5. Januar 2026, 15:12 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Sie leuchten in kräftigem Rot, sattem Blau oder leuchtendem Grün – und wirken mit Punkten, Streifen oder Flecken wie kleine Kunstwerke der Natur. Doch was so auffällig daherkommt, birgt ein überraschendes Detail: Die farbenfrohen Pfeilgiftfrösche sind zwar nach einem Gift benannt, das sie einst für den Menschen gefährlich machte – heute geht von ihnen im Terrarium allerdings keine Gefahr mehr aus. Und genau das macht sie zu einem der faszinierendsten, aber auch anspruchsvollsten Heimtiere. Jetzt hat der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) den Pfeilgiftfrosch zum „Heimtier des Jahres 2026“ gekürt – und will damit auf mehr als nur seine außergewöhnliche Optik aufmerksam machen.
Farbstarke Artenvielfalt mit Verantwortung
Mit der Wahl zum Heimtier des Jahres will der ZZF die Aufmerksamkeit auf ein besonders eindrucksvolles, aber auch pflegeintensives Tier lenken. „Mit seinen intensiven Farben, seinem aktiven und sozialen Verhalten sowie einer äußerst interessanten Brutpflege steht der Pfeilgiftfrosch stellvertretend für die beeindruckende Vielfalt tropischer Amphibien“, erklärt ZZF-Vorstandsmitglied Volker Ennenbach. Und ergänzt: „Unser Verband möchte mit der Wahl zugleich auf die Verantwortung aufmerksam machen, die mit der anspruchsvollen Haltung dieser Arten einhergeht.“
Herkunft aus den Regenwäldern Amerikas
Die auch als Baumsteigerfrösche bekannten Pfeilgiftfrösche gehören zur Familie der Dendrobatidae und sind in den feuchten Regenwäldern Mittel- und Südamerikas beheimatet. Die kleinen Amphibien – sie messen zwischen einem und sechs Zentimetern – leben dort je nach Art bodennah oder in mehreren Metern Höhe in Pflanzen wie Bromelien oder Astgabeln. Ihr wissenschaftlicher Name bedeutet übersetzt „Die auf die Bäume steigen“, was auf ihr kletterfreudiges Verhalten hinweist.
„Nur drei Arten sind für Menschen lebensgefährlich, die giftigste Art nennt sich Phyllobates terribilis – der Schreckliche Pfeilgiftfrosch“, erklärt Ennenbach, der selbst viele Arten züchtet. Das Gift, das dem Frosch seinen Namen verleiht, wurde von indigenen Chocó-Völkern Kolumbiens genutzt. Sie tränkten Pfeilspitzen mit dem Hautsekret der Tiere für die Jagd mit dem Blasrohr.
Der Zweck in der Natur: Schutz vor Fressfeinden und Krankheiten. Im Terrarium jedoch verlieren die Frösche ihre Giftigkeit – aus gutem Grund. „In ihrer Heimat nehmen sie das Gift durch Verspeisen von speziellen Milben und Insekten wie Ameisen auf, die aber im Terrarium nicht vorkommen. Pfeilgiftfrösche aus Nachzuchten sind daher nicht giftig“, so Ennenbach.
Anspruchsvolle Haltung mit Blick fürs Detail
Die Familie der Dendrobatidae umfasst elf Gattungen mit rund 170 Arten. Anders als die meisten Frösche sind sie tagaktiv – wenn ihre knalligen Farben am besten zur Geltung kommen – und daher gut zu beobachten. „Ihre Haltung im Terrarium stellt jedoch einige besondere Ansprüche, von der naturnahen Einrichtung mit tropischem Klima bis zum Lebendfutter“, macht Ennenbach deutlich. Je nach Art können sie als Pärchen oder in kleinen Gruppen von drei bis fünf Tieren gehalten werden.
Entscheidend für das Wohlbefinden ist vor allem ein ausreichend großes und gut strukturiertes Terrarium mit Möglichkeiten zum Klettern. Die territoriale Lebensweise der Frösche macht eine durchdachte Raumaufteilung notwendig. Verstecke, Wurzeln und Höhlen bieten nicht nur Schutz, sondern dienen auch zur Ablage der Eier.
Pflanzen wie Bromelien spielen eine besondere Rolle bei der Brutpflege. Denn sie bilden sogenannte Phytotelmen, das sind kleine mit Wasser gefüllte Hohlräume oder Mikrogewässer. Die Männchen einiger Arten tragen ihre Jungtiere auf dem Rücken „im Huckepack“ zu diesen natürlichen Wasserstellen. So sind die Kaulquappen nicht Fressfeinden in Flüssen und Teichen ausgeliefert.
Technik für tropisches Klima
Im Terrarium müssen die klimatischen Bedingungen denen des natürlichen Lebensraums möglichst nahekommen. Die Luftfeuchtigkeit sollte konstant zwischen 60 und 80 Prozent liegen, die Temperaturen zwischen 22 und 28 Grad Celsius. Dafür braucht es entsprechende Technik – und Kenntnisse im Umgang mit ihr. Regelmäßige Kontrolle von Beleuchtung, Belüftung und Luftzirkulation ist dabei ebenso wichtig wie die richtige Auswahl geeigneter Geräte. Der Pfeilgiftfrosch reagiert empfindlich auf Schwankungen im Mikroklima – stabile Bedingungen sind daher essenziell.
Den giftigsten Frosch der Welt kann man als Haustier halten
Pfeilgiftfrosch
Artenschutz beginnt beim Kauf
Wer sich für die Haltung eines Pfeilgiftfrosches entscheidet, übernimmt nicht nur Verantwortung für das Tier selbst, sondern auch für den Schutz der Art. Die natürlichen Lebensräume vieler Dendrobatidae-Arten schrumpfen zunehmend – sei es durch Abholzung oder durch den Bergbau. Die meisten Arten sind daher in Anhang B der Europäischen Artenschutzverordnung gelistet. Sie gelten also nicht als akut vom Aussterben bedroht, ihr Bestand ist jedoch potenziell gefährdet – etwa durch den Fang für den Tierhandel.
Deshalb ist beim Kauf besondere Sorgfalt geboten. „Stellen Sie beim Erwerb sicher, dass Sie vom Verkäufer einen Nachweis über die Herkunft des Tieres erhalten“, informiert Ennenbach. „Pfeilgiftfrösche sind mit Ausnahme des Blauen Baumsteigers und des Goldbaumsteigers außerdem bei der Artenschutzbehörde meldepflichtig. Welche Behörde dafür im jeweiligen Bundesland zuständig ist, können Sie beim Bundesamt für Naturschutz abfragen.“
Warum der ZZF ein Heimtier des Jahres kürt
Mit der Auszeichnung als Heimtier des Jahres verfolgt der ZZF das Ziel, weniger bekannte, oft unterschätzte Heimtiere in den Fokus zu rücken. Zudem soll über deren Bedürfnisse sowie artgerechte Haltung aufgeklärt werden. Gleichzeitig soll die Aktion für den Artenschutz sensibilisieren. Die Entscheidung trifft eine Jury aus Biologen, Tierärzten, Fachhändlern, Branchenkennern und Züchtern. Bereits 2023 hatte der Verband mit der Bartagame erstmals ein Heimtier des Jahres benannt. 2024 folgte der Zebraharnischwels, 2025 konnte sich die Farbratte den Titel sichern.