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Hundetrainerin klärt auf

So unterschiedlich erziehen Männer und Frauen ihre Hunde

Mann hält Hund und Frau lockt
Beim Hundetraining gibt es oftmals Unterschiede zwischen Mann und Frau. Katharina Marioth erklärt, wie sich das auf den Hund auswirkt und wie man das Training optimieren kann. Foto: Getty Images
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6. März 2026, 12:51 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Erziehen Männer und Frauen ihren Hund wirklich unterschiedlich? Gerade in der Pubertät zeigt sich oft, wie stark sich die Ansätze unterscheiden – warum das so ist und was das für den Hund bedeutet, erklärt Hundetrainerin und PETBOOK-Autorin Katharina Marioth.

Die Pubertät eines Hundes ist für viele Halter eine überraschende Erfahrung. Plötzlich scheint nichts mehr so zu funktionieren wie zuvor. Rückrufsignale verlieren an Verlässlichkeit, Spaziergänge werden unruhiger, bekannte Trainingsroutinen wirken brüchig. Gleichzeitig beginnt eine Phase, in der nicht nur der Hund sich verändert, sondern auch das Verhalten seiner Bezugspersonen. 

In meiner Trainingspraxis zeigt sich immer wieder: Männer und Frauen erziehen ihre Hunde oft unterschiedlich. Nicht aus Prinzip oder aus mangelndem Engagement, sondern aufgrund verschiedener Wahrnehmungs- und Handlungsmuster, die sich im Umgang mit pubertierenden Hunden bemerkbar machen. 

Diese Unterschiede sind weder besser noch schlechter. Sie spiegeln vielmehr unterschiedliche Herangehensweisen wider – und erklären, warum Trainingssituationen in dieser Zeit oft von Missverständnissen, Diskussionen und Unsicherheiten begleitet werden. 

Pubertät als Belastungstest für Mensch und Hund 

Zwischen dem sechsten und achtzehnten Lebensmonat durchläuft der Hund eine Phase intensiver neurologischer und hormoneller Umstrukturierung. Das Gehirn wird neu vernetzt, Sexualhormone steigen an, Reize werden anders bewertet.

Diese Veränderungen stellen nicht nur für den Hund eine Herausforderung dar, sondern auch für seine Halter. Denn in dieser Phase wird deutlich, wie unterschiedlich Menschen mit Unsicherheit, Kontrollverlust und Veränderung umgehen. 

Die Pubertät wirkt wie ein Brennglas: Sie verstärkt vorhandene Trainingsstile, Beziehungsmuster und persönliche Einstellungen. Was vorher kaum auffiel, wird jetzt sichtbar. 

Wie Frauen Pubertät im Hundetraining häufig erleben 

In vielen Trainingssituationen zeigt sich, dass Frauen Veränderungen im Verhalten ihres Hundes besonders früh wahrnehmen. Kleine Unsicherheiten, veränderte Körpersprache oder neue Stresssignale werden oft sensibel registriert. Daraus entsteht meist ein sehr beziehungsorientierter Umgang. 

Viele Frauen versuchen in der Pubertät zunächst, emotional zu stabilisieren. Sie sprechen ruhiger, suchen mehr Blickkontakt, passen Trainingseinheiten an und versuchen, Überforderung zu vermeiden. Der Fokus liegt häufig darauf, dem Hund Sicherheit zu geben und ihn „abzuholen“, wo er gerade steht. 

Diese Herangehensweise stärkt Bindung und Vertrauen. Sie hilft dem Hund, sich in einer innerlich unruhigen Phase nicht allein gelassen zu fühlen. Besonders sensible oder unsichere Hunde profitieren davon erheblich. 

Gleichzeitig kann diese große Empathie manchmal dazu führen, dass Anforderungen unbewusst reduziert werden. Aus Rücksichtnahme werden Regeln gelockert, Trainingssituationen verkürzt oder schwierige Situationen vermieden. Der Hund erhält dann zwar emotionale Unterstützung, aber weniger klare Orientierung. 

In der Praxis äußert sich das gelegentlich in Sätzen wie:

„Er ist heute einfach nicht so gut drauf.“ 
„Ich will ihn jetzt nicht überfordern.“ 
„Man merkt, dass er gerade viel verarbeitet.“ 

All das ist fachlich nicht falsch. Problematisch wird es erst, wenn daraus langfristig Unsicherheit entsteht, weil Struktur fehlt und der Hund gar nicht mehr gefordert bzw. gefördert wird.  

Wie Männer Pubertät im Hundetraining häufig wahrnehmen 

Viele Männer nähern sich der Pubertätsphase ihres Hundes stärker über Leistung, Funktionalität und Zielorientierung. Veränderungen im Verhalten werden häufig als Trainingsproblem interpretiert, das gelöst werden muss. 

Der Fokus liegt oft auf Stabilisierung: Regeln sollen eingehalten, Routinen beibehalten, Trainingsziele erreicht werden. Trainingspläne werden konsequent verfolgt, Anforderungen klar formuliert, Wiederholungen eingefordert. 

Diese Herangehensweise bietet pubertierenden Hunden wichtige Orientierung. Klare Abläufe und verlässliche Erwartungen wirken stabilisierend und helfen dem Hund, sich im inneren Chaos zurechtzufinden. 

Gleichzeitig kann ein sehr leistungsorientierter Ansatz in dieser Phase zusätzlichen Druck erzeugen. Wenn ein Hund aufgrund neurologischer Umbauprozesse temporär weniger belastbar ist, können zu hohe Erwartungen Frustration auslösen – auf beiden Seiten. 

Typische Aussagen in diesem Zusammenhang sind etwa: 

„Das konnte er doch schon.“ 
„Er muss das jetzt einfach lernen.“ 
„Man darf da nicht nachgeben.“ 

Auch diese Haltung ist nicht grundsätzlich falsch. Sie wird problematisch, wenn individuelle Entwicklungsphasen nicht berücksichtigt werden. 

Warum erziehen Frau und Mann ihre Hunde unterschiedlich?

Die unterschiedlichen Herangehensweisen lassen sich weniger biologisch als sozial erklären. Aus der Humanpsychologie wissen wir, dass Frauen im Durchschnitt stärker beziehungsorientiert kommunizieren, während Männer häufiger lösungs- und zielorientiert handeln. 

Diese Muster übertragen sich häufig auf den Umgang mit Hunden. Frauen neigen dazu, emotionale Prozesse stärker einzubeziehen. Männer konzentrieren sich häufiger auf Struktur und Zielerreichung. 

Hinzu kommt, dass Hunde auf diese Unterschiede reagieren. Sensible Hunde orientieren sich oft stärker an empathischen Bezugspersonen. Temperamentvolle Hunde profitieren häufig von klarer Kommunikation. Dadurch verstärken sich bestehende Dynamiken zusätzlich. 

Wenn unterschiedliche Stile aufeinandertreffen 

Besonders deutlich werden diese Unterschiede in Haushalten, in denen beide Partner aktiv am Training beteiligt sind. In der Pubertät kommt es hier nicht selten zu Spannungen. 

Während eine Person mehr Rücksichtnahme einfordert, besteht die andere auf Konsequenz. Während die eine Seite mehr Pausen möchte, fordert die andere mehr Übung. Beide handeln aus Verantwortung – aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten. 

In der Trainingspraxis zeigt sich: Konflikte entstehen meist nicht durch falsche Erziehung, sondern durch fehlende Abstimmung. Der Hund erhält widersprüchliche Signale. Mal wird Verhalten toleriert, mal korrigiert. Mal wird Rückzug akzeptiert, mal eingefordert. Das erschwert die Organisation – gerade in einer Phase, in der der Hund besonders darauf angewiesen ist. 

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Die fachlich sinnvollste Kombination 

Aus verhaltensbiologischer und trainingswissenschaftlicher Sicht ist keine der beiden Herangehensweisen allein optimal. Am wirksamsten ist eine Kombination aus beiden. 

Pubertierende Hunde brauchen emotionale Sicherheit und stabile Strukturen. Sie benötigen Verständnis für ihre Entwicklung – und klare Leitplanken für ihr Verhalten. Sie profitieren von Geduld – und von Verlässlichkeit und Denkpausen. 

Idealerweise ergänzen sich die unterschiedlichen Stile: Empathie sorgt für Vertrauen, Struktur für Orientierung. Beziehung schafft Motivation, Regeln schaffen Sicherheit. Wo diese Balance gelingt, verläuft die Pubertät meist deutlich entspannter. 

Fazit 

Häufig trainieren und erziehen Frau und Mann ihren Hund unterschiedlich, weil sie Verhalten unterschiedlich wahrnehmen und bewerten. Während viele Frauen stärker beziehungsorientiert handeln, setzen viele Männer auf Struktur und Zielorientierung. 

Beide Ansätze haben ihre Stärken und ihre Risiken. Entscheidend ist nicht, welcher Stil „richtig“ ist, sondern wie gut es gelingt, beides zu verbinden. 

Die Pubertät ist kein Prüfstein für perfekte Erziehung, sondern ein Reifungsprozess für Hund und Mensch. Wer sie mit Fachwissen, Offenheit und gegenseitigem Verständnis begleitet, legt den Grundstein für eine stabile, vertrauensvolle Beziehung im Erwachsenenalter. 

Über die Autorin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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