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Untersuchung entwickelt Skala

Was das Fernsehverhalten von Hunden über ihren Charakter verrät

Gleichgeschlechtliches Pärchen schaut mit Hund auf der Couch Fernsehen
Ob hier wohl gerade eine Tier-Doku im Fernseher zu sehen ist? Foto: Getty Images / SolStock
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

29. September 2025, 12:38 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ob zur Unterhaltung, als Hintergrundgeräusch oder gezielt zur Beschäftigung – viele Hunde leben heute in Haushalten mit Fernseher. Doch was nehmen sie dabei eigentlich wahr? Eine Studie zeigt: Hunde reagieren sehr unterschiedlich auf TV-Bilder – je nachdem, was gezeigt wird und wie ihr Temperament gestrickt ist. Das überraschende Ergebnis: Fernseherlebnisse können für manche Hunde eine sinnvolle Bereicherung sein – für andere aber auch Stress bedeuten.

Hunde leben als Haustiere zunehmend in einer technisierten Umwelt. Fernseher, Beamer oder andere Projektionsgeräte gehören längst zum Alltag – doch wie Hunde diese zweidimensionalen, oft täuschend echten Reize auf der Leinwand verarbeiten, ist bisher kaum erforscht. Zwar gibt es Hinweise aus kleinen Studien oder Umfragen, dass viele Hunde auf TV-Reize reagieren – etwa durch Bellen, Blickkontakt oder Mitlaufen (PETBOOK berichtete).

Doch bislang fehlten standardisierte Untersuchungen zur Häufigkeit, Art und Ursache solcher Reaktionen. Zudem war unklar, welche Rolle individuelle Merkmale wie Alter, Rasse oder Temperament beim Fernsehverhalten von Hunden spielen. Die nun vorliegende Studie sollte diese Lücken schließen. Dabei standen zwei Fragen im Fokus: Auf welche Arten von Reizen (z. B. Tiere, Menschen, Geräusche) reagieren Hunde besonders – und wie hängt das mit ihrer Persönlichkeit zusammen?

Forscher entwickeln Skala für das Fernsehverhalten von Hunden

Die Untersuchung wurde von Lane I. Montgomery, Sarah Krichbaum und Jeffrey S. Katz von der Auburn University (USA) durchgeführt und 2025 in der renommierten Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht. Ziel war es, erstmals systematisch zu erfassen, wie Haushunde auf Fernsehbilder reagieren – und welche Faktoren diese Reaktionen beeinflussen.

Dafür entwickelten die Forscher eine neuartige Erhebungsmethode, die „Dog Television Viewing Scale“ (DTVS). Diese erfasst, wie häufig ein Hund auf bestimmte visuelle und akustische Reize aus dem Fernseher reagiert – etwa auf andere Tiere, Menschen, Gegenstände oder Geräusche. Über Social Media wurden Hundebesitzer zur Teilnahme eingeladen. 650 Datensätze gingen ein, 453 davon wurden in die finale Analyse aufgenommen. Alle Teilnehmer beantworteten Fragen zu ihrem Hund (Alter, Geschlecht, Rasse, Kastrationsstatus), zum Fernsehverhalten und zur Persönlichkeit ihres Tiers.

Letztere wurde über zwei standardisierte Fragebögen erfasst: PANAS (Positive and Negative Activation Scale) und DIAS (Dog Impulsivity Assessment Scale). Die Daten wurden anschließend mittels Hauptkomponentenanalyse und statistischer Modelle ausgewertet. Die ethische Genehmigung erfolgte durch die Auburn University.

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Hunde reagieren auf verschiedene Reize auf der Leinwand

Die Auswertung ergab drei Hauptkomponenten des Fernsehverhaltens:

  1. DTVS Animal: Reaktionen auf Tiere (Hunde, andere Haustiere, Wildtiere).
  2. DTVS Follow: Mitlauf- oder Suchverhalten (z. B. hinter den Fernseher schauen).
  3. DTVS Non-Animal: Reaktionen auf Menschen und unbelebte Objekte (z. B. Autos, Türglocken).

Die größte Reaktionsbereitschaft zeigten Hunde gegenüber Tierdarstellungen (Komponente 1). Viele Hunde reagierten durch Bellen, Schwanzwedeln oder Aufmerksamkeitsverhalten. Besonders auffällig war, dass Hunde mit hohen Werten im Bereich „Erregbarkeit“ (PANAS Excitement) häufiger Mitlaufverhalten zeigten. Sie schienen also zu erwarten, dass sich das Objekt weiterbewegt, wie in der realen Welt.

Reaktionen auf unbelebte Objekte oder Menschen (Komponente 3) waren insgesamt seltener, traten aber vermehrt bei ängstlichen Hunden auf. Wie oft der Fernseher normalerweise im Zuhause des Hundes lief, hatte dagegen keinen Einfluss. Das bedeutet, dass Hunde nicht unbedingt an den Reiz gewöhnt sein müssen, um das entsprechende Fernsehverhalten zu zeigen.

Tierdarstellungen interessieren Hunde am meisten

Die Studie zeigt, dass Hunde Fernsehinhalte nicht nur wahrnehmen, sondern differenziert darauf reagieren – abhängig davon, was gezeigt wird und wie sie emotional gestrickt sind. Dabei sind Tierdarstellungen für die meisten Hunde besonders relevant.

Interessanterweise spielte nicht die Art der Reizübertragung (Ton vs. Bild) die größte Rolle, sondern die Art des gezeigten Objekts. Hunde scheinen also durchaus fähig zu sein, zweidimensionale Bilder als „reale“ Objekte zu interpretieren – ein Hinweis auf ihre kognitive Leistungsfähigkeit.

Besonders bedeutend sind die Erkenntnisse für den Einsatz von TV als mögliche Bereicherung (Enrichment) für Hunde, etwa im Tierheim oder bei Hunden, die mehrere Stunden allein zu Hause sind. Gleichzeitig warnen die Ergebnisse auch davor, dass ängstliche Hunde auf bestimmte Inhalte empfindlich reagieren könnten.

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Die Studie ist die erste systematische Untersuchung zum Fernsehverhalten von Hunden. Ihre Stärke liegt in der großen Stichprobe und der Verwendung validierter psychologischer Skalen. Dennoch gibt es Einschränkungen: Da viele Teilnehmer gezielt Hunde mit TV-Interesse meldeten, ist die Stichprobe nicht repräsentativ.

Es wurde nur wenig über Hunde berichtet, die kein Interesse am Bewegtbild zeigten. Auch beruhen die Daten auf Selbstauskünften – eine objektive Verhaltensmessung (z. B. durch Videoanalyse) wäre zuverlässiger.

Der Einfluss von Faktoren wie TV-Größe, Bildqualität oder Programmtyp konnte nicht systematisch erfasst werden. Auch Trainings- und Alltagserfahrungen der Hunde wurden nicht berücksichtigt. Trotz dieser Limitationen bietet die Studie eine fundierte Grundlage für weiterführende Untersuchungen, etwa im Labor oder per Video-Codierung.

Fazit

Diese Studie liefert erstmals eine strukturierte Analyse des Fernsehkonsums von Hunden. Sie zeigt: Hunde reagieren am stärksten auf Tierdarstellungen – und zwar je nach Persönlichkeit unterschiedlich.

Für aufgeregte Hunde kann das Fernsehen eine interessante Bereicherung sein, während ängstliche Tiere empfindlicher auf menschliche oder technische Reize reagieren. Der Fernseher ist also nicht für jeden Hund gleich geeignet – sein Einsatz als Enrichment-Tool sollte individuell abgestimmt werden. Für künftige Studien bietet die DTVS allerdings eine solide Basis zur Verhaltensmessung. 1

Quellen

  1. Montgomery, L. I., Krichbaum, S., Katz, J. S. (2025). Characterizing TV viewing habits in companion dogs. Scientific Reports, 15:20274. ↩︎

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