26. Mai 2026, 16:56 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein kleiner Welpe, der tapsig durchs Wohnzimmer läuft, oder ein Kaninchen, das neugierig aus dem Gehege schaut – viele Kinder möchten Tiere am liebsten sofort hochheben, drücken und herumtragen. Das ist verständlich, kann für die Tiere aber schnell gefährlich werden. Denn gerade junge Hunde und Kleintiere sind empfindlich, erschrecken leicht und können sich bei einem Sturz schwer verletzen.
Warum Hochheben für Tiere problematisch ist
Für viele Tiere bedeutet Hochheben vor allem eines: Kontrollverlust. Sie verlieren den Boden unter den Pfoten und können nicht selbst entscheiden, wohin sie gehen. Besonders Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen empfinden das oft als bedrohlich. In der Natur verlieren sie den Bodenkontakt meist nur dann, wenn sie von einem Fressfeind gepackt werden.1
Auch Welpen können sich erschrecken, wenn sie plötzlich von oben gegriffen werden. Sie zappeln, winden sich oder versuchen, herunterzuspringen. Genau dabei passieren viele Unfälle.
Verletzungsgefahr für Welpen
Welpen wirken robust, sind aber noch im Wachstum. Knochen, Gelenke und Bänder sind empfindlich. Werden sie falsch hochgehoben, etwa an den Vorderbeinen, unter den Achseln, am Nacken oder sogar am Schwanz, kann das Schmerzen verursachen und Verletzungen begünstigen. Möglich sind unter anderem Zerrungen, Verstauchungen, Prellungen oder im schlimmsten Fall Knochenbrüche und Schäden an Gelenken oder der Wirbelsäule. Besonders junge Hunde kleiner Rassen sind anfällig.
Besonders riskant ist es, wenn ein Kind den Welpen nicht sicher halten kann. Ein zappelnder Welpe kann schnell aus den Armen rutschen. Schon ein Sturz vom Sofa, vom Arm oder aus dem Stand kann für junge Hunde gefährlich werden und schwere Verletzungen verursachen.
Kinder meinen es meist gut, wenn sie einen Welpen hochheben möchten. Für den Hund kann das aber schnell zu viel werden. Welpen brauchen Schlaf, Rückzug und die Möglichkeit, selbst Kontakt aufzunehmen. Ein Welpe sollte nicht ständig herumgetragen werden. Er ist kein Kuscheltier. Wenn er schläft, frisst, an einem Spielzeug kaut oder sich zurückzieht, sollte er in Ruhe gelassen werden.
Wie hebt man einen Welpen richtig hoch?
Wenn ein Welpe hochgehoben werden muss, sollte das ruhig und sicher passieren. Am besten geht man in die Hocke, spricht den Welpen freundlich an und greift nicht plötzlich von oben nach ihm.2
Eine Hand stützt den Brustbereich direkt hinter den Vorderbeinen, die andere Hand umfasst das Hinterteil. Danach wird der Welpe nah an den eigenen Körper genommen. So fühlt er sich sicherer und kann nicht so leicht wegrutschen.
Beim Absetzen gilt: Den Welpen immer kontrolliert bis zum Boden führen. Er sollte nicht aus dem Arm springen dürfen.
Gerade kleinere Kinder sollten Welpen nicht selbstständig hochheben. Ihnen fehlt oft noch die Kraft, Ruhe und Körperkontrolle, um ein zappelndes Tier sicher zu halten. Besser ist es, wenn sich das Kind auf den Boden setzt und der Welpe auf den Schoß gesetzt wird – unter Aufsicht eines Erwachsenen. So kann das Kind Nähe erleben, ohne dass der Welpe abstürzt oder sich bedrängt fühlt.
Kleintiere sind besonders empfindlich
Bei Kaninchen, Meerschweinchen und anderen Kleintieren ist besondere Vorsicht geboten. Viele dieser Tiere mögen es grundsätzlich nicht, hochgehoben oder getragen zu werden. Sie reagieren mit Angststarre oder heftigen Fluchtbewegungen.
Kaninchen können sich beim Strampeln oder Fallenlassen schwer verletzen – etwa durch Knochenbrüche, Wirbelsäulenverletzungen oder Schäden an Gelenken und Hinterläufen. In schweren Fällen müssen Tiere nach einem Sturz sogar eingeschläfert werden. Meerschweinchen sind ebenfalls sehr empfindlich. Schon ein Sturz aus geringer Höhe kann zu Brüchen oder inneren Verletzungen führen.3
So geht der Umgang mit Kleintieren richtig
Kleintiere sollten nur hochgenommen werden, wenn es wirklich nötig ist – etwa für den Tierarztbesuch, einen Gesundheitscheck oder das Umsetzen in eine Transportbox. Zum Streicheln setzt man sich besser zu ihnen auf den Boden. Hilfreich ist es, Tiere freiwillig in eine Transportbox zu locken, zum Beispiel mit Futter. Das ist oft stressärmer und sicherer als Einfangen und Hochheben.
Kleintiere sollten immer mit beiden Händen hochgehoben werden, sodass Brust, Bauch und Hinterteil sicher gestützt sind. Am besten nimmt man sie nah an den eigenen Körper und hebt sie ruhig und langsam an, damit sie sich nicht erschrecken oder herausstrampeln. Niemals an Ohren, Beinen, Nackenfell oder anderen einzelnen Körperteilen hochheben. Das ist schmerzhaft und kann sogar tierschutzwidrig sein.
Auch interessant: Kaninchen richtig hochnehmen und tragen
Kaninchen richtig hochnehmen und tragen
Das richtige Haustier für mein Kind
Was Eltern beachten müssen
Eltern sollten Kindern von Anfang an erklären, dass Tiere eigene Bedürfnisse haben. Ein Tier darf nicht einfach gepackt, festgehalten, herumgetragen oder im Spiel bedrängt werden.
Wichtige Regeln sind:
- Kinder und Tiere nie unbeaufsichtigt lassen.
- Schlafende oder fressende Tiere nicht stören.
- Tiere nicht jagen, festhalten oder bedrängen.
- Streicheln nur ruhig und sanft.
- Hochheben nur durch Erwachsene oder unter direkter Anleitung.
Auch wenn ein Tier stillhält, bedeutet das nicht automatisch, dass es entspannt ist. Manche Tiere erstarren vor Angst.
Nähe ohne Hochheben
Kinder können auch ohne Hochheben eine schöne Beziehung zu Tieren aufbauen. Sie können sich auf den Boden setzen, Leckerlis anbieten, beim Füttern helfen, Spielzeug bereitlegen oder ruhige Streicheleinheiten üben.4
Gerade Welpen lernen so: Kinder sind angenehm, berechenbar und sicher. Das ist viel wertvoller als erzwungene Kuschelmomente mit Absturzgefahr.