25. März 2026, 17:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Man kennt ihn als den Mann fürs Grobe: Frank Kessler (64) verkörpert in deutschen TV-Produktionen wie „Tatort“, „Alarm für Cobra 11“ oder an der Seite von Uwe Ochsenknecht in „Die Drei von der Müllabfuhr“ meist den unnachgiebigen Antagonisten oder den kernigen Typen. Mit langen weißen Haaren, markantem Bart und Kampfsportler-Statur wirkt er wie ein Gangsterboss. Doch wer den Schauspieler privat in seiner Rostocker Wahlheimat trifft, erlebt eine Überraschung: An der Leine des 1,83-Meter-Mannes trippelt kein gefährlicher Wachhund, sondern Bolonka-Zwetna-Hündin Daisy – seinem „Herzblatt“.
Vom „überforderten“ Anfänger zum Hundeprofi
Ein kräftiger Mann und dann so ein kleiner Hund an der Leine – sorgt das nicht manchmal für komische Blicke? Kessler lacht. „Wir haben uns im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht, welcher Hund in unseren Alltag passt“, erklärt er im PETBOOK-Interview. „Wir wohnen in einer Remise mitten in der Rostocker Altstadt und sind viel unterwegs. Das freundliche, anhängliche Wesen des Bolonka hat uns sofort überzeugt.“
Dabei war der Start alles andere als ein Selbstläufer. Für Kessler, der sich selbst als Freigeist beschreibt, war die Umstellung radikal: „Ich hatte, bis ich mit Doreen zusammenkam, keine eigenen Kinder und war es immer gewohnt, machen zu können, was ich will. Auch hier musste ich erstmal lernen, Verantwortung zu übernehmen.“
„Ich war komplett überfordert“
„Als Daisy als Welpe zu uns kam und ich mit ihr allein in Berlin war, während meine Frau in Rostock arbeitete, war ich komplett überfordert. Ich hatte plötzlich keine Flexibilität mehr.“ Die Verzweiflung ging so weit, dass er seine Frau Doreen anrief und sagte: „Ich kann das nicht, wir müssen den Hund wieder abgeben!“
Doch Doreen blieb hart – zum Glück. Heute, fast zehn Jahre später, ist Daisy aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken. „Heute brauche ich das geradezu, dass sie bei mir ist“, gibt er offen zu.
Disziplin aus dem Kampfsport – Führung ohne Hundeschule
Obwohl Kessler nie eine Hundeschule von innen gesehen hat, tritt er heute als echter Hundekenner auf. Klassisches Training nach „Schema F“ sieht er skeptisch: „Viele Trainer arbeiten starr nach Regeln, anstatt erst einmal Hund und Halter zu beobachten. Das ist der falsche Weg.“
Seine eigene Erziehungsmethode basiert auf seiner Vergangenheit als Kampfsportler und -lehrer. „Diese Mentalität – Disziplin, das Denken in Regeln, Rechten und Pflichten – hilft enorm. Man hat diese Einstellung einfach verinnerlicht.“ Gerade bei „süßen kleinen Hunden“ sei Konsequenz entscheidend. Kessler ist überzeugt: „Ein Bolonka hat denselben Charakter wie ein großer Hund. Wenn die Führung fehlt, übernehmen sie sofort die Rolle des Chefs.“
Daisy am Set: Die „Deutsche Dogge“ im Mini-Format
Tatsächlich bezeichnet Kessler sein Herzblatt liebevoll als „Deutsche Dogge im Körper einer Fußhupe“. Daisy ist furchtlos und perfekt in den Alltag integriert. Ob im Restaurant oder bei Dreharbeiten – die Hündin weiß genau, wann sie auf ihrer Decke zu bleiben hat. Sogar im Schlossparktheater stand sie schon mit auf der Bühne und wartet bei Proben geduldig in der Garderobe.
In der Rostocker Innenstadt lässt er sie oft frei laufen, denn das Vertrauen zwischen den beiden sei blind. Dabei fungiert Kessler für seine 3,8-Kilo-Hündin als eine Art „menschlicher Schutzschild“. „Ich bin dann wie ein kleiner Sendeturm, habe alle Sinnesorgane offen, um sie vor Gefahren zu schützen“, erklärt er. Schließlich wisse er um ihre Zerbrechlichkeit gegenüber größeren, aggressiven Artgenossen.
Darum sind die meisten Hundetrainer im TV männlich
Autorin erklärt: „Warum ich klassisches Hundetraining heute ablehne“
Wenn der Wolf im Bolonka erwacht
Trotz aller Disziplin darf der Spaß nicht zu kurz kommen. Kessler verrät ein süßes Geheimnis: Daisy hat eine sehr „wölfische“ Seite. Bei bestimmten Musikstücken oder wenn sie jemanden sucht, fängt sie an zu jaulen. „Dann mache ich oft mit“, gesteht der Schauspieler schmunzelnd. Auch für die geistige Auslastung wird gesorgt: Statt sinnloser Tricks muss Daisy in der dreistöckigen Remise Leckerlis suchen – Nasenarbeit ist Pflicht.
Die Rollenverteilung im Hause Kessler ist dabei klar geregelt: „Ich bin für Daisy der Kumpel, unsere Töchter Therese und Annabell sind die Schwestern und meine Frau Doreen ist der Chef.“ Das zeigt sich besonders im Spiel: Wenn Kessler mit Daisy „kämpft“ und die Ehefrau interveniert, ist sofort Ruhe. Der Respekt vor der „Chefin“ sitzt.
Ein Herz und eine Seele
Ob bei kleinen Wehwehchen, die mit Globuli kuriert werden, oder beim gemeinsamen Entspannen nach einem langen Drehtag: Frank Kessler und seine Daisy sind das beste Beispiel dafür, dass Optik eben nicht alles ist. Unter der harten Schale des „Bösewichts“ schlägt ein ganz großes Herz für einen ganz kleinen Hund.
TV-Tipp: Wer Frank Kessler (diesmal ohne Daisy) in Aktion sehen will: Am 27. März ist er wieder in seiner Paraderolle als „Specki“ in der ARD-Reihe „Die Drei von der Müllabfuhr“ zu sehen.