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Landkartenschildkröte – Herkunft, Merkmale und Lebensweise

Landkarten-Höckerschildkröte (Freisteller)
Landkarten-Höckerschildkröten (Graptemys geographica) sind beliebte Terrarientiere Foto: picture alliance / imageBROKER | Chris Mattison/FLPA
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

14. August 2025, 6:06 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Mit ihrem markant gemusterten Rückenpanzer wirkt die Landkartenschildkröte (Graptemys geographica) wie ein kleines Kunstwerk der Natur. Doch wer sich für die Haltung dieser nordamerikanischen Wasserschildkröte interessiert, muss mehr beachten als nur ihr außergewöhnliches Äußeres. Diese Art stellt hohe Ansprüche an Lebensraum, Wasserqualität und technische Ausstattung. Nur wer ihre natürlichen Bedingungen exakt nachbildet, schafft die Grundlage für ein gesundes und langes Schildkrötenleben im Aquaterrarium.

Herkunft

Die Landkarten- oder auch Landkartenhöckerschildkröte ist im östlichen Nordamerika verbreitet und lebt dort in großen Flüssen und Seen mit langsam fließendem Wasser. In Kanada findet man sie in südlichen Teilen Ontarios und Québecs – Regionen, die geprägt sind von strukturreichen Gewässern, weichen Uferböden und guter Wasserqualität. Dieses Habitat bietet zahlreiche Sonnenplätze, klares Wasser mit hohem Sauerstoffgehalt und eine abwechslungsreiche Unterwasserlandschaft – alles Aspekte, die auch in der Heimhaltung berücksichtigt werden müssen.

Die Art ist laut der Roten Liste der IUCN nicht gefährdet. Entsprechend gibt es keine behördlichen Auflagen für die Haltung zu erfüllen. Allerdings sollte man die Landkartenhöckerschildkröte nur aus seriöser Nachzucht beziehen, um Wildfänge zu vermeiden. Auch die nötige Sachkunde muss nicht nachgewiesen werden, sollte aber über ein gesundes Schildkrötenleben auf jeden Fall vorhanden sein.

Aussehen

Das auffälligste Merkmal dieser Art ist der olivgrüne bis braun gefärbte Rückenpanzer mit feinen gelben Linien, die wie Höhenlinien auf einer Landkarte wirken – daher der deutsche Name. Die Rückenlinie ist leicht gekielt, die Panzerhinterkante gesägt. Der Bauchpanzer ist meist einfarbig gelblich, bei Jungtieren zeigen sich dunkle Linien entlang der Plastronnaht.

Die Kopf- und Halsregion ist mit gelblichen Streifen gezeichnet, hinter jedem Auge befindet sich ein heller Fleck. Ein stark ausgeprägter Sexualdimorphismus ist typisch für die Art: Weibchen erreichen bis zu 27 cm Panzerlänge und sind deutlich massiger, während Männchen maximal 16 cm lang werden, eine schlankere Kopfform aufweisen und über längere Krallen verfügen.

Verhalten

Landkartenschildkröten sind äußerst aufmerksam, scheu und tagaktiv. Im Aquaterrarium reagieren sie sensibel auf Bewegungen außerhalb des Beckens, tauchen bei Störung sofort ab und lassen sich nur schwer an den Menschen gewöhnen, sind also eher Tiere, die man ausschließlich beobachten sollte. Sie zeigen jedoch ein klares Aktivitätsmuster mit abwechselnden Phasen des Sonnenbadens und Schwimmens. In einer gut strukturierten Umgebung sind sie rege, neugierig und auch mit Artgenossen – bei genügend Platz – meist friedlich. Typisch ist das gemeinsame „Basking“, bei dem sich mehrere Tiere unter Wärmelampen oder auf Sonneninseln versammeln.

Als hochaktive Wasserschildkröte benötigt Graptemys geographica ein großzügig dimensioniertes Aquaterrarium mit abwechslungsreicher Gestaltung. Die Tiere nutzen sowohl tiefere Schwimmbereiche als auch flachere Zonen mit ruhigem Wasser. Besonders wichtig ist ein ausreichend großer und trockener Sonnenplatz, der mit einer UVB-Lampe ausgestattet ist und Temperaturen von bis zu 35 °C erreicht.

Die Landkartenhöckerschildkröte zeigt ein hohes Maß an Raumbedarf. Weibchen benötigen Becken ab etwa 600 Litern Volumen, insbesondere bei Gruppenhaltung. Beschäftigung erfolgt durch strukturreiche Gestaltung mit Kletterwurzeln, Verstecken und Reizfütterung. Auch lebende Futtertiere wie Schnecken oder Flusskrebse fördern ein natürliches Jagdverhalten.

Richtige Haltung & Pflege

Die Haltung dieser Art setzt ein technisches und räumliches Mindestmaß voraus. Entscheidend ist eine stabile Wasserqualität mit Temperaturen zwischen 22 und 26 °C, klarem, gut gefiltertem Wasser und ausreichender Sauerstoffversorgung.

Eine leistungsstarke Filteranlage, regelmäßige Teilwasserwechsel und eine präzise Temperaturkontrolle sind unerlässlich. Die Tiere benötigen mindestens einen vollständig trockenen Landteil, der als Sonnenplatz dient und mit einer UVB-Lampe ausgestattet ist. Neben Licht und Wärme ist eine tageszeitlich gesteuerte Beleuchtung wichtig, um den natürlichen Rhythmus der Schildkröten zu simulieren.

Strukturmaterial wie Steine, Äste, Wurzeln und Pflanzen dient nicht nur als Sichtschutz, sondern auch zur Revierbildung und Bewegungsförderung. Eine Außenhaltung im Sommer ist unter kontrollierten Bedingungen und sicherer Einzäunung grundsätzlich möglich und sogar empfehlenswert. In ihrem natürlichen Lebensraum halten Landkartenschildkröten eine mehrmonatige Winterruhe, die je nach Verbreitungsgebiet von November bis April andauert. Sie verbringen diese Zeit am Grund von Flüssen oder Seen, wo sie sich zwischen Wurzeln, unter Totholz oder in Bodensedimenten verstecken. Entscheidend ist eine sehr gute Sauerstoffversorgung des Wassers, da diese Art den Winter über nicht an der Oberfläche atmet, sondern den Sauerstoff über Haut, Schleimhäute und Rachen aufnimmt.

Auch in der Heimhaltung sollte eine Winterruhe fester Bestandteil des Jahresrhythmus sein. Sie trägt zur Stabilisierung des Stoffwechsels bei, beugt Verfettung vor, unterstützt ein starkes Immunsystem und ist für eine erfolgreiche Fortpflanzung wichtig. Die Vorbereitung beginnt im Spätsommer mit einer schrittweisen Absenkung der Wassertemperatur und Reduktion der Fütterung. Während der Winterruhe liegt die optimale Wassertemperatur für Graptemys geographica zwischen 4 und 8 °C. Das Becken oder Winterlager muss gut belüftet sein, um Sauerstoffmangel zu verhindern.

Ernährung

In freier Wildbahn ernähren sich Landkartenschildkröten fast ausschließlich fleischlich. Die kräftig gebauten Weibchen spezialisieren sich auf harte Beutetiere wie Muscheln und Schnecken, während Männchen und Jungtiere kleinere Insektenlarven und Krebstiere bevorzugen. Im Aquaterrarium sollte eine abwechslungsreiche, proteinreiche Kost angeboten werden, die der natürlichen Zusammensetzung möglichst nahekommt. Dazu zählen Bachflohkrebse, Wasserinsekten, Muschelfleisch, Garnelen sowie handelsübliches Schildkrötenfutter in hoher Qualität.

Ergänzend sollte man Sepiaschale oder Kalziumpräparate anbieten, um Panzerproblemen vorzubeugen. Eine gelegentliche Zufütterung von pflanzlicher Nahrung, wie Wasserpflanzen oder Löwenzahnblättern, ist möglich, aber kein Hauptbestandteil. Wichtig ist die altersgerechte Futtermenge: Jungtiere fressen täglich, erwachsene Tiere in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Wie viele Schildkrötenarten reagiert Graptemys geographica empfindlich auf Haltungsmängel. Zu den häufigsten Problemen zählen Panzererweichung durch UV-Mangel, Atemwegserkrankungen infolge zu niedriger Temperaturen oder Zugluft sowie Verdauungsprobleme durch ungeeignetes Futter. Bei mangelhafter Wasserqualität treten außerdem Haut- und Augeninfektionen auf.

Stress durch zu kleine Becken, fehlende Rückzugsorte oder aggressive Mitbewohner kann Verhaltensstörungen verursachen. Besonders weibliche Tiere neigen bei Bewegungsmangel und Überfütterung zu Fettleibigkeit, was auch zu Legenot führen kann. Eine tierärztliche Kontrolle mindestens einmal jährlich sowie nach jeder Haltungsumstellung ist empfehlenswert.

Wichtig ist auch eine sorgfältige Gesundheitskontrolle vor der Einwinterung, denn nur gesunde Tiere sollten diese Phase durchlaufen. Ein unkontrollierter Versuch kann zu Atemproblemen oder sogar zum Tod führen. Die Überwinterung im Freilandteich ist nur möglich, wenn dieser frostsicher, tief und gegen Räuber geschützt ist. Alternativ wird eine gekühlte Innenanlage oder ein spezieller Kühlschrank mit großem Wasserbehälter genutzt, in dem Temperatur, Sauerstoffgehalt und Wasserqualität laufend überwacht werden.

Die Landkartenschildkröte im Überblick

  • Herkunft: Östliches Nordamerika (v. a. Kanada, USA)
  • Größe: Weibchen bis 27 cm, Männchen bis 16 cm
  • Verhalten: Tagaktiv, scheu, aktiv
  • Haltung: Nur in großen, gut gefilterten Aquaterrarien mit Sonnenplatz
  • Besonderheiten: Deutlich größerer Weibchenanteil, anspruchsvoll in Pflege und Technik
  • Ernährung: fleischlich orientiert (Muscheln, Insektenlarven, Garnelen, Schnecken)
  • Geeignet für: Erfahrene Halter mit Kenntnissen in Technik und Wasserbiologie

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