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Tierische Redewendung

Warum sagt man „Da wird der Hund in der Pfanne verrückt“?

Erstaunter Hund auf der linken Seite, auf der rechten Seite eine Bratpfanne auf orangenem Hintergrund
„Da wird der Hund in der Pfanne verrückt“ – hinter dieser Redewendung verbirgt sich ein alter Bekannter Foto: Getty Images
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Werkstudentin

5. September 2025, 13:42 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Das Sprichwort „Da wird der Hund in der Pfanne verrückt“ hat bestimmt jeder schon einmal benutzt. Aber was bedeutet es eigentlich und woher stammt es? PETBOOK wirft einen Blick in die Geschichte.

Landete wirklich ein Hund in der Pfanne?

Keine Sorge, es geht hier nur um einen metaphorischen Hund, der in der Pfanne gelandet ist. Den Ursprung des Sprichwortes findet man tatsächlich in „Till Eulenspiegel“, dem bekannten spätmittelalterlichen Werk, das Hermann Bote zugeschrieben wird und um 1510 entstanden ist. Er selbst war Stadtschreiber und Chronist. Das Buch war in 96 Kapitel eingeteilt, die „Historien“ genannt werden. Der Aufbau ähnelt einer Art Lebenslauf der bekannten deutschen „Robin Hood“-Figur.

In der 45. Historie beschreibt Bote, dass Till Eulenspiegel nach Eibeck kam und dort bei einem Bierbrauer anfing zu arbeiten. Eines Tages bekam Till Eulenspiegel eine Aufgabe von ihm erteilt. Während der Brauer auf ein Fest ging, sollte der Titelheld den Hopfen für das Bierbrauen sieden.

Um seinem Arbeitgeber einen Streich zu spielen, entschloss sich Eulenspiegel, seinen Arbeitsauftrag bewusst falsch zu verstehen. Das bot sich gut an, denn der Brauer besaß einen Hund namens Hopf. Wir erinnern uns an die Aufgabe Eulenspiegels: „Siede den Hopfen“.

Was das Sprichwort aussagt

Bestimmt haben Sie nun schon eine gewisse Vorahnung, in welche Richtung die Geschichte geht. Anstatt den Bierhopfen in den Topf beizufügen, nimmt er den kleinen Hund namens Hopf. Eulenspiegel überlegt nicht lange und schmeißt kurzerhand den falschen „Hopf“ in das siedende Wasser.

Als der Bierbrauer wiederkam und erfuhr, dass sein Hund nicht mehr quicklebendig im Haus war, wurde er ziemlich wütend. Eulenspiegel war sich keiner Schuld bewusst und betonte, er habe seine Anweisungen akkurat ausgeführt, mit einer Liebe zum Detail oder eben zur Wortwörtlichkeit. Daraufhin wurde er gekündigt und musste die Brauerei sofort verlassen.

Obwohl Till Eulenspiegel den Hund also eigentlich in einen Topf anstatt eine Pfanne warf, findet sich das Sprichwort seitdem im deutschen Sprachgebrauch. Es wird oft verwendet, wenn man die Absurdität oder Verrücktheit, Wunderlichkeit einer Situation zum Ausdruck bringen möchte.1

Till Eulenspiegel – ein Mythos?

Ob es Till Eulenspiegel wirklich gab, ist eines der großen historischen Rätsel. Bislang gibt es keine Evidenz, dass der Schelm wirklich gelebt hat. Einigen Quellen zufolge ist er um 1300 im Braunschweiger Land geboren und trieb sein Unwesen bis zu seinem Tod im Jahre 1350. Seine Geschichten trugen ihn in die weite Welt – von Belgien bis nach Tschechien. Die meisten Geschichten über ihn spielen sich in den nördlichen Bundesländern Deutschlands ab.

Bis heute fasziniert er mit seinen Geschichten und zaubert von Alt bis Jung ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht. Zahlreiche Theaterstücke, Filme und Bücher gibt es über und mit ihm. Manche lernten ihn sogar schon in der Schule im Deutschunterricht kennen.

In den von Hermann Bote 200 Jahre später verfassten Historien lernt man Till Eulenspiegel als Narr, Zechenpreller, Gauner und Gelegenheitsarbeiter kennen. Obwohl seine Streiche überwiegend etwas gemein und hinterhältig wirken, zeichnet er sich eigentlich durch sein spitzfindiges Denkvermögen und tückischen Scharfsinn aus.

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Eigentlich sind seine Streiche und Geschichten sogar mit einem größeren Sinn verbunden. Er ist eine Art mittelloser Robin Hood: Denn seine drolligen Streiche bekommen nur besonders Reiche, also der Adel, oder aber der Klerus – also der Kirchenadel – zu spüren. Das Ziel ist eigentlich, Kritik an Missständen auszuüben und diese auf humorvolle Art und Weise zu verpacken. 2

Ob es sich bei dem Hund, der in der Pfanne verrückt wurde, auch um eine Metapher handelt, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Dem Siegeszug der Redewendung hat es aber auf keinen Fall geschadet.

Fun Fact: Das Wort Eulenspiegel ist aus dem Plattdeutschen und wurde früher „Ulenspeygel“ geschrieben. Wiederum setzt sich dieses aus den Wörtern „ulen“ für „reinigen“ und dem Wort „spiegel“, welches in der Jägersprache verwendet wird und so etwas wie Hinterteil heißt, zusammen. Zusammengesetzt ergibt das ein ziemlich vulgäres Sprichwort, das mit dem Belecken eines Hinterteils zu tun hat. 3, 4

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt – Redewendung oder Sprichwort?

Beim nächsten Mal, wenn Sie dieses Sprichwort hören, wissen Sie also, woher es stammt. Aber ist es wirklich ein Sprichwort oder nicht vielleicht doch eine Redewendung? Die Antwort ist ganz klar: „Es kommt darauf an.“ Wäre auch mächtig schade, wenn es sich die deutsche Sprache einfach machen würde. Und wenn wir schon von Hunden in Pfannen und deren Ursprung reden, dann leisten wir uns doch auch einen Blick in die Terminologie dahinter.

Sprichwörter sind feststehende Sätze: Sie sind abgeschlossen und stehen für sich allein. Redewendungen hingegen sind Wortgruppen, die in Sätzen eingefügt werden können. Bei „Da wird der Hund in der Pfanne verrückt“ handelt es sich um einen Hybrid.5

Beispiele:

Sprichwort: Julia sagt: „Ich habe gestern im Lotto gewonnen.“ Romeo antwortet erstaunt: „Da wird der Hund in der Pfanne verrückt!“

Redewendung: Julia sagt: „Vogelsträuße halten Menschen für attraktiv? Da wird der Hund in der Pfanne verrückt, was es nicht alles gibt!“

Ob das mit den Straußen wirklich stimmt, erfahren Sie hier: Studien beweisen, dass Strauße Menschen tatsächlich attraktiv finden. Und wenn Strauße nun auch noch anfangen, Hunde in Pfannen zu verrücken – dann ist es wohl endgültig Zeit, sich selbst zu kneifen.

Quellen

  1. damnick.de, „Till Eulenspiegel – Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Lande Braunschweig. (Wie er sein Leben vollbracht hat.)“ PDF-Dokument ↩︎
  2. geo.de, „Da wird der Hund in der Pfanne verrückt“, (aufgerufen am 04.09.2025) ↩︎
  3. moelln-tourismus.de, „Till Eulenspiegel“, (aufgerufen am 04.09.2025) ↩︎
  4. till-eulenspiegel.de, „Wer war Till Eulenspiegel?“ (aufgerufen am 04.09.2025) ↩︎
  5. de.pons.com, „Sprichwort vs. Redewendung“ (aufgerufen am 04.09.2025) ↩︎

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