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Erfahrungsbericht

Autorin erklärt: „Warum ich klassisches Hundetraining heute ablehne“

Klassisches Hundetraining
Der allgemeinen Meinung nach ist klassisches Hundetraining empfehlenswert. Doch es gibt auch andere Ansichten. Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

17. Oktober 2025, 11:13 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

PETBOOK-Autorin Laura Pomer wollte bei ihrer ersten Hündin alles richtig machen. Sie nahm zahlreiche Termine für Hundetraining wahr, doch heute würde sie es ganz anders angehen. Hier erzählt sie, wie ein sogenannter Hundeflüsterer ihr näherbrachte, wie einfach es mit Hunden laufen kann, wenn man versucht, sie zu verstehen.

Meine Hündin ist ein Chihuahua-Foxterrier-Mischling aus dem Tierheim. Sie ist klein und wahrscheinlich das süßeste Tier der Welt. Die meisten Menschen sehen es ihr daher nicht nur nach, wenn sie an ihnen hochspringt, sondern finden es niedlich. Auch ihr forderndes Fiepen und Wimmern wird meist mit Wohlwollen aufgenommen. Wenn man aber mal ehrlich ist, geht ein solches Verhalten natürlich gar nicht.

Wer heue einen gut erzogenen Hund möchte, kommt – nach moderner Ansicht – nicht an einem Trainer oder einer Trainerin vorbei. Ich habe es mit beidem probiert. Inzwischen hat sich meine Meinung zu dem Thema klassisches Hundetraining sehr geändert und ich folge einem völlig anderen Ansatz.

Welcher Hundetrainer ist der richtige? Die Auswahl ist riesig

Bei der Wahl des Hundetrainers fängt das Problem schon an. Zahllose Personen und Unternehmen bieten klassisches Hundetraining an – online sowie offline. Der erste Kontakt mit einer offenbar selbsternannten Hundetrainerin fand damals direkt vor meiner Haustür statt. Die Frau sprach mich auf meine Hündin an, nach kurzem Smalltalk stellte sie sich als Hundetrainerin vor und sagte, sie könne schon am nächsten Tag vorbeikommen. Eine Stunde: 50 Euro. Das war verglichen mit anderen Trainern recht wenig – vielleicht zu wenig? Ich lehnte ab.

Später verabredete ich mich mit einer Trainerin, die mir empfohlen worden war, und bei Google gute Bewertungen hatte. Ich bekam die Grundlagen erklärt, und dazu gehörte offenbar in nahezu jeder Situation die Vergabe von Leckerli. Zur Belohnung? Leckerli. Zur Angstbekämpfung? Leckerli. Fürs Alleinsein-Üben? Richtig – auch wieder Leckerli.

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„Feiiiiiiinnn!!!” hallte es nur so durch den Wald

Nach drei Terminen sollte ich also die Basics beherrschen. Oft war ich mir aber unsicher, wie ich mich verhalten sollte. Also entschied ich mich zur Teilnahme an Gruppentrainings-Stunden mit einem offiziellen Hundetrainer, der zudem selbst Trainer ausbildete. Vor jedem dieser samstäglichen Termine packte ich große Mengen an Leckerli ein – für besondere Leistungen (z. B. erfolgreiches Balancieren über einen Baumstamm) mussten die tollen, großen Leckerlis her –, und doch reichten sie nie aus. Man half mir regelmäßig aus.

Neben dem Bombardement mit Snacks war ein weiterer wichtiger Bestandteil dieses Unterrichts der typische Singsang. Bedeutet: Ein Befehl sollte in einem möglichst bestimmten Ton gegeben werden. Folgte der Hund ihm, musste man blitzschnell die Stimme in die höchsten Oktaven schrauben. „Feiiiiiiinnn!!!” hallte es nur so durch den Wald. Je höher und quiekender, desto besser.

Ich bestreite nicht, dass klassisches Hundetraining funktioniert

Wer sich ein wenig mit dem Thema befasst hat, weiß sicherlich, dass das klassische Hundetraining seinen Ursprung bei Arbeits-, Jagd- und Polizeihunden hat. Dort standen Gehorsam und Kontrolle im Vordergrund. Später wurden psychologische Konzepte wie die klassische und die operante Konditionierung eingeführt. Hunde lernen durch Belohnung, Bestrafung oder die Verknüpfung von Reizen.

In vielen Hundeschulen wird noch heute eine Kombination aus Befehlen, Leckerlis und Lob eingesetzt, oft begleitet von hochgestimmtem Singsang. Moderne Trainingsansätze setzen hingegen stärker auf positive Verstärkung, Motivation und eine vertrauensvolle Bindung zwischen Hund und Halter.

Doch nur weil Hundetraining funktioniert, heißt das nicht automatisch, dass man es anwenden muss. Das lernte ich nach meinem ersten Gespräch mit einem sogenannten Hundeflüsterer – zugegeben, eine kitschige Bezeichnung, die auch er selbst nur mit Mühe über die Lippen bringt. Vielleicht könnte man ihn eher als Anwalt der Hunde bezeichnen, was nun nicht weniger albern klingt, aber seiner „Mission“ zumindest gerecht wird.

Der Mann hat in Folge unschöner Ereignisse in seiner Kindheit rund 14 Jahre auf der Straße gelebt, so wie unzählige Straßenhunde in Serbien auch. Hunde waren seine Gesellschaft – er hat sie quasi aus der Not heraus studiert und verstehen gelernt. Sein Wissen hat ihm nicht nur Hunde für ihre reine, harmoniebedürftige Natur schätzen gelehrt. Er wendet es heute an, um Hundehaltern einen artgerechten Umgang mit ihren Vierbeinern zu lehren.

Vor Vertrauen kommt Respekt

Kurz gesagt, basiert der Ansatz „meines“ Hundeflüsterers auf der Rudelführer-Theorie. In der Kommunikation kann man auf Sprache vollständig verzichten. Das leuchtet ein, findet Sprache in der Tierwelt von Natur aus nicht statt. Stattdessen geht es um Energie und Körpersprache. Der Rudelführer – und dies sollte der Halter sein – muss Ruhe, Fokus und Präsenz ausstrahlen. Das hat für den Hund nicht zuletzt den Vorteil, folgen zu können. Vor Vertrauen kommt Respekt, so eine meiner Lektionen. Das Ganze ähnelt sehr dem Ansatz des US-Amerikaners Cesar Millan alias Dog Whisperer.

Am wichtigsten scheint es zu sein, den Hund als das zu betrachten, was er ist: einen Hund. Ein Tier mit Instinkten, Bewegungsdrang und auch einem Bedürfnis nach einer klaren Rangordnung. Ein Beispiel aus dem Alltag: Kommt meine Hündin völlig unausgelastet auf die Wiese, bellt sie erst mal alles zusammen. Dies liegt einerseits daran, dass sie sich vorher nicht ausgepowert habe – die ganze Energie ist angestaut und sie weiß gar nicht, wohin damit.

Auch habe ich sie nicht angeführt. Ich habe sie einfach drauflos preschen lassen – sie ist überfordert mit ihrer Freiheit und hat offenbar auch das Gefühl, mich vor dem Unbekannten (z. B. dem lesenden Mann mit Kappe auf seiner Decke) beschützen zu müssen. Das ist nicht ihr Job. Wenn ich will, dass mein Hund mit mir lebt – in einer Wohnung in Berlin-Mitte statt in einem Rudel in der Natur –, dann muss ich ihr insofern gerecht werden, als ich ihr zumindest das Unterordnen erleichtere.

Konditionierung zerstört die natürlichen Instinkte des Hundes

Konditionierung, also das Lernen durch Belohnung oder Bestrafung, führe dazu, dass Hunde nicht mehr instinktiv handeln – so zumindest hat es mir der Hundeflüsterer erklärt. Demnach erwarten wir Menschen dadurch, dass sie sich so verhalten, wie wir es vielleicht von unsereins erwarten würden.

Schätzungsweise seit Zehntausenden von Jahren werden Hunde bereits domestiziert. Und klar, Haushunde leiden vermutlich nicht darunter, Leckerli zu erhalten. Es sei denn natürlich, man übertreibt es und sie bekommen dadurch gesundheitliche Probleme wie Übergewicht. Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob er den moderneren Ansatz befolgen und – vielleicht ja sogar überzeugt – eine Art Kinderersatz an der Leine führen möchte. Daneben legen viele Menschen Wert darauf, dass Hunde Sitz und Platz machen, wenn sie dazu aufgefordert werden, Pfötchen geben und darüber hinaus womöglich so manches Kunststückchen beherrschen. Kurz gesagt, dass der Hund das Erstaunliche kann: Worte verstehen und darauf reagieren.

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Sollte man gar nicht mehr mit dem Hund sprechen?

Sprechen mit dem Hund ist eine Sache für sich. Ja, ich gestehe: Ich tue es auch – wenn auch deutlich weniger als früher. Ich erzähle meiner Hündin, wie süß sie ist, und kündige es an, wenn wir gleich hinausgehen. Auch wenn ich eigentlich weiß, dass das für die Tiere gar nicht so richtig angenehm sein kann. Schließlich empfinde auch ich es eher als Belästigung, wenn mich jemand in einer völlig fremden Sprache zutextet. Dabei handelt es sich in diesem Fall zumindest um das gleiche System der Kommunikation. Hunde nutzen andere kommunikative Verhaltensweisen, wenn sie dürfen.

Mein Wunsch ist ein selbstständiger und entspannter Hund

Anderen wiederum ist eher daran gelegen, dass der Hund ruhig und entspannt ist – ob er nun den Po auf dem Boden absetzt oder nicht. Dass er folgt, wenn man es ihm bedeutet, und tatsächlich auch, dass er selbstständig ist. Die erste Trainerin, mit der ich damals gearbeitet habe, erklärte mir, dass ich meiner Hündin Situationen, in denen sie sich fürchtet, mit Leckerli buchstäblich schmackhaft machen soll. Sie verbinde dann positive Gefühle mit dem vermeintlich Bedrohlichen. Doch Emotionen mit Futter wegtrainieren – wie soll das gehen?

Nach meinem Hundeflüsterer wäre der richtige Weg, vor dem ängstlichen Hund ruhig und sicher zu agieren. Ihn nicht zu trösten – das würde ihn ja nur in seiner Unsicherheit bestätigen –, sondern durch ruhige Energie und Führung zu zeigen, dass es keinen Grund für Angst gibt. Aus diesem Grund soll man den Hund auch nur dann streicheln, wenn er entspannt ist. Denn dieses Gefühl gilt es, zu bestätigen.

Ich maße mir nicht an, die Philosophie in voller Gänze und absolut korrekt wiederzugeben. Ich will selbst noch möglichst viel vom Hundeflüsterer lernen. Und natürlich verurteile ich es nicht, wenn andere auf klassisches Hundetraining setzen, sprich mit Leckerli, positiver Bestärkung und Ähnlichem arbeiten möchten. Man ist so an das Prinzip gewöhnt – tatsächlich ist es ohne Hilfsmittel zunächst etwas schwieriger. Doch wenn man erst verinnerlicht hat, dass nicht der Hund trainiert werden, sondern der Mensch in seiner Kommunikation klar und anleitend sein muss – dann läuft es auf ein Mal. Für mich und meine Maggie ist es jedenfalls der richtige Weg.

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