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Hundeexpertin klärt auf

Diese Fehler machen viele bei der Auswahl eines Welpen

Labradorwelpe
Expertin Katharina Marioth erklärt, was Sie beim Welpenkauf unbedingt beachten sollten. Foto: Getty Images
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29. Oktober 2025, 16:58 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Ein Hund soll einziehen. Allein dieser Gedanke löst bei vielen Menschen ein Kribbeln im Bauch aus. Die Vorfreude ist riesig, Bilder von tapsigen Pfoten und glänzenden Augen entstehen im Kopf. Doch genau hier lauert die größte Gefahr: Entscheidungen, die aus Emotionen heraus getroffen werden. Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, was Sie dabei beachten sollten.

Diese emotionalen Fallen lauern beim Welpenkauf

Die Auswahl eines Welpen ist weit mehr als eine romantische Momentaufnahme. Ein gesunder, gut sozialisierter Welpe wächst in eine Familie hinein, als wäre er schon immer da gewesen. Ein überstürzter Kauf, ein Hund aus fragwürdigen Verhältnissen oder eine Rasse, die gar nicht zum Lebensstil passt, können dagegen zu enormem Stress führen – für alle Beteiligten. Das sind meiner Erfahrung nach die drei größten Fehler beim Welpenkauf:

Fehler 1: Welpen aus Mitleid kaufen

Einer der häufigsten Fehler bei der Welpenauswahl ist Mitleid. Da sitzt der kleine Rüde im Hinterhof, mit schmutzigen Pfoten und traurigen Augen, und alles in uns schreit: „Den muss ich retten!“ Dieses Gefühl ist zutiefst menschlich, aber kein guter Ratgeber. Wer wirklich helfen will, muss an der richtigen Stelle ansetzen: bei Aufklärung, bei seriösen Anbietern, bei Spenden an echte Tierschutzorganisationen.

Fehler 2: Ein Welpe ist kein neues Kuscheltier

Ein zweiter Fehler bei der Welpenauswahl ist die reine Optik. Niedliche Kulleraugen, ein wuscheliges Fell, die „Kindchen-Schema-Falle“ – und schon wird vergessen, dass hinter diesem Fellknäuel ein Hund steckt, der rassetypische Eigenschaften mitbringt. Ein Jack Russell wird nicht zum Sofahelden, nur weil er so süß in den Armen liegt. Ein Malinois bleibt kein Kuscheltier, weil er als Welpe aussieht wie ein zu groß geratener Schäferhund-Plüschbär. Wer Rasse-Eigenschaften ignoriert, handelt fahrlässig.

Fehler 3: Zu wenig Kapazitäten für einen Hund

Auch die eigene Lebenssituation wird häufig ausgeblendet. „Ein Hund passt schon irgendwie rein“ – dieser Satz führt später zu Überforderung. Beruf, Wohnsituation, Bewegungsangebot, Urlaubsplanung: All das sollte vorab ehrlich hinterfragt werden. Es geht nicht darum, dass nur Menschen mit Haus und Garten Hunde halten dürfen. Aber es geht darum, realistisch zu prüfen, wie der Alltag mit Hund aussehen kann. Ein Welpe ist kein Puzzlestück, das man zwischen Job, Kinderhobbys und Freizeitstress quetscht. Er benötigt Zeit, Geduld, Training – und das über Monate hinweg.

Die Gefahr durch Welpenmafia und Onlineportale 

Ein besonders großes Risiko liegt im Kauf über Onlineplattformen. Inserate, die mit professionellen Fotos und herzzerreißenden Texten locken, entpuppen sich oft als Masche der sogenannten Welpenmafia. Diese Hunde stammen häufig aus Osteuropa, werden unter katastrophalen Bedingungen gezüchtet und viel zu jung von den Muttertieren getrennt. Transportiert werden die Welpen in engen Kisten, ohne Impfungen, ohne Sozialisation – und am Ende mit gefälschten Pässen zu „Schnäppchenpreisen“ angeboten.

Die Folgen sind dramatisch: Viele dieser Welpen sind schwer krank, leiden unter Parvovirose, Giardien oder massiven Verhaltensstörungen. Sie sterben oft wenige Tage nach dem Kauf, trotz teurer Tierarztbehandlungen. Und wenn sie überleben, tragen sie gesundheitliche Schäden oder Verhaltensprobleme davon, die das gesamte Hundeleben begleiten. Wenn Sie darüber mehr erfahren wollen, lesen Sie gerne den PETBOOK-Artikel zum Welpenhandel: „Das Problem beginnt bei uns Käufern“.

Ist das wirklich ein seriöser Züchter?

Besonders gefährlich sind Anzeigen, bei denen die Übergabe an „neutralen Orten“ erfolgen soll – auf Parkplätzen, Raststätten oder vor Wohnhäusern, in die Käufer nicht hineingelassen werden. Wer einmal auf solche Händler trifft, spürt oft, dass etwas nicht stimmt. Doch das Mitleid mit dem kleinen Hund siegt, und schon ist das Geschäft abgeschlossen. Genau deshalb ist es so wichtig, sich bewusst zu machen: Jeder Kauf bei dubiosen Anbietern hält dieses System am Leben. 

Ein guter Tipp: Seriöse Züchter oder Vereine drängen nie auf schnelle Entscheidungen. Wenn der Verkäufer Druck aufbaut („Der letzte Welpe, sonst ist er weg!“), ist Vorsicht geboten. Ein verantwortungsvoller Anbieter freut sich, wenn Interessenten kritisch nachfragen und sich Zeit nehmen. 

Vorsicht bei sogenannten „Ups-Würfen“ 

Auf Onlineportalen liest man immer häufiger von „Ups-Würfen“. Angeblich ist die Hündin „ungewollt gedeckt“ worden, und nun sollen die Welpen „schnell und günstig“ abgegeben werden. Das klingt nach einem harmlosen Versehen, nach ehrlichen Privatleuten – und weckt bei vielen Käufern Verständnis. Doch genau hier liegt die Falle: Hinter sehr vielen dieser Anzeigen steckt kein Versehen, sondern Kalkül. 

„Ups-Wurf“ ist oft nur ein beschönigendes Wort für planlose Vermehrung. Die Hunde wachsen ohne Gesundheitskontrollen, ohne Zuchtziel und häufig ohne ausreichende Sozialisation auf. Die Mutterhündin wird zum wiederholten Mal „versehentlich“ gedeckt, die Welpen landen online – meist ohne Verträge, ohne Impfungen, ohne tierärztliche Untersuchungen. Käufer zahlen bar, und schon ist die Verantwortung abgeladen.

Wenn Fehler bei der Welpenauswahl zu einem Risiko werden

Auch wenn es tatsächlich ein Unfall war, bleibt das Risiko hoch: Die Eltern sind nicht untersucht, mögliche Erbkrankheiten werden nicht berücksichtigt. Für den Käufer bedeutet das: ein unkalkulierbares Gesundheits- und Wesensrisiko, oft verbunden mit hohen Tierarztkosten und späteren Verhaltensproblemen.

Darum gilt: Ein „Ups-Wurf“ mag harmlos klingen, ist aber selten eine gute Grundlage für ein stabiles Hundeleben. Wer wirklich helfen will, sollte auch hier kritisch bleiben und sich fragen: Unterstütze ich mit meinem Kauf vielleicht genau das System, das ich eigentlich ablehne?

Woran erkenne ich seriöse Anbieter? 

Seriöse Züchter legen Wert auf Gesundheit, Wesen und Prägung. Sie geben die Welpen nicht zu früh ab, sie zeigen das Muttertier und die Aufzuchtbedingungen, sie beantworten Fragen ehrlich. Skepsis ist immer angebracht, wenn Treffen nur außerhalb des Wohnortes stattfinden sollen, wenn Unterlagen fehlen oder die Mutterhündin „gerade nicht da“ ist.

Ein gutes Zeichen ist, wenn der Züchter mehr Fragen stellt als der Käufer. „Wie leben Sie? Wie oft sind Sie zu Hause? Welche Hundeerfahrung bringen Sie mit?“ Das ist kein Misstrauen, sondern Verantwortungsbewusstsein. Ein Züchter, der nur verkaufen will, hat die Interessen der Hunde nicht im Blick. Ein Züchter, der genau prüft, ob Hund und Mensch zusammenpassen, ist dagegen ein wertvoller Partner. 

Auch im Tierschutz gilt: genau hinschauen, um Fehler bei der Welpenauswahl zu vermeiden. Ein seriöser Verein arbeitet transparent, macht Vorkontrollen, berät ausführlich und lässt Käufer nicht allein. Auch hier darf Mitleid nie das alleinige Entscheidungskriterium sein.

Auch interessant: Anschaffung eines Haustiers – besser aus dem Tierheim oder vom Züchter?

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Eine Checkliste für die Welpenauswahl 

Um sich auf einen neuen Vierbeiner bestmöglich vorzubereiten, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Passt die Rasse oder der Mix wirklich zu meinem Lebensstil? Und habe ich mich ehrlich informiert?
  • Habe ich Zeit und Geduld für die ersten Monate, die oft anstrengend sind?
  • Habe ich die finanziellen Mittel für Tierarzt, Versicherung, Futter, Training?
  • Ist meine Wohnsituation hundetauglich – auch im Hinblick auf Vermieter oder Nachbarn?
  • Habe ich ein stabiles Umfeld, das mich im Notfall unterstützen kann?
  • Bin ich bereit, 10–15 Jahre Verantwortung zu übernehmen?
  • Habe ich Zeit, meine Entscheidung zu überdenken?

Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, erkennt schnell, ob die Entscheidung von Verstand oder Bauchgefühl getragen wird. 

Was am Ende zählt

Am Ende geht es nicht darum, die Vorfreude auf einen Hund zu dämpfen. Im Gegenteil: Es geht darum, die Vorfreude mit Verantwortung zu verbinden. Wer sich bewusst entscheidet, wer Fehler bei der Welpenauswahl vermeidet und Kriterien ernst nimmt.

Zur Autorin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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