17. November 2025, 17:22 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Einmal raus aus dem Alltag, Neues lernen – und den Hund einfach mitnehmen?Was nach Traum klingt, ist tatsächlich möglich: Immer mehr Anbieter in Deutschland öffnen ihre Seminare für Mensch-Hund-Teams. Ein Bildungsurlaub mit Hund vereint Lernen, Natur und Entspannung – erfordert aber auch gute Planung. PETBOOK erklärt, was erlaubt ist, was es kostet und worauf Sie achten sollten.
Was Bildungsurlaub überhaupt ist
In 14 Bundesländern haben Arbeitnehmer das Recht, sich bis zu fünf Tage pro Jahr für Weiterbildung freistellen zu lassen – bei voller Lohnfortzahlung. Der Kurs muss dafür von der jeweiligen Landesbehörde als Bildungsurlaub anerkannt sein. Die Themen reichen von Sprachen und Politik bis hin zu Gesundheit, Resilienz oder Stressprävention – und genau in dieser Kategorie finden sich auch erste Angebote mit Hund.
„Viele Menschen wollen ihren Hund einfach nicht zu Hause lassen, wenn sie sich weiterbilden“, sagt Dennis Drüke, Gründer des Bildungsreiseveranstalters Let’s Flow im Gespräch mit PETBOOK. „Wir hatten von Anfang an Anfragen von Menschen, die ihren Hund mitbringen wollten. Aber wir waren uns lange unsicher, ob das funktioniert. Wir bieten ja vor allem Anti-Stress- und Anti-Burnout-Kurse an – da fragt man sich natürlich: Wie soll das laufen, wenn da Hunde herumlaufen, während jemand meditiert?“
„Der Kurs war sofort ausgebucht“
Erst nach Jahren entschloss sich sein Team, das Thema ernsthaft anzugehen: „Wir haben irgendwann gesagt: Das Interesse ist da, und es wäre irgendwie auch diskriminierend, wenn wir Menschen mit Hund pauschal ausschließen. Schließlich haben auch sie Anspruch auf Bildungsurlaub – und viele stehen ständig vor der Frage: Wo bleibt der Hund, wenn ich mich weiterbilde?“
So startete im Oktober 2023 der erste hundefreundliche Anti-Stress-Kurs – mit zwei Hunden. „Der Kurs war sofort ausgebucht“, erinnert sich Drüke. „Beim zweiten Termin, eine Woche später, waren es schon vier Hunde. Und seitdem sehen wir: Unsere hundefreundlichen Kurse sind oft sogar besser gebucht als die ohne Hund.“
Darf der Hund wirklich überall dabei sein?
Mittlerweile gibt es verschiedene Anbieter für Bildungsurlaub mit Hund. Dabei lohnt es sich, genau hinzuschauen, denn nicht immer darf der Hund überall mit dabei sein. Grob unterscheidet man zwischen:
Hundefreundliche Bildungsurlaube:
Das sind reguläre Seminare (z. B. Achtsamkeit, Wandern, Stressprävention), bei denen Hunde ausdrücklich erlaubt sind. Sie dürfen meist mit in den Seminarraum oder begleiten ihre Halter bei Outdoor-Aktivitäten wie Wanderungen oder Waldbaden. Die Unterkünfte und Lernumgebungen sind oft auf Hunde ausgelegt: Es gibt Pausen zum Spazieren, Schattenplätze und teilweise eigene Ruhebereiche für Vierbeiner.
Wichtig ist: In allen Fällen bleibt der Weiterbildungscharakter im Fokus. „Teilnehmende bekommen kein Hundetraining, sondern zum Beispiel ein Seminar zur Stressprävention – der Hund ist Begleiter“, erklärt Lara Körber, Mitgründerin von bildungsurlauber.de auf PETBOOK-Anfrage.
Hundespezifische Bildungsurlaube
Hier dreht sich der Kursinhalt direkt um den Hund: etwa bei Waldbaden mit Hund oder tiergestützter Stressprävention. Sie werden unter anderem von der Deutschen Akademie für Waldbaden und Gesundheit angeboten und richten sich an Menschen mit hoher psychischer oder beruflicher Belastung – etwa aus Pflege- oder Sozialberufen, wie Bernadette Feiler, Marketing-Managerin der Akademie, im Gespräch mit PETBOOK erzählt.
„Viele denken, wir würden nur Bäume umarmen“, sagt Feiler augenzwinkernd. „Aber Waldbaden ist wissenschaftlich belegt – in Japan gibt es seit den 1970er-Jahren wissenschaftliche Studien dazu, und auch die Charité hat eine eigene Abteilung, die sich mit den Effekten der Natur auf das Nervensystem beschäftigt.“ In den Seminaren begleiten Waldbaden-Trainerin Jutta Eich und Tierpsychologe Michael Wollscheidt die Teilnehmer. Sie lernen, Körpersprache zu lesen, Achtsamkeit zu üben und in der Natur zur Ruhe zu kommen – mit oder ohne eigenen Hund.
Vor allem der Schnupperkurs Hundetraining von Let‘s Flow stellt beim Bildungsurlaub mit Hund eine Besonderheit dar. Er bietet eine Einführung in Verhalten, Kommunikation sowie rechtliche Grundlagen – ideal für alle, die testen wollen, ob der Beruf Hundetrainer zu ihnen passt. „Manche denken, wir bilden in fünf Tagen Hundetrainer aus“, ordnet Drüke ein. „Aber es ist ein Einstieg, kein Schnellkurs – und für viele die Erkenntnis, dass man als Hundetrainer vor allem mit Menschen arbeitet.“
Was kostet Bildungsurlaub mit Hund?
Die Preise variieren stark – je nach Dauer, Unterkunft und Veranstalter.
Im Schnitt können Teilnehmer mit folgenden Kosten rechnen:
- Seminargebühr: 500–1300 €
- Unterkunft & Verpflegung: meist zusätzlich, etwa 60–120 € pro Nacht
- Hundepauschale: häufig zwischen 10 und 25 € pro Tag
Manche Kurse sind sogar krankenkassenzertifiziert (z. B. Waldbaden oder Stressbewältigung) – hier können bis zu 170 € der Kurskosten erstattet werden. Die Anreise bezahlen Teilnehmer selbst. „Die meisten kommen mit dem Auto“, sagt Drüke. „Wir wählen bewusst Standorte wie Schorfheide oder Sauerland – gut erreichbar, ohne dass man mit dem Hund fliegen muss.“
Was muss der Hund können – und was braucht man?
Allerdings eignet sich nicht jeder Hund für Bildungsurlaub.
Die Tiere sollten:
- sozialverträglich sein,
- sich ruhig verhalten können (z. B. bei Meditationen oder Gruppensitzungen),
- und über einen gültigen Impfpass und eine Haftpflichtversicherung verfügen.
„Wir prüfen das nicht im Voraus, aber die meisten Teilnehmenden kennen ihre Hunde gut“, sagt Drüke. „Probleme mit Hunden hatten wir bisher nie – eher mal menschliche Unstimmigkeiten.“
Gibt es Kurse nur in Deutschland?
Derzeit werden Kurse für Bildungsurlaub mit Hund ausschließlich in Deutschland angeboten. Das hat mehrere Gründe, wie Drüke erklärt: „Wir haben ganz bewusst entschieden, keine Kurse im Ausland zu machen“, sagt Drüke. „Wir wollen niemanden dazu animieren, mit Hund zu fliegen. Unsere Standorte liegen zentral – Schorfheide, Sauerland, Hanau – das reicht völlig.“ Zudem würden andere Regelungen greifen, sobald man ins Ausland geht. „In Österreich etwa dürfen Wanderkurse nur von zertifizierten Wanderführern geleitet werden. Da ist es für uns einfacher, in Deutschland zu bleiben.“
Wo finde ich Kurse für Bildungsurlaub mit Hund?
Bisher sind die Angebote sowie Anbieter noch recht überschaubar. Als Erstes kann man natürlich Suchmaschinen bemühen. Aber Vorsicht: Hier tauchen gerne Angebote ganz vorn unter den Suchanfragen auf, die nicht immer speziell für Hunde ausgelegt sind. Oft stellt sich beim näheren Betrachten heraus, dass der Vierbeiner nur dabei sein darf.
Es lohnt sich also, direkt auf den Plattformen zu suchen. Neben bildungsurlauber.de und Let’s Flow gibt es noch meinbildungsurlaub.de, die derzeit die einzige Buchungsplattform ist, die dafür sogar eine eigene Suchkategorie anbietet.
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Wie beantragt man Bildungsurlaub mit Hund?
Die Beantragung läuft genauso wie bei jedem anderen Seminar:
- Kurs auswählen, der im Bundesland des Arbeitsorts anerkannt ist.
- Antragsformular beim Anbieter herunterladen.
- Spätestens 4–9 Wochen vor Kursbeginn bei der Personalabteilung einreichen.
- Arbeitgeber kann nur aus wichtigen betrieblichen Gründen ablehnen.
In Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen dürfen Arbeitgeber prüfen, ob ein Bildungsurlaub einen zumindest mittelbaren beruflichen Nutzen hat. Als beruflicher Nutzen gilt dabei auch die Investition in die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten, also ihre Gesundheit. Diesen Fokus haben viele Seminare mit Hund. Entscheidend sei dann allein, dass das Seminar offiziell als Bildungsurlaub anerkannt wurde, weiß Lara Körber. Dabei zählt immer der Hauptarbeitsort – nicht der Wohnort, wie Körber betont.
„Wenn man sein Seminar gefunden hat, dann muss man eigentlich nur noch die Beantragungsfrist einhalten. Wenn die Frist eingehalten wird und das Seminar offiziell anerkannt ist, darf der Antrag nur aus wenigen Gründen abgelehnt werden – etwa aus dringenden betrieblichen Belangen oder wenn bereits genehmigte Urlaubsanträge von anderen Kollegen für diesen Zeitraum vorliegen.“
Warum sich Bildungsurlaub mit Hund lohnt
Ob Achtsamkeit im Wald, Anti-Stress-Training oder Hundetrainerkurs – die Verbindung von Lernen, Natur und tierischer Nähe wirkt nachhaltig. In den Bewertungen der Kruse berichten viele Teilnehmer von tiefer Entspannung, mehr Selbstbewusstsein und einer gestärkten Beziehung zu ihrem Hund. Auf der Website der Akademie heißt es ergänzend, dass „die beruhigende Atmosphäre des Waldes und die Heilkraft des Ökosystems Körper und Geist gleichermaßen stärken“.
Aber selbst ohne eigenen Hund kann sich ein Bildungsurlaub mit Vierbeinern lohnen. So spricht Dennis Drüke von einem klaren positiven Effekt bei den Kursen mit Hunden: „Selbst die Teilnehmenden ohne Hund bewerten die Stimmung und das Miteinander besser. Hunde entspannen Menschen – und das spürt man einfach.“
