung („don’t do it“).1

Außerdem wollten sie wissen, ob solche Signale auch von einer anderen Art verstanden werden können. Deshalb setzten sie auf Hunde, die als besonders aufmerksam gegenüber menschlichen Lauten gelten. Die Forscher prüften, ob die Tiere anhand der Stimme erkennen können, ob sie zu einer Handlung ermutigt oder davon abgehalten werden sollen.

Wie Forscher mit einem einzigen „Bü“ Hunde testeten

An der Studie nahmen 52 Mensch-Hund-Paare teil. Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe, in der die Hunde dieselben Aufgaben ohne stimmliche Signale ihrer Besitzer lösen sollten. Die Teilnehmer durften keine Wörter oder Kommandos verwenden. Stattdessen sollten sie ausschließlich mithilfe der bedeutungslosen Silbe „Bü“ mit ihren Hunden kommunizieren. Tonfall, Lautstärke und Betonung konnten sie dabei frei variieren.

Getestet wurden vier Situationen: Die Besitzer sollten ihren Hund entweder zum Kommen oder Weggehen ermutigen („Ja/okay, du darfst“) oder ihn davon abhalten („Nein/Lass das“).

Die Aufforderungen bezogen sich dabei entweder auf den Besitzer selbst („hier“) oder auf einen anderen Ort („dort“). Anschließend werteten die Forscher die Aufnahmen aus und untersuchten, ob sich die verschiedenen Botschaften an typischen Mustern in der Stimme erkennen lassen. Dabei analysierten sie unter anderem Tonhöhe, Lautstärke und Dauer der Laute.

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Selbst ohne Worte verstanden die Hunde die Botschaft

Zunächst zeigte sich, dass die Stimme tatsächlich einen Einfluss auf das Verhalten der Hunde hatte. Die Tiere reagierten deutlich häufiger wie beabsichtigt, wenn ihre Besitzer die Silbe „Bü“ einsetzten, als in der Kontrollgruppe ohne Lautäußerungen.

Die anschließenden Analysen ergaben, dass sich die Botschaften „Ja/Okay, du darfst“ und „Nein/Lass das“ anhand charakteristischer Stimmmerkmale klar unterscheiden lassen. Ein statistisches Verfahren erkannte diese beiden Kategorien mit einer Trefferquote von 77 Prozent – deutlich mehr, als durch Zufall zu erwarten gewesen wäre.

Vereinfacht gesagt klangen die ermutigenden Signale typischerweise etwas höher, kürzer und gleichmäßiger als die ablehnenden Signale. Diese Muster zeigten sich unabhängig davon, ob die Stimme von einem Mann oder einer Frau stammte und ob sich die Botschaft auf „hier“ oder „dort“ bezog.

Auch die Zielorte „hier“ und „dort“ ließen sich anhand der Stimme unterscheiden. Dieser Unterschied fiel allerdings deutlich schwächer aus als bei den Botschaften „Ja/Okay, du darfst“ und „Nein/Lass das“.

Mehr als nur ein Tonfall?

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Menschen grundlegende Botschaften auch ohne Worte vermitteln können. Nach Ansicht der Forscher könnten dahinter uralte Kommunikationsmuster stecken, die viele Säugetiere teilen. Die Studie liefert damit spannende Hinweise darauf, wie eng die Kommunikation zwischen Mensch und Hund – und möglicherweise auch die evolutionären Wurzeln unserer Sprache – miteinander verbunden sind.

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Nicht alle Fragen sind geklärt

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde zwischen ermutigenden und ablehnenden Botschaften unterscheiden können. Weniger eindeutig ist jedoch, ob sie die Informationen zu „hier“ und „dort“ tatsächlich allein aus der Stimme erkannten. Die Versuchsanordnung lenkte die Aufmerksamkeit der Hunde ebenfalls auf bestimmte Orte, sodass sich dieser Einfluss nicht vollständig ausschließen lässt.

Außerdem wurde in der Studie ausschließlich die Silbe „Bü“ verwendet. Ob ähnliche akustische Muster auch bei anderen Lauten oder in anderen Situationen auftreten, müssen zukünftige Untersuchungen zeigen.

Der Ton macht das Kommando

Wer das Gefühl hat, dass sein Hund oft schon am Tonfall erkennt, was gemeint ist, könnte mit dieser Studie richtig liegen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde grundlegende Botschaften wie „Ja/Okay, du darfst“ oder „Nein/Lass das“ auch dann verstehen können, wenn gar keine verständlichen Worte fallen.

Das könnte erklären, warum die Kommunikation zwischen Mensch und Hund häufig so gut funktioniert – und warum manchmal schon ein bestimmter Klang der Stimme mehr sagt als viele Worte.

Quellen

  1. Gábor A., Lehoczki F., Bensaali-Nemes F., Faragó T., Surányi K., Andics A. Cross-species acoustic codes for yes and no in human nonverbal vocalizations. Cognition, Band 266 (2026), Artikel 106284. ↩︎

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