9. September 2025, 14:02 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Jedes Jahr werden deutschlandweit Hunde durch Giftköder schwer verletzt oder sterben sogar – und die Gefahr scheint zuzunehmen. Eine aktuelle Auswertung der App „Dogorama“ zeigt, wo die Bedrohung für Hunde besonders hoch ist. Allein 2025 wurden Hunderte neue Giftköder gemeldet. Auffällig: Vor allem eine Großstadt liegt ganz vorn bei den Zahlen der Meldungen. Was das für Hundebesitzer bedeutet.
Großstädte im Fokus: Hier ist das Risiko für Hunde besonders hoch
Wie viele Hunde jährlich durch Giftköder sterben, ist nicht genau bekannt, da es keine offiziellen Statistiken gibt. Orientierung bietet jedoch die jährlich veröffentlichte Auswertung der App „Dogorama“. Nutzerinnen und Nutzer können über die App deutschlandweit Giftköder oder Verdachtsfälle melden. In diesem Jahr ist die Zahl der Meldungen erneut deutlich gestiegen, wie die Dogorama-Redaktion in einer Pressemitteilung mitteilt.
Besonders häufig seien Vorfälle in Großstädten gemeldet worden – ein gefährlicher Trend für Hundehalter. Seit Mitte 2021 wurden folgende Zahlen erfasst:
- Berlin: 1336 Meldungen (280 mehr als im Vorjahr)
- Hamburg: 850 Meldungen (plus 151)
- München: 539 Meldungen (plus 127)
- Köln: 506 Meldungen (plus 117)
- Leipzig: 318 Meldungen (plus 72)
Ebenfalls unter den Top-10 sind Dortmund (245 gemeldete Giftköder), Hannover (244), Braunschweig (218), Essen (213) und Bremen (213).
Berlin mit Abstand auf 1. Platz
Berlin liegt mit großem Abstand an der Spitze der gemeldeten Giftköder im Jahr 2025 und bestätigt damit seinen traurigen Ruf als gefährlichste Stadt Deutschlands für Hunde. Die Gründe hierfür sind vielfältig, wie Jan Wittmann, Gründer der Dogorama-App, auf Anfrage von PETBOOK erklärt. „Zum einen ist die Hundedichte in der Hauptstadt besonders hoch – je mehr Hunde unterwegs sind, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Vorfälle bemerkt und gemeldet werden.“
Hinzu käme die typische Dynamik einer Großstadt, so Wittmann. „Viele Menschen leben auf engem Raum, es gibt weniger Ausweichmöglichkeiten, Spannungen und Konflikte treten schneller zutage. Manche greifen dann leider zu extremen Mitteln, wie dem Auslegen von Giftködern.“
Gleichzeitig sollte man berücksichtigen, dass die Hundebesitzer heute deutlich besser vernetzt seien. So verbreiten sich Informationen über Giftköder durch Social Media, Apps und lokale Gruppen schnell. Zudem seien Hundehalter wachsamer geworden: „Sie wissen, wie Vergiftungsanzeichen aussehen, worauf sie achten müssen und melden verdächtige Funde konsequenter“, wie Wittmann ausführt. Daher sei schwer zu sagen, ob die Zahl der Giftköder tatsächlich steigt – oder ob wir heute einfach genauer hinschauen und Vorfälle besser dokumentiert werden.
Dunkelziffer hoch
Die Auswertung erfasst nur die im Jahr 2025 über die App gemeldeten Giftköder. Wittmann und sein Team gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer nach wie vor hoch ist. „Zwar wird sie mit der Zeit vermutlich kleiner, weil Hundebesitzer immer besser aufgeklärt sind, verdächtige Funde häufiger melden und durch Apps oder soziale Medien schneller informiert werden. Trotzdem gibt es sicher noch viele Fälle, die unentdeckt bleiben oder gar nicht gemeldet werden. Daher schätze ich die Dunkelziffer persönlich immer noch als deutlich hoch ein.“
Diese Giftköder sind besonders gefährlich
Die Dogorama-Statistik umfasst ausschließlich bestätigte Giftködermeldungen – andere Hinweise, wie ausgelegtes Futter oder Tierkadaver, werden nicht berücksichtigt. Die Bandbreite der Köder sei erschreckend, heißt es in der Pressemitteilung von Dogorama vom 8. September 2025. „Täter setzen auf präparierte Fleischstücke wie Hackbällchen oder Wurst, die mit Rattengift, Schneckenkorn, Frostschutzmittel oder Betäubungsmitteln versetzt sind.“
Besonders häufig würden Giftköder gemeldet, die mit Rattengift präpariert sind, wie Jan Wittmann auf PETBOOK-Nachfrage mitteilt. Außerdem tauchten immer wieder präparierte Lebensmittel auf – etwa Wurststücke, Fleischbällchen oder Brot, in die Rasierklingen, Nägel oder scharfkantige Gegenstände eingearbeitet wurden. Diese verursachen beim Verschlucken schwere innere Verletzungen und sogar den Tod.
„Immer wieder erreichen uns Meldungen, bei denen ein oder sogar mehrere Hunde gestorben sind“, sagt Wittmann. „Das nimmt mich persönlich sehr mit, denn ich habe selbst eine Beagle-Dame namens Emma. Die Vorstellung, sie auf so eine Weise zu verlieren, ist mehr als schrecklich.“
Rattengift Alpha-Chloralose noch immer präsent
Im vergangenen Jahr wurde laut Wittmann vermehrt das Rattengift Alpha-Chloralose gemeldet (PETBOOK berichtete). Das sei auch bei den gemeldeten Giftködern von 2025 der Fall. Das Problem ist allerdings, dass dieses Mittel oft in Form von weißem Pulver verstreut wird, führt der Gründer der App aus. Ohne eine genaue Untersuchung ließe sich nicht sofort feststellen, ob es sich wirklich um Gift handelt oder nicht. Gerade deshalb waren die Meldungen anfangs sehr hoch gewesen. „Inzwischen haben sie etwas abgenommen, sind aber weiterhin deutlich sichtbar und für Hundebesitzer ein großes Thema.“
Zu dieser Jahreszeit gibt es besonders viele Giftködermeldungen
Besonders viele Warnungen gehen in den Sommermonaten beziehungsweise in den warmen Jahreszeiten ein, teilt Wittmann mit. „Das liegt vor allem daran, dass dann generell mehr Menschen draußen unterwegs sind.“ Zwar gingen Hundebesitzer das ganze Jahr über spazieren, doch in den warmen Monaten treffe man zusätzlich auf viele Menschen, die ohne Hund im Park oder in Grünanlagen unterwegs sind. „Dadurch steigt das Konfliktpotenzial, Reibungen nehmen zu – und in der Folge leider auch die Zahl der Giftködermeldungen.“
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Warnsystem per App: So funktioniert das Giftköder-Radar
Das sogenannte Giftköder-Radar ist Teil der kostenlosen Dogorama-App. Nutzer können dort Funde melden, den genauen Standort auf einer Karte eintragen und Bilder hochladen. Eine künstliche Intelligenz prüft die Meldungen vor der Veröffentlichung. Denn theoretisch könnten Leute auch gezielt Giftköder melden, um Hundehalter aus bestimmten Gebieten fernzuhalten.
„Diese Aussage können wir so nicht bestätigen“, klärt Wittmann auf. Natürlich gebe es – wie überall – auch bei Giftködermeldungen die Gefahr von Falschinformationen. Das sei im Grunde aber nichts anderes als im „echten Leben“, wenn einem beim Gassigehen etwas erzählt wird: Auch da brauche es gesunden Menschenverstand.
„Wir bei Dogorama prüfen jede Meldung mit verschiedenen Methoden. Dazu gehört eine Plausibilitätsprüfung, wir achten auf mögliche Dubletten und überprüfen, ob Bilder bereits anderweitig im Internet kursieren. So stellen wir sicher, dass die Meldungen so zuverlässig wie möglich sind.“ In manchen Fällen werde die Meldung zusätzlich durch einen Mitarbeiter überprüft, um Fälschungen auszuschließen. Eine absolute Sicherheit gebe es allerdings nie, so Wittmann.
So meldet man Giftköder
Wer keinen Zugang zur App hat, kann Funde auch über die Website von Dogorama melden. Der Fundort lässt sich dabei recht präzise auf der Karte eintragen – ein großer Vorteil für Hundehalter in Großstädten, die gezielt gefährdete Straßen meiden oder dort besonders wachsam sind.
Wenn tatsächlich eine Gefahr besteht, sollte man die Meldung unbedingt auch an die Polizei weitergeben, rät Wittmann. Allerdings seien die Chancen, dass es zu Ermittlungen kommt, oft eher gering – solange kein konkreter Schaden entstanden ist. „Untersuchungen, ob es sich tatsächlich um Gift handelt, werden in der Regel nur dann vorgenommen, wenn bereits etwas passiert ist.“ Trotzdem gilt: Im Zweifel lieber die Behörden informieren, damit der Vorfall offiziell dokumentiert ist.
