Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Fit durch Vierbeiner

Abnehmen mit Hund? Was wirklich nötig wäre – und warum es kaum jemand macht

Frau und Sheltie springen gemeinsam über ein Hindernis
Fit durch den Vierbeiner – das ist der Wunsch vieler Hundehalter. Doch zum Abnehmen mit Hund gehört oft mehr als nur Gassigehen und Hundesport. Foto: Getty Images
Artikel teilen
Porträtaufnahme von Autorin Manuela Lieflaender mit Hund Elvis
Freie Autorin

21. Januar 2026, 6:11 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Viele Hundehalter kennen die Hoffnung: Endlich fit werden, dank Vierbeiner. Bei den regelmäßigen Gassirunden muss es doch möglich sein, Kondition aufzubauen und überschüssige Kilos zu verlieren. Schließlich bewegt man sich täglich und hat feste Spaziergeh-Termine. Beste Grundvoraussetzungen also für einen erfolgreichen Besuch auf der Waage. Doch PETBOOK-Autorin Manuela Lieflaender weiß: So einfach ist es nicht.

Hundehalter sind aktiver – aber nicht intensiver

Dass Hundehalter insgesamt mehr Bewegung haben als Menschen ohne Hund, gilt als gut belegt. Auch eine Studie von Dr. Benedikt Hielscher-Zdzieblik von der Deutschen Sporthochschule kommt zu diesem Ergebnis.

Hundehalter bewegen sich vor allem deshalb mehr, weil sie länger unterwegs sind. Fast alle erreichen allein durch Hundespaziergänge sogar die WHO-Empfehlung von 150 Minuten Bewegung pro Woche.

Das klingt zunächst beeindruckend, hat aber einen Haken. Denn: Bewegung ist nicht gleich Training. Die Studie zeigt deutlich, dass Hundespaziergänge zwar viel Zeit einnehmen, aber meist nicht die nötige Intensität erreichen, um wirklich sportliche Effekte auszulösen oder beim Abnehmen zu helfen.

Spazieren mit dem Hund reicht nicht fürs Abnehmen

Ob Schrittfrequenz oder Herzfrequenz: Beim klassischen Gassigehen bleiben die Werte in der Regel unter dem Bereich moderater körperlicher Aktivität. Die durchschnittliche Schrittzahl liegt unter der Schwelle von etwa 100 Schritten pro Minute, die als Richtwert für Trainingseffekte gilt. Auch die Herzfrequenz steigt selten in einen Bereich, der den Stoffwechsel spürbar ankurbelt.

Heißt übersetzt: Hundespaziergänge erhöhen die Bewegungsmenge – aber nicht die Trainingswirkung. Und genau deshalb funktioniert das Wunschbild vom „Abnehmen mit Hund und ohne Anstrengung, einfach nur durch Gassi gehen“ nicht.

Und Hundesport? Auch kein Selbstläufer, aber es gibt Ausnahmen

Auch Hundesportarten wie Agility werden häufig überschätzt. Zwar können sie intensiver sein als der Spaziergang – doch die eigentliche Belastungszeit für den Menschen ist oft sehr kurz. Ein paar Sekunden durch den Parcours reichen nicht aus, um dauerhaft Kalorien zu verbrennen oder Gewicht zu verlieren.

Anders sieht es aus beim Turnierhundesport (THS). Das ist ein Mix aus leichtathletischem Wettkampf und Parcourslauf. Das Mensch-Hund-Team absolviert kurze Sprintstrecken mit Hürden, einen Slalom im Zickzack und einen Hindernisparcours. Zusätzlich gibt’s einen kleinen Gehorsamsteil. Gewonnen hat nicht der schnellste Hund, sondern das Team, das am besten zusammenarbeitet. Die Uhr stoppt erst, wenn der langsamere von beiden im Ziel ist, deshalb müssen Mensch und Hund sich aufeinander einstellen. Bei diesem Sport gibt es verschiedene Leistungsklassen, sodass es auch für Anfänger und Familien möglich ist, einzusteigen und langsam mehr Kondition aufzubauen. 

Wer sowieso gerne joggt, für den könnte Canicross interessant sein. Das ist ein Geländelauf, bei dem der Läufer über einen Hüftgurt und eine flexible, stoßdämpfende Leine mit dem Hund verbunden ist. Der Hund läuft vorweg und hält so den Zug auf der Leine. Er wird nur mit Stimmkommandos wie „rechts/links“ oder „schneller/langsamer“ geleitet. Ohne eine entsprechende Grundkondition und einen gesunden Hund ist dieser Sport nicht empfehlenswert.

Für die meisten Hundehalter führt der realistischere Weg jedoch nicht über Hundesport, sondern über eine bewusste Veränderung der normalen Gassirunde.

Was müsste man tun, um mit Hund wirklich abzunehmen?

Die ehrliche Antwort: Man müsste den Spaziergang verändern. Und genau das machen die wenigsten. Dr. Benedikt Hielscher-Zdzieblik bringt es in einem Interview mit dem Magazin des Futtermittelherstellers „Rinti“ auf den Punkt: „Die einfachste Möglichkeit zur Verbesserung der Fitness ist es, beim Hundespaziergang das Tempo etwas zu erhöhen.“

Konkret heißt das:

  • vom gemütlichen Schlendern zum zügigen Gehen, Walken oder sogar leichtem Joggen
  • mindestens 20 Minuten am Stück, sodass man leicht ins Schwitzen kommt
  • idealerweise täglich bei einem der Spaziergänge

Schon damit ließe sich das wöchentliche WHO-Pensum fast erreichen – mit echtem Trainingseffekt.

Kleine Übungen, große Wirkung

Wer noch einen Schritt weitergehen will, kann Spaziergänge gezielt aufwerten, und zwar durch:

  • Kniebeugen, Hampelmänner oder Skippings zwischendurch
  • Liegestütze oder Dips an einer Parkbank
  • kurze Intensitätsspitzen, die die Herzfrequenz anheben

Das kostet nur wenige Minuten, verändert aber den Effekt massiv.

Warum das kaum jemand macht

So logisch das klingt, so selten passiert es. Dafür gibt es gute Gründe:

  • Viele Menschen wollen beim Spaziergang abschalten, nicht trainieren
  • Der Hund soll schnüffeln und erkunden – nicht „funktionieren“
  • Nach einem langen Arbeitstag fehlt oft die Energie
  • Und: Es erfordert Planung, Zielklarheit und ein bisschen Disziplin

Oder wie man es auch sagen könnte: Abnehmen mit Hund funktioniert nur, wenn man es bewusst will und nicht nebenbei.

Der Hund ist kein Fitnessgerät

Wichtig ist dabei immer: Der Hund ist kein Sportgerät. Nicht jeder Vierbeiner kann oder möchte dauerhaft neben seinem Menschen laufen. Alter, Gesundheit, Rasse und individuelle Bedürfnisse spielen eine große Rolle. Auch Hunde müssen langsam an intensivere Bewegung herangeführt werden.

Wer unsicher ist, sollte sowohl für sich selbst als auch für den Hund ärztlichen oder physiotherapeutischen Rat einholen. Gerade beim eigenen Hund wird man schnell „betriebsblind“ und übersieht kleine Bewegungseinschränkungen.

Mehr zum Thema

Bewegung ja – Abnehmversprechen nein

Heißt das nun, dass Gassigehen „nichts bringt“? Ganz im Gegenteil. Regelmäßige Spaziergänge sind nachweislich gesund, senken das Sterberisiko, fördern das Herz-Kreislauf-System und wirken sich positiv auf Psyche und Alltag aus.

Aber: Sie machen nicht automatisch schlank. Und genau das sollte man auch ehrlich sagen, im Sinne der Hunde und ihrer Menschen.

Hinzu kommt die Ernährungskomponente: Abnehmen findet zu 70 bis 80 Prozent in der Küche statt. Auch bei erhöhter Intensität beim Gassigehen wird man nicht abnehmen, wenn die Belohnung danach für Mensch und Hund zu üppig ausfällt.

Wer also durch strammes Gassigehen grob gerechnet 200 Kalorien extra verbrennt, aber vor lautet Stolz danach ein belegtes Brötchen mehr isst (ca. 350 kcal), nimmt trotz der Anstrengung eher zu als ab.

Fazit

Ja, Gassigehen mit dem Hund ist gesund. Doch fitter und schlanker wird man durch die Gassirunde nur dann, wenn man sich entsprechend ernährt und bereit ist, den Spaziergang neu zu denken: schneller, bewusster, intensiver und trotzdem fair für den Hund. Alles andere ist ein schönes, aber falsches Versprechen.

Porträtaufnahme von Autorin Manuela Lieflaender mit Hund Elvis
Freie Autorin

Zur Autorin

Manuela Lieflaender ist zertifizierte Hundepsychologin und Pferdefrau. Zu ihrem Portfolio zählen Ratgeber-Texte ebenso wie Reportagen über tierfreundliche Reise-Destinationen und Erfahrungsberichte mit Tiefgang.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.